Geschichte der Multi-GPU-Grafikkarten [Quelle: siehe Bildergalerie]
Original-Artikel: 16.04.2009 Wann genau die erste Dual- oder Multi-GPU-Grafikkarte auf den Markt kam, ist Auslegungssache. PC Games Hardware startet einfach mit der Voodoo Graphics, die ab Herbst 1996 für Furore sorgte. Je ein Pixel-FX und ein Texel-FX machen die Voodoo "1" im weiteren Sinne zur Dual-GPU-Grafikkarte. Auch die Nachfolger Voodoo 2 (mit SLI-Option) und Voodoo Rush kam mit mehr als zwei Grafikchips daher. Bei der Voodoo5 5500 kam 3dfx wieder zurück auf das Multi-GPU-Konzept, um es dann bei der Voodoo5 6000 zu perfektionieren - letztere Grafikkarte kam aber niemals auf den Markt.
Ati und Multi-GPU Bei Ati ging es im Desktopbereich mit der Rage Fury Maxx los, die 1999 das Licht der Welt erblickte. Zum Verhängnis wurde der Grafikkarte, dass es nie Treiber gab, die beide Chips unter dem populär werdenden Windows 2000 und später Windows XP ansprachen. Nachdem es dann einige Jahre eher ruhig im Bereich der Multi-GPU-Grafikkarten bei Ati war, kamen ersten Hersteller-Designs wieder mit der X1k-Serie hoch. Bekannte Vertreter waren unter anderem die Gecube X1650 XT Gemini Ende 2006 mit zwei X1650-XT-Chips. Die Leistungssteigerung war zwar ordentlich, der hohe Preis schreckte aber Käufer ab. Nicht viel später trat die Sapphire X1950 Pro Dual an, die damals schnellste Dual-GPU-Lösung für den Einzelsteckplatz. Leider war ein Crossfire-fähiges Mainboard und ein spezieller Treiber erforderlich, was sich nicht unbedingt positiv auf den Verkauf ausgewirkt hat.
Ati Radeon HD 3870 X2 mit 2x RV670 [Quelle: siehe Bildergalerie]
Im Herbst 2007 gesellte sich dann unter anderem noch die Gecube HD2600 XT Gemini 3 hinzu, die auf zwei HD-2600-XT-Chips mit 800 Megahertz zugreifen konnte. Pro Chip standen alternativ 256 oder 512 MiByte VRAM zur Verfügung. Weiter ging es 2008 mit der HD3k-Serie und diversen Multi-GPU-Grafikkarten. So startete Anfang des Jahres die HD 3870 X2 durch mit zwei RV670-GPUs (oft auch als R680 bekannt), im April erschien dann auch eine HD 3850 X2 von Asus, der allerdings wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Ein ähnliches Spiel ereignete sich beim Launch der HD 4850 X2 und HD 4870 X2. Während die große X2 mit zwei RV770 (oft auch R700 genannt) von sehr vielen Herstellern aufgegriffen wurde, gab es bei der kleineren X2 mit Sapphire nur einen Anbieter (die Karten hatten entweder 2x 512 oder 2x 1.024 MiByte VRAM). Richtig durchsetzen konnte sich die 4850 X2 aufgrund des Preis-Leistungsverhältnisses nicht, zur Cebit gab es dann starke Preissenkungen und eine verbesserte Lüftersteuerung.
Nvidias Multi-GPU-Geschichte
Asus Geforce 6800 GT Dual [Quelle: siehe Bildergalerie]
Nvidia stieg erst spät auf den Dual- oder Multi-GPU-Zug auf, und zu Beginn der Geschichte waren es auch eher einzelne Projekte von Board-Partnern. So präsentierte Asus mit der Geforce 6800 GT Dual einen Überraschungs-Hit auf der Cebit 2005. Hier präsentierte Asus zum ersten Mal die Kombination von zwei Geforce-6800-Chips auf einem Board. Entgegen der damaligen Aussagen erreichte die Karte aber nie in Stückzahlen den Handel. Nicht viel später kam die Gigabyte 3D-1 mit zwei GF6600 GT. Auch wenn sie leistungsmäßig trotz SLI auf einem Board nur in der gehobenen Mittelklasse mitspielte, war die 3D-1 doch ein interessantes Projekt. Ähnliche Dual-6600-Lösungen gab es noch von Asus und Leadtek. MSI präsentierte auf einer Hausmesse sogar eine Karte mit zwei MXM-Modulen, die zwei 6600er trugen.
Weiter ging es mit der Asus Geforce 7800 GT Dual. Die limitierte Edition der Dual 7800 GT schaffte es als eine der wenigen Dual-Geforce-Karten sogar in den Handel und konnte zu entsprechend astronomischen Preisen Sammlerherzen höher schlagen lassen. Ein ähnliches Sonderprojekt war die Galaxy Masterpiece 7600 GT Dual mit 2x 7600 GT und 2x 256 MiByte VRAM aus dem Jahre 2006.
