AMD A520: AM4-Billig-I/O-Hub analysiert - der neue B450?

Mainboards mit X570 wurden vielerorts als deutlich zu teuer gescholten, der jüngst vorgestellte B550 hat an den AM4-Plattformpreisen auch wenig geändert. Aber mit dem A520 wirft AMD noch einen dritten I/O-Hub im Feuer - hat er das Potenzial, die AM4-Erfolgsstories von B350 und B450 im Einsteigersegment fortzuführen?

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AMD A520: AM4-Billig-I/O-Hub analysiert - der neue B450?
Quelle: AMD

Und plötzlich war er da - "AMD launches A520 chipset". Keine Vorankündigung, kein NDA, keine Vorabtests und auch nur sehr wenige Leaks gingen AMDs neuestem I/O-Hub voraus, der seine Funktionalität natürlich erneut nur aus einem einzigen Stück Silizium bereit stellt, also trotz der teilweise genutzten Bezeichnung kein "Satz von Chips" ist. Aber was kann er, gegen welche Konkurrenten tritt er an und was haben Endkunden davon? Zeit für eine Anlayse.

A520: Die Position im AMD-Portfolio

Das Einsteigerprodukte ohne viel Tamm-Tamm starten, ist nicht ungewöhnlich. Der A520 ist aber auch jenseits des Low-End-Marktes interessant und das liegt direkt an seinen großen Brüdern: Der X570-I/O-Hub setzte vor über einem Jahr neue Ausstattungsmaßstäbe; so viele Schnittstellen boten vorher nur HEDT-Plattformen und so schnelle allgemein niemand. Allerdings waren auch die Mainboards teuer, bis heute ist es für unter 200 Euro schwer, ein Exemplar mit vernünftigem Onboard-Sound oder uneingeschränkt OC-tauglichen Spannungswandlern zu bekommen. Beides zusammen kostet, schnell über 250 Euro und selbst 300-Euro-Platinen setzen das Potenzial des X570 nicht vollständig um. Nur im Vergleich zu diesem Qualitäts- wie auch Preisniveau muten die eine Klasse tiefer angesiedelten B550-Mainboards günstig an, die seit 1-2 Monaten endlich lieferbar sind und für 150 bis 200 Euro eine oft runde, insbesondere im Bereich der Spannungswandler hochwertige Ausstattung bieten und mit größeren Abstrichen in der Qualität der Umsetzung auch für unter 150 Euro zu haben sind. Allerdings bietet der B550 in Kombination mit einer Ryzen-3000-CPU immer noch mehr flotte Schnittstellen, als für den durchschnittlichen Anwender zwingend nötig sind, aber keine zweistelligen Preise für empfehlenswerte Platinen. Hier kommt der A520 ins Spiel: Selbst erklärte "Gaming"-Platinen werden für unter 80 Euro angeboten.
A520 im Vergleich mit den großen Brüdern: USB 3.1 fehlt in der Preisklasse mangels Redrivern meist, diese und weitere Beschränkungen der CPU-Features schmerzen stärker als die I/O-Hub-Beschneidungen. Quelle: PC Games Hardware A520 im Vergleich mit den großen Brüdern: USB 3.1 fehlt in der Preisklasse mangels Redrivern meist, diese und weitere Beschränkungen der CPU-Features schmerzen stärker als die I/O-Hub-Beschneidungen. Möglich machen dies drei Einschnitte: Etwas weniger SATA und USB 3.1, deutlich weniger PCI-Express und ein beschnittener Funktionsumfang für die CPU. Die ersten beiden Maßnahmen dienen allein der Differenzierung - soweit PCGH informiert ist, basiert der A520 auf dem Silizium des B550, es werden aber mehr Ports deaktiviert. Die verbleibende Ausstattung seitens des I/O-Hubs ist deutlich niedriger, unter Berücksichtigung der Schnittstellen der Ryzen-Prozessoren selbst entsteht aber keine große Lücke zwischen A520 und B550. Ärgerlicher, gerade auch aus Gamer-Sicht, sind zwei künstliche Sperren: In Kombination mit dem A520 dürfen Zen-2-CPUs ihre PCI-Express-4.0-Lanes nur mit halber Geschwindigkeit betreiben und ihre Kerne können nicht übertaktet werden. Das schränkt sowohl die Transferrate zwischen CPU und aktuellen AMD- sowie kommenden Nvidia- und Intel-GPUs ein, als auch die Maximalgeschwindigkeit möglicher M.2-SSDs. Zwar sparen die Mainboard-Hersteller im Gegenzug die Implementierungskosten für 20-GBit/s-taugliches Routing, auf kompakten, einfachen Mainboards sind diese aber sowieso eher gering und es steht Billig-Platinen allgemein frei, nicht jede Schnittstelle mit der vollen erlaubten Geschwindigkeit nach außen zu führen. Auch Übertaktungstauglich Spannungswandler sind nur dann eine teure Zusatzinvestitionen, wenn dieser das will - wie zahlreiche von Mainboards mit OC-Freigabe seitens AMD aber ohne die nötigen Reserven beweisen. Umgekehrt wäre eine tatsächlich Ryzen-9-3950X -taugliche Platine beinahe zwangsläufig Ryzen-3-Tuning-tauglich - wenn man es ihr erlauben würde.

