Sone? dB(A)? Wir erklären Geräusch-Messungen [Update: Video]
PCGH erfasst seit jeher die Lautheit von Produkten in Sone, andere Tester messen den Schalldruckpegel in dB(A) und außerhalb der Hardware-Welt gibt es noch weitere Geräuscheinheiten. Doch misst man Geräusche eigentlich "richtig"?
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Die Frage "Wie laut?" ist bei Kühlern genauso wichtig wie die nach der Kühlleistung; Gehäuse(-lüfter) definieren sich maßgeblich über ihre Geräuschentwicklung und sowohl Grafikkarten- als auch Netzteilhersteller begründen Premium-Preisaufschläge regelmäßig mit besonders aufwendigen Kühllösungen. Statt besonders niedriger Temperaturen wollen diese meist vergleichbare Leistung wie günstigere Produkte bei weitaus angenehmerer Geräuschkulisse bieten. Aber was ist eigentlich "laut"? Wie misst man "Lautstärke" und welche Möglichkeiten gibt es, Geräusche zu bewerten?
Die Grundlagen: Schalldruck, -messungen
Bei Schallwellen in der Luft interessieren vor allem zwei Parameter: Die Frequenz, mit der sie sich wiederholen und die wir als Tonhöhe wahrnehmen, sowie den Schalldruck, also die Stärke der Luftdruckschwankung bei Durchlauf einer einzelnen Welle. Je stärker der Schall ist, desto lauter klingt er für uns - allerdings spielen bei der menschlichen Wahrnehmung noch zahlreiche weitere Parameter eine Rolle. Für Messmikrofone ist dagegen nur noch der Abstand zur Schallquelle relevant: Eine Angabe des Schalldrucks gilt immer nur an dem Punkt, an dem er gemessen wurde, denn natürlich schwächt sich Schall mit zunehmender Ausbreitung ab. Hersteller nutzen diesen Zusammenhang gerne, um ihre Produkte in ein besseres Licht zu rücken. Da es im Hardware-Retail-Markt keine verbindliche Norm gibt und Entfernungsangaben fast immer fehlen, kann man mit einer Messung in zwei oder mehr Metern Entfernung statt der weit verbreiteten ein Meter ganz legal niedrigere Herstellerangaben rechtfertigen.
Umgekehrt lassen sich Unterschiede zwischen leisen Schallquellen mit einem verkürzten Messabstand besser erfassen, ein gewisses Minimum sollte man in der Praxis aber nicht unterschreiten. Sonst erzeugt beispielsweise der Luftstrom eines Lüfters zusätzliche Geräusche am Messmikrofon und 10 cm vor einem kompletten PC misst man auch nur, ob sich eine Lüfteröffnung oder die Grafikkarte in der Nähe befinden, aber garantiert nicht die durchschnittliche Schallabgabe des gesamten Geräts. Im Hardware-Alltag hat sich der PCGH-Kompromiss von 50 cm Messabstand bewährt. So können wir einerseits die Geräusche großer Testmuster noch repräsentativ erfassen, andererseits aber auch sauber zwischen leisen und sehr leisen Produkten differenzieren. Nach unten hin wird der Messbereich nämlich immer durch Hintergrundgeräusche und die Messempfindlichkeit begrenzt. Günstige Lärmmessgeräte aus dem Elektronikhandel machen beispielsweise genau das, was der Name nahelegt: Sie messen Lärm. Ein empfindliches Mikrofon wäre fehl am Platze und der Anzeigebereich beginnt oft erst bei 30 dB(A). Für Silent-Lüfter, die in 50 cm Abstand einen Schalldruckpegel von unter 20 dB(A) erzeugen, benötigt man passende Technik und natürlich eine sehr leise Messumgebung.
