Intel Cascade Lake-AP: Womöglich 56 Kerne als Multi-Chip-Modul
Intel plant offenbar die Veröffentlichung von Server-Prozessoren unter dem Codenamen Cascade Lake-AP. AP dürfte für Advanced Processor stehen und sich über den SP-Modellen (Scalable Processor) ansiedeln. Interessant: Die CPUs sollen 5.903 Kontakte nutzen, womit ein Multi-Chip-Modul bestehend aus zwei 28-Kernern realistisch erscheint. Intel hätte damit ein 56-Kern-Ungetüm.
Vergangenes Jahr hatte Intel AMDs Prozessoransatz im High-End-Desktop- (HEDT) und Server-Bereich noch verpönt: Lediglich zusammengeklebt seien die bis zu vier Siliziumchips mit dem Codenamen Zeppelin, die bis zu 32 Kerne und acht Speicherkanäle enthalten. Schon nächstes Jahr könnte Intel jedoch einen ähnlichen Ansatz fahren und seinen ohnehin schon großen 28-Kern-Die im Doppelpack ausführen. Der Chiphersteller selbst nannte den Codenamen Cascade Lake-AP auf seiner Webseite. Bisher firmieren die Server-CPUs unter Skylake-SP, was für Scalable Processor steht. Cascade Lake ist der erwartete Nachfolger, der mit einem Refresh-Charakter kleinere Änderungen an der Mikroarchitektur erhalten und eine bessere Fertigung in 14 nm++ nutzen dürfte. Im Falle von AP wird gemunkelt, dass das Kürzel für Advanced Processor steht und sich über SP einordnet.
Interessant ist vor allem Intels Angabe der einzusetzenden Plattform: Cascade Lake-AP soll innerhalb eines BGA-Packages mit 5.903 Kontakten verlötet werden. Ob es einen LGA-5903-Sockel geben wird, ist nicht bekannt. Der aktuell größte Server-Sockel von Intel ist der LGA 3647 und unterstützt Skylake-SP mit bis zu 28 Kernen. Bekannt ist, dass Intel unter Cascade Lake seine bis zu 28 Kerne - eine Erhöhung soll es nicht geben - mit einem Arria-FPGA auf einem Multi-Chip-Modul verbinden möchte. Der FPGA ist für Single-Precision-Aufgaben gedacht und soll entsprechende Aufgaben beschleunigen. Über 2.000 zusätzliche Pins dürfte dieser aber nicht benötigen. Der im Intel-Lager oft gut informierte fool.com-Analyst Ashraf Eassa zeigt sich sicher, dass Intel mit dem BGA 5903 die Kernanzahl weiter erhöhen wolle. Zwei Mal 28 Kerne, also insgesamt 56, würde die Anzahl der Pins schon eher erklären.
Auch in Anbetracht von AMDs Konkurrenz erscheint ein MCM-Ansatz mit 56 Kernen logisch: Nächstes Jahr wird AMD Epyc-Prozessoren mit Zen-2-Innenleben veröffentlichen, die schon jetzt intern im Labor laufen. Gefertigt werden die aktuellen Muster bei TSMC in 7 nm, wobei ein einzelner Die mindestens 12 Kerne tragen soll. Bleibt AMD bei der Konfiguration mit vier Siliziumchips - was mehr als wahrscheinlich erscheint -, sind das 48 im Server-Bereich. Gerüchte sprechen auch von 16-Kern-Dies mit 64-Kern-CPUs, gesichert sind die Informationen aber nicht. Intel stünde mit 28-Kernern gegen Zen 2 alt dar. Ein MCM erscheint da als logischer Konter. Der mit Skylake-SP eingeführte Mesh-Interconnect scheint perfekt für eine solche Anwendung.

Hm, hätte mal ehr gedacht, dass es sich beim Cascadelake AP um den Nachfolger der Skylake DE handeln würde. Also Edgeserver wie sie z. B. Facebook einsetzt. (Früher auch Microserver ist aber spätestens seit Skylake DE überholt.) 2 DDR Channel mehr bringen schon mal ca. 1000 Pins mehr dazu noch min. 8 PCI Lanes mehr und zusätzlich nochmal 2x 10GB-Ethernet, was hauptsächlich dem massiven Arria 10 FPGA geschuldet ist. Den neuen Lewisburg-PCH mit mehr Features, wie QAT oder ggf. auch Apache Pass Unterstützung nicht zu vergessen.
Vermutlich würden zwei sehr schnelle Kerne ausreichen. Der Rest könnten dann auch hardwareseitig abgespeckte, niedrig taktende Kerne sein. Wird auch bei Smartphone-CPUs teilweise schon so gemacht, meine ich.
Meiner Meinung nach ist die Fähigkeit einer CPU, Dinge parallel zu machen die größte Innovation überhaupt (bezogen auf CPUs).
Ich weiß auch nicht warum man alle Kerne hochtakten sollte. Guter Kompromiss zwischen Leistung und Effizienz sind vermutlich 1-4 hochtaktende Kerne und der Rest läuft bei maximal 3 GHz.
Man hat ja schon beim Core i7-8700K gesehen, dass er die Effizienz durch die Erhöhung der Kernanzahl besonders bei Spielen teilweise gut erhöhen konnte. Auch der 6900K konnte trotz geringerer Taktung den Core i7-7700K oft schlagen. Takt ist nicht alles.
Das Problem am Krieg der Kerne ist ja leider, dass bei den meisten Anwendern selbst ein Quad-Core völliger Overkill ist und bei Spielern und den meisten Anwendungsfällen mit etwas mehr Leistungsbedarf im Endkundenbereich mittelfristig die Sechs- und Achtkerner völlig ausreichen werden.
Dann gibts die paar Leute die noch viel mit Videobearbeitung, CAD oder Streaming etc. zu tun haben - die können dann vielleicht noch mit 10-12 Kernen was anfangen, aber darüber sehe ich im Endkundenmarkt auf eine sehr lange Zeit praktisch keine Verwendung, da der parallele bzw. parallelisierte Workload schlicht fehlt. Leider, denn diese Manycore-CPUs machen mich mächtig an.
Es wird halt immer schwerer, die Software auf so viele Threads zu parallelisieren. Ein Webbrowser, die Office-Suite, das E-Mail-Programm, der Musikstreamingdienst und der Videostreamingdienst braucht keine 16 Kerne... In Servern oder bei Workstations die für professionelles CAD/Videobearbeitung usw. genutzt werden sieht das etwas anders aus.
Wichtiger wird zukünftig eher die Energieeffizienz, die Datenträgergeschwindigkeit und der Preis. Die Singlecore-Performance wird im Endkundenbereich noch sehr, sehr lange maßgeblich sein... Ich hoffe, da gibt es bald mal deutlichere Fortschritte.
Gerade das ist auch das Problem der Manycore-CPUs: Da diese einen - sehr - hohen Stromverbrauch haben wenn man sie schnell taktet, bleibt die Singlecore-Performance im Sinne der Kühlbarkeit und der Energieffizienz auf der Strecke und bringen dem Endkunden in 99% der Fälle am Ende weniger Performance wie ein aktueller Sechs-/Achtkerner... Und da die meist extrem teuer sind, lohnt es sich halt auch nicht auf Reserve zu kaufen und entsprechend der Auslastung der Kerne halt die Taktraten anzupassen.