Interview mit Intel
Intel-Sprecher Martin Strobel
Dieses Interview ist die vollständige Fassung zum Artikel "Prozessoren 2007" aus PC Games Hardware 02/2007. Unser Interview-Partner Martin Strobel ist Pressesprecher bei Intel.
PCGH: Intel hat vor wenigen Wochen den ersten Vierkern-Prozessor vorgestellt, aber bislang ist nur ein Modell verfügbar. Wie soll das Modellangebot im nächsten Jahr erweitert werden? Sind auch preiswertere "Einsteigermodelle" mit vier Kernen geplant?
Martin Strobel: Wir haben dieses Jahr bereits sechs Quad-Core-Prozessoren auf den Markt gebracht. Fünf Quad-Core-Xeon-Server und Workstation-Prozessoren und den Core-2-Extreme-Prozessor QX6700 für den anspruchsvollen Desktopeinsatz. In den ersten Januarwochen wird es dann schon den siebten Quad-Core-Prozessor von Intel geben. Dieser ist für den Einsatz im Desktop gedacht, wird den Namen Intel Core 2 Quad Prozessor Q6600 tragen und wird günstiger zu haben sein als das bisherige Desktop-Modell mit vier Kernen.
PCGH: Das Tape-Out für 45-Nanometer-Chips sei abgeschlossen, teilte Intel Anfang des Monats mit, die Prozessoren sollen im zweiten Halbjahr 2007 ausgeliefert werden. Welche Neuerungen wird der Shrink bieten? Sind evtl. eine größere Caches zu erwarten?
Martin Strobel: Der Schritt zu kleineren Strukturgrößen hat meherer Vorteile und bringt daher verschiedene Neuerungen. Erstens werden wir weiter an der Leistungs- und Effizienzschraube drehen können, denn aufgrund der kleineren Strukturen wird weniger Ladung benötigt, um den Schaltvorgang im Transistor auszulösen. Gleiche Rechenoperationen können daher schneller und mit weniger Energieaufwand ausgeführt werden. Zudem können dank kleinerer Strukturgrößen mehr Transistoren auf einem Die plaziert werden. Das ermöglicht dann neue Funktionen und größere Caches. So werden die Prozessoren der Penryn-Generation unter anderem neue, sogenannte Intel SSE4-Instruktionen beinhalten, die Mulimedia-Anwendungen weiter beschleunigen.
PCGH: Welcher Trend ist beim Cache generell zu erwarten? Werden die zusätzlichen Transistoren, die nach Moores Law auch künftig bereit stehen, vorwiegend für weitere Prozessorkerne oder mehr Cache verwendet?
Martin Strobel: Heute genau zu sagen, wie zukünftige Prozessoren aussehen werden, ist sehr schwer. Dass es möglich ist, Prozessoren mit 80 Kernen zu fertigen, haben wir im Herbst 2006 anhand eines Prototypen gezeigt und unsere Itanium,2,Prozessoren mit 1,72 Milliarden Transistoren haben einen 24 MByte großen L3-Cache. Ob nun der große Cache oder viele Kerne sinnvoll sind, hängt von den Anwendungen und Anwendungsszenarien ab. Es gibt Anwendungen, bei denen sind mehrer Kerne sinnvoll. Es gibt aber auch Anwendungen, die nicht so gut mit mehreren Kernen skalieren. Dann gibt es Software, die eher einen großen Cache bevorzugt. Kurz gesagt: Beide Möglichkeiten oder eine Kombination sind denkbar.
PCGH: Intel hat ja bei einem der letzten IDFs angekündigt, künftig alle zwei Jahre eine komplett neue Infrastruktur vorstellen zu wollen, die nächste ist demnach Nehalem in 2008. Gibt es schon irgendwelche Trends oder Andeutungen? (Einige vermuten zum Beispiel einen integrierten Speichercontroller).
Martin Strobel: Nehalem wird die erste Microarchitektur sein, die originär für Prozessoren mit einer Strukturbreite von 45nm entwikelt wurde und einem Die-Shrink auf 32nm folgen wird. Ihr Nachfolger Gesher ist dann für 2010 geplant und soll Leistungs- und Effizienzsteigerungen von mehr als 300 Prozent gegenüber heutigen Prozessoren erreichen. Beide Mikroarchitekturen Nehalem und Gesher liegen noch ein gutes Stück in der Zukunft, so dass Angaben zu einzelnen Funktionen noch etwas zu früh sind.