Die Auswertung: Der (bewertete) Schalldruckpegel
Moment! Sprachen wir gerade von "Schalldruckpegel" statt Schalldruck? Ist dass das Gleiche? Mitnichten. Und sowohl hier als auch anderswo wird er auch noch mit dem bewerteten Schalldruckpegel vermischt. Aber der Reihe nach: Der eingangs erwähnte Schalldruck ist zunächst eine einfache physische Messgröße, berechnet aus Änderungen des absoluten Luftdrucks während des Durchlaufs einer Schallwelle. In der Akustik interessante Geräusche erstrecken sich aber über einen sehr großen Druckbereich - der Mensch kann 0,00002 Pascal schwache Schwankungen wahrnehmen, Alltagsgeräusche liegen bei 0,02 bis 0,2 Pascal und schmerzhafte laute Ereignisse bei über 100 Pascal. Um diese Zahlen greifbarer zu machen, werden sie traditionell in Bezug zu einem Referenzwert gesetzt und logarithmisch transformiert. Das Ergebnis sind die bekannteren Dezibel-Angaben - aus 0,00002 Pa werden 0 dB, aus 0,02 Pa 60 dB und aus 200 Pa 140 dB.
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Diesen Angaben beschreiben aber weiterhin das technisch Schallereignis. In der Praxis interessiert uns viel mehr, wie dies vom Menschen wahrgenommen wird. Ein einfacher Schritt in diese Richtung sind frequenzabhängige Gewichtungen. Der bewertete Schalldruckpegel zerlegt das eingehende, in der Regel aus einer Vielzahl verschiedener Töne zusammengesetzte Geräusch in einzelne Frequenzbänder und gewichtet diese Gemäß der Empfindlichkeit unserer Ohren. Töne von 1 bis 2 kHz, dem Empfindlichkeitsmaximum menschlicher Ohren, führen schon bei niedrigen Schalldrücken zu einem hohen dB(A)-Wert, ein sehr tiefer Ton an der unteren Grenze unseres Hörbereichs kann dagegen ungleich intensiver sein, ohne dass das Messgerät nennenswert ausschlägt.
Die Interpretation: Lautstärkepegel und Lautheit
Der dB(A)-Angaben des Schalldruckpegels berücksichtigen aber nur die Empfindlichkeit unseres Gehörs in Abhängigkeit der Frequenz, nicht in Abhängigkeit der Schallintensität. Dabei rücken insbesondere bei hohen Tönen oberhalb von 10 bis 15 kHz die minimale Hör- und die Schmerzschwelle dicht zusammen. Einen laut bewertetem Schalldruckpegel nur wenige (Milli-)Pascal über dem minimal hörbaren Niveau liegenden Ton nehmen wir bereits als äußerst störend war. Die vor allem in der Tontechnik genutzte Einheit Phon nimmt sich diesem Problem an und definiert für jede Frequenz und für jeden Schalldruckpegel einen äquivalenten, als gleichlaut empfundenen Ton bei 1 kHz. Diese Äquivalenzen werden anschließend zum Lautstärkepegel verrechnet, der somit direkt das menschliche Hörempfinden wiederspiegelt und nicht mehr die dem Schalldruckpegel zugrunde liegenden physikalischen Größen der Luftschwingung.
Als Äquivalenz zu 1-kHz-Sinuston-Schalldruckpegeln erbt das Phon aber eine weitere Schwäche des bewerteten Schalldruckpegels: Im Zuge der logarithmischen Transformation und der menschlichen Wahrnehmung verlaufen dB(A)- und Phon-Skala alles andere als linear. Nicht nur das "40 dB(A)" weit mehr als doppelt so laut sind wie "20 dB(A)" (oder Phon), der Unterschied zwischen 40 und 50 dB(A) entspricht auch weder absolut noch relativ dem zwischen 20 und 30 dB(A). So ist es für Laien kaum möglich, die Lautheitsunterschiede zwischen verschiedenen Lautstärkepegel-Angaben richtig einzuschätzen. Die einfache, auch von PCGH bevorzugte Lösung: Man gibt die Lautheit direkt an. Mit Sone existiert eine von Phon abgeleitete, lineare Einheit. Die Bewertung des menschlichen Gehörs unterscheidet sich hierbei nicht, aber 2 Sone sind subjektiv doppelt so laut wie 1 Sone und der Wahrnehmungs-Unterschied zwischen beiden ist genauso groß, wie zwischen 9 Sone und 10 Sone.
Die Relation: Kann man dB(A) in Sone umrechnen?
