NfS The Run angespielt: Shooter-Engine, Quicktime-Events - Ist das noch Need for Speed?
Frostbite-2-Engine, Zu-Fuß-Einsätze - ist der 18. Teil der Need-for-Speed-Serie noch ein Rennspiel oder ein neuer Konkurrent für GTA & Co.? PC Games Hardware klärt auf.
Lange war es still um EA Black Box, Electronic Arts' Studio im kanadischen Vancouver, das für einen Großteil der modernen Need-for-Speed-Teile zuständig war. Need for Speed: Undercover (2008) war der letzte Beitrag der Kanadier zur Erfolgsserie, dann verschwanden die Designer scheinbar in der Versenkung. Doch nur temporär, denn auf der diesjährigen E3 führte uns Executive Producer Jason Delong stolz den 18. (!) Teil der Rennspielreihe vor - Need for Speed: The Run. Von Criterion Games, die noch den letztjährigen Hit Need for Speed: Hot Pursuit ablieferten, der laut Delong rund 41 Millionen (!) Spielstunden auf sich vereinen konnte, fehlte dieses Jahr auf der E3 jede Spur.
Need for Speed The Run: Frostbite 2
The Run setzt dabei als erster EA-Titel neben Battlefield 3 auf die Frostbite-2-Engine von EA Dice. Und damit nicht genug: Sie verlassen darin zum ersten Mal das Fahrzeug, um zu Fuß in großen Städten der USA unterwegs zu sein. Ihre Mission: Die USA von San Francisco bis New York City schneller als Ihre Konkurrenten zu durchqueren - und das sowohl gegen die Computergegner als auch gegen Ihre Freunde, die ähnlich wie in Hot Pursuit mit Social-Networking-Funktionen jederzeit über Ihre aktuellen Rennergebnisse informiert sind - und diese ihrerseits zu unterbieten versuchen.
Sie mögen sich jetzt fragen: "Ist Need for Speed: The Run überhaupt noch ein richtiges Rennspiel? Und wie sehr eignet sich die Grafik-Engine eines 3D-Shooters dafür?" Gute Fragen. Beantworten wir Ihnen gerne. Fangen wir mit dem Rennspiel-Aspekt an. Dazu nimmt uns Jason Delong mit nach Chicago, wo wir in einem Rennen über nächtlich-verregnete Straßen eine Mindestplatzierung erreichen müssen, um weiter in den Osten vorzurücken. Soweit, so bekannt. Doch an bestimmten Stellen im Spiel passiert es: Wir beziehungsweise wir in Gestalt unseres dezent nachnamenlosen Rennhelden Jack werden dazu gezwungen, unser Fahrzeug zu verlassen und zu Fuß weiter zu gehen.
So auch in Chicago: Mitten in der schönsten Renn-Action rammt uns ein Fahrzeug hart von der Seite und macht unser eigenes Vehikel in Sekundenbruchteilen reif für den Schrottplatz. Uns bleibt nichts anderes übrig, als die Beine in die Hand zu nehmen und in ein benachbartes Haus abzutauchen, denn neben unseren automobilen Verfolgern hat auch die Polizei berechtigtes Interesse daran, uns einzuholen - wer mit Höchstgeschwindigkeit durch Amerikas Innenstädte und über dessen Landstraßen rast, ist schließlich ein Fall für die Nachschulung in der Fahrschule.
Need for Speed The Run: Aussteigen bitte
Doch wer jetzt ein völlig freies Großstadterlebnis wie in GTA, Mafia oder zuletzt LA Noire erwartet, hat sich getäuscht: Wie auf Schienen rennt Jack auf das Dach des Hauses und springt dort per im richtigen Moment aktivierten Tastendruck auf das Nachbargebäude, duckt sich unter dem Kugelhagel (!) eines Polizeihubschraubers (!!) hinweg und ringt schließlich im Faustkampf Mann gegen Mann (!!!) mit einem Polizisten. Wir gehen siegreich aus dem Kampf hervor, nehmen im Polizeistreifenwagen Platz und ballern mit Vollgas auf den Stadtstraßen weiter. Allerdings lässt das den Polizeihubschrauber kalt, der uns nun auch während der Fahrt durch belebte Viertel mit Kugeln eindeckt. Zivilisten? Welche Zivilisten?
