Nitro+ B850A WiFi7 im Test: Sapphires AM5-Mainstream-Mainboard geprüft
2025 erhält der europäische Mainboard-Markt einen Neuzugang: Sapphire legt sich mit den AMD-Platinen etablierter Hersteller an. Wir prüfen anhand des nominell besten Modells in der beliebten B850-Klasse, ob der Angriff glückt.
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Die Konkurrenz zwischen Mainboard-Herstellern ist hart, ihre Zahl auf dem europäischen Markt seit Langem abnehmend. Abit, DFI, Foxconn, Intel, Supermicro, Zotac - zahlreiche große Firmen haben aufgehört, Retail-Mainboards anzubieten. Der letzte namhafte Abgang war EVGA; einzig Biostar kann sich stabil neben den vier großen Asrock, Asus, Gigabyte und MSI halten. Sapphire, bekannt für AMD-Grafikkarten aber seit anderthalb Jahrzehnten nicht mehr mit Hauptplatinen in Erscheinung getreten, schickt sich nun an, gegen den Abwärtsstrom zu schwimmen. Kann das gut gehen? Wir haben das Nitro+ B850A WiFi7 einem vollständigen PCGH-Test unterzogen.
Sapphire-Mainboards: Komplett eigenständig?
Quelle: PCGH
Sapphire Nitro+ B850A WiFi7: Dass man während des Zusammenbaus in einem physischen Handbuch nachschlagen kann, ist ein willkommener Unterschied zu etablierten Mainboard-Marken.
Eine neue Hauptplatinen-Marke, aber kein -Hersteller konnte sich bereits vor sieben Jahren etablieren: NZXT bietet seit 2018 auch Mainboards an. Diese wurden respektive werden aber zunächst von Elitegroup, mittlerweile von Asrock entwickelt und gefertigt - und Asrock kann man nun wirklich nicht als neuen Player bezeichnen. Auch am Nitro B850A ist ein OEM-Partner beteiligt. Bei Fragen nach diesem verrät Sapphire aber nur, dass es nicht Asrock ist. Eine naheliegende Alternative wäre Asus, denn es existiert bereits eine Kooperation rund um die "BTF"-Stromversorgung für Grafikkarten. Auf dem B850A WiFi7 finden sich allerdings weder Layout- noch Design-Elemente von Asus-Platinen, auch Zuliefererbauteile wie Slot-Einfassungen und Sockelbackplate unterscheiden sich in Details. Weitere Abgleiche mit anderen aktuellen und ehemaligen Retail-Anbietern (im Falle DFIs und Supermicros anhand relativ alter Platinen) zeigen ebensowenig Übereinstimmungen, stattdessen fallen Sapphire-exklusive Eigenarten ins Auge - gerade auch an verdeckten, nicht funktionsrelevanten Stellen, wo herstellerspezifische Details mitunter über Jahrzehnte beibehalten werden. Wir können natürlich nicht beurteilen, ob Sapphire die eigentliche Produktion an ein anderes Unternehmen ausgelagert hat, aber Design, Entwicklung und selbst die Bauteilbestückung sind so eigenständig, wie ein Mainboard innerhalb der von AMD vorgegebenen Grundzüge nur sein kann.
PCIe: Sharing heimlich, aber gut umgesetzt
Quelle: PCGH
Sapphire Nitro+ B850A WiFi7: "Soll das Wärmeleitpad 0,5, 1,0, 1,5 oder 2 mm dick werden?" "Ja."
Diese Grundvorgaben umfassen natürlich auch die PCIe-Lanes der AM5-Prozessoren respektive des verbauten B850-I/O-Hubs. Bei deren Routing liefert Sapphire gute, aber nicht übermäßig ambitionierte Arbeit ab. So wird PCI-Express 5.0 zwar für Grafikkarten und für die erste M.2-SSD unterstützt, nicht aber am sekundären Slot - dabei liegt dieser nur 2,5 cm weiter unten auf der Platine. Die I/O-Hub-Ressourcen verteilen sich auf LAN- und WLAN-Controller, einen 4.0-×2-PCIe-Slot sowie einen ×4-Link, der wahlweise einen tertiären M.2 oder einen 4.0-PCIe-Slot befeuert. Letzteres Sharing ist auf B850-Mainboards eine angemessene Lösung, leider verschweigt es Sapphire sowohl im Handbuch als auch auf der Webseite. Die Platzierung des zugehörigen Slots könnte ebenfalls besser sein. Zwei Slots Abstand zum 5.0-GPU-Steckplatz reichen für Triple-Slot-Grafikkarten, bei den immer beliebter werdenden 3,5- und 4-Slot-Monstern passen sonstige Erweiterungen aber nur noch in den ×2-Slot, obwohl der Grafikkarten-Steckplatz so weit oben auf der Platine liegt wie möglich.
Diese Platzierung der zweitwertvollsten Steckplätze an unnötig blockadegefährdeten Positionen ist eine in der Mittelklasse leider weitverbreitete Unsitte, ebenso der Einsatz von ×2- statt mehrerer ×1-Slots, für welche mehr als genug Platz auf dem Nitro B850A wäre. Die Ausführung aller I/O-Hub-Lanes in 4.0-Qualität verdient dagegen Lob - andere Hersteller beschränken das Routing von ×1- und ×2-Links oft auf 3.0-Qualität. Die nativen 3.0-oder-SATA-Ressourcen des I/O-Hubs investiert Sapphire derweil mittelklassetypisch in vier SATA-Ports. Top-B850-Platinen beschränken sich dagegen zunehmend auf zwei native Ports, um weitere PCIe-Optionen aus dem knappen Budget zu quetschen.
