Ryzen-CPUs: AMD kappt RAM-Verschlüsselung ohne Vorwarnung
Ohne Ankündigung und ohne sichtbaren BIOS-Hinweis hat AMD die Speicherverschlüsselung TSME auf regulären Ryzen-CPUs deaktiviert und sie den Pro-Modellen vorbehalten. Für Spieler ändert das wenig, sicherheitsbewusste Nutzer trifft es härter.
AMD hat mit der AM5-Firmware AGESA ComboAM5Pi v1.2.7.0 die hardwareseitige Speicherverschlüsselung TSME ("Transparent Secure Memory Encryption") auf seinen regulären Ryzen-Prozessoren abgeschaltet, ohne diesen Schritt vorher öffentlich zu kommunizieren oder gar entsprechend zu dokumentieren.
Aufgefallen ist der Wegfall erst Monate später: Der Linux-Anwender Ben Kilpatrick prüfte sein frisch aufgesetztes System mit einem Ryzen 7 9700X (Test) routinemäßig auf Schwachstellen und stieß auf die Meldung "encrypted RAM: not supported". Eine monatelange Spurensuche nahm ihren Lauf, wie Ars Technica (via Heise) berichtet. Doch was bedeutet das für den Schutz des Arbeitsspeichers?
TSME: Was AMDs RAM-Schutz gegen Cold-Boot-Angriffe leistet
Die Transparent Secure Memory Encryption, kurz TSME, verschlüsselt den kompletten Inhalt des Arbeitsspeichers auf Firmware-Ebene. Den nötigen Schlüssel erzeugt AMDs Sicherheits-Prozessor bei jedem Start neu, eine dedizierte AES-Einheit übernimmt das Ver- und Entschlüsseln. Das Betriebssystem und die Anwendungen bemerken davon nichts, weshalb die Technologie als transparent angesehen wird.
Gedacht ist der Schutz gegen physische Angriffe. Wer ein abgeschaltetes System in die Finger bekommt, kann die Speicherriegel bei einer Cold-Boot-Attacke auslesen, bevor die Ladungen verfallen; mit aktiver TSME erhält ein Angreifer nur noch Datenrauschen: ein sinn- und wirkungsvolles Sicherheits-Feature.
Den dafür fälligen Leistungsverlust bezifferte AMD bislang auf unter fünf Prozent. Dass sich das Fehlen unter Linux nachweisen lässt, unter Windows hingegen nicht, sollte sich im späteren Verlauf noch als zentrales Problem erweisen.
AGESA 1.2.7.0: So verschwand TSME aus den Ryzen-CPUs
Mit der Firmware-Update auf AGESA ComboAM5Pi v1.2.7.0 setzt AMD ein internes Kontrollbit namens DfIsTsmeEnabled bei Consumer-Prozessoren auf FALSE, während Ryzen Pro und Epyc weiterhin auf TRUE stehen. Die zugehörige Schalter-Option im BIOS bleibt sichtbar, greift bei den betroffenen Prozessoren aber ins Leere.
Unter Windows lässt sich der Wegfall nach derzeitigem Kenntnisstand gar nicht erkennen. Unter Linux gelingt der Nachweis erst über das Audit der Host Security ID des Werkzeugs fwupd, dessen Statusmeldung von "encrypted" auf "not supported" umsprang. Der RAM-Schutz wurde also mit AGESA 1.2.7.0 heimlich deaktiviert.
Der taiwanische Mainboard-Hersteller MSI bestätigte nach eigenen Tests, dass TSME mittlerweile nur noch auf Pro-Prozessoren einen positiven Status meldet - ganz unabhängig von Mainboard und BIOS-Version.
Nur für Pro: AMDs knappe Antwort wirft Fragen auf
Der Hersteller begründet den Schritt mit einem einzigen Satz: TSME sei eine Sicherheitsfunktion, die ausschließlich für Pro-CPUs als Teil der Pro Technologies vorgesehen sei. Diese Auskunft steht im Widerspruch zu früheren öffentlichen Aussagen aus dem eigenen Haus und wurde für AMD zum Bumerang.
