Intel Core 9 273PQE im Test: Der Raptor mit den 12 P-Cores ist Realität

Wir sind in den Besitz eines Core 9 273PQE gelangt und klären die fundamentale Frage danach, was schon hätte länger sein können: Was bringen mehr als monolithische acht P-Cores für PC-Spieler?

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Intel Core 9 273PQE im Test: Der Raptor mit den 12 P-Cores ist Realität
Quelle: PCGH

Welchen Prozessor wünschen sich Intel-Nutzer seit dem Erscheinen von Alder Lake im Jahr 2021? Ein Modell mit mehr als acht Performance-Kernen. Was liefert Intel rund fünf Jahre später mit dem Core 9 273PQE? Eine Embedded-CPU für industrielle Anwendungen, Netzwerktechnik und Edge-Server, die im Desktop nicht frei verfügbar ist und zudem deutliche Einschränkungen bei der Kompatibilität mitbringt - mit mehr als acht P-Kernen. Gerade in einer Phase deutlich gestiegener Speicherpreise wäre eine solche CPU für den Desktop eine naheliegende Option für Aufrüster, die bestehende DDR4-Konfigurationen weiter nutzen möchten. Man könnte dem vorliegenden Test entsprechend auch die Überschrift geben: Warum Intel sich nicht für die Anforderungen von Desktop-Nutzern interessiert. Der bestehende Test ist somit mehr Theorie als Praxis und soll hauptsächlich aufzeigen, ob es zu Zeiten von Alder und Raptor Lake für Intel lohnenswert gewesen wäre, mehr als acht Performance-Kerne im Desktop zu verbauen.

Board und CPU von Zed Up

Wir bedanken uns herzlich bei Zed Up, die uns nicht nur den Intel Core 9 273PQE, sondern auch ein passendes Board für den Betrieb bereitgestellt haben. Sonstige Vereinbarungen, ein NDA oder dergleichen, gab es nicht.

Intel vertreibt den 273PQE nicht regulär im Consumer-Handel, sondern primär über industrielle Distributoren und OEM-Kanäle. Mit einem offiziellen Listenpreis von 589 US-Dollar bewegt sich die CPU in Regionen aktueller High-End-Desktop-Prozessoren.

Intel Core 9 273PQE: Bartlett Lake

Was verbirgt sich denn eigentlich unter der Haube? Im Kern ist Bartlett ein alter Bekannter: ein Raptor. Stellen Sie sich am ehesten einen i9-13900K vor, den Sie um die E-Cores beschneiden und dann um zusätzliche vier P‑Cores erweitern: fertig ist der Bartlett. Doch leider steckt noch eine ganze Menge mehr dahinter. Offiziell richtet sich der 273PQE an den Embedded- und Edge-Markt, worauf schon die Bezeichnung hindeutet: PQE. Das P steht für die Performance-Variante, das Q deutet die Validierung für Industriebereiche an und das E steht schlicht für Embedded. Diese Einordnung bestimmt maßgeblich die Kompatibilität, denn auf gewöhnlichen Sockel-1700-Mainboards mit B760 oder Z790-Chipsatz läuft dieser Prozessor nicht.

Es geistert zwar ein Mod-BIOS für das Z790 Apex durchs Netz, aber davon haben wir für den offiziellen Test Abstand genommen. Es kommt dagegen ein Industrial-Mainboard von Asrock zum Einsatz, genauer das IMB-X1714 mit W680-Chipsatz. Nicht nur in der Farbe unterscheidet sich das Brett von bekannten Desktop-Modellen, sondern vor allem in der Ausstattung und der möglichen Wahl der unterstützenden Hardware. Allein schon das Fehlen eines Kühlers für die Spannungswandler macht deutlich, dass sich das Modell nicht an PC-Gamer richtet, sondern in ganz anderen Bereichen eingesetzt wird.

