AMD belebt den Hardware-Sound wieder - Ein Kommentar von Philipp Reuther
Nicht nur mit der API Mantle wagt AMD mit seiner kommenden Grafikkarten-Generation einen überraschenden Vorstoß. Mit TrueAudio wird auch erstmals seit Jahren Hardware-Sound wieder ein Thema. Dadurch könnte endlich wieder eine deutlich höhere Immersion durch den etwas in den Hintergrund getretenen Klang in Spielen geschaffen werden.
Auf dieser Seite
Quelle: PC Games Hardware
AMD belebt den Hardware-Sound wieder - Ein Kommentar von Philipp Reuther
Mit AMDs neuer GPU-Generation wird nicht nur grafisch ein eigener Weg eingeschlagen, auch in Sachen Audio schlägt AMD eine neue Richtung ein. Doch die Neuorientierung ist keine Innovation im eigentlichen Sinne. Den Weg, den AMD bei der Grafik-API geht, erinnert stark an die Glide-Schnittstelle 3Dfx, der dedizierte Audio-Prozessor für DSP (Digital Signal Processing) ist eine AMD'sche Neuinterpretation von Creatives EAX. Wie Mantle benötigt auch TrueAudio, so der Name der Technologie, softwareseitige Unterstützung.
Was ist AMD TrueAudio?
TrueAudio könnte – den nötigen Support vorausgesetzt – sehr interessant für Spieler werden. Komplexe Audio-Modulationen sind sehr aufwendig zu berechnen und obwohl CPUs sehr leistungsfähig geworden sind, sind sie in modernen Spielen nur sehr spärlich im Einsatz. Hardware-Lösungen waren von Windows Vista bis Windows 8 durch den Wegfall von Direct-Sound vom Tisch, jedwede Berechnung von Audio-Effekten wurde also Sache der CPU. Deren Rechenkraft nutzen Spiele-Entwickler aber größtenteils für andere Aufgaben. Mit Windows 8 ist der Hardware-Support aber wieder mit an Bord und offensichtlich ist AMD versucht, diese Chance zu nutzen und sich einen Marktvorteil zu verschaffen. Mit TrueAudio können Entwickler nun wie früher mit Creatives EAX die Berechnungen von einem extra dafür abgestellten Prozessor vornehmen lassen, was eine Vielzahl an Möglichkeiten eröffnet. Deutlich komplexere Klangmodulationen können genutzt werden, um beispielsweise einen Hall-Effekt zu berechnen.
An dieser Stelle wollen wir uns zur besseren Verständlichkeit eine Szene lautmalen: Stellen Sie sich vor, Sie laufen durch einen feuchten, unterirdischen Tunnel und unterhalten sich dabei mit einer anderen Person. Der Tunnel hat ein gewölbtes Dach und in der Ferne sehen sie einen großen, hohen Raum, dem Sie sich langsam nähern. Die bisherige Software-Lösung würde zwar berücksichtigen, dass Sie sich in einem Tunnel befinden und allen Klängen einen dazu passenden Hall verpassen, viel weiter gehende Modulationen sind aber zu aufwendig. Kommt hier aber ein DSP-Prozessor zum Einsatz, können weitere Berechnungen hinzugefügt werden. Ihre Schritte beispielsweise erzeugen einen Klang, der kreisförmig abstrahlt. Ein Teil davon trifft auf die Wände und die gewölbte Decke, ein anderer trifft den Boden. Von dort wird er zurück in das Ohr reflektiert. Dabei benötigt der Ton je nachdem, welchen Weg er zurücklegen muss, unterschiedlich lange, ein in Echtzeit berechneter Hall-Effekt entsteht. Ihre Stimmen stammen von einer anderen Position, daher unterscheidet sich auch der Hall-Effekt von dem Ihrer Schritte. Der Ton kann dabei jederzeit beeinflusst werden, kommen Sie also an einer Abzweigung vorbei, wird die Decke gerade - nähern Sie sich dem Raum, können Sie den Unterschied also tatsächlich hören.
