Doom "4": Blutig, mit Aussicht auf Elend - Ein Kommentar von Roland Austinat

60
Special Roland Austinat (US-Korrespondent) Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 17,99 €
Doom: "Blut und Elend"
Quelle: id software

Den vierten Doom-Teil kriegten nur die Besucher der QuakeCon 2014 zu Gesicht. Für PC Games Hardware war US-Korrespondent Roland Austinat vor Ort. Der fragt sich nach der Rückkehr aus Dallas: Wie gut wird Doom wirklich? Braucht es die gezeigte Gewalt?

Doom 4 auf der E3? Die Enthüllung des seit Jahren mit Spannung erwarteten Shooters war vor gut vier Wochen eine unserer größten Hoffnungen. Doch außer einem Trailer mit allerlei Nahaufnahmen und einem kurzen Schnitt auf einen turmhohen Dämonen war von dem Titel auf der Spielemesse in Los Angeles nichts zu sehen.

Entwickler id Software verwies stattdessen auf die QuakeCon 2014 im texanischen Dallas, die vor einigen Tagen zu Ende ging. Am 17. Juli führten dort zwei Designer rund 3.000 anwesenden Fans erste live gespielte Szenen des Spiels vor. Und nur denen: Die rund 50.000 Zuschauer, die sich die Eröffnungsveranstaltung bis zu diesem Moment online angesehen hatten, schauten in die Röhre.

In der Warteschleife

Über diese Enthüllungspolitik kann man sich streiten. Vor allem, weil Normalsterbliche, die nicht nach Texas reisen konnten, angeblich erst im nächsten Jahr einen Blick auf den Shooter werfen können. Andererseits ging id Software mit dieser Aktion auf Nummer sicher. Eingefleischte Shooter-Fans, die teilweise zehn und mehr QuakeCon-Besuche auf dem Buckel haben, freuen sich primär über ein Lebenszeichen ihrer Lieblingsfirma - beziehungsweise über Szenen eines Spiel, das endlich wieder direkt bei den Begründern des 3D-Shooter-Genres entwickelt wird.

Immerhin hat Quake 3 Arena inzwischen 15 Jahre auf dem Buckel. Auch Doom 3 erschien schon vor einem Jahrzehnt. Selbst der Endzeit-Shooter Rage ist bereits drei Jahre alt. Und hatte der ehemalige id-Chef John Carmack noch auf der QuakeCon 2007 angekündigt, dass ein viertes Doom in Arbeit sei, fehlte davon in den letzten sieben (!) Jahren jede Spur. Stattdessen gab es immer wieder Gerüchte über Entwicklungsprobleme. So berichtete US-Webseite Kotaku im April 2013, dass Doom 4 nach fünf Jahren Entwicklungszeit im Jahr 2011 eingemottet worden sei und dass die Arbeiten dann von vorne begonnen hätten.

Dicke Knarren, dicke Bosse

Zurück zum letzten Donnerstag. Was haben wir in Dallas eigentlich gesehen? Ganz nüchtern betrachtet unseren Space Marine, der durch einen Kraftwerks- und einen Höhlen-Level rannte und sprang und dabei mit doppelläufiger Schrotflinte, Pulse Rifle, Raketenwerfer und Co. kleine und große Höllenkreaturen ausschaltete. Die taten sich allerdings nicht durch besonders große Intelligenz hervor. Besonders im Kraftwerksbereich saßen sie meist nur untätig auf der Stelle und warteten auf ihr Ableben.

Die dicken Bosse in der Höhle besaßen primär höhere Gesundheitsreserven, deren aktuellen Füllstand wir am stromlinienförmigen Display allerdings noch nirgendwo erkennen konnten. Eingefleischte id-Fans störte das nicht - genauso wenig wie die Tatsache, dass die Präsentation oft unter starken Tearing-Problemen litt. Detailinformationen zur verwendeten Grafik-Engine id Tech 6? Bis auf die Tatsachen, dass sie id-intern auch "id Tech 666" genannt wird und die wohl eher für Konsolenspieler wichtige Auflösung von 1080p bei 60 Bildern pro Sekunde beherrscht, übten sich die Designer im Schweigen.