Die gesamte Bartlett-Serie umfasst 19 verschiedene Varianten, darunter einfache 4-Kerner, aber auch 24-Kerner mit P/E-Cores und eben als Besonderheit Modelle, die gänzlich auf E-Cores verzichten, dafür aber mehr als 8 P-Cores bieten. Intel hat Bartlett Lake primär für industrielle Anwendungen, Netzwerktechnik, Edge-Server und Embedded-Systeme mit langer Produktverfügbarkeit entwickelt. In solchen Bereichen gelten hybride Architekturen teilweise als problematisch. Der Core 9 273PQE liefert 12 P-Cores, die mit maximal 5,9 GHz takten, sowie eine TDP von 125 Watt. Der Rest entspricht weitestgehend Raptor Lake: Support für DDR4-3200 bis DDR5-5600, dieselbe IGP wie beim 14900K, ebenso die identische Ausstattung an PCI-E-Lanes findet sich beim 273PQE.

Allerdings bestimmt der CPU-Microcode maßgeblich die RAM-Kompatibilität: Mehr als DDR5-5600 dürfen Sie nicht erwarten und die laufen auch nur mit sage und schreibe zwei validierten RAM-Kits (kein Witz). Wir haben großes Glück, dass wir eines davon im Bestand haben, damit wir den 12-Kerner überhaupt mit DDR5-5600 testen konnten. Allerdings ist dieses RAM-Kit mit CL46 alles andere als an Gamer gerichtet. Sie sehen schon, der 273PQE richtet sich nicht an den Desktop-Gaming-PC. Wir haben den Prozessor trotzdem durch unseren Testparcours geschickt.

Core i9-13900K unter gleichen Bedingungen getestet

Damit der Vergleich zwischen Core 9 273PQE und gewöhnlichen Desktop-Varianten einen Sinn ergibt, testen wir das am ehesten zu vergleichende Modell im CPU-Bestand, einen Core i9-13900K, ebenfalls auf dem Industrial-Board nach. Das schließt dann auch den Arbeitsspeicher mit ein. Den regulären 13900K belassen wir trotzdem in den Vergleichslisten. So wird nicht nur ein fairer Vergleich zum Bartlett Lake möglich, sondern auch eine Aussicht darauf, was eine 12-Kern-CPU mit reiner Performance leisten könnte, wenn sie nicht bedingt durch den Unterbau und den Speicher ausgebremst wird. Beim i9-13900K bleibt dabei die Kernkonstellation ab Werk aktiv: Wenn ein P-Core- einem E-Core-Cluster mit vier E-Cores entspricht, sind 16 E-Cores genau der Raum, den die vier zusätzlichen P-Cores beim 273PQE einnehmen. Sie finden diesen speziellen i9-13900K unter "Intel Core i9-13900K @W680" in den Benchmarks. Lange Rede, kurzer Sinn: Auf zu den Benchmarks!

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  1. Seite 1 Übersicht
  2. Seite 2 Benchmarks
  3. Seite 3 Effizienz und Fazit
    • Kommentare (26)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von PCGH_Dave Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von aluis
        Das hätte mich interessiert. Und ob man dann vielleicht doch die 5600 beim RAM knackt.
        Wie es im Text steht: Mehr als 5.600 MT/s sind nicht "erlaubt", durch den Microcode.
        Vielleicht schaue ich es mir trotzdem mal an.
      • Von PCGH_Dave Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von aluis
        Das hätte mich interessiert. Und ob man dann vielleicht doch die 5600 beim RAM knackt.
        Wie es im Text steht: Mehr als 5.600 MT/s sind nicht "erlaubt", durch den Microcode.
        Vielleicht schaue ich es mir trotzdem mal an.
      • Von PCGH_Raff Kokü-Junkie (m/w)
        Hier übrigens das frische Video zum Test.

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        MfG
        Raff
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        2468 und 2488 wären zwei Beispiele für die 8+0-Configs. Und nein, die laufen nicht in Mainstream-Mainboards; Xeons sind künstlich auch die C-Serie beschränkt. Das ist aber für Desktop-Nutzer kein Nachteil – wer will, kann jeden 12900/13900/14900 als 8+0 betreiben, in dem er einfach die E-Kerne deaktiviert. Die Xeon W sind unter anderem Zweitverwertung für Exemplare mit defekten E-Clustern, aber intakten P-Arealen, welche zu schade für einen Verkauf als Core i5 wären – und unterm Strich sogar teurer als die Desktop-Spitzenmodelle verkauft werden.

