Luxus-CPU-Kühler: Noctua NH-U12A im Test

Noctua NH-U12A im Test: Trotz seltener Neuvorstellungen ist Noctua einer der angesehensten Kühlerhersteller. Wenn doch einmal ein neues Design auf den Markt und sich preislich sogar an der Spitze des Portfolios einordnet, sind die Erwartungen entsprechend hoch. Wir prüfen, ob der NH-U12A sie erfüllt.

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Luxus-CPU-Kühler: Noctua NH-U12A im Test
Quelle: PC Games Hardware

Der NH-U14S und vor allem der monströse NH-D15 begründen das heutige Image von Noctua als Luftkühlerhersteller. Beide Kühler belegen seit Jahren Spitzenpositionen in diversen Vergleichen und Einkaufsführern. Auch die Lüfter NF-A14 und NF-F12 sind sehr erfolgreiche High-End-Klassiker und der NF-A12x25 kühlte letztes Jahr die Konkurrenz in Grund und Boden. Neben der Farbgestaltung spricht meist nur ein Grund gegen Noctua: Die Preise eilen der Konkurrenz oft noch weiter voraus als die Leistung. Letzteres gilt in besonderem Maße für den neuen Kühler NH-U12A, der preislich sogar am deutlich größeren NH-D15 vorbeizieht - auf Noctua-Messeveranstaltungen aber auch leistungsseitig mit diesem verglichen wurde.

Noctua NH-U12A: Kühler und Zubehör

Noctua NH-U12A: Die Bodenplatte ist deutlich größer als Mainstream-Prozessoren; Sockel TR4 wird aber nicht unterstützt. Quelle: PC Games Hardware Noctua NH-U12A: Die Bodenplatte ist deutlich größer als Mainstream-Prozessoren; Sockel TR4 wird aber nicht unterstützt. Bereits beim ersten Blick auf den neuen Kühler fallen die Lüfter auf. Der NH-U12A ist mit gleich zwei der überzeugenden NF-A12x25 bestückt - wo andere Hersteller die Preise ihrer Kühler durch einfachere Lüfter drücken, verbaut Noctua das eigene Retail-Flaggschiff. Mit einem Einzelpreis von je 30 Euro erklärt also bereits die Lüfterbestückung einen Großteil der 99-Euro-UVP. Die verbliebenen 40 Taler fließen in ein Noctua-typisch vollständiges Zubehör inklusive guter Wärmeleitpaste und allem Werkzeug, das für die sehr einfache Installation benötigt wird, sowie den Kühlkörper selbst. Dieser fällt, passend zu den in Push-Pull-Konfiguration montierten 120-mm-Lüftern eher schmal aus und ist ein Stück flacher als viele 140-mm-Kühler. Die Tiefe des Kühlers ist dagegen ansehnlich und sieben 6 mm Heatpipes samt großer Bodenplatte gereichen sonst Dual-Tower-Flaggschiffen zur Ehre. Optisch gibt es außer der umstrittenen Farbgebung keine Highlights - Noctua liefert zwar exzellente Verarbeitung ab, verzichtet aber auf jeglichen optischen Zierrat wie farbige (oder zumindest Fingerabdruck-unempfindliche) Top-Cover, Heatpipe-Endabdeckungen oder gar LEDs.

