Arctic Senza im Test: Leistung und Fazit
Quelle: PCGH
Seite 2:

Arctic Senza im Test: Leistung und Fazit

9
Special Jan Hauck Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen

Kühlleistung

Um die Kühlleistung der im Senza verbauten CPU, einem Ryzen 7 5700G, zu messen, wurde das System mittels Cinebench R23 unter Volllast gesetzt. Der per HWInfo ausgelesene Energieverbrauch der CPU (Total Package Power) beträgt dabei 75 Watt. Diese Abwärme muss das Kühlsystem abführen und das gänzlich ohne Lüfter. Entsprechend gestaltet sich die Aufwärmzeit lang. Wir testen den Senza in zwei unterschiedlichen Szenarien. Zum einen soll das System wie vorbestimmt unter einem Tisch Platz finden, und zum anderen positionieren wir das Gerät auf dem Tisch. Diese beiden Anwendungsbereiche belasten die Kühlung unterschiedlich stark, denn der Hitzestau, der bei der Befestigung unter einem Tisch entsteht, ist im offenen Aufbau zu vernachlässigen. Nach je über zwei Stunden Aufwärmzeit können wir verschiedene Temperaturen des Systems erfassen.

Auf beiden Seiten des eigentlichen Rechners wurden massive Passiv-Kühlkörper angebracht. Quelle: PCGH Auf beiden Seiten des eigentlichen Rechners wurden massive Passiv-Kühlkörper angebracht. Die CPU erreicht unter einem Tisch eine Maximaltemperatur von 74,5 °C, während der Chip im offenen Aufbau mit 68,5 Grad um einige Kelvin kühler ist. Beide Temperaturwerte liegen jedoch absolut im grünen Bereich. Hier gibt es noch sehr viel Spielraum nach oben, und die Leistung der CPU wird nie durch thermisches Drosseln eingeschränkt. Warum der Prozessor so gut gekühlt wird, zeigt sich an der Temperatur der Lamellen des wuchtigen Kühlkörpers. Diese erreichen ganzflächig im Aufbau unter einem Tisch 44 °C und im offenen Aufbau 42 °C. Die Temperaturdifferenz zwischen Prozessor und Kühlkörper ist somit vergleichsweise klein, was für eine gute Wärmeübertragung an die Lamellen spricht. Die Heatpipes und der direkte Heatpipe-Kontakt erledigen hier ganze Arbeit. Schließlich kommt es aber natürlich auf die Größe des Kühlers an. Mit 190 × 180 × 33 mm und 23 Lamellen pro Seite verfügen die Kühlkörper über reichlich Oberfläche für eine gute Wärmeabgabe.

Kann man passiv spielen?

Der Senza ist ein Office-PC und wird auch als solcher vermarktet. Man sollte hier also keine zu hohe Rechen- und Spieleleistung erwarten. Dennoch verfügt der verbaute AMD Ryzen 7 5700G - auch wenn etwas in die Jahre gekommen - über eine integrierte Grafikeinheit, mit der es möglich ist, in niedriger Auflösung und heruntergeregelten Grafikeinstellungen moderne Spiele zum Laufen zu bringen. So konnte schon unser Extra-Artikel zum Thema 5700G-Tuning einen genaueren Blick auf eine mögliche Spieleleistung werfen. Und nicht nur das, der 5700G bietet als Achtkerner dazu noch eine beachtliche CPU-Leistung. Wir wollen aber natürlich testen, wie sich der Prozessor im Senza schlägt. Schließlich ist das System passiv und kommt vielleicht mit ein paar Einschränkungen um die Ecke. Dafür haben wir eine kleine Auswahl an Benchmarks und Spielen geprüft. Mit dabei: Cinebench R23, 3DMark Timespy und CPU-Test sowie Elden Ring und Baldur's Gate 3.