        Erst bei BTL 12P gibt es jetzt Embedded-Exklusive Möglichkeiten in Form von mehr als acht P-Kerne insgesamt. Aber wie gesagt: Auch das ist nur innerhalb des Sockel 1700 ein Novum. LGA4677 bietet 6 bis 60 P-Kerne (bis 2024: 6-56) mit der gleichen Architektur. Zugegebenermaßen waren die 12+-Kerner dafür nie billig (und ihre 600er-Nachfolger mit guten MSRPs sind leider OEM-only). Aber das ist Bartlett Lake auch nicht und vor drei Jahren, oder so, als Exklusivprodukt für High-End-Gamer, wäre er schlicht teuer gewesen. "Für die breite Masse die schlechtere Wahl, da Anwendungs-Fail" bedeutet weitaus geringere Stückzahlen und Kleinserien-Preisaufschlag. Sagen wir mal Retail-Preis Core i11-13999K: 1.099 Euro? Heißer und in vielen Fällen langsamer als der i9-13900K? Das hätte niemand gekauft, also hat Intel es gar nicht erst angeboten. Die Nische "etwas mehr als acht P-Kerne auf alter Intel-7-Technik weiter verkaufen" musste sich erst herausbilden und das hat sie, wie gesagt, meiner Meinung nach nur durch die auslaufende Produktion naheliegender Alternativen.

        Von daher halte ich Intel physisches Sortiment für nachvollziehbar. Kritisieren sollte man eher die künstliche Fragmentierung: Wie unter obigem -Link dargelegt:
        3 Produktlinien (Xeon E, Core Embedded, Mainstream) mit getrennten Mainboards
        jeweils 2-3 Generationen/Refreshs
        jeweils 2-3 TDP-Ausführungen, teilweise weitere Variationen mit/ohne IGP und/oder mit/ohne E-Cores
        In der Summe finde achtunddreißig CPU-Modelle bei Intel und die haben alle
        - 8 P-Kerne
        - Intel-7-Fertigung + einhergehende Architektur (und in 31 Fälle auch die gleiche Cache-Slice-Größe je Kern)
        - Sockel-1700-Format
        WTF?
      • Von sebden206 Komplett-PC-Aufrüster(in)
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] OK, Myth busted Aber nochmal zu den 2,5 Monaten: Das war schon klar, deswegen meinte ich das aus einer Rückschau.

        Das es allerdings schon früher P-only Modelle gab war mir nicht bewußt. Das war dann vermutlich auch nichts für das durchschnittliche Desktop Mainboard?

        Auch im Arbeitsumfeld sind wir die letzten Jahre eher Richtung AMD tendiert, wann immer es preislich ähnlich war, selbst bei Aufschlägen von bis zu 50 Euro pro komplett PC. Intel und MS haben gefühlt zu lange gebraucht, den Scheduler zu optimieren. Ebenso scheint manche Software (mit altbackenen Datenbanken) zu einem Glücksspiel zu werden.. Mal läuft es flott, manchmal zäh wie ein Kaugummi.

        Für kleine und mittlere Server greife ich dann u.a. auch gerne zum Intel® Xeon® E-2486 und früher (oder heute aus der Not heraus) zum Intel® Xeon® E-2386G. Meintest du eventuell (auch) diese Prozessoren als frühere Pendanten?
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Zitat von aluis
        Das hätte mich interessiert. Und ob man dann vielleicht doch die 5600 beim RAM knackt.
        Zitat von ZedUp
        Vielen Dank für den Test [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] !

        Mal sehen wie es mit der CPU weitergeht. Kontron hat bislang kein neues BIOS raus gebracht, was die CPU unterstützen würde und Asus macht mit seinen Mainstream-W680-Boards scheinbar überhaupt nichts. Das letzte BIOS stammt aus dem Dezember 2025.

