PC, willst du ewig leben? Die PCGH-Redaktionskolumne

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Momentaufnahme: Der PC-Pflegefall im April 2009
Quelle: Stephan Wilke

In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Zum Abschluss dieser Woche spricht Stephan Wilke über einen privaten PC-Pflegefall.

In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Zum Abschluss dieser Woche spricht Stephan Wilke über einen privaten PC-Pflegefall.

"Vielleicht erwarten Sie angesichts der Überschrift eine Abhandlung über die Zukunftsperspektive des klassischen Desktop-PCs. Wird sein Einfluss schwinden angesichts der anrollenden neuen Konsolen-Generation oder haben ihn bereits Smartphones und Tablets beerdigt? Das mag ein gutes Thema für eine Kolumne sein, ich erzähle Ihnen aber zur Abwechslung nicht vom PC im Allgemeinen, sondern stattdessen von einem ganz bestimmten PC. Es handelt sich um ein System, das ich seit Jahren in Betrieb habe. Anfangs wurde es produktiv verwendet, mittlerweile hat es sich gewissermaßen zu einem privaten Forschungsgegenstand entwickelt. Das System pfeift aus dem letzten Loch und hat immer wieder neue Tricks auf Lager, die seine ordnungsgemäße Nutzung verhindern. Es zeichnet sich aber auch durch erstaunliche Selbstheilungskräfte aus. Kurz gesagt: Es ist ein todkranker Rechner mit fragwürdigen Entertainment-Qualitäten - und damit die perfekte Spielwiese für einen experimentierfreudigen PC-Bastler.

Der Spaß fängt damit an, dass seit rund 1-2 Wochen alle paar Tage die Sicherung rausfliegt, wenn ich die Stromleiste für den PC anschalte. Wenn das passiert, ist erst einmal der Gang zum Sicherungskasten erforderlich. Das ist für mich der beunruhigendste Teil, zumal das System im Schnitt alle 12 bis 18 Monate mit einem Netzteil nicht mehr starten mag. Vielleicht liegt es an den alten Netzteilen, die stets bereits mehrere Jahre auf dem Buckel haben, bevor sie beim PC-Pflegefall zum Einsatz kommen, möglicherweise handelt es sich bei der verbauten Hardware um Netzteil-Killer. Als Nächstes steht zumindest einmal der Wechsel der Stromleiste an.

Der nächste Fallstrick lauert auf mich, sobald ein Bild ausgegeben wird: Aha, die BIOS-Einstellungen wurden wie üblich zurückgesetzt. Kein Problem: Das Laden angelegter BIOS-Profile klappt erstaunlicherweise einwandfrei und Datum und Uhrzeit sind auch recht schnell eingetippt. Schön: Sobald ein Bild ausgegeben wird, weiß ich außerdem, dass kein Umstecken der RAM-Module erforderlich ist, was in der Vergangenheit ab und zu zum Starten erforderlich war. Nach dem Neustart steht dann wieder Warten an: Das System braucht etwa eine halbe Minute, um die Festplatte zu erkennen. Mit der ist natürlich nicht mehr alles in Ordnung, denn ich werde bei jedem Start mit einer SMART-Fehlermeldung begrüßt. Ist dieser Schritt geschafft, wird das Betriebssystem gestartet - meistens zumindest. Manchmal muss man sich mit einem blinkenden Cursor auf einem schwarzen Bildschirm beschränken. Dann helfen ein, zwei Neustarts - oder auch nicht. Eines ist gewiss: Am nächsten Tag mag der todkranke PC-Patient bestimmt wieder.

Läuft Windows erst einmal, lässt sich das System natürlich nicht lumpen und kann mit einigen weiteren Macken aufwarten: Der Onboard-Sound lässt anhand der ausgegebenen Störfrequenzen erkennen, ob gerade der Mauszeiger schnell bewegt oder das Mausrad betätigt wird. Längere Zeit berichtete auch schon einmal eine Mitspielerin über deutliche Zirp-Geräusche via Teamspeak. (Auf die für den Einsatz dieser Software benötigte Netzwerkverbindung konnte ich in der Vergangenheit schon einmal 15 bis 30 Minuten warten. Das lag allerdings nicht am PC, sondern am teildefekten Router, der damit schon einmal seinen endgültigen Ausfall angekündigt hat.) Ich hoffe, es versteht sich angesichts dieser Probleme von selbst, dass das System ab und zu hängt oder mit lustigen Grafikfehlern im 2D-Betrieb zu überraschen weiß - wohlgemerkt auch nach dem Wechsel der Grafikkarte. Achja: Vor dem letzten Netzteilwechsel hat sich häufiger mal die Festplatte im laufenden Betrieb gut hörbar verabschiedet.