A520: Der Kampf mit dem B450

Zu den bei PCGH-Lesern beliebtesten Mainboards der 2018er AM4-Generation gehörte sicherlich Asrocks B450M Pro4. Für unter 80 Euro bekam man hier Erweiterungsmöglichkeiten, die für 99 Prozent aller Anwendungsszenarien ausreichend und Spannungswandler, mit denen ein Ryzen 7 halbwegs, ein Ryzen 5 entspannt übertaktet werden konnte. Der B550-Nachfolger wich in eine spürbar höhere Preisklasse aus und viele hoffen, dass der A520 die resultierende Lücke füllt. Die bereits erwähnte Beschränkung auf PCI-Express 3.0 stört an dieser Stelle nicht, denn PCI-Express-4.0-Experimente hat AMD beim B450 ebenfalls untersagt. Feder lassen muss der A520 aber auch bei der Ausstattung. Entsprechende Platinen sind zwar für Zen2-Prozessoren konstruiert, könnten also im Gegensatz zu den Zen+-Designs der B450-Ära viele USB-3.1-Ports nach außen führen, praktisch wird aber meist gar kein derartiger Anschluss geboten.
A520 im Vergleich mit den Vorgängern: Wir würden im 80-Euro-Bereich weiterhin B450 vorziehen, wären da nicht die Hürden für Zen3-Kompatibilität. Quelle: PC Games Hardware A520 im Vergleich mit den Vorgängern: Wir würden im 80-Euro-Bereich weiterhin B450 vorziehen, wären da nicht die Hürden für Zen3-Kompatibilität. Ebenfalls frei von Fortschritten gegenüber dem A320 ist der SATA-Bereich, der aber ohnehin Gleichstand mit dem B450 verbuchte. Bei der PCI-Express-Anbindung gab es dagegen nur viermal PCI-Express 2.0 sowie (das in der Praxis irrelevante) SATA-Express an zwei SATA-Ports, während der A520 auf allen sechs genannten Ports PCI-Express 3.0 bietet. Beim B550 haben wir diese Möglichkeit gelobt, erlaubte sie doch endlich den Einsatz einer zweiten, flotten M.2-SSD oder einer späteren Nachrüstung von Zusatzcontrollern via PCI-Express 3.0 ×4. Beim A520 setzen aber alle bislang im PCGH-Preisvergleich gelisteten Platinen auf vier SATA-Ports, nach Abzug des LAN-Controllers reicht es also nicht für einen ×4-Link, geschweigen denn deren zwei wie bei einigen B550-Designs. Der B450, mit typischerweise einem 2.0-×4-PCI-Express- oder M.2-Slot (16 GBit/s) braucht sich hier also nicht zu verstecken. Gigabyte und MSI haben zumindest A520-Modelle mit 3.0-×2-Slot (also ebenfalls 16 GBit/s) angekündigt, die aber preislich über den bisher verfügbaren Platinen liegen werden. Immerhin sind beim A520 jetzt allgemein schnelle PCI-E-×1-Karten möglich, also vor allem USB-Controller-Karten. Allerdings würden wir zusätzliche USB-Ports lieber direkt onboard sehen und 5-GBit/s-LAN kann man auch mit PCI-Express 2.0 nachrüsten.

A520: Im Duell mit Intel

Der größte Nachteil von Einsteiger-Intel-CPUs ist aus Sicht vieler PCGH-Leser ihre OC-Sperre. Eine kleine CPU kaufen ist okay, dann möchte man dieser aber auch Beine machen - weswegen in der Vergangenheit im Budget-Bereich eher zu einem B450 und Ryzen 3 oder Ryzen 5 denn zu einem Core i3 oder dem kleinsten i5 geraten wurde. Wie bereits angesprochen gilt dieser Bonus nicht für den A520 - die Beschränkung auf altmodische PCI-Express 3.0 wird hier dagegen vom Nachteil zum Gleichstand, den mehr können die Core-CPUs allgemein nicht. Mit dem kleinsten Intel-I/O-Hub H410 hat AMDs Kleinster dann auch leichtes Spiel. Okay, zugegeben: Selbst ein Ryzen-3000-Prozessor ganz ohne I/O-Hub stünde gegen Comet-Lake-H410-Kombinationen gut dar. Obwohl der A520 den 3.0-×4-Downlink von der CPU praktisch nur durchreicht und drei USB- sowie vier SATA-Anschlüsse seitlich abzweigt, triumphiert er gegenüber H410-Mainboards, die im nahezu gleichen Preisbereich angeboten werden.
A520 im Vergleich mit Intel: Den H410 zu schlagen ist keine Kunst, der B460 ein klar überlegener Gegner. Die Preisentwicklung für komplette Zusammenstellung wird spannend. Quelle: PC Games Hardware A520 im Vergleich mit Intel: Den H410 zu schlagen ist keine Kunst, der B460 ein klar überlegener Gegner. Die Preisentwicklung für komplette Zusammenstellung wird spannend.
Gegen einen B460 wäre der A520 dagegen chancenlos. Zwar ist das Schnittstellen-Angebot Intels neuester Mittelklasse technisch antiquiert (tatsächlich basiert der H410 auf Silizium, das noch vor dem A320 auf den Markt kam), das wird aber durch schiere Masse ausgeglichen, zumal real existierende A520-Platinen ihre überlegenen USB-3.1-Möglichkeiten eben nicht ausnutzen. Es bleibt abzuwarten, ob sich dies künftig auch im Preis niederschlägt - aktuell gibt es eine 50-Prozent-Überlappung zwischen AMD-Einsteiger- und Intel-Mittelklasse und im typischen Multimedia- und Office-Segment wird der A520 zusätzlich durch die fehlende Verfügbarkeit von Retail-Prozessoren mit integrierter Grafikeinheit gehemmt.

A520: Die Kompatibilitätsfrage

Damit wären wir beim größten Fallstrick für A520-Retail-Mainboards. Offiziell gibt AMD den neuen I/O-Hub nämlich ausschließlich für Zen-2-Prozessoren frei und diese sind lediglich als Ryzen-3000-CPU (Matisse) im freien Handel verfügbar. Die sich für ein performantes APU-System anbietenden Renoirs der Ryzen-4000-Serie sind dagegen Systemintegratoren vorbehalten, nur vereinzelt finden sich überteuerte Endkundenangebote. Umgekehrt laufen die älteren, langsameren Ryzen-2000- und -3000-APUs auf dem A520 offiziell genauso wenig, wie auf dem B550. Mainboards mit letzterem unterstützen sie zwar inoffiziell trotzdem, was Hoffnungen macht, Ryzen 1000 auf X570 hat in der Vergangenheit aber bewiesen, wie derartige Mainboard-Hersteller-Alleingänge ohne offiziellem AMD-Segen ausgehen können.
X-Faktor: Der Sockel AM4 gilt zu Recht als aufrüstfreundliche Plattform – dank der Mainboard-Hersteller. AMD begrenzt die offizielle Kompatiblität der meisten I/O-Hubs aber auf zwei Generationen. Im Schema fehlend: Die nicht offiziell für Endkunden angebotenen APUs Bristol Ridge (300er I/O-Hubs) und Renoir (500er) Quelle: AMD X-Faktor: Der Sockel AM4 gilt zu Recht als aufrüstfreundliche Plattform – dank der Mainboard-Hersteller. AMD begrenzt die offizielle Kompatiblität der meisten I/O-Hubs aber auf zwei Generationen. Im Schema fehlend: Die nicht offiziell für Endkunden angebotenen APUs Bristol Ridge (300er I/O-Hubs) und Renoir (500er) Bonuspunkte sammelt der A520 bei Zukunftsfragen: Alle Platinen sind laut AMD offiziell "3rd gen AMD Ryzen ready", sollten also die zum Jahresende erwarteten Ryzen-4000-CPUs "Vermeer" und die kommendes Jahr erschienenen Ryzen-5000-APUs "Cezanne" aufnehmen können. Oder besser gesagt: Dürfen, denn der Betrieb aller AM4-Prozessoren ist dank des System-on-a-Chip-Designs unabhängig vom verwendeten I/O-Hub immer technisch möglich, die stark eingeschränkte Aufwärtskompatibilität älterer Mainboard-Generationen eine produktpolitische Entscheidung.

