PCGH-Test: Das bringt PCI-Express 2.0
In der Ausgabe 01/2008 lieferten wir bereits einige Resultate des neuen Interfaces. Doch was bringt der erhöhte Durchsatz auf einer Geforce 8800 GTS/512 und einer Radeon HD3850/256?
Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Ein PC steckt voller solcher Flaschenhälse. Einer davon ist die Verbindungsstraße zwischen der Grafikkarte und dem Prozessor: der PCI-Express-Bus. Dieser arbeitet in der Ausbaustufe 2.0 schneller denn je - doch lohnt es schon jetzt, teure PCI-E-2.0-Chipsätze zu kaufen, oder tun es noch die älteren?
PCI-E 2.0: die Neuerungen
Der Hauptunterschied zum Vorläufer PCI-Express 1.1 ist die verdoppelte Bandbreite. So können im x16-Modus (16 PCI-E-Lanes) jetzt 16 Gigabyte pro Sekunde übertragen werden (PCI-E 1.1: acht Gigabyte, AGP8x: zwei Gigabyte). Der Slot ist nun außerdem in der Lage, Grafikkarten mit bis zu 300 Watt Leistungsaufnahme zu versorgen. Dann ist allerdings wieder mindestens ein zusätzlicher Stromstecker Pflicht. Praktisch: Der Standard ist abwärtskompatibel (jede PCI-Express-Grafikkarte funktioniert) und bedarf keinerlei Wartung. Steckt eine PCI-E-2.0-Karte im Slot, dann arbeitet sie sofort mit der vollen Bandbreite.
Wer kann's?
Seit unserem letzten Test ist das Feld PCI-E-2.0-kompatibler Komponenten gewachsen. Neben der Geforce 8800 GT unterstützt auch die G92-basierte GTS/512 den neuen Standard. Auf der AMD-Seite wirbt die Radeon-HD-3800-Reihe mit dem Feature. Voll entfalten können sich diese Grafikkarten jedoch erst mit einem ebenfalls PCI-E-2.0-fähigen Mainboard. Beim Sockel 775 fängt dies mit Intels X38-Chipsatz an und wird vom High-End-Nachfolger X48 fortgeführt. Beide bieten zwei x16-Slots nach 2.0-Standard. Der neue P45 unterstützt ebenfalls PCI-E 2.0, aber nur zweimal acht Bahnen. Auch Nvidia liefert mit Nforce 780i SLI und 790i SLI PCI-E-2.0-Chipsätze - und gleichzeitig die Option, Triple-SLI zu nutzen. P35-Platinen und darunter setzen noch auf die Spezifikation 1.1. Stecken Sie eine neue 2.0-Karte in deren Slots, stehen dieser nur acht Gigabyte und damit keine Vorteile zur Verfügung.
Bei AMD-Plattformen (Sockel AM2+) hält PCI-E 2.0 mit den aktuellen 7er-Chips von AMD sowie Nforce 750a SLI und 780a SLI Einzug. Unterschiede gibt es bei den zur Verfügung stehenden PCI-E-Lanes: Während der AMD 770 nur einen einzigen x16-Slot bietet, lassen sich die bereitgestellten Lanes beim 790X auch auf zwei x8-Slots verteilen. Das neue High-End-Modell 790FX rundet das Feld mit zwei "vollen" x16-Steckplätzen ab und ist damit das ideale Heim für eine SLI-Konfiguration. Alle älteren Chipsätze arbeiten gemäß der alten Spezifikation.
Ausgleich durch OC?
Der für Spieler entscheidende Unterschied ist die Bandbreite. Diese wird besonders beansprucht, wenn der Grafikkarte der lokale Videospeicher ausgeht (siehe den folgenden Artikel). Denn dann werden die überschüssigen Daten über PCI-Express in den Hauptspeicher ausgelagert. Die Übertakter unter Ihnen fragen sich nun sicher: Lässt sich der Effekt von PCI-E 2.0 - sofern vorhanden - durch Übertaktung eines 1.1-Slots erreichen? Unsere Erfahrungswerte besagen, dass so gut wie jede Grafikkarte einen PCI-E-Takt von 125 MHz stabil bewältigt. Geforce-Karten sind dabei tendenziell taktfreudiger, einige lassen sich mit dem passenden Mainboard gar auf 140 MHz hieven - das entspricht einer Übertaktung von 40 Prozent. Doch bereits über 115 MHz wird es oft problematisch: Die SATA-Controller diverser Motherboards steigen schon bei 120 MHz aus. Werden Ihre Festplatten nicht mehr erkannt, müssen Sie den Takt reduzieren. Übrigens hat es sich als wenig hilfreich erwiesen, die PCI-E-Spannung im BIOS zu erhöhen.
Lassen Sie besser die Finger von dieser Option, da sie im Gegensatz zu reinen Takterhöhungen deutlich gefährlicher für die Gesundheit Ihrer Grafikkarte ist.
