Der Xeon E3-1230 v2 beweist im Test, dass man die Leistung eines Core i7 auf Ivy-Bridge-Basis auch für unter 300 Euro erhalten kann. PC Games Hardware prüft die Spiele- sowie Anwendungs-Performance der Server-CPU für den Sockel 1155 ebenso wie den Stromverbrauch und das eventuelle Übertaktungspotenzial.
Einen Xeon, also eine Server-CPU, für Spieler? Richtig gehört. Denn die E3-Serie ist für Mainboards mit dem Sockel 1155 gedacht und arbeitet auch mit klassischen Desktop-Platinen zusammen. Daher erfreute sich der Xeon E3-1230 mit Sandy-Bridge-Innenleben letztes Jahr großer Beliebtheit - mit dem 22-Nanometer-Shrink sowie Wechsel auf Ivy Bridge aktualisierte Intel auch das Xeon-Portfolio. Grund genug für uns, den Xeon E3-1230 v2 genauer unter die Lupe zu nehmen. Unser Dank gilt an dieser Stelle Cyberport, welche uns den gut 200 Euro teuren Prozessor zur Verfügung stellten.
Xeon E3-1230 v2 im Test: Modellpalette und Spezifikationen
Die Xeon E3-Chips basieren auf einem der vier Ivy-Bridge-Dies, die Modellpalette reicht vom Vierkerner mit SMT-Fähigkeit und integrierter P4000-Grafikeinheit über Quadcores ohne SMT und iGPU bis hin zum extrem stromsparenden Zweikerner, ebenfalls ohne Grafikeinheit. Das Flaggschiff ist der E3-1290 v2 mit 3,7 bis 4,1 GHz - das langsamste Modell ist der E3-1220L v2 mit gerade einmal 17 Watt TDP und dennoch bis zu 3,4 GHz. Eine HD Graphics P4000 ist zumeist etwas schneller als eine HD 4000, ansonsten aber praktisch identisch.
Aus unserer Sicht mit am spannendsten ist der eingangs erwähnte Xeon E3-1230 v2. Dieser bietet vier Kerne samt SMT und kommt ohne Grafikeinheit aus. Die Basisfrequenz unter Last beläuft sich auf 3,3 GHz - zumeist rennt der Chip bei Nutzung aller Rechenherzen aber mit 3,5 GHz. Wird nur ein Kern ausgelastet, so liegen bis zu 3,7 GHz an. Die TDP spezifiziert Intel auf 69 Watt, was acht Watt weniger sind als bei einem Core i7-3770K oder Core i5-3570K; der Grund ist die deaktivierte Grafikeinheit. Der Listenpreis des Xeon E3-1230 v2 liegt mit 215 US-Dollar unter dem des Core i5-3570K, praktisch kosten beide in etwa 210 Euro. Der Core i7-3770K mit vier Kernen plus SMT sowie mehr Takt schlägt hingegen mit fast 300 Euro zu Buche.
| Modell | Kerne | Basistakt | Turbo (ein Kern) | L3-Cache | Grafikeinheit | TDP | Straßenpreis |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Core i7-4770K | 4 + SMT | 3,5 GHz | 3,9 GHz | 8 MiByte | HD 4600 | 84 Watt | PCGH-Preisvergleich |
| Xeon E3-1240 v3 | 4 + SMT | 3,4 GHz | 3,8 GHz | 8 MiByte | - | 80 Watt | PCGH-Preisvergleich |
| Xeon E3-1230 v3 | 4 + SMT | 3,3 GHz | 3,7 GHz | 8 MiByte | - | 80 Watt | PCGH-Preisvergleich |
Xeon E3-1230 v2 im Test: Mainboard-Kompatibilität
Da die Xeon E3 für Single-Socket-Server gedacht sind, führen nicht alle Mainboard-Hersteller diese in ihren Kompatibilitätslisten. Ausnahmen sind Asrock und Gigabyte, so führen die Hersteller beispielsweise bei ihren Platinen die Xeons auf (B75 Pro3, Fatal1ty Z77 Performance, G1.Sniper 3 und GA-Z77-DS3H als expemplarische Modelle). Im Test erwiesen sich das MSI Z77A-G43 und das B75A-G43 mit aktuellem EFI als problemlose Spielpartner, selbiges gilt für die meisten Asus-Boards (das Sabertooth etwa). Zusammengefasst sollten alle Xeons auf einem aktuellen 1155-Board mit 7er-Series-Chipsatz laufen; fragen Sie jedoch im Zweifel beim Hersteller nach.