Passive Power: Arctic Senza im Test (1) Quelle: PCGH Den Anfang macht der synthetische Cinebench-R23-Test. Im originalen PCGH-Test des 5700G konnten wir hier schon Werte erfassen, die es zu vergleichen gilt. Der im Senza verbaute 5700G konnte eine Punktzahl von 13.060 Punkten erreichen. Damit liegt die Leistung etwas niedriger als im originalen CPU-Test. Hier konnte die CPU einen Wert von 14.277 Punkten erreichen. Der Prozessor läuft somit etwas langsamer als er könnte, doch warum? AMD spezifiziert für den 5700G eine TDP von 65 Watt, was in einer Package Power von 88 Watt bei maximalem Boost resultiert. Im Senza konnten wir lediglich eine maximale Energieaufnahme von 75 Watt messen. Ob diese leichte Einschränkung wegen der Stromversorgung oder der Kühlung zugelassen wurde, lässt sich nicht so leicht beantworten. Ein bisschen Leistung muss man jedoch einbüßen.

Passive Power: Arctic Senza im Test (3) Quelle: PCGH In beiden 3DMark-Tests lässt sich auf der einen Seite die gute Leistung der CPU - ob im Prozessor-Benchmark oder im Timespy - erkennen, auf der anderen Seite spielt auch hier die etwas niedrigere Leistungsaufnahme in das Endergebnis hinein. So erreicht die CPU im Prozessor-Benchmark eine Punktzahl von 6.643 unter Einsatz aller 8 Kerne und 16 Threads. Im Grafikleistungs-fordernden Timespy erreicht das System eine Punktzahl von 1.564. Für eine APU ist das durchaus gut und zeigt, dass mit dem System Low-Level-Gaming möglich ist.

Passive Power: Arctic Senza im Test (2) Quelle: PCGH In Spielen sieht das ähnlich aus. Hier konnte die CPU im damaligen Test etwas besser abschneiden. Setzt man die Auflösung auf 1080p oder sogar darunter, lassen sich in niedrigen Einstellungen aktuelle Spiele einigermaßen gut zum Laufen bringen. Elden Ring zeigt dies deutlich. Auf 900p mit allen Einstellungen auf niedrig lässt sich das Spiel in unserem Testszenario "Seeklippen" mit einer Framerate von 42,2 Fps immer noch gut spielen. Baldur's Gate 3 ist mit dem Senza ebenfalls spielbar. Unsere bevorzugte Einstellung liegt bei einer Auflösung von 1080p in Kombination mit dem "Mittel"-Grafik-Preset und FSR Performance. Hier konnten wir eine halbwegs erträgliche Grafik erreichen, bei einer noch spielbaren Framerate von 25,5 Fps.

Fazit: Kreativ und mutig

Der Senza ist ein erster, sehr mutiger Schritt in die Fertig-PC-Sparte. Daher scheint es nahezu unvermeidlich, dass der Rechner mit der ein oder anderen Kinderkrankheit zu kämpfen hat. Verbesserungspotenzial für die Zukunft gibt es hier definitiv. Die verbaute Technik ist zudem etwas in die Jahre gekommen. Dennoch kann der Senza vor allem mit Kühlleistung, die Arctic mit einer sehr durchdachten und spannenden Konstruktion erreicht, beeindrucken. Einen PC in diesem Format mit einer Desktop-CPU auszustatten und über einen integrierten Passivkühler zu bändigen, ist eine Herausforderung, die Arctic hervorragend meistert.

Die UVP von 699 Euro für das leistungsstärkste Modell scheint angemessen. Wer sparen will, kann die abgespeckte Variante mit einem AMD Ryzen 5 5500GT und 16 GiB RAM für 599 Euro wählen. Wie der Straßenpreis des Rechners aussehen wird, lässt sich derzeit nur vermuten. Den ein oder anderen Euro wird man sich wohl sichern können. Wir bleiben sehr gespannt und hoffen auf weitere Passiv-Kühlungs-Produkte von Arctic, die vielleicht noch etwas weiter auf den Gaming-Bereich abzielen.

