Anno 1800 angespielt: Gamescom-Version mit Blick auf Optik und Technik geprüft
Die letztes Jahr in Köln auf der Gamescom enthüllte Pre-Alpha von Anno 1800 ließ schon erkennen, dass Bluebyte bei der Entwicklung des thematisch jetzt im Zeitalter der Industrialisierung angesiedelten Anno 1800 wie gewohnt sehr viel Liebe zum Detail zeigt. Dieser Eindruck bestätigte sich bei einem Besuch vor Ort in Mainz. Dort durften wir die Alpha-Version anspielen, die auch auf der Gamescom 2018 zu bestaunen ist und mit der Bluebyte neue Features enthüllt.
Brücken zur Verbesserung der Transportwege, ein Museum, das die Attraktivität der Stadt erhöht, Expeditionen mit Schiffen und Südamerika als neue Welt: Das sind die vier inhaltlichen neuen Features, die Bluebyte mit der Alpha-Version auf der Gamescom 2018 vorstellt. Um uns die Möglichkeit zu geben, die neuen Spielmechaniken auszuprobieren und dabei gleichzeitig einen Eindruck von der Spielgrafik und dem aktuellen Stand der Technik und Performance zu bekommen, lud Bluebyte nach Mainz ins Studio zum Probespielen. Obwohl die Entwickler mehrfach betonten, dass an der Grafik und der Technologie im Hintergrund noch kräftig gearbeitet wird, beeindruckt Anno 1800 schon im Alpha-Stadium mit der gewohnten Liebe zum Detail und flüssigem Gameplay bei sehr hohen Grafikdetails.
Die Stadt soll attraktiver werden: Die neuen Features im Detail
Die Attraktivitätswertung der Stadt ist ein wichtiger Faktor der Spielmechanik von Anno 1800. In den sechs Kategorien Kultur, Natur, Feierlichkeiten, Anstößigkeiten, Verschmutzung und Instabilität wird festgelegt, wie attraktiv ihre Stadt für Besucher ist. Eine Attraktion, den grafisch detailverliebt dargestellten Zoo mit seinen exotischen Tiere, Tierhäusern und Gehegen, lernten wir bei der Vorführung 2017 in Köln kennen. Mit der Gamescom-Version gibt das Museum, neben dem Zoo ein weiteres Kultur-Highlight für Touristen ist, sein Debüt. Auch die Art und Weise, wie der virtuelle Städtebauer an Ausstellungsstücke für diese kulturelle Einrichtung kommt, ist eines der vorgestellten neuen Features. Der Spieler hat bei Anno 1800 immer wieder die Möglichkeit, verschiedene Expeditionen per Schiff zu unternehmen, bei der verschiedene Belohnungen wie beispielsweise archäologische Artefakte, Fossilien wie Saurierskelette oder exotische Tiere winken.
Vor Expeditionsstart muss der Spieler das Segel- oder Dampfschiff natürlich passend für die Expedition ausrüsten und einen Kapitän sowie die für den Erfolg nötigen Spezialisten auswählen. Ein mögliches Expeditionsziel könnte die neue Welt Südamerika sein, die über ihre eigene Flora und Fauna, Tierwelt und Kulturgeschichte verfügt und die grafisch genauso detailreich dargestellt wird wie die eigene Stadt. Ein weiteres Element, das sich auf das Treiben in Ihrer Stadt auswirken wird, ist die Möglichkeit, Brücken zu bauen. Diese Neuerung kann auf jeden Fall dazu genutzt werden, Transportwege zu verkürzen oder aber Teile ihrer Stadt miteinander zu verbinden. Darüber hinaus ließe sich hier gut der Anno-typische Aquariumseffekt einsetzen, bei dem man dem Treiben des Pixel-Personals in der höchsten Zoomstufe zuschaut.
Das Auge spielt mit: Sehenswerte Optik, die noch nicht einmal final ist
Obwohl Bluebyte bei unserem Besuch immer wieder betonte, dass die Grafik noch längst nicht final sei und sich auch bei der Basistechnik einiges ändern könne, hat uns die Optik von Anno 180 erneut mit ihrer Detailfülle begeistert. Das gilt vor allem für die Wasserdarstellung, die beim neuesten Anno-Teil noch einen Tick realistischer als bei den Vorgängern auszufallen scheint. Das Pixelnass wird mit Refraktionen, Reflexionen, Kaustiken, einer Wellensimulation sowie sich spiegelnden Objektschatten dargestellt. Eine Fluid-Physik ist ebenfalls vorhanden, denn Schaumkronen und Gischt sowie kleine und große Schiffe wiegen in den Wellen hin und her und bewegen sich physikalisch korrekt mit der Strömung.