Noctua NH-U12A: Lautheit und Kühlleistung

Noctua NH-U12A: Im direkten Vergleich mit einem 120-mm-Budget-Kühler wird die große Tiefe deutlich. Breite und Höhe sind vergleichbar. Quelle: PC Games Hardware Noctua NH-U12A: Im direkten Vergleich mit einem 120-mm-Budget-Kühler wird die große Tiefe deutlich. Breite und Höhe sind vergleichbar. Im Betrieb möchte sich Noctuas neuester Sproß trotz 120-mm-Format mit 140-mm-Kühlern duellieren. Den Vergleich mit Dual-140-mm-Türmen hat Noctua dagegen wieder zurückgezogen, unseren Messungen nach zu Recht. Zwar schiebt sich der NH-U12A auf ein knappes Kelvin an den NH-D15 heran, er ist aber auch beinahe genauso laut - und soweit oben in der Leistungsklasse sind 1 K Abstand nicht wirklich wenig. Be Quiets Dark Rock Pro 4 hat ähnlich viel Rückstand auf den NH-D15 respektive die gleiche Maximalkühlleistung wie der NH-U12A, erreicht diese aber schon bei 1,4 statt 2,4 Sone; Ähnliches gilt für Thermaltakes Frio Extreme Silent 14 Dual. Mit der Doppelturmspitze kann sich der NH-U12A also nicht messen, besser sieht es gegen einzelne 140-mm-Propeller aus. Thermalrights Macho Direct erzielt beispielsweise 52,1 °C CPU-Temperatur (normiert auf 20 °C Umgebungsluft) bei 0,7 Sone - der NH-U12A legt mit 50,7 °C bei 0,8 Sone vor. Bei 1,0 Sone erreicht er 50,3 °C, der mächtige Le Grand Macho RT kommt auf 50,1 °C. Eine klare Überlegenheit attestieren wir im Vergleich mit anderen 120-mm-Kühlern. EKLs Matterhorn Pure ist bei 1,0 Sone zwar mit 50,6 °C in Schlagweite, aber auch stark auf diesen Bereich optimiert und weder in der Lage, die Maximaleistung (und -lautheit) des NH-U12A zu erreichen, noch im Silent-Bereich mit diesem zu konkurrieren (60,6 °C bei 0,1 Sone/18,6 dB(A) für EKL gegen 56,7 °C bei 0,1 Sone/17,7 dB(A) für Noctua).

Überhaupt ist das Einsatzspektrum des NH-U12A beeindruckend: Von maximal 2.000 U/min bis auf 200 U/min können die Lüfter geregelt werden und über den ganzen Bereich hinweg ist der Kühler den jeweiligen 1×120-mm-Spezialisten überlegen und den 1×140-mm-Modellen oft ebenbürtig. Im oberen Bereich des Drehzahlspektrums wird er dabei durch akustische Interaktion der Lüfter eingeschränkt. Winzige Drehzahlunterschiede sorgen bei dem geringen Abstand der Lüfter für Schwebungen; die Lautheitswerte fallen daher etwas schlechter aus als man es gemäß der Lautheit eines NF-A12x25 erwarten würde. Im Ultra-Silent-Bereich mit langsamerer Luftbewegung gibt sich dieses Manko und der Vorsprung auf die 1×120-mm-Konkurrenz wächst. Besagten 56,7 °C bei 0,1 Sone/17,7 dB(A) stehen beispielsweise 59,4 °C bei 0,1 Sone/17,1 dB(A) für Scythes Mugen 5 gegenüber, der gezielt auf niedrige Lautheit optimiert wurde. Zusätzlich punktet Noctua mit der gewohnt guten Antriebsqualität: Im Einzeltest war der NF-A12x25 einer der wenigen Lüfter, bei denen Nebengeräusche schlicht unhörbar waren (die anderen sind: Noctua NF-F12, Noctua NF-P12 und Noctua NF-A14. Ein gewisser Hersteller-Trend ist erkennbar.) Daran ändert sich auch bei Einsatz von zwei NF-A12x25 nichts.

Noctua NH-U12A: Auch mit einem Lüfter überzeugend?

Obiges, gutes Ergebnis geht aber nicht allein auf technische Qualität zurück, sondern auch auf die doppelte Lüfterbestückung als solche. Ein direkter Vergleich fällt in dieser Kategorie schwer, denn in der jüngeren Vergangenheit hat es nur ein weiteres 2×-120-Design in die Redaktion geschafft. MSIs Core Frozr XL setzt mit ungeschlagenen 47,4 °C (0,1 K vor NH-D15) bei schwer zu überbietenden (und zu ertragenden) 4,8 Sone aber gänzlich andere Schwerpunkte. Umgekehrt lässt sich der NH-U12A natürlich auch mit nur einem Lüfter betreiben. Noctua NH-U12A: Im Handbuch schlägt Noctua vor, den zweiten NF-A12x25 als Gehäuselüfter einzsetzen. Quelle: PC Games Hardware Noctua NH-U12A: Im Handbuch schlägt Noctua vor, den zweiten NF-A12x25 als Gehäuselüfter einzsetzen. Damit entfallen die Schwebungen, allerdings sinken Leistung und Effizienz spürbar. 51,5 °C bei 1,0 Sone schafft der halbe NH-U12A - das ist für 140-mm-Kühler kein Problem und das bereits erwähnte 120-mm-EKL-Matterhorn kühlt über den gesamten, erstaunlich ähnlichen Lautheits-Bereich (maximal 1,6 respektive 1,7 Sone) ähnlich gut, ist allerdings auch einen guten Zentimeter breiter. Die meisten 120-mm-Kühler im PCGH-Einkaufsführer kann der NH-U12A dagegen mehr oder minder deutlich hinter sich lassen - 2 bis 5 Kelvin Rückstand bei 1,0 Sone gehen in dieser (eigentlich-Budget-)Klasse aber auch mit Anschaffungskosten um die 30 Euro einher. Einen EKL Brocken Eco oder Scythe Kotestu Mark II könnte man für den Preis des NH-U12A problemlos mit zwei Retail-NF-A12x25 nachrüsten; Doppelbestückungen mit Budget-Lüftern sind zum halben Preis machbar.

