SSD 960 Pro im Test: Neuer High-End-Maßstab von Samsung
Als Samsung auf dem Global SSD Summit 2016 das neue NVME-Flaggschiff 960 Pro im M.2-Format vorgestellt hat, beeindruckte der Marktführer mit Lese- und Schreibraten, welche die des Vorgängers deutlich übertreffen sollen. Wir konnten uns nun selbst von der Leistung ein Bild machen und haben die High-End-SSD durch unseren Benchmark-Parkour gejagt.
Als Nachfolger der Samsung SSD 950 Pro ist auch die 960 Pro für gehobene Anwender gedacht. Die Performance ist zwar ebenso etwas besser als die der günstigeren Evo-Pendants, deutlicher sind aber Unterschiede in der Garantie: Samsung bietet fünf statt drei Jahre ab Kauf beziehungsweise doppelt so viel geschriebene Daten (TBW) bis zum Garantieverlust bei gleicher Kapazität. Eine 960 Evo mit 500 GB garantiert beispielsweise 200 TBW - eine 960 Pro schon 400 TBW. Das macht sich in der Preisdifferenz von circa 90 USD bei den 500-GB-Modellen und 150 USD bei den 1-TB-Modellen bemerkbar. In den Evo-Modellen setzt Samsung außerdem auf TLC-Speicher, der 3 Bits pro Zelle speichert, wohingegen die Pro-SSDs MLC-Chips mit zwei Bit pro Zelle nutzen, denen eine etwas höhere Lebensdauer zugeschrieben wird. Zum Vergleich: Das Vor-Vormodell, die noch immer erhältliche SATA-6Gbit/s-SSD 850 Pro, hat eine Garantie von bis zu zehn Jahren bzw. eine garantierte Schreibleistung von 300 TBW.
Von den Vorjahresmodellen unterscheiden sich alle 960-Modelle durch den V-NAND der dritten Generation mit 48 Speicherlagen pro Chip. Die 950er-SSDs wurden noch mit 32-lagigem V-NAND aus der zweiten Generation gefertigt. Außerdem bietet Samsung erstmals eine 960 Pro mit einer Kapazität von 2 TB an - und das, obwohl die Chips noch immer einseitig verbaut sind. Möglich machen soll das die "Advanced Packaging Technology", wie Samsung seine Stapel der Dies zu einem Package nennt. 16 einzelne 48-Layer-Dies mit je 256 Gigabit sitzen übereinander und bilden so ein Package mit 512 GB Kapazität. Auch die Pro-SSDs mit 512 GB und 1 TB sind mit vier Packages bestückt, diese sind aber nur vier- beziehungsweise achtlagig gestapelt. Nicht nur die Speicherzellen sitzen übereinander, auch der 1 GiByte große LPDDR3-Cache und der Samsung-Polaris-Controller bilden ein gemeinsames Package.
Samsungs Polaris-Controller ist ein alter junger Bekannter: Er ist in den bereits erhältlichen (aber etwas schwächeren) Modellen SM961 und PM961 zu finden, welche für den OEM-Einsatz konzipiert wurden, aber fast die gleiche Hardware-Basis nutzen. Verglichen mit dem UBX-Controller der 950-SSDs bietet er fünf statt drei Rechenkerne.
Quelle: Samsung
Varianten der Samsung SSD 960 Pro
SSD 960 Pro: Leistungstest
Laut Hersteller sollen bis zu 3.500 MB/s im sequenziellen Lesen möglich sein, was dem Durchsatzlimit des PCI-Express-3.0-Protokolls von 3.938 MB/s bei vier Lanes immer näher kommt. Einen Wert über 3 GB/s konnten wir lediglich im Benchmark mit CrystalDiskMark feststellen - und dort auch nur recht knapp. In die Wertung fließen bei uns lediglich die Messungen von AS SSD und ATTO Disk Benchmark mit ein. Dort liegen die Bestwerte in etwa um 2,5 GB/s, was bei der 960 Pro in der von uns getesteten 1-TByte-Variante trotzdem für die beste Leistungsnote der bisher getesteten SSDs reicht.
Dafür verantwortlich ist die hervorragende Schreibgeschwindigkeit: Im sequenziellen Schreiben gibt Samsung 2,1 GB/s an, die wir in allen drei der genannten Performance-Benchmarks auch erzielen. Dennoch: Unsere ersten Messungen der IOPS sowie der Schreibleistung unter AS SSD fiel zunächst ernüchternd aus. Lediglich 65.000 IOPS und gerade mal 460 MB/s im sequenziellen Schreiben spuckten die Benchmarks aus. Bei Weitem das schlechteste Ergebnis aller PCIe-SSDs - das kann nicht stimmen bei einer Top-SSD.
Quelle: PC Games Hardware
Samsung SSD 960 Pro
Der Übeltäter ist der Windows-eigene NVME-Treiber, der die Schreibleistung drastisch reduziert. Hier muss in den Geräte-Eigenschaften der Schreib-Cache aktiviert werden. Zum Testzeitpunkt war noch kein eigener Treiber vom Hersteller verfügbar. Samsung versicherte uns aber, dass im November mit Erscheinen der SSD auf dem Markt der Treiber fertiggestellt würde.