9
  1. Seite 1 Überblick
  2. Seite 2 Leistung und Fazit
    • Kommentare (9)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Siehe oben: Kein I/O-Hub = kaum USB-Anschlüsse. AM4-Prozessoren stellen nur viermal USB bereit, schon für die insgesamt sechs vorhandenen Ports muss entweder ein Zusatzcontroller oder ein Hub verbaut worden sein. (Vermutlich letzteres – 1-auf-4-Hubs ergeben genau die 7 USB-Kanäle, die inklusive WLAN-Slot gebraucht werden.) Arctic allenfalls bei der Geschwindigkeit zulegen und die 2.0er auf 3.0 oder ggf. sogar 3.1-Geschwindigkeit heben. Aber Maus + Tastatur machen davon ja eh keine Verwendung, also ist die gewählte Lösung durchaus pragmatisch.

        Für alles, was darüber hinausgeht, braucht es entweder zusätzliche Chips oder verlötete Prozessoren. Warum man nicht einfach letzteren Weg gegangen ist, kann ich auch nicht ganz nachvollziehen, aber ersteres wäre nur eingeschränkt sinnvoll gewesen: USB-Hubs kann man bei Bedarf genauso gut extern anschließen und da der PC per Definition an schlecht erreichbaren Stellen montiert werden soll, ist das sogar die bessere Idee. Nur PCI-E-basierte Zusatzcontroller für höhere Geschwindigkeiten wären ein echter Mehrwert gewesen. Da bin ich auch allgemein etwas enttäuscht, dass Arctic 10 bis 11 Lanes einfach so in die Tonne tritt. Zwei bis drei weitere M.2- oder auch ein ×1-Slot kosten nun wirklich nicht die Welt und hätten den Senza nicht nur aufgewertet, sondern auch komplett neue Absatzmärkte erschlossen. Zwei große QLC-SSDs rein, fertig ist der lautlose Home-Server/Media-Player. Noch ein Quad-Gigabit-B-Key-Modul dazu und man hat einen Luxus-Router integriert.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Siehe oben: Kein I/O-Hub = kaum USB-Anschlüsse. AM4-Prozessoren stellen nur viermal USB bereit, schon für die insgesamt sechs vorhandenen Ports muss entweder ein Zusatzcontroller oder ein Hub verbaut worden sein. (Vermutlich letzteres – 1-auf-4-Hubs ergeben genau die 7 USB-Kanäle, die inklusive WLAN-Slot gebraucht werden.) Arctic allenfalls bei der Geschwindigkeit zulegen und die 2.0er auf 3.0 oder ggf. sogar 3.1-Geschwindigkeit heben. Aber Maus + Tastatur machen davon ja eh keine Verwendung, also ist die gewählte Lösung durchaus pragmatisch.

        Für alles, was darüber hinausgeht, braucht es entweder zusätzliche Chips oder verlötete Prozessoren. Warum man nicht einfach letzteren Weg gegangen ist, kann ich auch nicht ganz nachvollziehen, aber ersteres wäre nur eingeschränkt sinnvoll gewesen: USB-Hubs kann man bei Bedarf genauso gut extern anschließen und da der PC per Definition an schlecht erreichbaren Stellen montiert werden soll, ist das sogar die bessere Idee. Nur PCI-E-basierte Zusatzcontroller für höhere Geschwindigkeiten wären ein echter Mehrwert gewesen. Da bin ich auch allgemein etwas enttäuscht, dass Arctic 10 bis 11 Lanes einfach so in die Tonne tritt. Zwei bis drei weitere M.2- oder auch ein ×1-Slot kosten nun wirklich nicht die Welt und hätten den Senza nicht nur aufgewertet, sondern auch komplett neue Absatzmärkte erschlossen. Zwei große QLC-SSDs rein, fertig ist der lautlose Home-Server/Media-Player. Noch ein Quad-Gigabit-B-Key-Modul dazu und man hat einen Luxus-Router integriert.
      • Von Cobar BIOS-Overclocker(in)
        Sieht vom Design her fast aus wie mein Tischgrill, nur dass bei dem Tischgrill das Design sogar noch etwas schöner ist. Mit der richtigen Hardware könnte man den hier sicher auch für ein Barbeque nutzen

