Kuriosität: Intel-Mainboard für Sockel 1700 hat Steckplätze für DDR4- und DDR5-RAM
In China ist ein ungewöhnliches Mainboard mit Intels Sockel 1700 aufgetaucht, auf dem sowohl DDR4- als auch DDR5-RAM installiert werden kann. Zu empfehlen ist die konkrete Umsetzung allerdings nicht.
Als Intel im Oktober 2021 die Alder-Lake-Prozessoren und den damals neuen Sockel 1700 vorgestellt hat, wechselte das Unternehmen erstmals auf DDR5: Sowohl die Mainboards als auch die Speichercontroller in den CPUs unterstützten den neuen Speicherstandard. Gleichzeitig konnten die Prozessoren noch mit dem älteren DDR4-Standard umgehen, und es erschienen auch entsprechende Platinen. Jetzt, zweieinhalb Jahre später, ist in China sogar ein Mainboard aufgetaucht, das Steckplätze für beide Speicherstandards gleichzeitig bietet.
DDR4 und DDR5
Konkret geht es um das H610M+ des chinesischen Unternehmens Onda, das laut dem bekannten Leaker @momomo_us seit kurzem auf Aliexpress gelistet ist. Wie es der Name bereits verrät, setzt das Mainboard auf Intels Einsteiger-Chipsatz H610. Entsprechend sieht auch die Ausstattung aus - die µATX-Platine ist nur recht spartanisch mit Anschlüssen und Zusatzfunktionen versehen. Auffällig sind lediglich die beiden RAM-Bänke: Die linke ist für DDR4, und die rechte für DDR5 gedacht.
Entsprechende Lösungen gab es in der Vergangenheit schon öfter. Am Anfang einer neuen RAM-Generation, wenn der neue Speicher noch teuer ist, kann man so noch günstigere Module der älteren Generation verwenden - und später dann mit demselben Mainboard wechseln. Das wäre wohl auch 2021 sinnvoll gewesen, als DDR5-Speicher noch sehr kostspielig war. Aufgrund gesunkener Preise dürfte ein solches Vorgehen inzwischen wohl nur für wenige Nutzer infrage kommen. Und selbst wenn man sich zu diesen zählt, sollte man dafür wohl lieber nicht auf das Onda H610M setzen. Denn einerseits ist der Preis mit - inklusive Versand - rund 180 Euro sehr hoch. Und andererseits verfügt das Mainboard nur über insgesamt zwei RAM-Slots - eben einen für DDR4 und einen für DDR5.
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Da beide Module inkompatibel sind, können sie allerdings nicht gleichzeitig verwendet werden. Intels Alder-Lake- und Raptor-Lake-Prozessoren können aber zwei RAM-Module gleichzeitig ansteuern. Mit dem Mainboard lässt man also zwangsläufig immer die Hälfte der möglichen RAM-Bandbreite brachliegen und büßt damit auch Rechenleistung ein. Das neue Onda-Mainboard ist damit also eher eine spannende Kuriosität, als eine sinnvolle Lösung.
Quelle: via Videocardz

Das war eigentlich alles, was ich ursprünglich sagen wollte: Dass die Motivation, alten RAM weiter zu nutzen, beim letzten Wechsel geringer war als jemals zuvor. Da musste man schon ziemlich guten Altbestand haben und den auch noch lange Zeit behalten wollen, um die Investition ganz hinauszuschieben. Für diesen Zweck gibt es ja auch jede Menge LGA1700-DDR4-Angebote, bis heute. Aber davon, DDR4 nochmal als Übergang neu zu kaufen, haben wir von Anfang an abgeraten; genauso von Interrim-Mainboards. Das war bei der Sockel-775-DDR2-Einführung noch ganz anders. Da haben einige Leute gezielt DDR1 neu gekauft, weil er in gar nicht mal so wenigen Szenarien sogar absolut schneller sein konnte und pro Euro immer die deutlich bessere Lösung war. (Wer das gleich noch mit AGP kombinierte, hat sich dann später doppelt ins Fäustchen gelacht: Die entsprechenden i865-Boards waren eine Generation später Dual-Core-tauglich. Die tollen, teuren i915-DDR2ler nicht.)
Bezüglich RD: Wie gesagt – das die Technik dauerhaft skaliert hätte, glaube ich auch nicht. Aber das Niveau der 2000er i850-Platinen haben die DDR-Alternativen erst Ende 2002 mit dem Wechsel auf 128 Bit im Server beim E7205 überboten und auch der hat nur mit dem i850E gleichgezogen. Abgelöst wurde RD erst 2003 mit den neuen Dual-DDR-400-Angeboten. Aber da hatte halt auch schon 1,5 Jahre lang niemand mehr in RD investiert und das war in den 0er Jahren ein ziemlich langer Zeitraum. RD ist nie in die Verlegenheit gekommen, die Grenzen der Technik zu erreichen, sondern wurde lange vorher wurde als "zu teuer" aufs Abstellgleis geschoben und daran hatte die Marktpolitik einen erheblichen Anteil.