Vollständig passiv gekühlt: Arctics lüfterloser Under-Desk-PC mit Ryzen-CPU im Test
Arctic bringt mit dem Senza einen Under-Desk-Office-PC, der vollständig passiv gekühlt ist. Eine Desktop-CPU und kein Lüfter? Wir haben die spannende Konstruktion genauer unter die Lupe genommen.
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Die Überraschung war groß, als Arctic, ein eingefleischter Hersteller preiswerter und sehr guter Kühlungen, mit einem neuen Produkt um die Ecke kam: Ein Fertig-PC sollte es sein. Doch wer benötigt noch einen normalen Kompaktrechner für den Schreibtisch? Das hat sich Arctic wohl auch gedacht und aus dem eigens benannten Senza ein buntes, cooles und sehr wildes Einhorn gemacht. Denn Standard ist an diesem PC rein gar nichts. Das System ist vollständig passiv. Weder Kühler noch Netzteil oder HDD, es gibt keine mechanischen Komponenten, die Lärm erzeugen oder gewartet werden müssen. Dieses Feature trägt der Senza auch designtechnisch vor sich her. Der eigentliche PC nimmt nur einen Bruchteil der Gesamtgröße des Rechners ein. Zur Rechten und Linken des Mainboards sitzen massive Kühlkörper, deren dicke Lamellen über vier Heatpipes die Hitze von der CPU wegtransportieren. Die Montage auf der CPU wird dabei über zwei (proprietäre) Schrauben gewährleistet - auf einen normalen Sockel passt der Kühler somit leider nicht. Im Kühlerboden wurden die vier Heatpipes eingearbeitet, die somit direkten Kontakt zum Heatspreader gewährleisten.
Quelle: PCGH
Mit 4 Schrauben wird der Senza unter dem Tisch befestigt. Die Schrauben werden vorerst an der Platte angebracht, daraufhin kann der Rechner eingehängt werden.
Der Rechner wird gemäß Beschreibung als Under-Desk-PC verkauft, er wird von unten an einen Tisch montiert und ist somit gänzlich unsichtbar. Mittels Kabel lässt sich die entkoppelte IO - ausgestattet mit USB-C, USB-A, 3,5-mm-Klinke und An- sowie Reset-Schalter - für den guten Zugang vorne an einer Tischplatte montieren. Ein Kabel verbindet die Front-IO mit dem Rechner. Dieses lässt sich zwar im Inneren des Rechners abkoppeln, ein einfacher Steckmechanismus hätte uns aber besser gefallen.
Ausstattung
Im Inneren des Senza befindet sich ein proprietäres Mini-Mainboard, auf dem eine AMD-AM4-CPU sitzt. In unserem Testmodell ist dies ein Ryzen 7 5700G. Die abgespeckte Version kommt hingegen mit einem Ryzen 5500GT im Gepäck. Der Arbeitsspeicher ist bei unserem Modell mit 32 GiB relativ üppig bemessen (die Variante mit 5500GT verfügt hingegen über 16 GiB). Sinnvoll, denn CPU und integrierte Grafikeinheit teilen sich den Speicher. Da es sich jedoch um die etwas in die Jahre gekommene AM4-Plattform handelt, sprechen wir von DDR4-RAM, nicht dem neueren DDR5-Standard. Mit 3.200 MT/s hat man jedoch beim Arbeitsspeicher auf den Geschwindigkeits-Sweetspot der CPU gesetzt - hier wurde mitgedacht. Ähnlich verhält es sich bei der verbauten 1-TB-SSD. Diese basiert noch auf dem PCI-E-3.0-Standard und wurde mit dem Arctic-eigenen Passiv-Kühlkörper ausgestattet. Da das Innere des Rechners keinerlei Luftstrom ausgesetzt ist, scheint diese Maßnahme auch nötig.
Quelle: Arctic
Was hingegen fehlt, ist ein PCI-E-Slot. Lediglich die M.2-Sockel bieten die Möglichkeit, PCI-E-Geräte zu verbinden, ein PCI-E-×16- oder -×8-Anschluss ist nicht verbaut. Die Verwendung von Erweiterungskarten ist im PC auch nicht vorgesehen, Wi-Fi und Bluetooth sind schon an Bord. Das System wird mittels externem 120-W-Netzteil mit Strom versorgt, angesichts der CPU-PPT (Package Power) von 75 Watt ist der kompakte Energielieferant auch ausreichend.
Quelle: PCGH
Sehr kompakt und aufgeräumt: das Innenleben des Senza. Vier Heatpipes führen die Hitze der CPU ab, die SODIMM-Slots lassen einen Tausch des Arbeitsspeichers zu, und ein Passiv-Kühlkörper kümmert sich um das Wohlbefinden der SSD.
BIOS: Grundfunktionen mit Verbesserungsbedarf
Bei einem neuen Rechner führt der Weg schnell ins BIOS. Schließlich will man wissen, was das System in Sachen Tuning und Einstellungsvielfalt zu bieten hat. Das BIOS des Senza ist sehr schlicht gehalten. Die einfache blau-graue Farbgebung zeigt, dass es sich nicht um ein Retail-Mainboard handelt, das Design ist lediglich zweckmäßig. Der Senza bietet hier die Möglichkeit, einige Grundfunktionen zu justieren. Neben den meist bei jedem System anzutreffenden Einstellungen wie beispielsweise Bootreihenfolge oder TPM, ist vor allem für das Tuning relevant:
- PPT: Automatisch (75 W CPU), 65, 45 oder 35 Watt
- RAM-Geschwindigkeiten: Variabel, bis 3.200 MT/s in 100-MT/s-Schritten
- Ein und Abschalten verschiedener Anschlüsse, wie beispielsweise USB
- Lüftersteuerung für einen auf dem Mainboard angebrachten, ungenutzten Header
Leider sind im Tuning-Bereich viele Funktionen aber auch nicht verfügbar. Overclocking, Takteinstellungen oder Spannungssteuerung der CPU bleiben unangetastet, genau wie die Einstellung der RAM-Timings. Das BIOS des Senza ist sehr abgespeckt, wir hoffen darauf, dass Arctic hier mit Updates nachbessert, denn auch die Einstellungen, die bei unserem System möglich waren, haben öfter zu Problemen geführt.
