Breitbandausbau: Recht auf schnelles Internet sorgt für Diskussionsstoff
Die Grünen kritisieren, dass die Bundesregierung beim geplanten Recht auf schnelles Internet nur sehr geringe Datenraten vorschreiben will.
Wer seine eigene Internetleitung messen möchte, kann dies mit dem von der Bundesnetzagentur erstellten Portal namens Breitband-Monitor tun. Bereits im Jahr 2019 verbrauchte ein Haushalt in Deutschland durchschnittlich monatlich 137 GiByte an Datenvolumen über die stationäre Internetleitung. Über jede Mobilfunk-SIM-Karte wurden monatlich durchschnittlich 2,5 GiByte an Daten verbraucht im Jahr 2019. In Zeiten von Homeoffice und Homeschooling dürften die benötigten Datenmengen inzwischen deutlich höher liegen. Laut der Grünen-Expertin für digitale Infrastruktur, Margit Stumpp, verhält sich die Bundesregierung "wie ein bockiges Kind", wenn es um ein geplantes Recht auf schnelles Internet geht. Hier kommt am Rande des Digitaltalks des Branchenverbands Breko mit Sicherheit auch etwas Wahlkampf durch, schließlich befindet man sich im Superwahljahr 2021, das in der Bundestagswahl am 26. September gipfelt.
Wie hoch muss die Datenrate der Internetverbindung sein?
Die Grünen fordern einen Rechtsanspruch auf einen Breitband-Anschluss mit einer Übertragungsrate, wie sie die Mehrzahl der Deutschen bereits heute nutzt, weil es immer noch vier Millionen Haushalte in Deutschland gibt, bei denen der Internetanschluss nicht mal 50 Megabit in der Sekunde offeriert. Die Bundesregierung definiert lediglich, dass der geplante Universaldienst schnell genug sein müsse für das Abrufen von E-Mails, Online-Bestellungen oder Nachrichtenportale.
All diese Dienstleistungen benötigen aber nur eine vergleichsweise geringe Datenrate, wenn man bedenkt, dass Netflix zum Video-Streaming mindestens 0,5 Megabit benötigt oder 5,0 Megabit pro Sekunde für Videos in Full-HD beziehungsweise mindestens 25 Megabit in der Sekunde für Videos in Ultra-HD. Spiele-Streaming über Google Stadia benötigt eine Internetleitung mit mindestens 10 Megabit pro Sekunde, bei UHD-Auflösung müssen es gar mindestens 35 Megabit in der Sekunde sein.
Der Vizepräsident von Breko hingegen findet die "Diskussion um ein Recht auf schnelles Internet aus der Zeit gefallen". Telekommunikationsanbieter müssen schließlich hohe Investitionen tätigen, um Glasfaser-Anschlüsse zu verlegen und sich zugleich noch mit jeder Menge Bürokratie herumschlagen. Die freiwillige Bereitschaft, schnelles FTTH, also Glasfaser bis zum Hausanschluss zu verlegen, ist folglich ziemlich niedrig. Die Deutsche Telekom hat beispielsweise mittlerweile nach eigenen Aussagen 1,7 Millionen Haushalte in Deutschland mit FTTH, also direkt mit Glasfaser angebunden.
FTTC vs. FTTH - Glasfaser ist nicht gleich schnelles Internet
Wie das Bonner Unternehmen mitgeteilt hat, können nun 32,5 Millionen Haushalte in Deutschland prinzipiell einen Internettarif mit einfachem Vectoring und maximal 100 Mbit/s buchen. Hierbei spart sich das Unternehmen jedoch das Glasfaserkabel bis zum Haus zu legen und nutzt stattdessen das kostengünstige FTTC oder auch Vectoring genannt, bei dem das Glasfaserkabel beim Verteilerkasten endet und über Kupferleitungen die Verbindung zum Haus geschaffen wird.
FTTC verkraftet nicht derart hohe Datenraten wie beim Fiber to the Home mit maximal 1.000 Mbit/s. Zudem sind die Kupferbahnen durchaus störanfällig. So ist bei Fiber to the Curb bei maximal 250 Mbit/s Schluss. Erst seit Ende 2020 hat die Deutsche Telekom damit begonnen, den FTTH-Ausbau in Deutschland stärker zu fördern.