Da Herstellerangaben und Tester mit einfachem Equipment weiterhin nur den bewerteten oder gar einen unbewerteten Schalldruckpegel angeben, stehen Sone-Angaben oft ohne Bezugspunkt im Raum. Was sagt einem ein PCGH-Testwert von "1,0 Sone" schon, wenn man nicht weiß, ob der als nervig empfundene "30 dB(A)"-Lüfter im aktuellen Rechner 0,5 Sone oder 2,0 Sone erzeugt? Zwar geben wir in allen Tests von Kühlungsprodukten zusätzlich die dB(A)-Werte an, trotzdem wünscht man sich oft eine direkte Umrechnung von Schalldruckpegel in Lautheit und umgekehrt. Theoretisch ist diese nicht möglich, da Sone eben zusätzliche Details des Geräuschspektrums berücksichtigt. Sone- und dB(A)-Wert eines hohen Pfeiftons stehen in ganz anderer Relation zueinander als Lautheit und Schalldruckpegel eines dumpfen Rauschens - da kommt man ohne zusätzliche Informationen nicht weiter. In der Praxis liegen genau diese Informationen aber vor, denn die meisten Geräuschquellen in PCs sind Axiallüfter mit 90 bis 140 mm Durchmesser mit ähnlicher Geräuschcharakteristik. Wir haben über 400 Lautheits- und Schalldruckpegelmessungen zusammengestellt, das Ergebnis sehen Sie in der obenstehenden Grafik.
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Das M2211 wird mit einem Eigenrauschen von 21 dB(A) spezifziert. Wenn du damit keine Anzeigen unter 20 dB(A) erhälst, spricht das nicht gegen den Messraum, sondern für eine korrekte Kalibrierung.
Unser Raum ist natürlich gedämmt, wenn auch für meinen Geschmack deutlich zu schlecht gegen Trittschall, da er primär als Kabine für Tonaufnahmen konzipiert wurde. Ich habe ähnliche Ruhe subjektiv aber auch schon in ungedämmten Häusern erlebt, wenn es nachts in der Umgebung ruhig war. Das Gefell-Mikrofon, dass du an einem NC10 gesehen hast, war vermutlich Standardausstattung – wir haben eine MK223/MV203-Kombination und ich glaube nicht, dass die ein ausgebildeter Messtechniker von PCGH gezielt ausgesucht hat. So etwas haben wir nämlich weder heute noch wären mir entsprechende Personalien aus dem Zeitraum der Anschaffung in den 0er Jahren bekannt. Aber damals erlaubte es der Printmarkt natürlich, einfachmal zu klotzen statt zu kleckern und in dem Fall hat sich das auch ausgezahlt.
Mit einem spezifizierten Eigenrauschen von 15 dB(A) ist der Messbereich für unsere Wertungen jedenfalls vollkommen ausreichend. Wie man im Artikel sehen kann, gibt es die 0,1-Sone-Bestnote meist ab 18-19 dB(A), was ich zuverlässig messen kann. Alles darunter ist Bonus-Information für Leute mit besonderen Interessen und selbst an der Grenze der Messgenauigkeit kann man denen zumindest noch eine stimmige Rangfolge bieten.
Bei mir reicht es nur für ein NTI Audio M2211, das ist aber im aktuellen Raum ganz gut geeignet. Bei den Grafikkartenmessungen arbeite ich mit einem Low Cut unterhalb von 50 Hz. Kalibrieren ist Pflicht, ohne ist Selbstbetrug.
@FormatC
Schaue mal bei Earthworks Audio. Ist nicht nur im Lautsprecher-Entwicklungsbereich gerade sehr im Kommen und ganz oben angesehen.
Das Kleine M23 sollte genau das Richtige sein für solche Messungen, ist meine ich ebenfalls Class-A, wie das M30 und M50.
Ich selbst nutze das M30 seit einigen Jahren. (Vorher auch Haun und Konsorten)
Die Microtech Gefell (Kapseln) gehören zum oberen Ende, aber damit gehen oftmals noch weitere (wie ich finde) unnötig teure Hardware/Gerätschaften einher.
Eine Alternative wäre noch das recht beliebte ISEMcon EMX-7150, wobei das allerdings kein Class-A (Klasse 1) ist und wesentlich öfters kalibriert gehört.
(Ohne Kalibrierdatei sollte man eh nicht messen, egal wie gut/teuer das Mikro ist)
Wen das Thema Kalibrierdatei interessiert, hier mal von 4 meiner Messmikros
- Grün M30 (maximale Abweichung ohne Kalibrierdatei: 0,8dB zwischen 5Hz bis 31kHz)
- Rot Haun 550
- Blau ECM40
- Orange Dayton irgendwas...
