"Muse": Microsoft stellt KI-Werkzeug für "Gameplay auf Knopfdruck" vor
Microsoft stellt das KI-Werkzeug "Muse" vor, das Entwicklern zu einem besseren Verständnis der Interaktion zwischen Spieler und Spiel führen soll. Die Art der Implementierung löst aber auch Kritik aus.
Die britische Niederlassung von Microsoft Research hat in Zusammenarbeit mit dem Xbox-Studio Ninja Theory ein neuartiges KI-System namens Muse entwickelt, das einen Durchbruch in der Welt der Spielentwicklung verspricht. Das als "World and Human Action Model" (WHAM) konzipierte System wurde im Fachjournal Nature vorgestellt und nutzt sieben Jahre gesammelte Spielerdaten aus dem Multiplayer-Titel Bleeding Edge, um Gameplay-Sequenzen zu generieren.
Laut dem offiziellen Microsoft-Bericht unterscheidet sich Muse von herkömmlichen generativen KI-Modellen. Statt bloß 3D-Assets oder Texturen zu erstellen, analysiert das System die Interaktion zwischen Spielereingaben und Spielwelt-Dynamik. Durch das Training mit über 1 Milliarde Bildern und zugehörigen Steuereingaben erlernte Muse ein detailliertes Verständnis der physikalischen Regeln und Spielmechaniken von Bleeding Edge.
Das Arena-Shooter-Experiment von Ninja Theory erwies sich in diesem Kontext als ideale Trainingsgrundlage, wie Microsoft erklärt: Spieler stimmten der Nutzung ihrer Match-Daten über das Endnutzer-Lizenzabkommen (EULA) zu, wobei Microsofts Compliance-Teams die Datenschutzkonformität sicherstellten. Der 4-gegen-4-Multiplayer selbst bot indes ausreichend strategische Variabilität für das KI-Training.
Das Modell operiert in zwei Modi. Bei Eingabe von zehn Anfangsbildern (entsprechend einer Sekunde Spielzeit) und den dazugehörigen Controller-Eingaben generiert Muse bis zu zweiminütige Spielabläufe, die konsistent mit den Spielregeln bleiben. Zudem können Entwickler Objekte wie schwebende Skateboards oder explosive Fässer in die Spielwelt einfügen, woraufhin Muse automatisch plausible Interaktionsmöglichkeiten vorschlägt und visualisiert.
Laut internen Dokumenten reduzierte der Einsatz des WHAM-Demonstrators, einer visuellen Schnittstelle für Muse, die Iterationszeit bei Leveldesign-Entscheidungen um bis zu 40 Prozent. Laut Xbox-Chef Phil Spencer (via The Verge) liegt in Muse entsprechend ein Schlüssel zur Lösung von Kompatibilitätsproblemen alter Spiele: "Modelle können historische Titel auf jeder Plattform lauffähig machen - unabhängig von Original-Hardware oder Engine".
Noch gibt es aber einige Hürden zu bewältigen, wie KI-Forscher und Game-Designer Dr. Michael Cook vom britischen King's College in London im Gespräch mit Eurogamer betont. Aktuell generiert Muse lediglich Pixelgrafiken, nicht den zugrundeliegenden Code. Zudem reproduziert das Modell nur aus Bleeding Edge bekannte Mechaniken, statt vollkommen neue Interaktionen zu erfinden.
Vor dem Hintergrund des Microsoft-Versprechens, dass Muse die Entwicklung nicht ersetzen könne, sei daneben fraglich, wie nützlich das KI-Werkzeug tatsächlich ausfällt. Entwickler benötigen laut Cook eine riesige Menge an Trainingsdaten, die während der laufenden Entwicklung nicht mal eben zur Verfügung steht. Selbst wenn die benötigte Eingabemenge reduziert werden kann, komme ein "Mindestverständnis der Spiellogik" hinzu - was die Frage aufwerfe, ob Muse jemals einen echten Vorteil bieten kann.
Zur Spencer-Aussage über die Erhaltung alter Spiele hat Cook indes eine klare Meinung: er findet sie "idiotisch". In einer gewissen Weise sei selbst sein achtjähriger Sohn, der das Finale von Final Fantasy 8 mit Kreide nachzeichnet, ebenfalls eine Form der Erhaltung. Muse hingegen sei hingegen definitiv nicht der Weisheit letzter Schluss, wenn es darum geht, ältere Spiele in ihrem natürlichen Glanz zu bewahren.
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