Ich hoffe, Sie verzeihen mir, dass ich an der Stelle nur die häufigsten Aussetzer aus dem Potpourri meines PC-Pflegefalls aufführe. Vermutlich können Sie nicht nachvollziehen, wie man es jahrelang mit einem solchen System aushält, wenn man doch einen funktionierenden und schnelleren Rechner sein Eigen nennt. An dieser Stelle darf Friedrich Nietzsche für mich antworten: Was mich nicht umbringt, macht mich stärker."

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    • Kommentare (20)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Cuddleman BIOS-Overclocker(in)
        Werter Stephan.

        Habt ihr zum Testen eine Wärmebildkamera?

        Wenn ja, überwache dein MB, während der Nutzung, mal damit und prüfe, alle permanenten und sporadischen Hitzezentren.
        Starke Warm- und Kaltphasen, beanspruchen Verbindungen und Bauelemente teils zu stark.
        Materialermüdung an Lötstellen/Leiterbahnen, sowie Durchkontaktierungen, sind bei solch "Heinzelmännchen"-Verhalten nicht selten, genauso wie Brüche diverser passiven Bauteile der SMD-Technik.
        Begründet, durch fast nicht sichtbare Brüche, über deren Fixirkleber, oder abgehobene Lötenden.
        Defektmöglichkeiten, gibts aber weit mehr, deren Lokalisierung meist so nicht möglich ist, oder man gar nicht erwartet, das da ein Fehler sein könnte, auch der Hersteller nicht.

        Ist allerdings auch weiterhin, eine mühsame Fehlersuche.
      • Von Cuddleman BIOS-Overclocker(in)
        Werter Stephan.

        Habt ihr zum Testen eine Wärmebildkamera?

        Wenn ja, überwache dein MB, während der Nutzung, mal damit und prüfe, alle permanenten und sporadischen Hitzezentren.
        Starke Warm- und Kaltphasen, beanspruchen Verbindungen und Bauelemente teils zu stark.
        Materialermüdung an Lötstellen/Leiterbahnen, sowie Durchkontaktierungen, sind bei solch "Heinzelmännchen"-Verhalten nicht selten, genauso wie Brüche diverser passiven Bauteile der SMD-Technik.
        Begründet, durch fast nicht sichtbare Brüche, über deren Fixirkleber, oder abgehobene Lötenden.
        Defektmöglichkeiten, gibts aber weit mehr, deren Lokalisierung meist so nicht möglich ist, oder man gar nicht erwartet, das da ein Fehler sein könnte, auch der Hersteller nicht.

        Ist allerdings auch weiterhin, eine mühsame Fehlersuche.
      • Von PCGH_Stephan Volt-Modder(in)
        Zitat von CyLord
        Zur Kolumne selber: Ich glaube nicht an Mysterien. Das heißt nach Ausschlussverfahren durchtesten. Denkbar sind mehrere vakante Teile.
        Die Fehlerquelle und Quelle fragwürdiger Unterhaltung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das Mainboard. Zumindest ließen sich alle kuriosen Problemchen damit erklären und fast alle anderen Komponenten wurden mindestens schon einmal getauscht.

        Ob die Festplatte tatsächlich einen Schaden hat, steht in meinen Augen noch nicht fest. Bei der letztmaligen Analyse der SMART-Werte war lediglich ein Wert im kritischen Bereich, der nach meinem Verständnis auch dadurch zustande kommen könnte, wenn der Datenstrom von der Southbridge spontan abreißt. Ein Datenverlust im regulären Betrieb (falls man das so nennen kann ) ist mir auch noch nicht aufgefallen.
      • Von CyLord PC-Selbstbauer(in)
        Zitat von Krammer
        Könnte ein kaputtes Netzteil sein..

        Das hat mit dem Netzteil nüscht zu tun. Das könnte ein Boarddefekt sein. Die DFI Infinity UltraII-M2 litten sehr häufig darunter.

        Zur Kolumne selber: Ich glaube nicht an Mysterien. Das heißt nach Ausschlussverfahren durchtesten. Denkbar sind mehrere vakante Teile.
      • Von M4xw0lf Lötkolbengott/-göttin
        Faszinierend, ich wusste gar nicht auf wie viele Arten und Weisen ein PC nicht funktionieren und doch funktionieren kann... ^^
      • Von GoldenMic Kokü-Junkie (m/w)
        Fehlersuche kann aber auch sehr ermüdend und frustrierend sein.
        Hut ab, dass du das freiwillig so lange mitmachst.
        Ich kümmer mich zwar auch gern um Probleme und/oder helfe Leuten aber irgendwann ist dann doch mal Schluss wenns unlogisch wird und man mit seinem Latein total am Ende ist.
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