2020 hatte AMD-Ingenieur Tom Lendacky bestätigt, dass auch ein Consumer-Chip wie der Ryzen 7 3700X auch TSME unterstützen solle; 2025 empfahl er die Funktion sogar ausdrücklich. In einem GitHub-Thread, in dem Lendacky und sein Kollege Mario Limonciello den Fall zunächst mit aufklärten, wurde es danach still.
Der auf Silizium-Sicherheit spezialisierte Forscher Joe FitzPatrick sieht nur zwei Erklärungen, beide wenig schmeichelhaft: Entweder habe AMD die Abschaltung nicht bemerkt, oder sie sei Absicht gewesen und man habe gehofft, damit durchzukommen. Eine offene Erklärung hält er in beiden Fällen für überfällig.
Wen der Wegfall trifft — und wen nicht
Für die große Mehrheit der Spieler bleibt die abgeschaltete Speicherverschlüsselung folgenlos, da Cold-Boot-Angriffe physischen Zugriff auf den Rechner voraussetzen. Anders liegt der Fall bei einer kleineren, klar umrissenen Gruppe.
Sicherheitsbewusste Anwender, Entwickler und Linux-Nutzer verlieren eine Schutzschicht, ebenso Besitzer mobiler Geräte, die in fremde Hände geraten können. Auch wer Kryptowährungen verwaltet und private Schlüssel oder Validator-Knoten im Arbeitsspeicher hält, steht ohne TSME schlechter da. Betroffen sind nach bisherigem Stand reguläre Modelle wie der Ryzen 7 9700X, Berichten zufolge auch der bei Spielern beliebte Ryzen 7 9800X3D.
Offen bleibt indes, wie tief die Abschaltung reicht. Bei einigen Plattformen genügt das AGESA-Update, welches die Funktion per Flag kappt. Bei anderen, etwa bei einem Ryzen AI Max+ 395, deutet einiges darauf hin, dass TSME bereits im Silizium deaktiviert ist und sich per Firmware nicht zurückholen lässt.
AMD ließ entsprechende Nachfragen bislang unbeantwortet; wer auf eine vollständige Speicherverschlüsselung angewiesen ist, kommt derzeit an einem Pro-Modell oder Epyc kaum vorbei. Weitere Details liefern Heise und Ars Technica.
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Quelle: Ars Technica via Heise

Bringt es eigentlich leistung, wenn man es aus knipst?
Imgrunde ist das ein Freifahrtschein, um nach knapp zwei Jahren seine CPU wieder zum Händler zurückzuschicken und vom Kaufvertrag zurückzutreten. Wer angenehme 600 € für seinen 9800X3D bezahlt hat, für den könnte das durchaus eine Option sein.
Einen etwaigen Nutzungsausgleich sollte man hierbei beachten. Der richtet sich nach dem tatsächlichen Kaufpreis, der tatsächlichen Nutzungsdauer und der voraussichtlichen Gesamtnutzungsdauer (Abschreibungstabellen z.B.).
Recht haben versus Recht bekommen... Viel Spaß das bei Händlern wie Mindfactory abzuziehen. Die Sperren schneller das Kundenkonto als man "Gewährleistungsfall" geschrieben hat.
Deshalb hab ich mal die Frage in den Raum geworfen weil es mich und evtl. den ein oder anderen interessiert. Vll. haben wir ja Juristen unter uns, oder PCGH hat da die Möglichkeit an der richtigen Stelle mal nachzufragen. 😉
Aber es gibt sicher einige die es tun würden, da sie denken, wenn es drin steht, muss man sich zwangsläufig daran halten.
Macht den Umstand natürlich nicht besser.
Deshalb hab ich mal die Frage in den Raum geworfen weil es mich und evtl. den ein oder anderen interessiert. Vll. haben wir ja Juristen unter uns, oder PCGH hat da die Möglichkeit an der richtigen Stelle mal nachzufragen. 😉