"Dämonen und Schrotflinten"

John Carmack soll vor vielen Jahren die Doom-Philosophie mit den Worten "Dämonen und Schrotflinten" zusammengefasst haben. Auf der QuakeCon unterstrichen die Entwickler, dass sie sich auf die Stärken des 21 Jahre alten Doom und seine schnellen, brutalen Kämpfe besinnen wollen. Doch gibt es für diese eher simple Spielmechanik heute noch einen Platz? Schließlich erwarten Spieler im Jahr 2014 Auswahlmöglichkeiten und unterschiedliche Enden wie im großartigen Dishonored, eine clevere Geschichte wie in Bioshock Infinite oder zumindest spektakuläre Schießbuden wie in der Call-of-Duty-Reihe. Doom setzt stattdessen auf pausenloses Monstermeucheln mit brachialer Gewaltdarstellung. Flogen uns etwa dank Kettensägeneinsatz in früheren Teilen meist nur bunte Pixel um die Ohren, tranchieren wir mit der Kettensäge heute Monster und Dämonen auf so plastische Weise, als wären wir ein Metzger, der im Schlachthof Rinder zerlegt. Auch die "finishing moves", mit denen der wackere Space Marine den Dämonen wie in Mortal Kombat das Herz herausreißt, ihnen den Kopf zu einem blutigen Brei zertritt oder sie einfach nur enthauptet, sind nichts für schwache Nerven. Ich persönlich könnte auch gut darauf verzichten.

Doch nicht zuletzt solche Gewaltdarstellungen waren es, die der Doom-Reihe seinerzeit ihren Erfolg beschert haben. Deshalb spricht id mit solchen Gewaltdarstellungen ganz klar ältere Semester an, die von nostalgischen Erinnerungen an die ersten zwei Teile umweht werden. Aber ist diese Zielgruppe groß genug, dass id alle anderen links liegen lassen kann? Das lässt sich nach dieser doch eher kurzen Demonstration nur schwer abschätzen - auch, was die Gegner-KI und die grafische Qualität des fertigen Spiels angehen. Ich wünsche id Software auf jeden Fall viel Erfolg, denn für mich zählt das Studio mit seinen, den Fortschritt vorantreibenden Grafik-Engines (immerhin konnte man sich einen prominenten Cryengine-Techniker sichern) zu den ganz Großen der Branche. Ohne die Quake-Engine hätte es schließlich nie ein Half-Life gegeben.

60
    • Kommentare (60)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von PCGH_Carsten Volt-Modder(in)
        AW: Doom "4": Blutig, mit Aussicht auf Elend - Ein Kommentar von Roland Austinat

        Zitat von oldsql.Triso
        Etwas mad zu deinem Brötchen Meine Welt wankt sicherlich nicht bei irgendeiner x-beliebigen Meinung von irgendjemanden. Auch finde ich die Formulierung von deinem Kommentar hier etwas suboptimal... Die Mehrheit hat bestimmt einfach nicht das "Ein Kommentar" (Wie ich selber auch, bloß hat mich deine Meinung nicht gestört.) gelesen.

        Danke, keine Maden. Ich bin Vegetarier (und ja, ich konnte mich trotzdem an Spielen wie Doom & Co. erfreuen).

        Wenn zuerst gemutmaßt wird, der „Kommentar“ hätte sich nachträglich hineingeschlichen und du dann, wie oben, noch mit der Vermutung nachlegst, „die Mehrheit hätte das >Kommentar< nicht gelesen“, dann denke ich nicht, dass meine Anmerkung übermäßig unmäßig formuliert war. Immerhin steht „– Ein Kommentar von Roland Austinat“ sowohl im Link, über den man auf diesen Artikel kommt, als auch groß und blau in der Überschrift, während „Ich persönlich könnte auch gut darauf verzichten.“ nur in normaler Schrift mitten im Fließtext steht.

        Ich vermute, da setzte bei vielen einfach der Beißreflex (Panzerhunde anyone?) ein.

        Zitat von oldsql.Triso
        Also alles gut und jeder freut sich auf Doom auf seine Art
        Absolut einverstanden!
      • Von PCGH_Carsten Volt-Modder(in)
        AW: Doom "4": Blutig, mit Aussicht auf Elend - Ein Kommentar von Roland Austinat

        Zitat von oldsql.Triso
        Etwas mad zu deinem Brötchen Meine Welt wankt sicherlich nicht bei irgendeiner x-beliebigen Meinung von irgendjemanden. Auch finde ich die Formulierung von deinem Kommentar hier etwas suboptimal... Die Mehrheit hat bestimmt einfach nicht das "Ein Kommentar" (Wie ich selber auch, bloß hat mich deine Meinung nicht gestört.) gelesen.

