AMD Ryzen: Diskussion um angebliche Einflussnahme von Intel auf Tests
Ausgehend von Semi-Accurate beginnt gerade eine Diskussion darüber, ob sich Intel Vorteile beim Testen der AMD-Ryzen-Prozessoren verschaffen will, indem man Kontakt zu Medien aufnimmt. Das Thema wird nicht nur in der Community kontrovers diskutiert, sondern auch in den Medien.
Mit dem großen Marktstart von Ryzen werden natürlich auch die ersten Tests in Bälde erscheinen, doch noch bevor die ersten Daten da sind, liegt Ungemach in der Luft. Die Story nimmt bei Semi-Accurate ihren Anfang und dürfte die Gräben zwischen den AMD- und den Intel-Anhängern nicht gerade unerheblich vertiefen. Angeblich soll Intel nämlich so etwas wie einen Review-Guide für Ryzen verschickt haben - also Anweisungen oder besser Hinweise - zum Testen der AMD-CPU. Da das angeblich von Intel kommt, würde man nun annehmen, dass man versucht, die Ergebnisse zu beeinflussen. Noch bevor der Staub sich legte, war die Meute schon mit Fackeln und Heugabeln von dannen gezogen.
Nun muss man auch sehen, dass Semi-Accurate zwar ein geschätztes, aber in den vergangenen Jahren nicht durch seine Neutralität bekanntgewordenes Medium ist. Man könnte also sagen, dass hier eine Story aufgebauscht wird, was auf der anderen Seite die Frage aufwirft, warum man das machen sollte. Semi-Accurate hat solche "Stunts" eigentlich nicht nötig und trotz der auftretenden Meinungsmache hatte man sich bisher nicht auf ein solches Niveau herabbegeben. In Zeiten von Fake-News stellt sich also nun viel mehr die Frage, wo die Nummer herkommt. Hört man sich nämlich um, scheint nicht jeder von Intel mit einem "call us before you write" bedacht worden zu sein, selbst Semi-Accurate laut Chalie Demerjian nicht.
Die Nummer sorgt nun natürlich für einiges Aufsehen, denn bei PC Perspective (via Reddit) meldet sich der Chef persönlich zu Wort. Chefredakteur Ryan Shrout bestätigt, dass zumindest schon mal Gespräche von allen Parteien gesucht werden, wenn ein großer Release ansteht. Das sei nicht nur bei AMD und Intel der Fall, sondern auch bei AMD und Nvidia, wenn es um Grafikkarten geht. Sofern das Medium kompetent ist, sieht Shrout kein Problem darin, dass die Parteien anklopfen, um noch einmal den Pfauenschwanz zu zeigen. Gegenüber WCCFTech sollen zwei "top US-Hardwaremagazine" Anrufe von Intel bestätigt haben, dies sei aber "business as usual" gewesen.
Und es sei erwähnt: Das kann auch AMD; als man ein bisschen für die RX 470 trommelte, während Nvidia die Geforce GTX 1050 Ti veröffentlichte. Unschuldig wäre also im Zweifel keiner, wenn man anklagen will. Die Webseite guru3d.com schreibt, dass sich dort niemand gemeldet hat - man sitzt aber auch nicht in den USA. Auch bei uns hat sich bisher niemand gemeldet, um uns noch eine Pfauenfeder zu reichen. Und selbst wenn doch noch jemand kommt: Den Benchmarkparcours kennen Sie und der ist für alle gleich.
Was letztlich sicher erreicht wird ist, dass sich die Lager nun noch uneiniger sein werden. Bei vielen sitzt der Schmerz der Vorteilnahme von Intel gegenüber AMD noch tief. Intel wurde mehrfach für schuldig befunden, seine Monopolstellung Mitte der Zweitausender ausgenutzt zu haben. Alleine in der EU waren deswegen 1,06 Milliarden Euro Strafe fällig. Beteiligt war damals auch Media-Saturn. Diese Tricksereien haben das Image von Intel nicht gerade gebessert.

Bei den Preisen von Intel, so schlecht können die neuen AMD-CPUs niemals sein um nicht mithalten zu können.
Gruß
wolflux