Ebenfalls lesenswert: Internetausbau: Scholz will Gigabit für alle bis 2030
Sammlung zum geplanten Recht auf einen Breitband-Internetanschluss:
- Beim Digitaltalk des Branchenverbands Breko bezeichnete die Grünen-Politikerin Margit Stumpp die Bundesregierung als "kleines bockiges Kind", wenn es um das geplante Recht auf einen Breitband-Internetanschluss geht.
- Der Vizepräsident von Breko hingegen findet die "Diskussion um ein Recht auf schnelles Internet aus der Zeit gefallen". Schließlich entstehen durch den Glasfaser-Ausbau erheblich Kosten für die Telekommunikationsanbieter.
- Noch immer verfügen vier Millionen Haushalte in Deutschland über einen stationären Internetanschluss mit maximal 50 Megabit pro Sekunde.
Quellen: Breko, Golem, Netflix, Google, VATM, Breitband-Monitor

seit Jahren lese ich vom Recht auf schnellen Internet. Es ist aber bisher kein Internetausbau von der Telekom oder einen anderen Anbieter bei mir geplant.
Kann man per Anwalt irgendwie dagegen vorgehen ? Gibt es mittlerweile ein Gesetz bzw. wird es denn nun endlich mal irgendwann umgesetzt ?
Wie sieht es nun aus dem dem Geplanten Gesetz ? Kommt da nun was in nächster Zeit ?
Grüße
Und was ist dann passiert...man hat sich auf seiner Voreiterrolle zu sehr ausgeruht.
Wenigstens spürt man von den Förderungen des Bundes für den Breitbandausbau der ländlichen Regionen, die eigentlich viel zu spät gekommen ist, mittlerweile etwas.
Wenn ich mich in meiner Umgebung hier so umsehe, habe ich eher das Gefühl, dass jede Milchkanne schnelleres Internet hat als die Großstädte. Ich wohne zentrumsnah in Hamburg und der schnellste DSL Anschluss hier ist 250/50 Mbit für 50€.
Während der Großraum nördlich von Hamburg seit über 10 Jahren 1Gbit hat (wilhelm.tel). In Schleswig-Holstein gibt es je nach Dorf symmetrisch 300/300 Mbit für 49€ (Schleswiger Stadtwerke), 600/600 Mbit 79€ oder 1000/1000 für 99€ (Vereinigte Stadtwerke).
Wir müssen aufpassen, dass die Städter nicht technologisch abgehängt werden
Da wird auch noch die nächsten 20 Jahre der Rest aus den Leitungen, Strassen und Rohren gekratzt.
Bis man dann plötzlich aufwacht und bemerkt, daß man längst abgehängt wurde.
Das ganze wird dann noch mit der schwarzen Null rechtfertigt, was völliger Schwachsinn ist, da Deutschland für seine Schulden auch noch Geld* bekommt.
Zumindest hat es einen positiven Sinn - für die Chinesen, die so Einsicht in ein deutsches Experiment haben, an dem sie ihre "100 Jahre Ziele" ausrichten können - wie man es nicht macht.
*= "Bundesanleihen mit dreijähriger Restlaufzeit sind derzeit mit einem negativen Zins von 0,8 Prozent ausgestattet, Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentieren bei minus 0,6 Prozent. Und sogar "Langläufer", also Papiere mit 30 Jahren Laufzeit, weisen inzwischen Minuszinsen von etwa 0,2 Prozent auf."
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Berichten von heise.de zufolge hätten die etwa 10.000 Nutzer des aktuellen Beta-Tests Geschwindigkeiten von mindestens 100 Mbit/s im Down- und 20 Mbit/s im Upload erhalten – und das bei einer Latenz von maximal 31 Millisekunden.
Dividende in den Ars** blasen...
Hätte man damals nicht die Telekom an die Börse gebracht, könnte man heute über eine staatliche Grundversorgung diskutieren. Und in dem Zuge über Mindestbandbreiten und monatliche Kosten. In einem marktwirtschaftlichen Umfeld ist das aber nun mal nicht wirklich möglich. Und Subventionierung ist auch nicht so leicht. Da muss inzwischen die EU mitspielen.