Dies ist nur ein einzelnes Beispiel für in Echtzeit berechneten Hardware-Sound, mit DSP könnte eine Vielzahl verschiedener Effekte verwendet werden. Den Entwicklern steht damit in der Theorie ein sehr mächtiges Werkzeug zur Verfügung, um die Immersion zu steigern. Zumindest in der Theorie könnte ein DSP-Prozessor also deutlich mehr Details abbilden. Da wir nicht wissen, wie das mit AMDs Technik in der Praxis aussieht, ist die gerade beschriebene Szene mit Vorbehalt zu genießen, technisch ist es aber durchaus realistisch. Diese mit AstoundSound versehene Version von Doom 3 macht aber schon einen sehr guten Eindruck:
AMDs TrueAudio - Meine Meinung
Ich muss gestehen, ich bin sehr überrascht. Mit einem neuen Aufgriff des Themas Hardware-Sound habe ich nicht gerechnet. Erst recht nicht von Seiten eines Grafikkarten-Herstellers. Ich bin auch sehr angetan, dass sich in diesem Bereich wieder etwas tut, der fallengelassene Support von Hardware-DSP war für mich persönlich ein großer Verlust. Den Vorstoß von AMD halte ich für sehr geschickt eingefädelt, durch die Next-Gen-Konsolen wird man in Zukunft über eine große Plattform verfügen, über welche man die Technik schnell verbreiten kann. Mit Wwise und FMOD kann der Hardwaresound zumindest in der Theorie leicht implementiert werden. Und was es bisher zu hören gibt, klingt ausgesprochen eindrücklich. Die Demos stammen von Genaudio, also dem Partner, den sich AMD für das Hardware-DSP ins Boot geholt hat. Sehr schön finde ich auch, dass mit dem neuen Teil der Thief-Reihe ein Titel mit TrueAudio-Support kommt, dessen Vorgänger damals EAX salonfähig machten. Der Erstling bewirkte bei Spielern mit EAX-Soundkarte einen Kinnlade-auf-Tischkante-Effekt und ist bis heute gut in Erinnerung geblieben, jedenfalls bei meiner Wenigkeit. Dass der neue Thief-Ableger nun als einer der ersten Titel mit TrueAudio-Support kommt, ist sicher kein Zufall, sondern geschicktes Marketing mit Augenzwinkern.
Die folgende Audio-Demo am besten mit Kopfhörern und hoher Qualität genießen!
Doch bei aller Freude, die diese Ankündigung auslöst, eine gewisse Skepsis bleibt. So klingen einige der Versprechen verdächtig nach Bauernfängerei, etwa die Umwandlung von Mono-Quellen in Stereo-Sound. DSP ist kein Wundermittelchen, das eine zusätzliche Audio-Spur herbeizaubern kann. Durch Tricksereien mit leicht verzögerten Signalen kann vielleicht eine Illusion von Stereo-Klang erzielt werden, doch echter Stereo-Sound entsteht dabei nicht. Außerdem eine Mono-Quelle? Wo bekommt man so etwas heutzutage noch her? Man müsste schon ein altes Transistor-Radio oder etwas in der Art an den PC anschließen. Ähnliches gilt für die Stimmen und Kanäle, von denen sich laut Werbeversprechen mit TrueAudio mehr vernehmen lassen werden können. Ein Stereo-Signal beispielsweise mit 44 KHz und 16 Bit hat genau 65.536 Stufen oder Stimmen, mehr Informationen lassen sich darin nicht transportieren. Mit zwei Boxen kann man keinen echten Mehrkanal-Sound erleben. Daran ändert auch TrueAudio nichts. Dazu kommt, dass Hardware-DSP von den Anwendungen, in unserem Interesse also wohl am ehesten die Spiele, den Standard unterstützen müssen. AMD ist hier also abhängig von den Entwicklern. Liefern diese keinen "Stoff" für TrueSound, droht das Schicksal vieler Sound-APIs, die früher mal groß waren, aber heute in Vergessenheit geraten sind. Doch dank der zukünftig wohl großen Verbreitung von AMD-Hardware stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Spiele-Entwickler auf den Zug aufspringen. Damit haben sie ein sehr effektives Tool in der Hand, um mit relativ geringem Aufwand eine große Wirkung auf den Spieler ausüben zu können. Im Fokus der Spieler liegt zwar am ehesten die Grafik, doch gutes Sound-Design ist enorm wichtig, um eine gute Immersion des Spielers zu erreichen. Das wird oft unterschätzt oder nicht aktiv wahrgenommen.
In Zukunft könnte AMD sich daher durch Hardware-DSP durchaus von der Konkurrenz absetzen. Ich finde es generell sehr interessant, was AMD mit seiner neuen Generation vor hat. AMD geht damit sicher ein gewisses Wagnis ein, doch könnten sie mit ihrem Vorstoß auch wieder für etwas mehr Bewegung auf dem Markt sorgen. Nvidia wird hier sicher gegenhalten wollen, es bleibt also auch in Zukunft spannend. Wie ist Ihre Meinung zu Hardware-Sound und was meinen Sie zu AMDs Vorstoß zu dem Thema? Nutzen Sie unsere Kommenarfunktion.

Dort wird nochmal explizit darauf hingewiesen dass True-Audio keine Soundkarte ersetzt.
Wenn ich dich richtig verstehe, hältst du eine dedizierte Soundkarte also immer noch für sinnvoll, richtig?
Grüße
Ja, mit hochwertigen Boxen/Kopfhörern auf jeden Fall. Kopfhörer ab ~100-150€ würde ich nicht mehr am Onboard betreiben (Beats und sonstigen überteuerten Modeschrott zähle ich nicht mit), weil diese die Schwächen der Onboardchips offenbaren.
Wenn ich dich richtig verstehe, hältst du eine dedizierte Soundkarte also immer noch für sinnvoll, richtig?
Grüße