        Verstehe nicht so ganz, wieso hier noch zwei USB2 Anschlüsse dran sind, wieso nicht einfach viermal USB3 bei dem Preis?
      • Von nervnicht Freizeitschrauber(in)
        Ich habe mir gerade eben einen Intel NUC 12 Enthusiast kit gegen einen MINISFORUM BD790i getauscht, da der mir die Lüfter zu oft angeworfen hat und man keine Kontrolle über sie hat.
        Davor hatte ich einen M1 Mac mini, der von der nicht vorhanden Lautstärke unschlagbar ist, aber nach einen Jahr MacOS hatte ich die Nase voll und beim ESP32 Kompilieren war er mir auch zu langsam.

        Jetzt läuft der BD790i mit zwei 12cm Noiseblocker Black Silent PRO PL-PS Lüfter , die zwar irgendwann hörbar werden wenn die CPU voll ausgelastet ist, was aber selten ist und dann auch nur durch leichtes rauschen hörbar werden, wenn es ansonsten absolut ruhig im Raum ist.
        Im Gegensatz zu vorher muss ich immer auf die Power LED schauen ob er an oder aus ist da der Unterschied zu 98% nicht hörbar ist.
        Ganz ohne wärmeabfuhr geht es nur mit angezogener Handbremse, daher mein Kompromiss der jeden Euro Wert ist und trotzdem moderne Rechen power im oberen Bereich bringt. Der eingebaute 7945hx ist echt ein Hammerteil.
        Ich habe auch einen vollwertigen PCI-E 5.0 Anschluss, aber leider aktuell keine GPU zum Testen.
        Leise ist zwar toll, aber nicht zu jeden Preis.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
        Arctic setzt auf ein eigens angefertigtes Mainboard. Jan wollte das System leider nicht zerlegen, aber da keine Spannungswandler auf der Oberseite zu sehen sind, liegen sie wohl allesamt unten und haben direkte Verbindung zum Gehäuse. Einen I/O-Hub, der überhitzen könnte, gibt es zudem gar nicht erst – das hier ist beinahe AM4-SoC-Betrieb pur, nur ein USB-Controller hebt die Ausstattung minimal über das Niveau eines Notebooks. Davon abgesehen kann man auch bei anderen Passiv-PCs für die Ableitung von Mainboard-Wärme sorgen, auch wenn da sicherlich einige Angebote Sorgfalt vermissen lassen.

        Arctics Schwachstelle ist in meinen Augen eher die antiquitierte Hardware. Jan mag den 5700G zwar, aber Zen 3 hat mittlerweile den vierten Geburtstag hinter sich und hier ist auch noch eine beschnittene Variante. Wer so etwas schon hat, kommt damit sicherlich noch einige Zeit aus – aber Technik aus 2020 im Jahre 2025 neu verkaufen? Das wird schwierig, zumindest wenn ein 700-Euro-Preisschild dranhängt. Woanders kriegt man für den Preis einen 8500G. Der ist zwar nicht passiv gekühlt, aber Kunden die 200 Euro Aufpreis für eine besondere Kühlung akzeptieren, wollen vermutlich selten die billigste Hardware.
      • Von Maasl85 PC-Selbstbauer(in)
        Zitat von Maddoc6
        Ich habe beruflich viel mit solchen passiv gekühlten Lösungen experimentiert und es ist dabei immer ein Problem aufgetreten welches ich auch bei dieser Lösung sehe. Die Überhitzung der Mainboard Komponenten. Das Problem ist, das sich die Wärme in der Mainboard Kammer staut, noch begünstigt durch den heißen umliegenden Kühlkörper. Da gehen M.2, Chipsatz und Spannungswandler früher oder später auf 80+ Grad. Ganz besonders bei 75W TDP. Die CPU Temperatur hingegen war nie das Problem. Die pegelte sich bei 65 bis 70 Grad ein.
        Ja. Solche Konzepte waren schon immer zum scheitern verurteilt und viel zu teuer ist das Ding halt auch noch.
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PCGH Magazin 08/2026 PC Games 07/2026 play5 08/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games Hardware PC Games Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk