Asus ROG Chariot X im Test: Ist dieser bunt beleuchtete Gaming-Stuhl wirklich 560 Euro wert?
Gamer lieben es bunt, glaubt man bei Asus und spendiert dem Gaming-Stuhl ROG Chariot X auffällige Elemente wie Verzierungen an der Rückseite der Lehne und eine RGB-Beleuchtung. Fällt das Premiummodell auch mit seinem Sitzkomfort sowie seiner Ergonomie besonders auf? Die Antwort folgt im Test!
Inhaltsverzeichnis
Der Asus ROG Chariot X ist ein Gaming-Stuhl, der zockende Kunden mit Sitzkomfort und spezieller Optik für sich gewinnen möchte. Zu letzterer gehört einerseits die Kunststoffplatte mit Karbon-Optik an der Rückseite der Lehne und die dort abgebrachten Halterungen, die an die Gurte eines Schleudersitzes erinnern. Andererseits, und das ist selten bei Gaming-Stühlen, ist der ROG Chariot X mit einer RGB-Beleuchtung ausgestattet (siehe Bildergalerie unten). Die leuchtet mit acht einzelnen Farben oder sieben typischen Aura-RGB-Effekten wie Regenbogen, Atmen oder Farbkreislauf.
Verstärkt werden diese Effekte noch durch den in die Rückenlehne integrierten Unendlichkeitsspiegel. Gesteuert wird die Lichtshow mit dem One-Touch-Controller, der sich außen an der rechten Seitenwange der Lehne befindet. Strom bekommt das mit 4 Knöpfen bestückte Steuergerät von einer Powerbank. Die können Sie in einer mit Klett an der Rückenlehne befestigten Tasche verstauen. Obwohl der für ein Gewicht bis 136 kg geeignete Stuhl mit einem Preis von ca. 560 Euro nicht günstig ist, liefert Asus keine Powerbank mit. Das sehen wir kritisch.
Der Aufbau des für Gamer mit einer Größe von etwa 185 cm (Herstellerangabe: ca. 190 cm) geeigneten Gaming-Stuhls nimmt maximal 40 Minuten in Anspruch. Nutzen Sie dabei, wie in der Galerie unten gezeigt, den Karton als Aufbauhilfe, schaffen Sie den Zusammenbau locker alleine. Was etwas nervt, ist, dass die Schrauben zur Befestigung der Mechanik und der Lehne an der Sitzeinheit bereits in den Gewindebohrungen stecken und Sie diese erst herausdrehen müssen.
Bildergalerie
Spektakuläre Optik, gewöhnliche, aber solide Grundkonstruktion
Bei der Montage fällt uns sofort auf, dass der Basisaufbau des Gaming-Stuhls im Gegensatz zur besonderen Optik ganz gewöhnlich ist. Die grundsätzliche Konstruktion entspricht nämlich dem Standard, der größtenteils bei den in Massenproduktion hergestellten Gaming-Stühlen zu finden ist. Dennoch punktet der Asus ROG Chariot X dabei mit seiner Materialqualität. Das Fußkreuz besteht etwa aus Aluminium und verfügt über ein T-Profil mit geschweißter Längsstrebe zur Verstärkung. Die zwei Stahlstreben, an der wir die Asynchronmechanik mit Frog-Tilt-Mechanismus (15° Öffnungswinkel) anschrauben, haben ein U-Profil. Für weitere Stabilität sind die beiden 40 mm breiten und 15 mm tiefen Streben mit einer 150 × 150 mm großen, ca. 2 mm dicken Stahlplatte verbunden (siehe Bild). Dazu kommen die beiden mit hoher Qualität gefertigten, ca. 6 mm dicken Halterungen aus Stahl für die Armlehnen.
Quelle: PCGH
Asus ROG Chariot X im Test
Auch die Gesamtkonstruktion des Asus ROG Chariot X ist solide, aber insgesamt unspektakulär. Die Basis von Sitz und Lehne bildet eine Stahlrohrrahmenkonstruktion. Auf der liegt die Kaltschaum-Polsterung auf einem Elastikband und den oben beschriebenen zwei Stahlstreben (Sitz) respektive einer Konstruktion aus runden Quer- und Längsstreben aus Stahl (Lehne) auf.
Die mit 270 mm ausreichend langen und mit funktionalen Arretierungen versehenen 4D-Armlehen können Sie nicht nur siebenstufig in der Höhe anpassen und nach vorn und hinten bewegen. Sie können diese auch drehen und zweifach auf der horizontalen Ebene verschieben. Einerseits lässt sich die kaum gepolsterte Ablage für den Unterarm mit einem Mechanismus nach links und rechts schieben. Andererseits können Sie nach dem Lösen der Schrauben an der Halterung der Armlehne (Unterseite der Sitzfläche) diese seitlich nach außen/innen bewegen.
Komfortables Sitzen ist möglich!