Noctua NH-U12A: Fazit

Die Gesamt-Beurteilung des neuen Noctua-Flaggschiffs hängt an zwei Eckpunkten: dem Preis und den Abmessungen. Technisch überzeugt der NH-U12A, woran die hochwertigen Lüfter einen großen Anteil haben. Der Kühlkörper selbst ist für hohe Verlustleistungen vorbereitet und qualitativ überzeugend, aber für keinen bestimmten Drehzahlbereich optimiert. So kann sich der Kühler mit einer breiten Palette an Konkurrenten anlegen, zieht bei ähnlicher Gesamtgröße aber nur knapp davon. Erst unter spezifischen Platzanforderungen hebt sich der NH-U12A hervor - kein anderer Kühler mit dieser Breite und dieser Höhe erzielt bei vergleichbarer Lautheit so gute Temperaturen. Allerdings sind auch nur wenige Konkurrenten so tief. Breitere 140-mm-Modelle mit ähnlichem Gesamt-Materialaufwand liegen auf Augenhöhe mit und bei Spezialisierung auf bestimmte Bereiche sogar vor dem NH-U12A. Das wäre formell nur ein Leistungs-Gleichstand - den Noctua mit Mainboard-Kompatibilitätsvorteilen, einem breiteren Einsatzspektrum und Ultra-Silent-Fähigkeiten zum Sieg wenden könnte. Tatsächlich reicht es zusammen mit der einfachen Montage und der umfangreichen Ausstattung für Platz 2 in der PCGH-Bestenliste.

Die Kehrseite der Medaille ist aber der Preis. Mit 100 Euro kostet der NH-U12A das Drei- bis Vierfache der kompakteren 1×-120-mm-Konkurrenz, die er klar schlägt. Er kostet rund das Doppelte der 1×140-mm-Modelle, mit denen er gleichzieht. Und selbst die 2×-140-mm-Tower, denen er klar unterlegen ist, gibt es für 75 bis 85 Euro spürbar günstiger. Be Quiets 120-mm-+-135-mm-Dark-Rock-Pro-4 kostet 70 Euro und schlägt den NH-U12A in den meisten Aspekten knapp; in allen bis auf die Abmessungen ist er zumindest gleich auf, selbst beim Gewicht. Damit bleibt für Noctuas Neuvorstellung nur ein sehr schmaler Korridor (wortwörtlich - 9 mm in der Breite; 4 mm in der Höhe), in dem bessere Kühler zu sperrig wären, kleinere nicht genug Leistung liefern und der Preis keine Rolle spielen darf. Sonst handelt es sich beim NH-U12A um ein Luxus-Produkt, das man sich aus nicht-rationalen Gründen gönnen muss.

