Gaming-Monitore: Neues Modell vereint 240 Hz, HDR und 0,6 ms Reaktionszeit
Ein neu vorgestellter Monitor verbindet 240 Hz, eine niedrige Reaktionszeit von 0,6ms und HDR10. Der Bildschirm soll ausschließlich in Japan verkauft werden, identische Panel könnten aber in Zukunft auch in anderen Monitoren eingesetzt werden, die in Deutschland verkauft werden.
Das japanische Unternehmen IO Data hat neue Bildschirme vorgestellt, unter denen vor allem einer auffällt. Dieser bietet eine Bildwiederholrate von 240 Hz, eine Reaktionszeit von 0,6 ms und HDR10-Unterstützung. Diese Kombination ist hierzulande momentan noch nicht zu haben: Im PCGH-Preisvergleich findet sich kein einziges Modell mit 240 Hz und HDR-Support. In allen Belangen ist der Monitor von IO Data aber nicht besser, denn er scheint weder G-Sync noch Freesync zu unterstützen.
Der Monitor nur für Japan, das Panel nicht
Insgesamt bringt das Unternehmen drei Modelle auf den Markt, wobei nur das teuerste, der EX-LDGC251UTB, die gerade beschriebenen Eigenschaften besitzt. Die anderen beiden Bildschirme haben niedrigere Bildwiederholraten. Abseits der genannten Spezifikationen liefert der EX-LDGC251UTB das übliche für die Produktkategorie: Ein TN-Panel mit 1080p-Auflösung und 24,5 Zoll Bilddiagonale sowie eine maximale Helligkeit von 400 cd/m².
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Die Monitore werden ausschließlich in Japan erscheinen, der EX-LDGC251UTB soll dort umgerechnet rund 340 Euro kosten. Damit liegt er auf Höhe hiesiger Modelle mit vergleichbarer Ausstattung, aber ohne HDR10-Unterstützung und mit höherer Reaktionszeit. Die HDR10-Unterstützung ist dabei aber eingeschränkt nutzbar, denn die angegeben 400 cd/m² sind nur bedingt HDR-tauglich: Sie reichen gerade für die niedrigste HDR-Zertifizierung der VESA aus.
Da IO Data die verwendeten Panel nicht selbst produziert, könnten Bildschirme mit ähnlichen Spezifikationen demnächst auch in Europa erscheinen. Ob das auch wirklich passieren wird, und ob diese dann eine Unterstützung für variable Bildraten erhalten werden, ist momentan noch nicht bekannt.

Vielleicht gehe ich die Sache zu simpel an, aber ich hatte den Eindruck, dass ein hoher cd/m²-Wert essenziell für einen HDR-Monitor ist. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass viele Monitorhersteller jetzt auf den HDR-Zug aufspringen wollen indem man an "klassischen Monitoren" etwas rumbastelt und dann kommen eben Geräte mit knapp 400 cd/m² und Edge-Lit-Technik mit knapp 8 Zonen auf über 30 Zoll dabei heraus...
Nach meinem Verständnis ist der von dir erwähnte DisplayHDR1000-Standard (am besten kombiniert mit einem FALD) praktisch als sinnvolle Minimalbedingung anzusehen - deshalb habe ich den Ausdruck HDR als Synonym für DisplayHDR1000 genutzt.
Nich falsch verstehen: Mir ist schon klar, dass ein Monitor noch andere Qualitäten haben muss. Aber im Gaming-Bereich richtet sich der Fokus beim HDR - das ist zumindest mein Eindruck - schon auf eine hohe maximale Helligkeit mit möglichst vielen Zonen.
Da ist zum einen das ColorBanding, also das Problem, dass bei einem kalibrierten 8bit-100%SRGB-Panel zwei direkt nebeneinanderliegende Farbtöne wie R128,G0,B0 und R127,G0,B0 immer noch von den meisten menschlichen Augen klar zu unterscheiden sind. Wenn das nicht mehr der Fall wäre, würde man perfekte Farbverläufe hinkriegen. Lösung? Naja, eben mehr als 256, also acht bit Abstufungen. Der unambitioniertes Schritt wäre zum Beispiel hin zu 9bit aka 512 Farbabstufungen.