A520: Fazit

Für sich genommen ist der A520 ein akzeptables Produkt. Als Einsteiger-Angebot beeindruckt er natürlich nicht mit übermäßig viel Features, aber der Abstand zum B550 ist okay, auch preislich, und ein Großteil der Zielmärkte dürfte auf Übertaktung und PCI-Express 4.0 vorerst verzichten können. Zieht man die sehr beliebte Vorgängergeneration heran, wird aber deutlich, dass AMD sein Portfolio mit künstlichen Einschnitten strukturiert und dabei eine klassische AMD-Domäne unberührt lässt: Sehr günstige Einsteiger-Hardware, zur vollen Spieletauglichkeit getunt, ist seit dem letzten Jahrtausend ein Standpfeiler der Marke, den es so in der AM4-Zukunft nicht mehr geben wird. Dies wird umso schmerzlicher deutlich, da B350 und B450 über zwei Jahre lang perfekt auf die Ansprüche der Budget-bewusster Spieler passten, während die Staffelung von A520, B550 und X570 konsequent zwischen den Stühlen sitzt. Das Glück im Unglück stellt Intel wieder her - solange man sich auch dort standhaft weigert, günstige, tuning-taugliche Produkte anzubieten, streut niemand Salz in die von AMD gerissene Wunde. PCGH-Leser und Mainboard-Hersteller hätten sich über eine vollständige Freigabe des B450 für PCI-Express 4.0 und Zen 3 aber sicherlich mehr gefreut.

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    • Kommentare (21)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Technologie_Texter BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von BxBender
        PCI-E 4.0 ist da einfach zu teuer.
        Wenn man PCIe 4.0 per Microcode sperrt wird es billiger?
      • Von Technologie_Texter BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von BxBender
        PCI-E 4.0 ist da einfach zu teuer.
        Wenn man PCIe 4.0 per Microcode sperrt wird es billiger?
      • Von Olstyle Trockeneisprofi (m/w)
        Zitat von BxBender
        Was hätte AMD da anders machen sollen?
        CPU Features verdammt nochmal nicht künstlich als Chipsatz-Features vermarkten.
        Aber das auch schon beim B450 zum Zen2 Release, meinetwegen als B550A neu benannt.
      • Von BxBender Volt-Modder(in)
        Gut genug für einen Billigrechner. PCI-E 4.0 ist da einfach zu teuer.
        Wenn man jedoch eine Grafikkarte dazukaufen möchte, darf es natürlich nicht die Falsche sein.
        Siehe 5500 XT 4GB Debakel.
        Wer sich einen etwas besseren Gamer-PC zusammenstellt, landet eh zumindest beim B550.
        Anwendungsfreunde und Gamer mit Anspruch greifen eh zum X570, wo dann auch mehrere superfixe SSD's eingebaut werden können.
        Eigentlich sind die drei Nutzergruppen klar definiert.
        Was hätte AMD da anders machen sollen?
      • Von chill_eule Kokü-Junkie (m/w)
        Ja, Danke @Torsten, ich verweise dann auf deinen Beitrag

        Namen sind ja eigentlich nur "Schall und Rauch" und früher war es auch nicht einfacher, aber man hat ja die leise Hoffnung, dass die Hersteller mit einer neuen Nomenklatur auch mal was dazu lernen

        Edit: Ups, ohne "h"
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Zitat von chill_eule
        Das ist aber auch wieder kompletter Mist, oder?

        Wird Zeit, dass AMD zumindest von der Nomenklatur her, mal wieder "einfachere" Verhältnisse schafft.

        Wie soll ich denn Tante Erna oder meiner Mama erklären, dass ein Ryzen 3000 mit integrierter Grafik eben nicht zur 3rd Generation gehört
        3 ≠ 3 laut AMD
        Genauso, wie du ihr erklärst, dass die 3te Generation, also die 4000er APUs auf der Zen2-Architektur basieren, 500er I/O-Hubs benötigen und, wenn ich mich nicht verzählt habe, die 6te Ausbaustufe von GCN benutzen: Am besten gar nicht. Bei so einem hoffnungslosen Unterfangen ist schon 1 Versuch verschwendete Zeit.
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