        Danke, keine Maden. Ich bin Vegetarier (und ja, ich konnte mich trotzdem an Spielen wie Doom & Co. erfreuen).

        Wenn zuerst gemutmaßt wird, der „Kommentar“ hätte sich nachträglich hineingeschlichen und du dann, wie oben, noch mit der Vermutung nachlegst, „die Mehrheit hätte das >Kommentar< nicht gelesen“, dann denke ich nicht, dass meine Anmerkung übermäßig unmäßig formuliert war. Immerhin steht „– Ein Kommentar von Roland Austinat“ sowohl im Link, über den man auf diesen Artikel kommt, als auch groß und blau in der Überschrift, während „Ich persönlich könnte auch gut darauf verzichten.“ nur in normaler Schrift mitten im Fließtext steht.

        Ich vermute, da setzte bei vielen einfach der Beißreflex (Panzerhunde anyone?) ein.

        Zitat von oldsql.Triso
        Also alles gut und jeder freut sich auf Doom auf seine Art
        Absolut einverstanden!
      • Von Roland Austinat Komplett-PC-Aufrüster(in)
        AW: Doom "4": Blutig, mit Aussicht auf Elend - Ein Kommentar von Roland Austinat

        Zitat von oldsql.Triso
        Dann solltest du, falls ich dich dutzen darf, wie ihr es auch immer macht, eine Kolumne schreiben.
        Huhu, nun steht ja genau das über dem Artikel und sogar diesem Forum: "Ein Kommentar von Roland Austinat".

        Wolfenstein 2014 nutzt die id Tech 5, jau. Aber entstanden ist das Spiel bei Machine Games in Europa.
      • Von oldsql.Triso Volt-Modder(in)
        AW: Doom "4": Blutig, mit Aussicht auf Elend - Ein Kommentar von Roland Austinat

        Zitat von PCGH_Carsten
        So ist's. Griff nach verschwörungstheoretischen Strohhalmen, wenn das eigene Weltbild in Gefahr scheint.

        Etwas mad zu deinem Brötchen Meine Welt wankt sicherlich nicht bei irgendeiner x-beliebigen Meinung von irgendjemanden. Auch finde ich die Formulierung von deinem Kommentar hier etwas suboptimal... Die Mehrheit hat bestimmt einfach nicht das "Ein Kommentar" (Wie ich selber auch, bloß hat mich deine Meinung nicht gestört.) gelesen.

        Also alles gut und jeder freut sich auf Doom auf seine Art
      • Von PCGH_Carsten Volt-Modder(in)
        AW: Doom "4": Blutig, mit Aussicht auf Elend - Ein Kommentar von Roland Austinat

        Zitat von beren2707
        Zur Info: Der Hinweis, dass es sich um einen Kommentar handelt, war bereits gestern um 18:30 (Artikel- und Threaderstellung) sichtbar.
        So ist's. Griff nach verschwörungstheoretischen Strohhalmen, wenn das eigene Weltbild in Gefahr scheint.
      • Von facopse PC-Selbstbauer(in)
        AW: Doom "4": Blutig, mit Aussicht auf Elend - Ein Kommentar von Roland Austinat

        Zitat
        Schließlich erwarten Spieler im Jahr 2014 Auswahlmöglichkeiten und unterschiedliche Enden wie im großartigen Dishonored, eine clevere Geschichte wie in Bioshock Infinite oder zumindest spektakuläre Schießbuden wie in der Call-of-Duty-Reihe.
        Die Story in Spielen, insbesondere in Shootern halte ich heutzutage sowieso für viel zu überbewertet.
        Viele Spiele empfinde ich so, dass ich mich regelrecht durch das anspruchslose Gameplay kauen muss, nur damit die meist mittelklassige Story vorangetrieben wird.
        Da empfange ich ein Spiel wie Doom 4 doch mit offenen Armen.
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PCGH Magazin 07/2026 PC Games 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games Hardware PC Games Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk