Goodbye Larrabee

Intel Larrabee: Vorerst keine Desktop-Grafikkarten - Update: Stellungnahmen von Intel, AMD und Nvidia

Larrabee ist Geschichte. Intel ließ wissen, dass es das Projekt nicht in den Endkundenmarkt schaffen wird. Gründe sind nicht offensichtlich, doch vermutlich hat Larrabee in der aktuellen Form keine Chance gegen AMD und Nvidia zu bestehen. Die Forschung geht aber weiter. (Andreas Link, 08.12.2009)
 
Intel Larrabee: Einstellung beflügelt AMD- und Nvidia-Aktien
 
Intel Larrabee: Einstellung beflügelt AMD- und Nvidia-Aktien [Quelle: siehe Bildergalerie]
Originalartikel vom 06.12.2009: Mit Larrabee von Intel hielt der Chiphersteller immer die Möglichkeit offen, dass es eines Tages eine Alternative oder gar Ablösung der aktuellen Grafikkartentechnik geben könnte. Dies ist nun Geschichte. Intel soll gegenüber US-Medien bestätigt haben, dass es von der ersten Generation der Larrabee-Technik keine Grafikkarten in den Endmarkt schaffen werden. Jedoch wird das Forschungsprojekt weitergeführt.

Noch auf dem letzten IDF zeigte Intel eine Grafikkarte, die sogar die Teraflops-Marke erreichte, wenn man dem Chip etwas die Sporen gab. In den Handel wird diese jedoch niemals kommen. Intel soll zur Begründung angegeben haben, dass das laufende Larrabee-Projekt nicht die Erwartungen im Bereich Hard- und Software erfüllt hat, was wohl im Klartext bedeutet: Gegen AMD und Nvidia sieht man aktuell wenig Chancen auf Erfolg.

Fest steht aber, dass Intel von der Technik überzeugt zu sein scheint. So soll das aktuelle Larrabee-Programm im kommenden Jahr einen Nutzwert bekommen - zur Softwareentwicklung. Schnell machen auch Spekulationen die Runde, dass Intel die Forschung auf eine zweite Generation von Larrabee lenkt, um so Probleme bei der Hardware einzudämmen. Bleibt letztendlich noch die Software, an der Intel nun ebenfalls ohne Druck weiter feilen kann.

Update vom 07.12.2009:
Soeben erreichte uns folgendes Statement von Nvidias PR-Chef für Europa, den Nahen Osten und Afrika, Luciano Alibrandi:
Die Tatsache, dass sich auch eine Firma von Intels technischem Können und finanziellen Möglichkeiten auf dem Weg zum Parallelen Computing so anstrengend musste, zeigt welch außergewöhnlich schwierige Herausforderung darin liegt.
("The fact that a company with Intel's technical prowess and financial resources has struggled so hard to succeed with parallel computing shows just how exceptionally difficult a challenge this is."")

PC Games Hardware ist bereits in einem separaten Artikel auf mögliche Konsequenzen, Vor- oder Nachteile, die sich durch den Rückzug Intels aus dem HPC- und Parallel-Computing-Markt ergeben, eingegangen. Auf jeden Fall wird Nvidia durch die Investitionen in die Fermi-Architektur nun im HPC-Markt einen Konkurrenten weniger haben und somit hauptsächlich gegen klassische CPUs antreten. Die Frankfurter Börsenkurse für Nvidia haben inzwischen jedenfalls deutlich zugelegt, aber auch die Intel-Anleger scheinen die Larrabee-Absage positiv zu deuten.

Update: 8.12.2009
Nach dem einstweiligen Larrabee-Aus haben vor allem AMD und Nvidia an der Börse profitiert. Beide Kurse stiegen gestern im zweistelligen Prozentbereich, bei Intel änderte sich wenig am Börsenkurs. Durch den Wegfall von Larrabee scheinen die Marktanteile von AMD und Nvidia bei Grafikkarten gesichert, was Anleger zu einer optimistischeren Einschätzung der Kursentwicklung veranlasst hat.

Zwischenzeitlich ging gar das Gerücht um, dass Intel Larrabee wegen eines schwelenden Rechtsstreits mit Nvidia eingestellt hätte. Diese mögliche Sicht der Dinge wurde aber bisher nicht bestätigt.

Zweites Update: 8.12.2009
Auch AMD meldet sich bezüglich der Absage von Intels Larrabee-Grafikkarten zu Wort. Die texanische Firma befindet sich in einer ähnlichen Situation wie Intel - nämlich ebenfalls CPUs und GPUs zu designen und zu fertigen. Gegenüber den Kollegen von THG.com sagte AMDs PR-Managaer für Grafik, Dave Erskine, man habe von Beginn an Larrabee für eine weitere Bestätigung gehalten, wie wichtig Visual Computing auch in Zukunft sei. Und dieser Ansicht sei man auch heute - GPU-Technik sei essenziell für das heutige und künftige PC-Erlebnis. AMD sei führend in Sachen GPU-Technik für 3D-Grafik, Video und GPU-Computing.

Erskine sagte weiter, wenn eine Firma entweder nur CPUs oder nur GPUs anböte, sei sie in einer schlechten Position, auf die Bedürfnisse der Industrie einzugehen. AMD sei die einzige Firma, welche CPU- und GPU-relevante Patente im Portfolio habe und der klaren Vorgabe seitens der Industrie mit der Verschmelzung von CPU und GPU in "AMD Fusion" zu antworten.

Die Architektur von Larrabee unterscheide sich von heutigen GPUs dadurch, dass Intel als Designgrundlage ein Pentium 54C [Anm. d. Redaktion: Die Pentium-I-MMX-Architektur] samt des x86-Befehlssatzes gedient habe. Es habe in der Natur der Larrabee-Designentscheidungen gelegen, so Erskine weiter, dass sich der Chip besser für GPGPU eigne - AMD glaube jedoch nicht, dass diese Ausrichtung die Richtige sei. Die Design-Philosophie sei entscheidend. GPUs seien schwer zu entwickeln [Anm. der Redaktion: Hierin ist sich AMD offenbar mit Nvidia einig] und das könne man nicht einfach mit einem CPU-zentrierten Ansatz, der bereits existierende x86-Kerne nutzt, tun.

AMDs Lösung, so Erskine, basiere auf der hauseigenen Velocity-Strategie, die die Erfordernisse der neuen Ära moderner PCs und des Visual-Computing als Schrittmacher berücksichtige. Dabei greife man auf die schnellen Fertigungsfortschritte aufseiten der GPU-Technik zurück, welche diejenige der CPUs traditionell überrunde. AMD Velocity liefere dem Kunden die Kombination aus TFLOPS-GPUs und sparsamen aber leistungsfähigen x86-Kernen. Bei AMD glaube man, dass dies einen entscheidenden Plattform-Vorteil darstelle und man so jedes Jahr die beste APU, Accelerated Processing Unit, liefern könne.

Drittes Update: 8.12.2009
Auch Intel hat nun einige Fragen von uns beantwortet, die wir Ihnen im Folgenden zeigen.

PCGH: Das Aus für Larrabee 1 als Desktop-Grafikkarte kam überraschend. Welche Probleme gab es bei der Entwicklung, die zu dieser drastischen Entscheidung führten? Wie geht es nun weiter?
Intel: Unser erstes Larrabee-Produkt wird nicht als Standalone-Grafikkarte veröffentlicht, sondern als Software-Plattform für interne und externe Zwecke genutzt. Larrabee ist ein sehr komplexes, über mehrere Jahre laufendes Projekt, das einen neuen Architektur-Ansatz für Grafik und High Performance Computing verfolgt. Die Geschwindigkeit des ersten Larrabee-Produktes bei Computing-Anwendungen (wie auf der SC09 gezeigt) ist sehr vielversprechend, sodass wir eine HPC-Entwicklungsplattform basierend auf Larrabee veröffentlichen werden. Unsere Pläne, die erste CPU der Welt mit integrierter Grafik auszuliefern, bleibt davon unberührt.
PCGH: Ist das Projekt „Desktop-Grafikkarte“ bei Intel endgültig beendet? Oder wird es in der Zukunft neue Anläufe geben?

Intel: Wir sind enttäuscht, dass das Produkt nicht da ist, wo wir es selbst erwartet haben. Nichtsdestotrotz bekennen wir uns weiterhin dazu, erstklassige Many-Core-Produkte an unsere Kunden zu liefern. Weitere Pläne bezüglich Desktop-Grafikkarten werden im Laufe des Jahres 2010 entschieden.
PCGH: Wird Larrabee-1-Technologie in künftigen Produkten wie integrierter Grafik o. ä. Verwendung finden?

Intel: Wir haben noch keine Zeitpläne für eine CPU-Integration veröffentlicht. Ein Update zu diesem Thema gibt es zu einem späteren Zeitpunkt.


Die Geschichte von Larrabee zum Nachlesen auf PC Games Hardware:
Intel sagt Larrabee-Grafikkarte ab, Nvidias Fermi nun im luftleeren Raum?
Intel führt Larrabee-Protoyp mit 1 TFLOPS vor (Update: Larrabee-Grafikkarte im Youtube-Video)
IDF 2009: Larrabee erstmals vorgeführt - Update: Grafik-Effekte und Raytracing im Video
Nvidia Forschungs-Chef Bill Dally: Mischung aus Raytracing und Rasterisierung ist die Zukunft
 
 
Alle Artikel zu Grafikkarten von Nvidia und AMD/Ati finden Sie auf der Grafik-Themenseite. Eine aktuelle Grafikkarten-Kaufberatung finden Sie im Artikel Ati- und Nvidia-Grafikkarten: Test-Übersicht und aktuelle Kauf-Tipps. Mehr zum Geforce-Entwickler Nvidia und Radeon-Entwickler AMD erfahren Sie in unseren Themen-Specials.
 
 
 
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Aktuelle Kommentare
Havenger
Gesperrt
14.12.2009 19:52
AW: Intel Larrabee: Manycore-Grafikkarten wird es nicht geben

naja gut aber trotzdem glaube ich net dran wenn dann vlt werden die ein paar cpus für hadys mit windows bauen aber mehr wirklich nicht ...

ruyven_macaran
Moderator
13.12.2009 20:23
AW: Intel Larrabee: Manycore-Grafikkarten wird es nicht geben

Für M$-Bashing bin ich immer offen, aber das Intel in Handys präsent ist, ist nicht nur eine Möglichkeit für die nächsten 10 Jahre, sondern schlichtweg ein Fakt von heute.

Havenger
Gesperrt
13.12.2009 20:15
AW: Intel Larrabee: Manycore-Grafikkarten wird es nicht geben

ähm nicht um jetzt respektlos zu sein du willst doch wohl nicht behaupten das windows fehlerfrei ist oder das intel gpus für handys produzieren wird ??? jüngst gibts durch ein schönes neues update einen fehler im ie der den jetzt dauernd abstürzen lässt ...

 
 
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