PCGH Retro: Abit, DFI und Epox - Legendären Mainboard-Herstellern auf der Spur
Die Mainboard-Hersteller Abit, DFI und Epox sorgten in der Vergangenheit für Furore, existieren heute aber nicht mehr (in der ursprünglichen Form). Doch warum schafften es die Hersteller nicht, sich trotz hoher Popularität am Markt zu halten? PC Games Hardware wirft einen Blick zurück auf wegweisende Innovationen, Management-Fehler und das ein oder andere Kuriosum.
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DFI: Die Lanparty ist beendet
Der Hersteller DFI wurde bereits 1981 gegründet und produzierte in der Anfangszeit Grafikkarten. Erst 1992 wechselte der Hersteller ins Mainboard-Segment und wurde 1998 Design-Partner für den Intel-810-Chipsatz. Beim DFI PW65-D mit 810-DC100-GMCH konnte aber entgegen der Spezifikation der 4 MiByte große Cache von 100 auf 133 MHz beschleunigt werden und da der Speicherbus auf 100 MHz fixiert war, bremsten beim Übertakten des FSBs auch keine mittelmäßigen SDRAM-Module. Richtig ins Zeug legte sich DFI für Übertakter ab 2003, als die Lanparty-Abteilung gegründet wurde. Boards wie das Lanparty UT NF4 Ultra-D zeichneten sich nicht nur durch vielfältige Overclocking-Optionen aus, sondern sorgten mit grellen Farben und UV-Reaktivität für Aufsehen. Ein besonders rares Nforce-4-Mainboard von DFI ist das reichhaltig ausgestattete Lanparty NF4 SLI-DR Venus.
Nach den ersten Athlon-64-Jahren zogen andere Hersteller aber nach und DFI verlor seinen Spitzenplatz bei Übertaktern. DFI-Boards boten zwar stets sehr viele Einstellmöglichkeiten, schnelle Erfolge blieben unerfahrenen Nutzern aber auch aufgrund schlechter Dokumentation häufig verwehrt. Gegen Ende des Jahrzehnts hatte DFI etwa mit hochwertigen Thermalright-Kühllösungen immer noch interessante Kaufargumente in petto, viele Mainboards des Herstellers kamen aber verspätet auf den Markt. Als ambitionierte Projekte wie ein Hybrid-Mainboard mit P45-Chipsatz und einem Atom-System samt Ion-Chipsatz auf einer Platine - selbst mehr als ein Jahr nach dem Erscheinen von Nehalem nicht erhältlich - nicht in die alte Erfolgsbahn zurückführten, zog DFI 2010 den Stecker: Der Hersteller löste nicht nur die Lanparty-Division auf, sondern verabschiedete sich gleich vollständig aus dem Consumer-Bereich. DFI existiert also heute noch, beschränkt sich aber nun auf Mainboards für industrielle Einsatzzwecke. Die Kurzform DFI steht übrigens für Diamond Flower Inc., passt aber auch zum Slogan Design for Innovation.
Abit: Unrühmliches Ende des Overclocking-Pioniers
Das 1989 gegründete Unternehmen Abit hat ab 1996 mit der Funktion Softmenu das etabliert, was heutzutage selbstverständlich ist: Overclocking per BIOS-Menü - ganz ohne das Umstecken von Jumpern und Rumfummeln am Mainboard in einem schlecht ausgeleuchteten und beengten Gehäuse. Daher verwundert es nicht, dass sich die Platinen des Herstellers schnell zu Übertakter-Lieblingen entwickelten. Später war es mit μGuru sogar möglich, dank eines zusätzlich verbauten Mikrochips und spezieller Abit-Software, Overclocking-Einstellungen direkt im Windows-Betrieb vorzunehmen. Einen großen Wurf landete Abit mit dem BP6: Das Mainboard mit 440BX-Chipsatz bot zwei CPU-Sockel und ermöglichte so viele Jahre vor dem Erscheinen der Pentium-D-Chips und Athlon-64-X2-CPUs zu einem überschaubaren Preis, nicht nur zwei Kerne zu nutzen, sondern auch noch beide Prozessoren zu übertakten. Für diesen Zweck griffen Übertakter häufig auf Celeron-Chips zurück, was wohl nicht im Sinne Intels wahr: Der Hersteller deaktivierte die SMP-Schnittstelle bei Celerons später.
Auch später setzte Abit Akzente und verbaute etwa 2004 mit dem Kühlsystem OTES eine Lösung, die nicht nur mit Heatpipes arbeitete, sondern auch darauf abzielte, die Abwärme des Chipsatzes und der Spannungswandler gezielt aus dem Gehäuse zu befördern. Als Hardware Engineer bringt man es kaum zu Star-Ruhm, der ab 1998 bei Abit beschäftigte Oskar Wu gilt aber als eine der Szene-Größen. Er wechselte 2003 zu DFI und trieb die Entwicklung der Lanparty-Reihe voran, während bei Abit bald schlechte Zeiten anbrachen: 2005 reagierte die Börse Taiwans mit einer Rückstufung der Aktie darauf, dass Abit durch eine fragwürdige Buchhaltung versucht hatte, die Anzahl der verkauften Hauptplatinen künstlich aufzublähen. Innerhalb rund eines Jahres fiel der Nettowert von Abit um über 80 Prozent. Die Mainboard-Abteilung wurde 2006 von Universal Scientific Industrial übernommen, 2008 folgte der offizielle Ausstieg aus dem Mainboard-Geschäft. Anfang 2009 wurde Abit dann endgültig geschlossen.