I/O: Wenig USB, viele Audio
Eher schon Einsteigerniveau hat die USB-Ausstattung des Nitro B850A. Obwohl der B850 entsprechende Fähigkeiten nativ mitbringt, verzichtet Sapphire vollständig auf USB-3.2-Support und auch 10 GBit/s gemäß 3.1-Standard gibt es nicht für Front-Panels - der interne Typ-C-Header arbeitet, genau wie sein Dual-Port-3.0-Kollege daneben, mit 5 GBit/s. Ärgerlich für die Nutzer von Modding-Zubehör mit eigenen Controllern: Auch das interne USB-2.0-Angebot ist auf einen Doppel-Header beschränkt. ARGB-Beleuchtung lässt sich zwar prinzipiell auch über Onboard-Header realisieren (bislang stellt Sapphire weder eine eigene Software noch ein UEFI-Menü bereit), aber viele Kompaktwasserkühlungen und grundsätzlich alle Komponenten mit Display verlangen nach internen USB-Anbindungen.
Quelle: PCGH
Sapphire Nitro+ B850A WiFi7: Am I/O-Panel gibt es reichlich 3,5-mm-Buchsen und genug USB, aber kein besonders schnelles.
Quantitativ okay sind dagegen acht Ports an der Gehäuserückseite. Hier finden sich je vier 3.1- und 2.0-Ports, was für gängige Mischungen aus Eingabegeräten und externen Datenträgern ausreicht. Anschlussseitig Lob verdient dafür die analoge Audio-Ausgabe: In Zeiten, in denen viele Mainboards auf je einen Line-in und -out beschränkt sind, ergänzt Sapphire das volle Sortiment an 7.1-Surround-Anschlüssen und einen getrennten Mic-in, sodass sich insgesamt sechs Stereo-Geräte via Klinke anschließen lassen! Auf einen digitalen Toslink muss man dafür aber verzichten und der verwendete ALC897-Codec richtet sich ebenfalls an Durchschnittsnutzer mit überschaubaren Anforderungen, nicht an HiFi-Enthusiasten.

Hört sich bisher aber max. mittelmäßig an, ob der Preis da alles rausreißen kann weiß ich nicht.
Hat bei mir zwar schon mal geklappt und ich habe es gewagt ein Biostar zu kaufen, das zwar nicht das schönste UEFI hat aber bisher keinerlei Probleme macht. Allerdings habe ich mir vor dem Kauf angeschaut wie der BIOS-Support ist. Dank der "Pflicht"-Updates wie das AGESA für AMD und Microcode für Intel kann man mit anderen Board-Herstellern vergleichen. Das sah für Biostar ganz gut aus, das hatte ich von früher anders in Erinnerung.
Leider ist bei Biostar die Auswahl für AM5 sehr bescheiden, aktuell kein einziges ATX-Board. Wenn Sapphire das ausgleichen könnte wäre gut.
Aber erst mal abwarten wie gut der BIOS-Support von Sapphire ist.
Ja da hat sich in der Zwischenzeit doch mehr am Markt getan. Zum Zeitpunkt als ich mein AM5 System zusammengestellt hatte (Ende 2024) war das noch anders. Muss zugeben nicht genügend geschaut zu haben vor meiner Aussage.
Kritisch ist das Verschweigen von Lane Sharing, das muss Sapphire ändern. Stellt euch vor, man kauft das Board, speziell deshalb weil man PCIe 4x Slot und 3x M.2 gleichzeitig nutzen will, und dann stellt sich heraus das PCIe-Slot und M.2_3 sich die Lanes teilen. Ein Mangel den der Händler auch nicht beheben kann, bliebe nur Geld-zurück oder ein Preisnachlass anbieten.
Das müsste daher ein deutlicher Kritikpunkt in der Wertung sein.
Letztes Jahr wurde das Ende von B650E bekannt gegeben, und Anfang diesen Jahres auch das Ende von B650 - komisch das Sapphire nochmal B650er gebracht hat. Daher werden diese bald vom Markt verschwinden.
X670 ist schon weg, aber war eh unbeliebt. X670E könnte sogar tatsächlich noch eine Nische bedienen, für Kunden die kein USB4 brauchen und auch nicht mitkaufen wollen. Die Auswahl an X870(E) bei denen man den USB4 zugunsten eines M.2 deaktivieren bzw. auf je 2 Lanes beschränken kann, ist auch relativ klein.
Bisher hab ich auch nicht gehört - und auf die schnelle nichts gefunden - das auch die X670(E) seitens AMD als EOL gelten. Da die Chips sich jedoch nicht geändert haben, und noch immer der gleiche Promontory 21 genutzt wird ...
Jedenfalls gibs bei X670E auch überwiegend nur noch Restposten, bei den wenigen die noch von mehreren Händlern geführt werden, sind das überwiegend höherpreisige Modelle. Nur eines bildete von Anfang an einen günstigeren Einstieg in X670E, bei dem man sich zudem lediglich damit zufrieden geben musste, das der zweite über die CPU angebundene M.2 nur PCIe 4.0 anstatt 5.0 erlaubt - aber besser als die Lanes ungenutzt zu lassen (viele B650(E) / B8x0).