Doch auch abseits der Wasserdarstellung tut der Grafikpart der noch längst nicht fertig entwickelten Engine eine Menge für den Aquariumseffekt und das visuelle Feedback. Dank Displacement Mapping sehen Straßen, Pflastersteine, die Wände von Gebäuden und das Terrain sehr plastisch aus. Physically based Rendering (Material Shader) gibt verschiedenen Oberflächen ihre materialspezifischen Optik und Reflexionseigenschaften. Feinste Partikeleffekte erzeugen eine realistische Rauch- und Feuerdarstellung (Kamine/Feuerstelle) und verschönern die Gischt bei Fontänen und Wasserfällen. Dank achtfachem Antialiasing (Grafikstufe "Very High", siehe nächster Absatz) flimmern weder die Vegetation noch die Geländer von Brücken oder die Takelage der großen Segler, die sich zusätzlich physikalisch korrekt durch das gerenderte Wasser bewegen. Egal ob kleiner Kahn oder Viermaster, stets werden Bewegung durch die Verdrängung des Wassers, das Heben und Senkung auf den Wellen, die Gischtbildung an den Planken und die Fahrspur im Wasser signalisiert. Dazu kommt eine Cloth-Simulation für die Segel und eine nautische Physik, welches die Geschwindigkeit des Boots in Abhängigkeit zur Windstärke simuliert.
Weitere Grafik-Highlights sind im Wind wehende Tücher, Wäsche auf der Leine, Fahnen und Palmenblätter (neue Welt!) sowie detaillierte, filigrane Schatten mit weichen Kanten (Soft Shadows), Die globale Beleuchtung kann eine große Anzahl an beweglichen Lichtquellen darstellen (die Option, die Sonne als Lichtquelle zu fixieren, ist wieder im Grafik-Optionsmenü), wobei HDR und Umgebungsverdeckung die Optik sichtbar verfeinern. Und wie für Anno üblich, gibt es natürlich auch wieder sehr viel schön animiertes und mit detaillierten Schatten dargestelltes Pixelpersonal zu beobachten.
Bildergalerie
Fordernd, aber aktuell kein Hardware-Killer
Natürlich war es bei unserem Besuch bei Bluebyte in Mainz nicht möglich, mit der Alpha-Version eine Leistungsmessung mithilfe eines Benchmarks durchzuführen. Da uns Blue Byte jedoch Spezifikationen des Präsentations-PCs mitteilte und wir das Grafik-Optionsmenü öffnen sowie dort sogar Optionen ändern durften, können wir trotzdem schon eine erste Analyse der Performance abgeben. Das Anspiel-System bestand aus einem Core i7-8700K, einer GTX 1070 sowie 32 GiByte Arbeitsspeicher. Der erste Blick ins Grafikmenü zeigt, dass man hier Altbewährtes von Vorgängern übernimmt. Die deutschen Entsprechungen der Optionen "Graphics Quality", "Anti Aliasing", "Lightning Quality", "Post Effects", "Terrain Quality", "Texture Quality", "Shadow Quality", "Object Quality", "Enhanced Reflections", "Shader Quality", "Water Quality", "View Distance" und "Fix Sun Position" waren alle, sogar in identischer Abfolge, schon in der Grafikschaltzentrale von Anno 1404, Anno 2070 und Anno 2205 enthalten. Um die Grafiklast beim Performance-Test zu erhöhen, wechselten wir bei der Option "Graphics Quality" von dem Voreingestellten "High" auf "Very High" (8x AA, alle Optionen auf der höchsten Stufe ["High" oder "Ultra High"]. Ausnahme: Shader Quality "Very High" statt "Ultra High" und Shadow Quality "High" statt "Ultra High". Die Auflösung konnten wir dagegen nicht von 1080p auf 1440p oder gar 2160p ändern.
Beim Probespielen mit einer großen Stadtkarte stellten wir dann keine große Leistungsverschlechterung beim Wechsel von "High" auf "Very High" fest und der Titel lief weitestgehend gefühlt mit rund 30 Fps, wo es nur selten ruckelte. Zum jetzigen Entwicklungstand spielt sich Anno 1800 beim Einsatz von leistungsstarker Hardware auf jeden Fall schon sehr flüssig, Es bleibt abzuwarten, wann und ob eine DX12-Unterstützung in die Engine eingebaut wird und welchen technischen Überarbeitungen noch geplant sind. Die endgültige Gewissheit gibt es spätestens am 26.2.2019. Dann soll Anno 1800 laut Ankündigung von Bluebyte veröffentlicht werden.

Ich bin sehr gespannt auf das Spiel.
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Keine Ahnung was das mit den Brücken soll.
Aber was man bisher gesehen hat macht definitiv Lust auf mehr.
Ich schließe mich euch an. Aber ich denke, dass ein Brückenbau zwischen zwei Inseln zu viel Auswirkungen auf die Schifffahrt, die ja ein wichtiges Spielelement ist, hat. Ich vermute, dass der Brückenbau dahingehend erweitert wurde, dass Brücken auch über größere Flüsse oder in anderer Form (nicht nur gerade) usw. möglich wird. Aber ich lasse mich gerne überraschen!