Epox: Nie mehr erholt nach Ausbruch der "Kondensatorpest"
Epox wurde erst 1995 gegründet und war der erste Hersteller, der die Keyboard-Power-On-Funktion ab 1997 unterstützte. Ein Erkennungszeichen von Epox-Mainboards war das grüne PCB - das als günstiger gilt als andere Farbvarianten - im Zusammenspiel mit bunten Erweiterungssteckplätzen. Der Hersteller schaffte es, mit Sockel-A-Platinen wie den Modellen EP-8K3A+ und EP-8K5A3+ breite Käuferschichten anzusprechen und vereinte oft gute Overclocking-Eigenschaften mit einem niedrigen Anschaffungspreis. 2003 erlitt der Hersteller aber einen Image-Schaden, da minderwertige Kondensatoren und MOSFETs zu größeren Ausfallmengen führten. Bereits ab 1999 sorgten im PC-Bereich minderwertige Kondensatoren taiwanesischer Hersteller für erhöhte Ausfallraten nach eineinhalb bis zwei Jahren. Da das Problem erst zeitverzögert bemerkt wurde und hohe Stückzahlen in den Umlauf gelangten, gehörten im jungen Jahrtausend aufgeblähte und geplatzte Elektrolytkondensatoren zu den häufigsten Defektursachen. Zwar waren davon nicht nur Epox-Platinen betroffen, der vergleichsweise junge Hersteller kam mit seiner günstigen Produktlinie und einer zögerlichen Reaktion auf die Vorfälle aber vergleichsweise schlecht aus der Sache raus.
Epox erhöhte zwar nach den Vorfällen die Garantiezeit und schaffte es mit Boards wie dem 8NPA SLI, dem einzigen SLI-tauglichen Sockel-754-Board, positive Akzente zu setzen, zog sich aber 2006 aus dem europäischen Markt zurück, als die EG-Richtlinie 2002/95/EG (RoHS) zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten in Kraft trat. 2007 folgte die Schließung des europäischen Hauptgeschäftssitzes. Die Nachfolgefirma Supox wurde im gleichen Jahr von ehemaligen Epox-Mitarbeitern ins Leben gerufen, nutzte das vorhandene Know-How weiter und damit lebt Epox praktisch bis heute fort. Zum Portfolio des Herstellers gehörten beispielsweise Platinen mit den Sockeln FM2, AM3 und 1155. Die Hauptplatinen werden allerdings nicht in Europa vertrieben. 2018 tauchte Supox im Rahmen von Mining-Mainboards in den Newstickern auf.

Hab auch noch eines Hier:
DFI LANPARTY DK 790GX-M2RS
Richtig geiles Board damals.
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Hatte ein DFI Board AM2+ und ein ABit NF7-S ( Zicke eXtreme ).
DFI könnte mit der LAN Party Series in 1155 / 1150 / AM3+ richtig von hinten Aufräumen
Aber leider machen die das nichtmehr.
Im Laufe der Zeit sind so einige Mainboardhersteller in der Versenkung verschwunden: Albatron, Aopen, Chaintech, QDI, Soyo, Soltek oder Tyan um mal ein paar zu nennen. Ich kann mich noch an Mainboardtests aus dem Jahr 1998 erinnern, dort waren meistens 15-20 Boards vertreten und alle von verschiedenen Herstellern. Heute gibts ja nur noch Asus, Asrock, MSI und Gigabyte, ich kenne niemanden der sich zum Beispiel ein Biostar oder Sapphire-Mainboard gekauft hat
Habe mir 2009 auch mit Absicht ein DFI Board geholt, weil ich von den guten Einstellmöglichkeiten für´s OC gelesen habe. Mein C2Q Q9550 lief auf einem DFI LanParty X48-T2R mit maximal 3,8 Ghz - wurde dabei aber auch richtig heiß. Habe es dann bei 3,2Ghz gelassen - damit läuft er heute noch.
ja Abit, war schon echt geil, nur das meine Boards alle so nach einem Jahr abgeraucht sind, die Guru Clock war damals auch was feines, mussten ja andere Hersteller abkopieren, wie so vieles, das Silent OTES z.B. bis dann Abit noch einen Lüfter wieder auf die Heatpipe klatschte, ach und das die Spanungswandler Temp Sensoren hatten, das vermisse ich heute.
Und mein letzte Board, ein Abit IX38 Quad GT, über 500Mhz FSB, da konnte man den Krüppel von FSB dann ordentlich Beine machen, aber schade das die Firma keine mehr baut, das was man jetzt von anderen Herstellern bekommt, ist kein Ersatz
Geile Boards, nur das mit dem abrauchen, das hätte die in den Griff bekommen müssen