Dann gibt es das OutOfGamut-Problem: Es gibt ein röteres Rot, ein grüneres Grün und ein blaueres Blau als in sRGB spezifiziert ist. Dadurch, dass man das nicht zur Verfügung hat, leiden vor allen Dingen Photographie und Film. Indirekt leidet deshalb natürlich auch Gaming mit. Machen wir es uns mal zur Anschauung einfach und sagen, dass man mal doppelt so rotes Rot, doppelt so grünes Grün und doppelt so blaues Blau haben möchte. In diesem newRGB teilen sich zum Beispiel die 8bit jetzt so auf: 128 Abstufung im alten sRGB-Spektrum, 128 Abstufungen im newRGB-exklusiven Spektrum. → Will man ColourBanding und OutOfGamut zugleich lösen, muss die Bittiefe weiter steigen. Mit 10bit hat man dann 512 Farbabstufungen im alten sRGB-Spektrum und 512bit Abstufungen im newRGB-exklusiven Spektrum. Klingt zumindest nach einem eindeutigen Fortschritt, mehr wäre aber natürlich trotzdem besser.
Wie kommt jetzt noch die Themen Kontrast und Helligkeit dazu? Das ist das Phänomen OutOfColorVolume: Neben einer guten Farbton-Abstufung und Abdeckung (die dafür Voraussetzung sind, dass man hier überhaupt gut abschneiden kann) soll nun auch obendrein noch die Helligkeit besser manipuliert werden können. Auch hier der Schritt hin zu mehr Bit, von acht zu zehn. Naheliegend ist nun folgendes: Doppelt so hell und doppelt so dunkel wie vorher. Hier zeigen sich nun die Grenzen der Vereinfachungen.
Doppelt so hell, doppelt so dunkel, das klapp nicht so einfach. Das Auge nimmt tatsächlich doppelt so hell (also gemessen doppelt so hell) nicht als doppelt so hell wahr. Auch doppel so dunkel, hach. Der Part ist kompliziert.
Eine andere Vereinfachung war das newRGB: Die konkurrierenden Farbräume Rec2020 und DCIP3 haben eine Sache gemeinsam: Über doppelt so blau und doppelt so rot wird nicht im entferntesten nachgedacht. Nur doppelt so grün, davon kann man tatsächlich sprechen.
Verkanntes Detail oder: Neben diesen Hauptvorteilen für hohe Dynamikbandbreite haben viele der Einzeleigenschaften auch noch tolle andere Effekte:
-Die gesteigerte Bittiefe ist superwichtig, um Spieleperformance voran zu bringen. Das klingt jetzt erstmal voll abstrus, schließlich werden die Daten ja größer (mehr Bit) und nicht kleiner. Aber, das große aber: Wer das nachvollziehen will, muss dafür bereits verstanden haben, wie Antialiasing funktioniert und sich wahrscheinlich trotzdem noch einmal explizit daran erinnern: Die errechneten Auflösungsinformationen werden in Farben abgebildet. Das heißt, bei gleicher Sampleanzahl steigt die Qualität des Endresultates ohne Performanceverlust, was wiederum heißt, dass man weniger Samples für ein erträgliches Ergebnis braucht.
-Hoher Kontrast ist direkt nach Auflösung wohl die wichtigste Eigenschaft für Office
-Hoher Kontrast ist allgemein in jedem Szenario für Ablesbarkeit gut
-Um zu guten Werten zu kommen, muss die Kalibrierbarkeit besser werden, schöner Nebeneffekt
-und sicher noch zig weitere Sachen, die ich übersehe
Zurück jetzt mal zu Praxis, also maximale Helligkeit und explizit auch zu FALD. Was bringt das für die Ziele, also weniger ColorBanding, weniger OutOfColorVolume und weniger OutOfGamut? Naja, naja, naja. Hier mal der Vergleich zwischen dem Acer PredatorX27 (UHD144hz, DisplayHDR1000, FALD, IPS, über 2000€) und dem vorher schon genannten Benq EW3270U (UHD60hz, VA, unter 400€)
Acer Predator X27 Review - RTINGS.com
BenQ EW3270U Review - RTINGS.com
ColorBanding sind sie beide super. Was Gamut angeht führt der Acer recht klar, doch dennoch sind sie beim ColorVolume enorm nah bei einander. Bei beiden sind sie aber recht weit vom Optimum entfernt. Das sind aktuell alle Geräte, auch TVs. Problematisch für den Acer ist halt, dass der statische Kontrast halt um die 1000:1 liegt und damit ganz TN-IPS-gewöhnlich ist. Entsprechend rettet ihn das FALD eher, als das es selber zu Stärken beitragen kann. Die Schwächen durch die Zonenzahl hingegen, hmm...
...ich würde mich daher nicht festlegen wollen, welcher von den beiden denn jetzt der bessere HDR-Monitor ist!
Aber local dimming+FALD macht keinen Sinn.
Ich würd um die heutigen HDR-Monitore nen Bogen machen. Fühlt sich eher wie "HDR Light" an, und das für nen saftigen Aufpreis. Wartet lieber noch das ein oder andere Jährchen ab, bis die Sache etwas ernster angegangen wird.
Aber jedem das Seine, ich hab da ziemlich hohe Ansprüche