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Man sieht, dass einige Mikros extrem abweichen und bis zu 6dB falsche Werte liefern können.
Und da gibt's bei weitem noch wesentlich größere Streuungen bis zu +-14dB (und das net unbedingt bei Billigen)
Was ich mit dem Spektrum meine, sieht man hier auf dem Video ganz gut.: YouTube
Die A-Bewertung von Smaart ist recht nice. Beides zusammen ich schon recht brauchbar. Das Eine ohne das Andere wäre aber etwas sinnlos. Ein Spektrum ist eigentlich das Mindeste.
Es bleibt natürlich die frage nach der Empfindlichkeit der Kapsel und der generellen Eignung fürs Fernfeld unterhalb bestimmter Grenzen. Deutlich unter 20 dB(A) halte ich in ungedämmten Räumen eigentlich für technisch komplett unmöglich. Ich war in verschiedenen Kammern und wir haben auch mal bei Edifier die einzelnen Szenarien mit akustischen Einspielern simuliert und dafür dB, dB(A) und dB(C) direkt verglichen, um mal einen Eindruck von den Unterschieden zu bekommen.
Was übrigens nicht geht, ist eine dB(A)- oder Sone-Angabe ohne Bennenung des Abstands. Das wird dann echt zur Comedy
Ich habe mich lange mit Zwickers Bewertung beschäftigt und es irgendwann dann doch verworfen. Ich bin kein Bauphysiker und Sone eigenen sich, aus rein praktischer Erfahrung, eher für die lauten Sessions, nicht aber im Winzbereich.
BTW: Was für ein Mikro nehmt Ihr am NC10 und wie hoch ist die Empfindlichkeit? Man findet zu den Teilen im Netz überhaupt nichts mehr und die Cortex-Homepage ist schon lange tot
Als Handheld ist das NC10 wirklich vollgespickt mit Funktionen, aber meist scheitert es ja am Mikro. Das NC10 ist in der Bauphysik zugelassen und ich hatte es auch schon mal in der der Hand. Allerdings mit einem Mikro von Gefell, das einen brauchbaren Eindruck machte.
(Ggf. auch 9 dB ohne Gewichtung. Ich weiß es nicht mehr auswendig, auf jeden Fall einfach nur krank.)
Unser NC10 wurde vor 14 Monaten das letzte Mal kalibriert (PCGH berichtete. Notgedrungen
Sinnvoll mit dazu 1-2 Peak-Frequenzen angegeben und im Text eine subjektive Einschätzung wie's "klingt".
Was nützt mit eine A-Bewertung, wenn ein Lüfter z.B. im Bereich 100Hz einen Peak aufweist und mein Gehäuse zum Mitschwingen anregt?
Der Bewertungsfilter A dämpft die 100Hz schon um ganze 14dB! Wenn ein Filter sein muss, würde ich mir maximal die C-Bewertung gefallen lassen.
A-Bewertung finde ich persönlich nur sinnvoll für manche Dinge, wie Lärmpegelmessungen auf einer Veranstaltung oder TA-Lärm-Ermittlung.
Auch finde ich, dass man die Integrationszeit beachten sollte bei einfachen Messungen, ich persönlich würde diese auf Slow setzen.
Sinnvoller wäre es aber eine Frequenzkurve zu ermitteln, den groben Mittelwert abzulesen und wie oben bereits geschrieben, die Peaks mit anzugeben.
Beispiel: Mein Lüfter hat gemittelt 40dB/0,5 und einen schmalen Peak bei 10kHz von 8dB,
hier würde das Messgerät ganze 48dB anzeigen, bzw. in dBA 44-46dB.
In der Praxis weiß man aber, dass man so hohe Frequenzen im Gehäuse sehr gut bedämpfen kann.
Der Schalldruckpegel ist übrigens kein Bewertungskriterium, benotet werden nur die Sone-Messungen. Ob am unteren Ende des Spektrums an 0,1-Sone-Kandidaten nun 17, 18 oder 19 dB(A) gemessen wurden macht für die meisten Anwender ohnehin keinen Unterschied, aber ich möchte auch den Silent-Extremisten eine Orientierung geben und erfasse die Werte deswegen als zusätzliche Information.