        Dabei hat Intel ganz groß in seiner Ark stehen, dass W680 RAM-OC-Optionen für den 273 PQE böte. Leider Pustekuchen.
        Die RAM-Einschränkungen dürften ziemlich klar dem Mainboard-Hersteller geschuldet sein. Das ist ein Industrie-Board, bei dem der Kunde nur eins will: Garantiert stabilen Betrieb. Dafür ein bestimmtes RAM-Kit kaufen zu müssen, ist vollkommen okay, denn das System stellt eh irgend ein Mittelsmann bereit. Ein Absturz in 3 Jahren und 227 Tagen bei Neumond mit Saturn im fünften Quartal wäre dagegen inakzeptabel. Also wird so eine Plattform in einer Konfiguration bis zum Erbrechen geprüft und alles andere kommt raus. Die Platine erlaubt zum Beispiel auch keine Änderung der Power Limits, sonst hätten wir die vielen P-Kerne gerne mal ungeachtet der Effizienz entfesselt. Aber was sollte man im originären Einsatzgebiet auch mit so einer Option? Entweder man nutzt sie nicht, dann kann man sie auch weglassen, oder nach jedem unfreiwilligen Systemreset müsste ein Techniker antanzen und sicherstellen, dass die UEFI-Settings unverändert sind => macht niemand.

        Ich konnte bei Intel nicht in Erfahrung bringen, was offiziell auf Consumer-Boards erlaubt ist, aber neben dem W680 gibt es bei Kontron auch B- und H-Modelle und das schnell aufgetauchte Mod-UEFI für Z790 spricht für eine komplette Freigabe. Das nützt einem halt nur nichts, wenn niemand entsprechende UEFI-Updates bringt. Mit Asus habe ich drüber sprechen können; die planen Bartlett-Lake-Support explizit nur bei Industrial. Also der eigenen Sparte, die mit den Desktop- und Workstation-Boards, die man als PCGHler sonst so kennt, überhaupt nichts zu tun hat. Andere Hersteller haben gar nicht auf meine Anfrage geantwortet. Ohne ordentliche UEFI sollte man sich aber auch keine Hoffnungen auf Performance-Sprünge machen: Einfach nur den Microcode in ein Z790-File reinzuklöppeln erlaubt nicht einmal stabiles booten. Wie ich als 9900K-@Z170-Nutzer weiß, hat man danach noch sehr viel Optimierungsarbeit vor sich, weil das UEFI schlichtweg nicht weiß, wie mit einem homogenen 12-Kerner umzugehen ist.

        Zitat von sebden206
        Es wirkt rückblickend eher so, als wollte Intel seine Kunden erziehen. Man soll eben nur noch Hybrid kaufen um dann endlich den Vorteil davon zu verstehen, ob man will oder nicht. Einen reinen P-Kerner zu bringen, wäre vielleicht als ein Eingeständnis bei den Kunden rüber gekommen, dass man gerade im Enthusiastenbereich doch auf Hybrid verzichten kann und womöglich auch sollte.

        Zumindest wäre das meine Theorie. Sie hätten mit diesem Modell ihre neue Produktphilosophie untergraben.

        Aber ein spannender Artikel. Ich mag solche Industrie und Extended Lifecycle Boards
        Die Theorie scheitert daran, dass es Bartlett Lake überhaupt erst seit 2,5 Monaten gibt.

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        Für Märkte, in denen E-Kerne wenig Sinn machen, hat Intel schon viel früher 8+0-Konfigurationen angeboten, ohne irgendwen "erziehen" zu wollen.

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        Ich persönlich vermute, dass Bartlett Lake vor allem als Ersatz für andere Produkte geschaffen wurde. Besagte 8+0er sind billig von Desktop-Chips abgeleitet – aber die laufen aus, wären ohne RAM-Krise vermutlich dieses Jahr EOL gegangen. Ähnliches gilt für viele andere Intel-Prozessoren, die BTL 12P bislang in eine verdammt enge Nische quetschen:

        Bartlett Lake 12P steckt in einer verdammt engen Nische, die aber bald wachsen könnte:
        - Mehr als 8 Kerne benötigt, sonst reichen Raptor 8+0. Aber Raptor läuft aus.
        - Aber nicht viel mehr als 12 Kerne, sonst muss man Sapphire Rapids nehmen. Aber Sapphire Rapids läuft aus.
        - Zwingend die gleiche Leistung für jeden Thread, sonst wäre Raptor 8+16 besser. Solange es ihn noch gibt.
        - Pro Thread mehr Leistung, als ein E-Kern bereitstellen kann, sonst wäre Snow Ridge besser. Aber der basiert noch auf Tremont, also Vor-Alder-Lake-Architektur.
        - Aber nicht viel mehr Leistung, denn innerhalb des Power Limits setzt die Ineffizienz der P-Kerne Grenzen.
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