Windows 11 N
Bei der ersten Inbetriebnahme des Senza fällt etwas Ungewöhnliches auf. Es ploppt nichts auf, will sich installieren oder fragt nach Daten. Das vorinstallierte Windows 11 kommt vollständig ohne Bloatware aus. Es handelt sich nämlich um die "N"-Version. Das Betriebssystem ist zwar ein ganz normales Windows, jedoch ohne so manche sonst integrierte Zusatz-Software. Dazu gehört beispielsweise der Windows Media Player, oder auch Microsoft Teams. Treiberinstallationen für beispielsweise ein Mikrofon muss dann zwar der Nutzer selbst erledigen, dafür bleiben einem nervige Windows-Programme erspart. Leider können hierdurch auch Probleme auftreten. Wer den normalen Windows-Umfang nutzen möchte, kann sich jedoch das "Media Feature Pack" von Microsoft herunterladen.
Für alles, was darüber hinausgeht, braucht es entweder zusätzliche Chips oder verlötete Prozessoren. Warum man nicht einfach letzteren Weg gegangen ist, kann ich auch nicht ganz nachvollziehen, aber ersteres wäre nur eingeschränkt sinnvoll gewesen: USB-Hubs kann man bei Bedarf genauso gut extern anschließen und da der PC per Definition an schlecht erreichbaren Stellen montiert werden soll, ist das sogar die bessere Idee. Nur PCI-E-basierte Zusatzcontroller für höhere Geschwindigkeiten wären ein echter Mehrwert gewesen. Da bin ich auch allgemein etwas enttäuscht, dass Arctic 10 bis 11 Lanes einfach so in die Tonne tritt. Zwei bis drei weitere M.2- oder auch ein ×1-Slot kosten nun wirklich nicht die Welt und hätten den Senza nicht nur aufgewertet, sondern auch komplett neue Absatzmärkte erschlossen. Zwei große QLC-SSDs rein, fertig ist der lautlose Home-Server/Media-Player. Noch ein Quad-Gigabit-B-Key-Modul dazu und man hat einen Luxus-Router integriert.
Verstehe nicht so ganz, wieso hier noch zwei USB2 Anschlüsse dran sind, wieso nicht einfach viermal USB3 bei dem Preis?
Davor hatte ich einen M1 Mac mini, der von der nicht vorhanden Lautstärke unschlagbar ist, aber nach einen Jahr MacOS hatte ich die Nase voll und beim ESP32 Kompilieren war er mir auch zu langsam.
Jetzt läuft der BD790i mit zwei 12cm Noiseblocker Black Silent PRO PL-PS Lüfter , die zwar irgendwann hörbar werden wenn die CPU voll ausgelastet ist, was aber selten ist und dann auch nur durch leichtes rauschen hörbar werden, wenn es ansonsten absolut ruhig im Raum ist.
Im Gegensatz zu vorher muss ich immer auf die Power LED schauen ob er an oder aus ist
Ganz ohne wärmeabfuhr geht es nur mit angezogener Handbremse, daher mein Kompromiss der jeden Euro Wert ist und trotzdem moderne Rechen power im oberen Bereich bringt. Der eingebaute 7945hx ist echt ein Hammerteil.
Ich habe auch einen vollwertigen PCI-E 5.0 Anschluss, aber leider aktuell keine GPU zum Testen.
Leise ist zwar toll, aber nicht zu jeden Preis.
Arctic setzt auf ein eigens angefertigtes Mainboard. Jan wollte das System leider nicht zerlegen, aber da keine Spannungswandler auf der Oberseite zu sehen sind, liegen sie wohl allesamt unten und haben direkte Verbindung zum Gehäuse. Einen I/O-Hub, der überhitzen könnte, gibt es zudem gar nicht erst – das hier ist beinahe AM4-SoC-Betrieb pur, nur ein USB-Controller hebt die Ausstattung minimal über das Niveau eines Notebooks. Davon abgesehen kann man auch bei anderen Passiv-PCs für die Ableitung von Mainboard-Wärme sorgen, auch wenn da sicherlich einige Angebote Sorgfalt vermissen lassen.
Arctics Schwachstelle ist in meinen Augen eher die antiquitierte Hardware. Jan mag den 5700G zwar, aber Zen 3 hat mittlerweile den vierten Geburtstag hinter sich und hier ist auch noch eine beschnittene Variante. Wer so etwas schon hat, kommt damit sicherlich noch einige Zeit aus – aber Technik aus 2020 im Jahre 2025 neu verkaufen? Das wird schwierig, zumindest wenn ein 700-Euro-Preisschild dranhängt. Woanders kriegt man für den Preis einen 8500G. Der ist zwar nicht passiv gekühlt, aber Kunden die 200 Euro Aufpreis für eine besondere Kühlung akzeptieren, wollen vermutlich selten die billigste Hardware.