Multiplayer-Shooter Titanfall: Die E3-Vorschau - Halo trifft Mechwarrior trifft Call of Duty trifft...
Man nehme einen Löffel Halo, zwei Löffel Call of Duty, 500 Gramm MechWarrior, eine Messerspitze Assassin's Creed und verrühre das Ganze mit einer frisch abgeschmeckten Source-Engine-Suppe: Fertig ist Titanfall, der neue Mehrspieler-Shooter von Respawn Entertainment. Wir haben uns das Spiel auf der E3 angesehen.
Drei Jahre nach den Dramen um Infinity Ward, Respawn Entertainment, Activision und Electronic Arts stellt Respawn Entertainment endlich die erste Eigenentwicklung vor: einen 3D-Shooter namens Titanfall.
Dass Titanfall von Valves Source-Engine angetrieben wird, mag man kaum glauben - doch die Engine wird bei Valve seit den Tagen von Half-Life 2 und Co. ständig weiterentwickelt und auf dem neuesten Stand der Technik gehalten. Obendrein erweiterten die Designer bei Respawn Entertainment sie stark. Steve Fukuda, Game Director von Titanfall, verlor darüber jedoch keine großen Worte, sondern spielte uns einen Abschnitt des Spiels vor - zusammen mit 15 Kollegen von Respawn. Worum es im großen Ganzen ging, blieb unklar, doch Fukuda & Co. mussten drei Kontrollpunkte eines heiß umkämpften Areals eine gewisse Zeit lang besetzen.
Nach dem Absprung aus einem Gleiter geht es zunächst zu Fuß durch ein Waldstück und dann in futuristisch-verfallene Ruinen. Am Himmel hängen schwere Kampfraumer, durch die Luft sausen Laserschüsse - Titanfall erinnert nicht von ungefähr an die Halo-Serie. Doch die Action in den Ruinen ist deutlich frenetischer und würde auch in ein Call of Duty passen - kein Wunder, denn diese Serie ist ja zum großen Teil das Baby der Respawn-Crew. Allerdings gab es riesige Mechs, pardon, Titans, noch in keinem dieser Spiele. Steve Fukuda fordert jetzt auf Knopfdruck einen dieser Metallkolosse aus einem Versorgungsschiff an, der kurz darauf mit großem Getöse auf der Erde landet und ihn mit einer Greifhand in den "Fahrersitz" hebt.
Zwar bewegen sich die Titans nicht ganz so behende wie ein Fußsoldat, der gelenkig wie ein Äffchen an einer Hausfassade empor springen kann, doch dafür teilen sie deutlich härter aus. Menschliche Gegner werden einfach niedergetrampelt oder mit der Hand zerschmettert, mit fast lachhaft großen Raketenwerfern und Blitzkanonen geht es gegen feindliche Titans, die sich ihrerseits mit nicht minder großen Waffen wehren. Mit der linken Roboterhand können sie zum Glück im richtigen Moment einen Schutzschirm erzeugen. Doch unbesiegbar sind die Ungetüme nicht: Schwer getroffen greift Steve Fukuda nach dem Schleudersitz-Auslöser und saust in hohem Bogen aus dem unter ihm explodierenden Titan.
Weil der nächste erst in zwei Minuten einsatzbereit ist, geht Fukuda zu Fuß weiter. Er springt auf einen gegnerischen Titan, der sich gegen den Feind auf seinem "Kopf" nicht wehren kann, reißt eine Versorgungsklappe auf und ballert herzhaft auf die darin versammelte Hydraulik und Elektrik. Dann springt er hinab, haut im Vorbeigehen einem Gegner im Nahkampf eins auf die Mappe und begibt sich dann zum Evakuierungspunkt - die drei Kontrollpunkte wurden lang genug gehalten. Auf dem Weg zum rettenden Raumer kann es sich Steve Fukuda nicht verkneifen, noch ein paar Gegner auszuschalten und verpasst so beinahe den Abflug: Der Countdown tickt unerbittlich hinab und sogar sein neben ihm spielender Kollege ruft ihm ein "Jetzt mach mal hin!" zu. Doch just als der Zähler die Null erreicht, springt Fukuda ins Shuttle und düst mit seinen Kumpels hinweg - auf zu neuen Abenteuern.
Mann gegen Mann gegen Titan gegen Titan - das ist eine etwas unausgeglichene Ausgangslage. Mit clever verteilten Schwachstellen (Titan zertritt Mensch, Mensch klettert auf Titan und zerstört ihn) ist den Entwicklern der Balanceakt jedoch gelungen. Es schien nicht, als würden Steve Fukuda und seine Kollegen nur noch im Titan unterwegs sein, um alle Gegner zu erwischen. In Kontrollpunkte in beengten Verhältnissen passen die Kolosse ja auch gar nicht. Wir sind vorsichtig optimistisch, was Titanfall angeht, würden uns beim Wiedersehen aber über ein paar Takte zur Einzelspielerkampagne, weiteren Mehrspieler-Modi sowie anderen Umgebungen wünschen. Auf jedem Fall ist Titanfall eine willkommene Alternative für alle, die alte und moderne Weltkriege nicht mehr sehen können und keine Xbox-Konsole mit den aktuellen Halo-3D-Shootern besitzen.