Xeon E3-1230 v2 im Test: Spieleleistung im Überblick
Als Basis unserer Spiele-Benchmarks dient der bekannte Test-Parcours, den wir unter anderem auf Basis einer Umfrage im PCGHX-Forum gestalteten. So kommen Anno 2070, Battlefield 3, Dirt 3, Shogun 2, Starcraft 2 und The Elder Scrolls 5 Skyrim zum Einsatz. Als Grafikkarte dient eine auf 900/1.800/2.300 MHz übertaktete Asus Geforce GTX 580 DCII, die Auflösung beträgt die mittlerweile üblichen 1.920 x 1.080 Pixel (Full-HD) ohne Kantenglättung oder anisotrope Filterung. Weitere Details zum Testaufbau finden Sie auf der zweiten Seite dieses Artikels.
Geht es um die reine Spieleleistung, so muss sich der Xeon E3-1230 v2 dem Core i5-3570K im Mittel beugen - denn der Core i5 bietet durchweg 100 MHz mehr, nur selten kann der Xeon dies durch seinen größeren L3-Cache oder die SMT-Fähigkeit ausgleichen. In der Praxis sind diese Unterschiede jedoch völlig vernachlässigbar, der E3-1230 v2 ist für 210 Euro ein extrem schneller Spiele-Prozessor. Falls Sie Ihr System benchen möchten, werfen Sie einen Blick auf die Benchmark-FAQs: So testet PCGH CPUs und Grafikkarten mit Spielen.
Xeon E3-1230 v2 im Test: Anwendungsleistung im Überblick
Als Basis unserer bekannter Parcours, bestehend aus dem FPU-lastigen Cinebench R11.5 (1- sowie X-CPU-Test), der Bildbearbeitung Paint.Net, die Verschlüsselungs-Software Truecrypt inklusive AES (welches die FX in Hardware beschleunigen können) sowie der Integer-lastigen Videokonvertierung via x264 HD.
Im Anwendungsbereich kann sich der Xeon E3-1230 v2 dank Simultaneous Multithreading (SMT) meist klar vor dem Core i5-3570K positionieren, im Mittel ist er zwölf Prozent schneller. Inbesondere dann, wenn SMT von Vorteil ist (etwa beim Rendering), wächst der Vorsprung auf knapp 20 Prozent an. Reine Singlethread-Applikationen liegen dem Core i5 zwar besser, die Differenz ist mit unter drei Prozent in der Praxis auch hier schlicht zu vernachlässigen.