Zur Cebit 2006 zauberte Nvidia dann die Geforce 7900 GX2 mit SLI auf einer Karte aus dem Hut. Die 7900 GX2 war im Gegensatz zur kurze Zeit später vorgestellten 7950 GX2 eigentlich nur für den OEM-Bereich gedacht und wurde von vielen als Verzweiflungstat gegen die starke X1900-Konkurrenz von Ati gesehen. Nvidia montierte dabei zwei der sparsamen G71-Chips auf einer Sandwichkarte: Zwei getrennte Boards, welche aufeinandergeschraubt wurden und nur einen PCI-Express-Steckplatz besetzten. Zwar konnte man damit in einigen Spielen und besonders im aktuellen 3DMark die Performance-Krone zurückerobern, aber ein sonderlicher Erfolg war diese Konstrukt dennoch nicht. Das hiermit mögliche Quad-SLI verschwand nach einem kurzen Aufflammen der Aufmerksamkeit schnell wieder in der Versenkung und wird von aktuellen Treibern nicht mehr unterstützt.
Nvidia Geforce 9800 GX2 [Quelle: siehe Bildergalerie]
Quasi im Doppelpack mit der Geforce 9800 GTX brachten die Nvidia-Mannen dann eine 9800 GX2 auf den Markt, welche in den meisten Fällen tatsächlich die HD 3870 X2 schlagen konnte. Unverständlicherweise war die Sandwich-Karte (beide G92-GPUs lagen "innen") nur mit 512 MiByte pro Chip ausgestattet, was besonders beim Haupteinsatzgebiet "HD-Gaming" mit Kantenglättung hinderlich war und starke Fps-Einbrüche zur Folge hatte. Anfang Januar 2009 wurde dann die Geforce GTX 295 vorgestellt, ebenfalls in Sandwich-Bauweise und mit zwei GT200b-GPUs in 55-Nanometer-Fertigung. Die GTX 295 stellte die erste Desktop-Grafikkarte von Nvidia dar, die die Schallmauer von einem TFLOPS durchbrach. Dies erreichte sie dank zweier GPUs, die je 240 Shader-ALUs, 80 Textureinheiten und 28 ROPs mit einem 448-Bit-Speicherinterface besitzen. Die Geforce GTX 295 sollte den Nimbus der schnellsten Einzel-Grafikkarte zurück zu Nvidia holen, nachdem AMD mit dem Dual-GPU-Modell Radeon HD 4870 X2 die bis dato schnellste, einzelne Grafikkarte führte.
Multi-GPU-Exoten (Auswahl) Neben 3dfx, Nvidia und Ati gab es selbstverständlich noch andere Firmen, die Multi-GPU-Grafikkarten auf den Markt brachten. Eine der bekanntesten war die XGI Volari V8 Duo. Viel gibt es zur lauten, stromfressenden Karte der XGI-Mannen, welche 2007 die Führung im Grafikmarkt übernehmen wollten, allerdings nicht zu sagen: Sie war langsam und litt unter Treiberproblemen. Die blauen LEDs sahen jedoch ziemlich cool aus, wie Sie in unserer Galerie feststellen werden.
Ebenfalls in den Exoten-Bereich fällt die Quantum 3D Obisidan X24. Zwei 3dfx-Voodoo2-Karten konnte jeder im SLI (Scan Line Interleave) koppeln - das nötige Kleingeld von anfangs insgesamt 1.200 DM vorausgesetzt. Doch nur die 3DFX-Tochter Quantum3D, eigentlich für professionelle Simulatoren zuständig, brachte SBSLI - Single-Board-SLI - auf den Markt. Praktisch, wenn die PCI-Steckplätze knapp wurden.
Sie interessieren sich für die Geschichte der Grafikkarten? Dann hat PC Games Hardware diverse interessante Artikel für Sie parat.
Die Geschichte der 3D-Grafikkarten sollten Sie auf jeden Fall gesehen haben, außerdem empfehlen wir
Die wichtigsten 3dfx-Grafikkarten: Von Voodoo Graphics bis zur Voodoo5 6000,
Die 25 wichtigsten Ati-Grafikkarten: Von Rage bis Radeon HD 4870 X2 und
Die 20 wichtigsten Nvidia-Grafikkarten: Von NV1 bis Geforce 8800 GTX.
Update 20.4.2009 Gegenüber dem ursprünglich veröffentlichten Artikel haben wir nun ein Bild der Geforce 7900 GX2 hinzugefügt. Außerdem wurde der Artikel um die Design-Studie Sapphire 9800 Pro Maxx mit zwei Mal 9800 Pro erweitert, die auf der Computec 2003 vorgestellt wurde, aber nie den Handel erreicht hat. Danke an deekey777 für den Hinweis.
(Ansicht vergrößern für Quellenangaben)
Update: 20.11.2009 Nachdem das neue Multi-GPU-Flaggschiff von AMD/Ati Radeon HD 5970 erschienen ist, ist ein Update des Artikels angebracht.