Bildergalerie

Produkt NH-U12A
Hersteller (Website) Noctua (www.noctua.at)
Preis/Preis-Leistungs-Verhältnis Ca. € 100,-/Note 4+
Link zum PCGH-Preisvergleich www.pcgh.de/preis/2015118
Ausstattung (20%) 1,33
Enthaltene Lüfter/Anschluss/Entkopplung 2× 120 mm/4 Pin/ja
Montierbare Lüfter 2× 120 mm
Lüfterdrehzahl min. – max. (PWM) 210 – 2.030 U/min
Ausführung Boden Kupferbodenplatte, vernickelt
Wärmeleitmittel/Lüftersteuerung/Extras Spritze NT-H1/Kabel-Adapter/einfacher Schraubendreher, Y-Kabel
Eigenschaften (20%) 2,21
Sockelunterstützung AMD AM4/AM2(+)/AM3(+)/FM1/FM2(+)
Sockelunterstützung Intel 1151/1150/1155/1156/2066/2011-v3/2011
Anpresskraft Sockel 1151 320 N (Intel-Vorgabe: Maximal 222 N)
Maße (B × H × T), Gewicht mit Lüfter(n) 127 × 159 × 113 mm, 1.150 g
Montageaufwand (AMD/115X/2066) Gering/gering/gering
Platinenausbau nötig (AMD/115X/2066) Nein/ja/nein
Gedrehte Montage (AMD/115X/2066) Nicht möglich/möglich/möglich
Leistung (60%) 1,89
CPU-Temp., Serienlüfter (100/75/50 %) 48,4/50,7/56,7 °C
Lautheit Serienlüfter (100/75/50 %) 2,4/0,8/0,1 Sone
Schalldruckpegel Serienlüfter (100/75/50 %) 38,3/28,4/17,7 dB(A)
CPU-Temp., Serienlüfter bei 1,0 Sone 50,3 °C (1.500 U/min)
CPU-Temp., Referenzlüfter (100/75/50 %) 51,7/54,7/61,9 °C (2× 120 mm)
Lautheit Referenzlüfter (100/75/50 %) 1,3/0,5/0,1 Sone (2× 120 mm)
Schalldruckpegel Referenzlüfter (100/75/50 %) 32,5/25,0/17,0 dB(A) (2× 120 mm)
Fazit + Sehr hochwertige Lüfter
  + gute Maximalleistung & Effizienz
   
Wertung 1,84
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    • Kommentare (46)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Kitschi PC-Selbstbauer(in)
        AW: Luxus-CPU-Kühler: Noctua NH-U12A im Test

        wenn ich mir den Test so durchlese, kann ich meinen Matterhorn Rev. B von meinem Haswell runternehmen und mit AM4 Kit auf einen Zen 2 packen und brauch keinen neuen Kühler
      • Von Kitschi PC-Selbstbauer(in)
        AW: Luxus-CPU-Kühler: Noctua NH-U12A im Test

        wenn ich mir den Test so durchlese, kann ich meinen Matterhorn Rev. B von meinem Haswell runternehmen und mit AM4 Kit auf einen Zen 2 packen und brauch keinen neuen Kühler
      • Von Lios Nudin BIOS-Overclocker(in)
        AW: Luxus-CPU-Kühler: Noctua NH-U12A im Test

        Test: Noctua NH-U12A - Messungen 4.3 GHz 1x Referenzausstattung

        Zitat
        Dennoch kann der U12A ein paar respektable Siege erringen, wie etwa gegen den großeren Dark Rock 4 oder den D15 auf niedrigen U/Min.
        Auch interessant, wie sich die Kühler aus der TR True Spirit 140 Reihe nach all der Zeit mit dem Referenzlüfter Noctua NF-12 Lüfter bei niedrigen Lüfterdrehzahlen bis auf den dritten Platz vorschieben können.

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        Der TR 140 Power hat sogar noch die dickeren Heatpipes als der getestete TR 140 BW (6x8mm vs. 6x6mm). Der Platzbedarf in der Höhe und Breite ist natürlich eine Hausnummer.
      • Von MazeFrame Schraubenverwechsler(in)
        AW: Luxus-CPU-Kühler: Noctua NH-U12A im Test

        Zitat von P4Gu35ch
        Zudem es Noctua immer noch nicht schafft mal TDP Angaben zu liefern.
        Ohne die Umstände unter denen Intel oder AMD ihre TDP ermitteln, ist TDP wertlos. Es ist nichtmal Intel TDP = AMD TDP, oder Nvidia TDP.

        Noctua bietet für jeden ihrer Kühler schöne Listen wo gezeigt ist ob eine gegebene CPU mit einem Kühler funktioniert. Unter Spezifikationen einfach auf "CPU-Kompatibilitätsliste" geklickt und es gibt eine schöne Übersicht.
      • Von Narbennarr
        AW: Luxus-CPU-Kühler: Noctua NH-U12A im Test

        Immer wieder das Geplapper um die TDP Angaben. Was will man damit? Die sagen ohnehin schon kaum etwas aus und für einen Vergleich zweier Kühler sind sie gänzlich unbrauchbar
      • Von Abductee Kokü-Junkie (m/w)
        AW: Luxus-CPU-Kühler: Noctua NH-U12A im Test

        Was sollte die TDP-Angabe denn bringen?

        Noctua pflegt extrem gute Kompatibiliätslisten, für CPU`s, Mainboards und Gehäuse.
        Das hat kein anderer Hersteller.
        Kompatibilitaetslisten - Support
        Wird nicht lange dauern bis der NH-U12A auch in der CPU-Liste auftaucht.
      Direkt zum Diskussionsende
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