| CPU-Modell | Anwendungen (norm.) | Cinebench R11.5 x64 (X- / 1-CPU) | Paint.Net | Truecrypt | x264 HD |
|---|---|---|---|---|---|
| Core i7-3960X | 100 Prozent | 11,10 / 1,58 Punkte | 8,4 Sekunden | 318 MB/s | 57,7 Fps |
| Core i7-3930K | 97,7 Prozent | 10,79/ 1,57 Punkte | 8,6 Sekunden | 308 MB/s | 56,1 Fps |
| Core i7-990X | 84,4 Prozent | 9,05 / 1,26 Punkte | 9,7 Sekunden | 288 MB/s | 48,3 Fps |
| Core i7-3770K | 76,7 Prozent | 7,52 / 1,66 Punkte | 11,5 Sekunden | 227 MB/s | 41,2 Fps |
| Core i7-3820 | 75,4 Prozent | 7,51 / 1,56 Punkte | 11,4 Sekunden | 216 MB/s | 39,7 Fps |
| Xeon E3-1230 v2 | 72,4 Prozent | 7,09 / 1,56 Punkte | 12,1 Sekunden | 214 MB/s | 38,9 Fps |
| Core i7-2700K | 71,5 Prozent | 7,05 / 1,56 Punkte | 12,4 Sekunden | 200 MB/s | 37,3 Fps |
| Core i5-3570K | 64,6 Prozent | 6,01 / 1,60 Punkte | 13,9 Sekunden | 170 MB/s | 33,7 Fps |
| FX-8150 | 62,0 Prozent | 5,95 / 1,02 Punkte | 14,4 Sekunden | 221 MB/s | 36,9 Fps |
| Core i5-2500K | 58,2 Prozent | 5,37 / 1,50 Punkte | 15,7 Sekunden | 141 MB/s | 28,9 Fps |
| Ph. II X6 1100T | 56,5 Prozent | 5,82 / 1,11 Punkte | 17,1 Sekunden | 173 MB/s | 32,5 Fps |
| FX-8120 | 53,7 Prozent | 5,05 / 0,96 Punkte | 16,8 Sekunden | 184 MB/s | 31,4 Fps |
| Core i7-860 | 50,3 Prozent | 4,99 / 1,13 Punkte | 17,1 Sekunden | 122 MB/s | 27,5 Fps |
| FX-6200 | 49,8 Prozent | 4,64 / 1,00 Punkte | 19,8 Sekunden | 169 MB/s | 29,7 Fps |
| Ph. II X6 1055T | 48,9 Prozent | 4,94 / 0,99 Punkte | 19,8 Sekunden | 147 MB/s | 28,0 Fps |
| Core i7-920 | 47,3 Prozent | 4,76 / 0,99 Punkte | 17,3 Sekunden | 117 MB/s | 26,2 Fps |
| Ph. II X4 980 BE | 46,1 Prozent | 4,32 / 1,11 Punkte | 22,1 Sekunden | 129 MB/s | 24,7 Fps |
| Core i7-760 | 42,8 Prozent | 3,87 / 1,10 Punkte | 21,0 Sekunden | 96 MB/s | 22,6 Fps |
| FX-4170 | 41,6 Prozent | 3,42 / 1,03 Punkte | 23,3 Sekunden | 126 MB/s | 22,8 Fps |
| Ph. II X4 960T BE | 39,0 Prozent | 3,51 / 1,01 Punkte | 26,8 Sekunden | 105 MB/s | 20,3 Fps |
| A8-3870K | 38,9 Prozent | 3,56 / 0,92 Punkte | 24,3 Sekunden | 107 MB/s | 20,7 Fps |
| Core i3-2100 | 37,6 Prozent | 2,98 / 1,25 Punkte | 26,5 Sekunden | 70 MB/s | 16,4 Fps |
| C2Q Q9550 | 37,4 Prozent | 3,43 / 0,87 Punkte | 22,4 Sekunden | 95 MB/s | 19,5 Fps |
| Pent. G860 | 32,1 Prozent | 2,36 / 1,20 Punkte | 33,7 Sekunden | 52 MB/s | 12,7 Fps |
| C2Q E8400 | 25,8 Prozent | 1,79 / 0,92 Punkte | 40,6 Sekunden | 50 MB/s | 10,4 Fps |
| Cel. G530 | 25,7 Prozent | 1,87 / 0,96 Punkte | 41,8 Sekunden | 41 MB/s | 10,2 Fps |
| A4-3400 | 22,5 Prozent | 1,54 / 0,81 Punkte | 50,7 Sekunden | 48 MB/s | 9,2 Fps |
Xeon E3-1230 v2 im Test: Stromverbrauch im Leerlauf und unter Last
Das Testsystem vertraut auf eine Asus Geforce GT 430, welche die komplette Leistungsaufnahme aller Plattformen um nur 7 Watt erhöht. Um möglichst gute Werte zu erzielen, kombinieren wir jede CPU-Generation mit dem laut unseren Tests sparsamsten ATX-Board für den jeweiligen Sockel; selbstverständlich mit aktuellem BIOS und aktivierten Stromsparmodi. Welche Platinen wir genau einsetzen, erfahren Sie auf der zweiten Seite.