360 MIOPS nennt Samsung für das 1-TB-Modell, was die Schreibleistung angeht. Wir konnten "nur" 245 MIOPS ermitteln, was bei uns lediglich von Intels (weitaus teureren) SSD 750 knapp übertroffen wurde. Die Vorgängerin 950 Pro haben wir mit nur 75 MIOPS getestet. Nach etwa zehn Minuten Schreiben bricht die Leistung der 960 Pro temperaturbedingt auf etwa 100 MIOPS ein. In der Praxis kommt ein derart langes Schreiben aber kaum vor, daher ist dieses Verhalten nicht sonderlich tragisch und typisch für PCI-Express-SSDs ohne größeren Aluminiumkühlkörper. Auf der Intel SSD 750 etwa ist ein Passivkühler verbaut, weswegen diese SSD selbst nach einer halben Stunde noch immer 200 MIOPS liefert.
Die Samsung SSD 960 Pro ist nicht ganz ungekühlt: Der Hersteller hat im Aufkleber auf der Rückseite eine dünne Kupferschicht integriert, sodass die temperaturbedingte Drosselung (Digital Thermal Guard) etwas später einsetzen soll. Im Vergleich zur 950 Pro soll die 960 Pro laut Samsung 95 statt 63 Sekunden lesen und 147 statt 65 Sekunden schreiben können - ohne Drosselung.
Die Benchmark-Spitzenwerte lesen sich zwar schön, in der Praxis kommen aber derart aalglatte Beanspruchungen selten vor. Wir messen daher die Zeit von drei Szenarien, die dem Alltag näher kommen: Eine Stapelverarbeitung von Bildern, das Schreiben von 10-GB-Dateien unterschiedlicher Größe und eine Spieleinstallation. Verglichen mit anderen NVME-SSDs sind hier kaum Unterschiede zu merken. Trotz Rekorde bei IOPS und Co. sind es nur wenige Sekunden Unterschied zur Vorgängerin und Modellen anderer Hersteller.
Magere Ausstattung der High-End-SSD
Ein Déjà-vu: Tadellos, was Technik und Leistung angeht, nicht so aber bei der Ausstattung. Das stellten wir bereits vor einem Jahr bei der 950 Pro fest. Schon damals bestand der Lieferumfang lediglich aus der nackten Platine in der Plastikverpackung. Immer mehr Mainboards haben zwar einen M.2-Steckplatz, bei anderen Herstellern von M.2-SSDs ist hingegen eine Adapterkarte von PCI-Express-x4 auf M.2 nach wie vor selbstverständlich.
Immerhin bietet Samsung die Magician-Software per Download an. Wir haben festgestellt, dass die aktuelle Version 4.9.7 die 960 Pro bereits unterstützt. Mit Samsung Magician konnten zumindest einige SMART-Daten der SSD bereits ausgelesen werden, was aktuelle Analyse-Tools wie SSD-Z oder Crystal Disk Info noch nicht hinbekamen. Mit der Markteinführung der SSD dürften diese es aber schnell lernen. Was die Verschlüsselung angeht, so unterstützt die Vorgängerin 950 Pro lediglich den AES-Standard in 256 Bit. TGC Opal und Microsofts Edrive sollten mit einer Firmware hinzukommen, was aber bislang nicht geschehen ist. Die aktuelle SSD 960 Pro unterstützt AES 265 Bit, TGC Opal, aber noch immer nicht Edrive.
Fazit: SSD 960 Pro
Samsung bringt mit der 960 Pro das aktuell schnellste Laufwerk für Endverbraucher auf den Markt. Die Intel SSD 750 ist zwar im einen oder anderen Benchmark besser. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass wir sie schon mit dem Herstellertreiber getestet haben. Die Samsung SSD 960 Pro mussten wir mit dem Windows-eigenen NVME-Treiber betreiben. Zudem ist der Straßenpreis der Intel SSD 750 bei 1,2 TB an Kapazität mit (mindestens) 779 Euro noch immer deutlich höher als Samsungs unverbindliche Preisempfehlung der 960 Pro mit 620 Euro. Damit ist das Top-Modell aber immer noch doppelt so teuer als deutlich langsamere SATA-6 GBit/s-SSDs mit selbiger Kapazität. Dennoch handelt es sich bei circa 0,65 Euro pro GiByte um ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis im High-End-Bereich der PCIe-SSDs. Und erste Listungen in Shops deuten darauf hin, dass die 1-TB-Version der 960 pro bei circa 600 Euro starten könnte.