Mit der Radeon HD 5970 beendet AMD seine gewohnte Taktik, Dual-GPU-Karten mit X2 zu kennzeichnen. AMDs neueste Dual-GPU-Grafikkarte bekommt stattdessen eine höhere Modellnummer spendiert. Wie alle Grafikchips der "Evergreen"-Familie (HD 5000) beherrscht auch die
Radeon HD 5970 Direct X 11 in vollem Umfang. Der größte Unterschied zu den Geschwistern betrifft die Ausführungsgeschwindigkeit aller geforderten Arbeiten: Dank zweier GPUs soll diese schneller denn je vonstatten gehen. An Bord der HD 5970 befinden sich zwei vollwertige Cypress-Grafikprozessoren, um die Leistungsaufnahme gering zu halten und die Kühlung nicht zu überfordern, arbeiten die Chips auf der HD 5970 jedoch nur mit HD-5850-Takt: 725/2.000 MHz (GPU/VRAM) liegen hier an. Theoretisch stehen demnach 1.600 Shader-ALUs, 160 Textureinheiten und 64 ROPs zur Verfügung. Da die eingesetzte Multi-GPU-Technologie Crossfire jedoch nicht zu 100 Prozent skaliert, fällt die Leistung in der Praxis geringer aus.
Ebenfalls erwähnenswert, wenn auch eher als Freak-Projekte, sind die
Asus Mars und die
EVGA Geforce GTX 275 CO-OP PhysX Edition. Auf der Mars kommen zwei vollständige GT200b-Chips mit GTX-285-Takt zum Einsatz. Asus nutzt Speicherchips doppelter Dichte, was in üppigen 4 GiByte (2 GiByte pro GPU) resultiert - mehr als bei der GTX 285. Bei der Mars handelt es sich ergo um Geforce-GTX-285/2G-SLI unter einer Haube - mit einer Einschränkung: Der Speicher arbeitet nur mit 1.152 MHz; der GTX-285-Standard beträgt 1.242 MHz. Beide Grafikchips rechnen mit 648/1.476 MHz (GPU/ALU). Die Asus Mars ist allerdings nur in absolut limitierter Stückzahl auf den Markt gekommen und hat daher höchstens Schauwert gehabt.
Bei der
EVGA Geforce GTX 275 CO-OP PhysX Edition hat EVGA bei der Fertigung das PCB-Layout der Geforce GTX 295 übernommen, auch der Kühler ist weitestgehend der gleiche. Ausgestattet ist die Karte mit einem GT200b-Chip für die Grafikberechnung, welcher mit 638 MHz (GPU), 1.296 MHz (Shader) und 1.134 MHz (Speicher) taktet. Wie bei der Standard GTX 275 ist der Grafikspeicher 896 MByte groß und mit 448 Bit angebunden. Für die Physikberechnungen setzt EVGA einen G92b-Chip ein, wie er auch auf einer Geforce GTS 250 zum Einsatz kommt. Dieser taktet mit 738 MHz (GPU),1.836 MHz (Shader) und 1.100 MHz (Speicher). Letzterer ist aufgrund der auf 192 Bit reduzierten Speicheranbindung 384 MByte groß, was für die Physikberechnungen vollkommen ausreichen sollte. Für 350 US-Dollar (Stand: 20.11.2009) soll die ungewöhnliche Karte über den Ladentisch gehen.
Gesperrt
09.12.2009 22:03
was meint ihr könnte man sich eher zulegen : ne eyefinity edition der 5870 oder gleich ne 59xx ?
BIOS-Overclocker
09.12.2009 11:00
die Asus Mars sinnvoll???
also ich finde eine Karte, die thermisch den normalen Betrieb nicht übersteht, wenig sinnvoll!!!
PC-Selbstbauer
09.12.2009 09:27
Wenn schon 2 GPUs dann gleich auf 2 Karten und mehr wie 2 ist eh absolut sinnfrei .
2x 9800 gtx 1Gb ist billiger und besser als ne 9800gx2 .
2xGtx 275 1.792 Gb auch billiger und besser als ne GTX 295 .
Obwohl in den beiden Fällen schon die 98Gt und die Gtx 260 gereicht hätten um mehr Power zu haben .
Die multi Lösungen haben einfach zu wenig speicher und sind von der Stromversorgung und der Kühlung schon total Überzüchtet .
Die sache mit dem Physix Chip finde ich sehr intressant nur leider mit der falschen GPU generation verwirklicht .
Bin mal gespannt ob es von fermi auch so ein Teil geben wird oder ob es nur Geldmacherei sein sollte um die Chiphalden zu leeren .
Ich werde aber meine Gtx 260 als Physx nutzen wenn Fermi kommt .
Die habe ich schliesslich schon .
Abschliessen als Fazit möchte ich anmerken : Multi Gpu macht nur sinn wenn es so wie bei der Asus Mars betrieben wird , nur sollte dann Die Multi Graka deutlich billiger sein als 2 Single Pedants und nicht jeden Etat sprengen .
mfGamiac