Napster-Moment: KI-Szene erwartet Präzedenzfall bei Klage gegen Midjourney
Disney und Universal ziehen gegen Midjourney vor Gericht - der KI-Bildgenerator soll massenhaft urheberrechtlich geschützte Inhalte kopieren. Droht der KI der erste echte Napster-Moment?
Das KI-Universum erlebt nun seinen ersten Napster-Moment. Manch einer erinnert sich noch, wie die Band Metallica Napster im Jahr 2000 wegen Urheberrechtsverletzung verklagt und gewann.
Für Midjourney ist der Moment jetzt auch gekommen, denn Disney und Universal klagen gegen den KI-Bildgenerator und werfen dem Unternehmen vor, "ein Fass ohne Boden für Plagiate" zu sein. Es ist zwar nicht die erste Klage gegen Midjourney, aber es könnte die Klage werden, die für das KI-Universum entscheidend wird, denn die Kläger sind klar darauf aus, generelle Fakten zu schaffen, die dann für alle Bildgeneratoren gelten.
Wendepunkt der KI-Landschaft
Disney stört sich kurzum daran, dass man bei Midjourney per Textprompt einen "traurigen Darth Vader" erzeugen kann und bekommt dann quasi so etwas wie eine Fanart oder auch ein Meme. Für diese erbrachte Leistung nimmt Midjourney Geld, denn die Serverfarm muss bezahlt werden und es bleibt logischerweise ein Gewinn hängen. Nach Ansicht von Disney und Universal verdient Midjourney hier mit urheberrechtlich geschütztem Material.
Es "funktioniert wie ein virtueller Verkaufsautomat", formulieren die Anwälte sehr kreativ in der Klage, "der endlose unautorisierte Kopien der urheberrechtlich geschützten Werke von Disney und Universal erzeugt".
Aber da ist man nicht fertig, denn Midjourney könnte gewisse Prompts und Schlagworte einfach sperren. Die generative Bild-KI musste auch trainiert werden und aktuell wird quasi an allem trainiert, was im Internet ist und nicht eindeutig verboten. Somit auch an Bildern, die wie Darth Vader aussehen. Und mit dieser Selbstbedienung hat man Probleme.
Anwälte zeigen sich theatralisch
"Indem er sich an den urheberrechtlich geschützten Werken der Kläger bedient und dann Bilder (und bald auch Videos) verbreitet, die unverhohlen Disneys und Universals berühmte Charaktere enthalten und kopieren - ohne auch nur einen Penny in deren Erstellung zu investieren - ist Midjourney der Inbegriff des urheberrechtlichen Trittbrettfahrers und ein Fass ohne Boden für Plagiate. Piraterie ist Piraterie, und ob ein Bild oder Video, das gegen das Urheberrecht verstößt, mit KI oder einer anderen Technologie erstellt wurde, macht es nicht weniger verletzend."
Wer fühlt sich hier nicht an Urheberrechtsklagen aus der Jahrtausendwende zurückerinnert? Der Klage ging natürlich ein Vorspiel voraus, bei dem die beiden Kläger Midjourney darum baten, diese "Urheberrechtsverletzungen" sein zu lassen. Doch Midjourney spielte ob der Tragweite nicht mit und dürfte nun in der ersten Linie des Gefechtes darum stehen, was KI darf und was nicht.
In den USA gibt es zum Beispiel den Digital Millennium Act und die Fair-Use-Klausel. Richter müssen jetzt entscheiden, inwieweit Disney und Universal ihr Urheberrecht verletzt sehen dürfen. Es wäre für die Kläger vermutlich deutlich schwerer, wäre keine finanzielle Leistung im Spiel und würden die Bilder nicht kommerziell verwendet.
Präzedenzcharakter der Klage
Es bleibt aber auch die Frage nach dem Training: Dürfen Dienste wie Midjourney, die jetzt auch an generativen Bewegtbildarbeiten, an Material wie Star Wars, trainieren? Die Frage kam schon einmal in einer Sammelklage gegen Midjourney, StabilityAI und DevianArt auf, aber die Tragweite der beiden Unternehmen dürfte eher das Erdbeben sein, das Napster mit Metallica erlebte.
"Indem er sich an den urheberrechtlich geschützten Werken der Kläger bedient und dann Bilder (und bald auch Videos) verbreitet, die unverhohlen Disneys und Universals berühmte Charaktere enthalten und kopieren - ohne auch nur einen Penny in deren Erstellung zu investieren - ist Midjourney der Inbegriff des urheberrechtlichen Trittbrettfahrers und ein Fass ohne Boden für Plagiate. Piraterie ist Piraterie, und ob ein Bild oder Video, das gegen das Urheberrecht verstößt, mit KI oder einer anderen Technologie erstellt wurde, macht es nicht weniger verletzend."
"Das Raubkopier-Geschäftsmodell von Midjourney und die Missachtung des US-Urheberrechts sind nicht nur ein Angriff auf Disney, Universal und die hart arbeitende kreative Gemeinschaft, die die Magie von Filmen zum Leben erweckt, sondern stellen auch eine allgemeine Bedrohung für die amerikanische Filmindustrie dar, die Millionen von Arbeitsplätzen geschaffen und mehr als 260 Milliarden Dollar zur Wirtschaft des Landes beigetragen hat", so die Anwälte.
Klage gegen Disney wegen Tarkin
Dabei sollte man nicht vergessen, dass auch Disney schon seinen Aha-Moment hatte, als man von einem Freund und Produzenten Peter Cushings verklagt wurde. Im Kern ging es um die laut Klage unbefugte Nachbildung von Tarkin in Rogue One: A Star Wars Story - die Klage ist bislang anhängig und auch ihr wird Präzedenzcharakter zugesprochen. Cushing habe einer solchen Nutzung kurz vor seinem Tod 1993 ausdrücklich widersprochen. Disney und Lucasfilm als Beklagte sehen das natürlich anders. Da verweist man darauf, dass man nicht gegen vertragliche Bedingungen verstoßen habe.
Quelle: via The Verge

Am Ende gibt es einen Vergleich und Midjourney und Co. müssen für jeden Darth Vader 3 Cent abdrücken.
Erhöht die Kosten für den Kunden, aber letztlich egal.
Wie gut, das ich hier nur "lokal" unterwegs bin...
Wenn von Disney nur noch Sachen wie "The Acolyte" oder "Ashoka" kommen, ist man ja gezwungen, seinen eigenen Star Wars Kram zu produzieren.
SCNR