Unsere Mission hat sich durch das Car-Napping milde verändert: Mussten wir vorher eine bestimmte Platzierung erzielen, tickt jetzt ein Zeitlimit nach unten, innerhalb dessen wir Chicago verlassen müssen. Wir sausen durch Tunnelsysteme und die Straßen eines Industrieviertels, die uns schließlich in die Nähe eines Rangierbahnhofes beziehungsweise Eisenbahnstellwerks bringen. Da passiert, was passieren musste: Ein Tanklaster nur wenige Meter vor uns wird entweder von einem Querschläger getroffen oder sein Fahrer verreißt in Panik ob der Dinge, die sich in seinem Rückspiegel ereignen, das Lenkrad. Der Laster kippt um und explodiert in einem Feuerball, der einem Michael-Bay-Film alle Ehre machen würde.
Wir können nicht mehr ausweichen und durchbrechen mit dem Streifenwagen die Seitenbegrenzung, überschlagen uns und kommen am Fuß einer kleinen Böschung zum Stehen, bevor uns schwarz vor Augen wird. Ein paar Sekunden später kommen wir beziehungsweise kommt Jack wieder zu sich und muss erneut sein Reaktionsgeschick in ein paar Quick-Time-Events unter Beweis stellen: Nicht nur, dass wir uns aus dem Sicherheitsgurt befreien und die verkeilte Fahrertür mit beherzten Tritten öffnen müsen, das Ganze sollte besser fix passieren, denn in nicht zu großer Entfernung rollt ein Zug mit lauten Warnsignalen auf uns zu. Wir rollen uns aus dem Wagen, taumeln von den Gleisen auf die benachbarten, hören auch von hinten einen Zug heranbrausen - dann wird der Bildschirm dunkel - das Ende der Vorführung.
Need for Speed The Run: E3-Fazit
Need for Speed: The Run lässt noch viele Fragen offen. Was machen Autosammler, deren Fuhrpark durch spielgesteuerte Aktionen auf einem eher niedrigen Stand gehalten wird? Was passiert, wenn wir meisterhaft fahren, immer auf den ersten Plätzen über die Ziellinie beziehungsweise die Zwischenzeit-Stationen brettern, aber dann vom Spiel und einer "zu Fuß"-Sequenz ausgebremst werden? Lassen sich die Fahrzeuge aufrüsten? Können wir die Route durch die USA wie in Klassikern von Outrun bis Ridge Racer selbst wählen und damit indirekt den Schwierigkeitsgrad bestimmen?
Was wir aber feststellen können: Ja, die Frostbite-2-Engine taugt ausgezeichnet als Motor eines Rennspiels - auch, wenn die Charaktere darin derzeit noch nicht ganz so gut und detailliert wie die in Battlefield 3 aussehen. Und nein, die Szenen außerhalb des Fahrzeugs spielen sich nicht frei und und selbstbestimmt wie Grand Theft Auto & Co. Stattdessen stellen sie glorifizierte Zwischensequenzen dar, auf die wir mit den Quick-Time-Events und deren Tastendrückerei im richtigen Moment minimalen Einfluss nehmen können. Und wenn Sie eine weniger action-, sondern eher simulationslastigere Straßenjagd bevorzugen, sollte Ihnen klar sein: Need for Speed: The Run ist eher ein Nachfolger von Most Wanted und Undercover als Pro Street, Shift und - mit Abstrichen - Hot Pursuit.
Doch bevor wir nicht selbst dem Tachometer einige Kilometer hinzugefügt haben, hüten wir uns, diesen Wechsel vorzeitig zu verdammen. Gegen einen guten Action-Racer ist nichts einzuwenden, und wenn sich die Laufeinlagen in einem vertretbaren Rahmen bewegen und nicht unsere Fahrleistungen schmälern oder irrelevant gestalten, kann The Run ein auf jeden Fall interessantes Kapitel der inzwischen 17 Jahre alten Rennspielserie schreiben - die ja nur in den seltensten Fällen in Richtung einer realistischen Simulation eingeschlagen hat.
Alle Informationen zum neuen Teil der Need-for-Speed-Serie gibt es auf unserer The-Run-Themenseite.
Reklame: Need for Speed: The Run jetzt bei Amazon bestellen.

tja, mit quick-time-events derangiert sich das ding schon im vorfeld.
Aber es ist ja erst Mittag beim Spiel und nicht Abend. Und man soll den Tag nicht vor dem Abend loben bzw. in diesem Fall anders herum.
In diesem Sinne. Ruhe in frieden Need4Speed.
Aber so gefällt mir NfS gar nicht mehr.
Aber so gefällt mir NfS gar nicht mehr.