Teslas Cybertruck droht zum Jahrhundert-Flop zu werden - trotz Rekordquartal
Tesla liefert so viele Autos aus wie nie zuvor, doch der Cybertruck stürzt ab. Neue Zulassungszahlen wecken Erinnerungen an einen der historisch berühmtesten Auto-Flops.
Tesla hat im zweiten Quartal 2026 mit 480.126 ausgelieferten Fahrzeugen einen neuen Quartalsrekord aufgestellt. Für den Cybertruck zeichnet sich dagegen ein völlig anderes Bild ab: In den USA wurden von Januar bis Mai lediglich 7.133 Exemplare neu zugelassen. Damit bleibt der kantige Elektro-Pick-up so weit hinter Elon Musks früheren Zielen zurück, dass Bloomberg bereits Parallelen zum Ford Edsel zieht - einem der bekanntesten Fehlschläge der Automobilgeschichte.
Musk hatte für die hochgefahrene Produktion einst rund 250.000 Cybertrucks pro Jahr in Aussicht gestellt. Im ersten vollständigen Verkaufsjahr 2024 erreichte das Modell jedoch nur ungefähr 39.000 Einheiten, 2025 gingen die Verkäufe weiter zurück. Selbst bei einer deutlichen Erholung in der zweiten Jahreshälfte dürfte Tesla 2026 erneut nur einen Bruchteil der ursprünglich genannten Größenordnung erreichen.
Der Vergleich mit dem Edsel ist dennoch keine direkte Gleichsetzung: Ford verkaufte von seinem 1957 gestarteten Modell insgesamt deutlich mehr Fahrzeuge, hatte dafür aber auch eine eigene Marke, zahlreiche Varianten und ein großes Händlernetz aufgebaut, die dann spektakulär kollabierten. Beim Cybertruck ist vor allem das Verhältnis zwischen öffentlichem Hype, geplantem Produktionsvolumen und tatsächlicher Nachfrage auffällig. Nachdem sich Musk-Fans eingedeckt hatten, trifft die Nachfrage auf eine Wand aus Ressentiment.
Edelstahlkarosserie wird zum kostspieligen Sonderweg
Für Tesla ist der Cybertruck auch technisch ein Ausreißer. Die schwer zu formenden Edelstahlbleche erfordern besondere Produktionsverfahren, während die Karosserie außerhalb Nordamerikas wegen ihrer scharfen Kanten und ihrer Abmessungen nur schwer zulassungsfähig ist. Hinzu kommen Rückrufe und ein Einstiegspreis, der deutlich oberhalb der bei der Vorstellung 2019 genannten 39.900 US-Dollar liegt. Musk hatte die Fertigung bereits 2023 selbst als enorme Herausforderung bezeichnet und erklärt, Tesla habe sich mit dem Modell gewissermaßen sein eigenes Grab geschaufelt.
Dass Tesla die einzelnen Verkaufszahlen von Cybertruck, Model S, Model X und Semi nicht getrennt ausweist, erschwert eine genaue Bewertung. Zusammengenommen kam diese Kategorie im zweiten Quartal lediglich auf 12.364 Auslieferungen. Der Cybertruck ist damit aktuell kein relevanter Treiber für Teslas Rekordquartal; fast 97 Prozent aller ausgelieferten Fahrzeuge waren Model 3 oder Model Y. Die kämpfen auch mit weniger Kinderkrankheiten als der Cybertruck und haben eher ein Imageproblem für bestimmte Zielgruppen, die mit Elon Musk nicht korrelieren.
Tesla verdient weniger und investiert massiv in KI
Auch die Geschäftszahlen zeigen den Umbau des Konzerns. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal auf 28,24 Milliarden US-Dollar, während der operative Gewinn um 57 Prozent auf 398 Millionen US-Dollar sank. Tesla investierte allein in diesem Quartal 5,8 Milliarden US-Dollar und erwartet für das Gesamtjahr Investitionsausgaben von mehr als 25 Milliarden US-Dollar. Ein großer Teil fließt in Robotaxis, Optimus, KI-Rechenzentren und die geplante Chipfertigung. "Tesla sei mehr als ein Automobilhersteller", ist häufig die Aussage, wenn es um die Bewertung des Aktienkurses geht.
Quelle: Tradingview
Nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen ging es für Testa erst einmal bergab. Das Papier handelte in den letzten Jahren aber wenig rational.
Für PCGH-Leser ist deshalb weniger der historische Autovergleich entscheidend als Teslas Prioritätenwechsel: Der Konzern behandelt Fahrzeugverkäufe zunehmend als Grundlage für ein deutlich kapitalintensiveres Geschäft mit KI, Chips und Robotik. Dazu passen der geplante AI5-Prozessor und die Terafab, die Tesla, SpaceX und xAI langfristig mit eigener Rechenhardware versorgen soll.
Ob der Cybertruck eingestellt, überarbeitet oder mit günstigeren Varianten stabilisiert wird, ist bislang offen. Die derzeitigen Zahlen sprechen jedoch dafür, dass er ein Nischenmodell bleibt. Investitionen in das Produkt sind aber wohl keine mehr zu erwarten, und wie lange die Produktion fortgeführt wird, dürfte am Willen Elon Musks hängen, die niedrige Auslastung zu bezuschussen. Der größere Einsatz liegt inzwischen ohnehin woanders: Tesla muss beweisen, dass die hohen KI-Ausgaben künftig mehr einbringen als das klassische Autogeschäft, dessen Margen derzeit unter Druck stehen.
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Quellen: Tesla Investor Relations, Forbes, Ars Technica, The Wall Street Journal
