Lego hat Noppenstein schützen lassen, den Konkurrent längst nutzt: Doch der bleibt gelassen
Lego hat sich ein Design schützen lassen, das es schon länger bei der Konkurrenz gibt. Rivale Kiddicraft bleibt aber gelassen. Absicht vermutet man nicht.
Mitte März sorgte eine Bekanntmachung des deutschen Lego-Rivalen Bluebrixx für Aufsehen. Die Flörsheimer stellen derzeit einen Großteil ihres Sortiments um, damit künftig keine Bauteile mehr zum Einsatz kommen, die durch Designrechte von Lego geschützt sind.
Dabei ist der klassische Klemmbaustein markenrechtlich nicht geschützt. Es gibt jedoch einzelne Bauteile mit einem Designschutz. Ihren hatten die Dänen bereits im vergangenen Jahr gerichtlich durchgesetzt. Als Konsequenz entwickelte Bluebrixx eigene Noppensteine.
Gleichzeitig betont Bluebrixx, selbst nicht gegen die Konkurrenz vorgehen zu wollen. Das Schützen eigener Teile diene allein dem Selbstschutz. Ansonsten sei denkbar, dass sich jemand anderes die Bluebrixx-Teile sichern lässt und dann gegen Bluebrixx vorgeht.
Von einer interessanten Kuriosität berichtet nun Thorsten Klahold auf seinem Youtube-Kanal Johnny's World. Klahold stellt dort nicht nur Klemmbausteine verschiedener Hersteller vor, er hat auch die Marke Kiddicraft und damit den eigentlichen Erfinder der Klemmbausteine wieder ins Leben gerufen. Klahold legt eigenen Angaben nach allergrößten Wert darauf, dass in den Sets keine geschützten Noppensteine verbaut werden. Trotzdem sind sie das nun in mehreren Fällen. Der Grund: Lego hat sich ein längst verfügbares Teil schützen lassen.
Dieser Klemmbaustein ist betroffen
Panlos soll das betroffene Element schon seit 2022 im Sortiment haben. Lego ließ es erst im Oktober 2025 schützen, die Veröffentlichung im Register der WIPO erfolgte im Februar. Es geht um die 2x2 Plate Corner Round, im Grunde ein kleiner Viertelkreis. Das Teil kommt bei Lego in mehreren 2026er-Sets zum Einsatz, unter anderem im großen Pokémon-Modell, so Klahold. Bei Kiddicraft werde es in einer Burg, einer Zitadelle und einer Zwergenmine verbaut. Erstere erschien dem Beitrag zufolge schon Ende 2024, die anderen Sets sollen vor dem Designeintrag Legos geplant und produziert worden sein.
Eingetragen ist das Teil bei der WIPO unter der Nummer 015119489-0005, die internationale Schutzrechte bündelt. Sollte das Bauteil tatsächlich nicht von Lego entwickelt worden sein, würde die Schutzfähigkeit des Designs infragegestellt. Entscheidend ist dabei, soweit wir als Nichtjuristen wissen, die sogenannte Neuheit: Nur Gestaltungen, die sich vom bereits bestehenden Formenschatz unterscheiden, können wirksam geschützt werden.
Warum ließ sich das Design dennoch eintragen? Der Designschutz zählt zu den sogenannten ungeprüften Schutzrechten. Das bedeutet: Eine Anmeldung wird zunächst ohne inhaltliche Prüfung eingetragen. Erst wenn ein Dritter Einspruch erhebt, wird überprüft, ob die Voraussetzungen - etwa die Neuheit - tatsächlich erfüllt sind.
Für betroffene Unternehmen kann das dennoch problematisch sein. Zunächst entfaltet der Eintrag nämlich seine Schutzwirkung. Das Anfechten ist möglich und sinnvoll, verursacht jedoch Kosten. Für kleinere Anbieter kann das ein wirtschaftliches Risiko darstellen, selbst dann, wenn sich der Eintrag später als unzulässig erweist und der Verlierer nachträglich die Kosten zahlt. Klahold nennt in seinem Video das Einkassieren von Importen durch den Zoll als Mittel, das ein Designinhaber theoretisch auch bei einem nur vermeintlichen Verstoß nutzen kann, was er Lego aber nicht zutraut.
Kein böses Blut beim Lego-Rivalen
Auf seinem YouTube-Kanal Johnny's World äußert sich Klahold sehr differenziert. Trotz früherer juristischer Auseinandersetzungen mit Lego betont er, keinen Groll zu hegen.
Als mögliche Ursache sieht er einen Fehler im Anmeldeprozess. Es könne sein, dass die durch Lego beauftragte Kanzlei in Alicante ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat, also, so unsere Interpretation, nicht ausreichend geprüft hat, ob das Teil nicht längst existiert. Das mit den Hausaufgaben sei aber nur eine Einschätzung, betont der Youtuber, kein belegter Sachverhalt.
Eigentlich müsse Klahold nun den Rechtsweg einschlagen, heißt es im Video. Stattdessen möchte der Unternehmer den kleinen Dienstweg gehen. Legos Anwalt kenne er noch gut, habe ihn als feinen Mann kennengelernt. Klahold wolle ihm daher einen Brief schreiben, in dem er das Problem schildert und um eine Löschung des Designschutzes bittet.
Grundsätzlich zeigt sich der Youtuber gelassen. Lego nehme er als vergleichsweise fair agierenden Konzern wahr, sodass aus seiner Sicht eine außergerichtliche Klärung realistisch erscheint. Der Unternehmer verweist in dem Kontext auf die 1x5-Plate, die sich Lego einst schützen ließ, obwohl sie bei Anbietern wie Cobi längst genutzt wurde. Als dieser Schutz angegriffen wurde, habe Lego ihn sofort fallen gelassen.
Quelle: Youtube

Und dann traut er Lego nicht zu, dass sie den Zoll als Mittel einsetzen? Das machen sie schon seit Jahren. Hat der Typ, wer auch immer das ist, die letzten 10 Jahre Unternehmensstrategie von Lego nicht mitbekommen?
Leo geht es schon längst nicht mehr um gute Produkte, nur noch darum die Konkurrenten klein zu halten. Das ist nichts Neues.
Und dann traut er Lego nicht zu, dass sie den Zoll als Mittel einsetzen? Das machen sie schon seit Jahren. Hat der Typ, wer auch immer das ist, die letzten 10 Jahre Unternehmensstrategie von Lego nicht mitbekommen?
Leo geht es schon längst nicht mehr um gute Produkte, nur noch darum die Konkurrenten klein zu halten. Das ist nichts Neues.
Oder auch: Realitätsverlust in Reinform🤣