Wie wir bei unserer ausgiebigen Sitzprobe feststellten, sind sowohl der Sitz als auch die durch die Kunststoffplatte mit Karbon-Look verstärkte Lehne hart gepolstert - das muss man mögen. Aufgrund des hohen Härtegrades sinkt das Sitzpolster bei geringem Gewicht nur wenig und erst bei einer Belastung ab ca. 100 kg tiefer, aber immer noch gleichmäßig ein. Die Druckverteilung ist ordentlich und es befindet sich ausreichend Sitzkontaktfläche zwischen den nur leicht ausgeprägten und deshalb auch bei größeren Gesäßen nicht störenden Seitenwangen (Höhe: 40 mm).
Quelle: Asus
Asus ROG Chariot X im Test
Die Kontaktfläche und die Seitenwangen der Lehne sind ebenfalls hart gepolstert. Mit Ihrer Doppel-S-Form stützt die Lehne den Rücken gut und die Seitenwangen engen nicht ein. Die höhenverstellbare, an Ihre Anatomie anpassbare Kopfstütze sorgt für zusätzlichen Sitzkomfort. Das eher mittelharte Lordosenkissen liefert den fünf Lendenwirbeln einen angenehmen Gegendruck. Allerdings bietet die Lehne Ihrem Rücken auch ohne den Einsatz des Lendenkissens guten Halt. Wir verstehen allerdings nicht, warum Asus den 560-Euro-Stuhl mit einem Lordosenkissen und nicht mit einer in die Lehne integrierten Lordosenstütze ausliefert.
Ergonomie: Für die volle Punktzahl fehlt die Synchronmechanik
Die Ergonomie des Asus ROG Chariot X ist ordentlich (Wertungsnote: gut bis sehr gut). Das garantiert die Kombination aus dem Sitz mit seinen noch moderat ausgeprägten Sitzwangen und der Lehne mit ihrer Doppel-S-Form. Ferner beeinflusst auch das konkav geformte Lordosenkissen die Ergonomie positiv, wenn Sie nicht zu groß für den Gaming-Stuhl sind. Laut Asus eignet sich der ROG Chariot X für eine Körpergröße bis 190 cm, das können wir leider nicht bestätigen. Bei Gamern ab ca. 1,85 m, vorwiegend bei Menschen mit langen Beinen, wird die Sitztiefe von 55 cm zum Problem. Deren Becken wird durch das ca. 5 cm tiefe Kissen zu weit nach vorn geschoben und die Beine ragen über eine Handbreit über die vordere Sitzkante hinaus. Das ist weder ergonomisch noch bequem und sorgt für Abzüge bei der Bewertung der Ergonomie.
Für eine mit sehr gut bewertete Ergonomie fehlt zudem eine Synchronmechanik. Die in vier Stufen arretierbare Asynchronmechanik mit Frog-Tilt-Mechanismus eignet sich zwar auch für das dynamische Sitzen. Die Rückenlehne und die Sitzfläche sind jedoch nicht flexibel miteinander gekoppelt und bewegen sich beim Wippen nicht in einem bestimmten Verhältnis (2 zu 1 oder 3 zu 1) zueinander. Deshalb ist die Asynchronmechanik weniger ergonomisch als die generell eine andere Grundkonstruktion erfordernde Synchronmechanik.
Quelle: PCGH
Asus ROG Chariot X im Test
Gehören Sie jedoch nicht zu den sehr großen Gamern, verbessert das Lordosenkissen nicht nur spürbar den Sitzkomfort. Es ist auch bei der als Gamer-Haltung bezeichneten 90-Grad-Stellung der Lehne eine ausgezeichnete Rückenstütze. Durch das Kissen für die fünf Lendenwirbel wird der Becken/Lendenbereich leicht nach vorn geschoben. Damit rückt der Gamer näher an den Schreibtisch und damit auch an den Monitor.
Asus ROG Chariot X: Testfazit
Mit seiner auffälligen RGB-Beleuchtung, seinen speziellen Verzierungen und dem Design des PU-Lederbezugs wird der Asus ROG Chariot X schon zum Blickfang im Gaming-Zimmer. Dazu ist er nicht zuletzt dank seiner Kopfstütze und des Lordosenkissens auch bequem und ergonomisch - wenn die Beinlänge stimmt. Auch die Fertigungsqualität geht in Ordnung, nicht aber der Preis.
Mag eine RGB-Beleuchtung und der andere Zierrat des Asus ROG Chariot X auch etwas Besonderes sein, der Sitzkomfort und die Ergonomie sind es jedoch nicht! Die sind lediglich Durchschnitt und den gibt es auch schon für 300 bis 400 Euro. Im Gegenzug werden für einen bestens ausgestatteten und von uns empfohlenen Gaming-Stuhl mit Synchronmechanik wie den Backforce V Plus gerade einmal 500 Euro fällig. Auch das unterstreicht, dass der von uns mit 4 Sternen bewertete Asus ROG Chariot X schlichtweg zu teuer ist.

Der Preis ist wirklich happig, aber sollte da eigentlich keine große Rolle für mich spielen. Auch wenn ich eher im Budgetbereich von rund 300-400 Euro geblieben wäre.
Sie mögen bequem sein und man kann sich darin vielleicht auch rumlümmeln, aber ergonomisch ... ?