| Produktinfo/-name | SSD 960 Pro | SSD 950 Pro | SSD 750 | Sonix | OCZ RD400 |
|---|---|---|---|---|---|
| Modellbezeichnung | Offen | MZ-V5P256BW | NVMe INTEL SSDPEDMW012T401 | ZTSSDPG3-480.GE | RVD400-M2280-512G-A |
| Hersteller/Webseite | Samsung (samsung.com/de) | Samsung (samsung.com/de) | Intel (intel.com) | Zotac (zotac.comd/de) | Toshiba (toshiba.de) |
| PCGH-Preisvergleich | Noch nicht gelistet | www.pcgh.de/preis/1327973 | www.pcgh.de/preis/1227661 | www.pcgh,de/preis/1406123 | www.pcgh.de/preis/1448318 |
| Preis/Preis-Leistungs-Verhältnis | Ca. € 619,-/ | Ca. € 200,-/ | Ca. € 1050,-/ | Ca. € 340,-/ | Ca. € 280,-/ |
| Preis pro Gbyte | € 0,65/GiByte | € 0,84/GiByte | € 0,94/GiByte | € 0,76/GiByte | € 0,59/GiByte |
| MTBF*/Haltbarkeit | 1.500.000 Stunden/800 TB TB | 1.500.000 Stunden/200 TB | 1.200.000 Stunden/219 TB | 2.000.000 Stunden/- TB | 1.500.000 Stunden/296 TB TB |
| Firmware Testmuster | 1B6QCXP7 | 1B0Q | 0135 | E7FM01.0 | 57CZ |
| SSD-Controller | Samsung Polaris | Samsung UBX (3 Cores, 500 MHz) | Intel CH29AE41AB0 | Phison PS5007-E7 | Toshiba TC58NCP070GSB |
| Flash-Chips | Samsung VNAND (48 Lagen) | Samsung VNAND (32 Lagen) | Intel/Micron-MLC | Toshiba 15-nm-MLC | Toshiba 15-nm-MLC |
| DRAM-Cache | 1 GB LPDDR3 | 512 MiB LPDDR3 | 5 x 512 MiByte Micron DDR3L-1600 | 512 MiB DDR3 | 512 MiB Samsung LPDDR3 |
| Schnittstelle | 4× PCI -Express 3.0 | 4× PCI -Express 3.0 | 4× PCI -Express 3.0 | 4× PCI -Express 3.0 | 4× PCI -Express 3.0 |
| Formatierte Kapazität (GiByte) | 953,87 GiByte | 238,47 GiByte | 1117,69 GiByte | 447,13 GiByte | 476,94 GiByte |
| Herstellergarantie | 5 Jahre | 5 Jahre | 5 Jahre | 3 Jahre | 5 Jahre (AWP) |
| Zubehör/Besonderheiten | 0 | SSD Magician (Download) | Intel SSD Toolbox | Treiber für Windows 7/8 | Toshiba SSD Utility |
| Bootfähig/Option-Rom | Nein | Nein | Nein | Nein | Nein |
| Schnittstelle | 4× PCI -Express 3.0 | 4× PCI -Express 3.0 | 4× PCI -Express 3.0 | 4× PCI -Express 3.0 | 4× PCI -Express 3.0 |
| NAND-Typ | MLC | Samsung VNAND (32 Lagen) | Intel/Micron-MLC | MLC | MLC |
| Trim-Unterstützung (Garbage Collection) | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Format | M.2 | M.2 | PCI-E (HHHL) | PCI-E (HHHL) | M.2 |
| Leistungsaufnahme Leerlauf/Lesen/Schreiben | 1,9/5,3/5,3 Watt | 1,9/5,1/5,1 Watt | 4,0/12,0/12,0 Watt | 2,7/4,2/5,1 Watt | 2,0/2,8/3,6 Watt |
Ich habe leider keine zweite M.2-SSD um das mal zu testen.
Mich interessiert, ob das bei der 960 PRO auch so ist. Warum wurde das nicht getestet?
Oder haben die Tester kein Mainboard (mehr), wo NVMe im BIOS/UEFI fehlt?
1. Ja, da muss wohl ein neues X99 her.
2. Da muss wohl mal ein Test her um das endgültig zu klären!
3. Auf jeden Fall! Im Leerlauf schön leise (1000rpm), bei 100% Ansteuerung(3000 RPM) schon ein deutliches Rauschen aber nicht nervend, sondern angenehm. Laufen relativ warm (bis 90°), ist mir aber egal, das haben irgendwie alle meine Grakas gemacht und es scheint nicht groß was auszumachen. Boost Takt geht im Extremfall auch schonmal bis auf 1632 Mhz runter. Im "normalen" Betrieb liegt er so bei 1750-1800 Mhz. Leises Spulenfiepen ab 5000FPS, also quasi nie.
Ich hab die quasi nur gekauft, weil es zum Release die günstigsten GTX 1080 mit Radiallüfter waren. Davor hatte ich 2x GTX 760 mit Axiallüftern im Austausch bekommen, und das ging gar nicht. Totale Höllenmaschinen und die CPU wurde gekocht.
Wenn du noch mehr wissen willst, kannst ja ne PM schreiben.
2. Ein Axiallüfter pustet sie auch nicht flach aufs Mainboard, trotzdem wird von denen die Temperatur einer M.2-SSD beeinflusst. Ich bezweifle, dass die Unterschiede zum Radiallüfter da deutlich über "strömt halt in die andere Richtung" hinausgehen.
3. OffTopic: Wie gefallen dir eigentlich deine Aeros? Gibt ja leider kaum Reviews...