Geht es um den Stromverbrauch im Leerlauf, so entspricht der Xeon E3-1230 v2 den Erwartungen: Der Energiekonsum des kompletten Systems liegt bei sehr guten 41 Watt - noch weniger erreichen Sie in der Regel nur mit einer iGPU oder speziellen Boards. Unter Last gibt sich der Xeon ebenfalls sehr sparsam, selbst bei Nutzung aller Kerne bleibt das System unter 100 Watt - klasse. Ein FX-8150-System, welches etwas weniger Multithreading-Performance abliefert, benötigt das Doppelte!
Xeon E3-1230 v2 im Test: Overclocking
Machen wir es kurz: Übertakten ist mit einem Xeon nicht möglich - außer, Sie nehmen die 104 statt 100 MHz Baseclock mit, was in 3.432 bis 3.840 statt 3.300 bis 3.700 MHz resuliert. Selbst die Anpassung respektive das Hochsetzen der Turbo-Multis sperrt Intel. Aus diesem Grund bietet es sich an, eines der oben genannten B75-Boards zu nutzen - so sparen Sie Geld und Strom.
Xeon E3-1230 v2 im Test: Zusammenfassung und Fazit
Für rund 210 Euro bietet der Xeon E3-1230 eine Spieleleistung, die dem praktisch genauso teuren Core i5-3570K in (fast) nichts nachsteht. Zudem kann der Server-Chip im Anwendungssegment dank Simultaneous Multithreading (SMT) auftrumpfen und erreicht hier annähernd die Performance eines 300 teuren Core i7-3770K, denn dem Xeon fehlen nur 200 MHz. Damit ist der E3-1230 v2 aus Preisleistungssicht ein sehr attraktives und überaus energieffizientes sowie sparsames Angebot - wäre da nicht das obligatorische ABER: Dem Xeon fehlt die Grafikeinheit und er lässt sich nicht übertakten. Wenn Sie diese beiden Punkte nicht stören, greifen Sie zu!

Aber den BCLK anheben kann man damit anscheinend nicht, aber viel wäre damit auch nicht zu erreichen..
Findet ihr das B75 auch ausreichend von der Ausstattung her? (USB, SATAIII Ports, Front USB3?, Lüfter? Oder wäre das Z75, welches von der Mainboardkühlung auch besser aussieht, doch sinnvoller?
EDIT: hab mir das Manual vom B75 durchgelesen, hat mich überzeugt
Beim ASRock B75 Pro3 funktioniert das Undervolten ohne Probleme.
Lad dir mal das Manual runter, dort steht auf Seite 49 ganz klar das es den Menüpunkt gibt.
Auch mit dem günstigen B75 Board?! Würde mir sehr gerne den Prozzi holen, nur bin ich mir beim Board nicht sicher.. Hatte das Z75 angepeilt, aber wenn das mit dem 10€ günstigeren B75 Board auch geht..^^
Kann jemand von sich aus berichten, ob das geht?
Das mit dem BCLK ist eine ganz schlechte Idee, Undervolten funktioniert mit nahezu jedem AsRock Mainboard.
Mal ne Frage:
Mit welchem AsRock Mainboard kann man den E3 1230V2 jetzt undervolten oder sogar den BCLK anheben?