Für 3,4 Mio. USD: Präziseste Uhr der Welt ist groß wie ein Kühlschrank, nur eine Sekunde Abweichung in 10 Mrd. Jahren
Die präziseste Uhr der Welt steht zum Verkauf: Für umgerechnet rund 3,1 Millionen Euro liefert die "Aether Clock OC 020" eine 100 Mal genauere Zeitangabe als Cäsium-Atomuhren.
Die japanische Firma Shimadzu aus Kyoto hat die nach eigenen Angaben genaueste Uhr der Welt zum Verkauf freigegeben. Die "Aether Clock OC 020" ist für 3,6 Millionen US-Dollar (umgerechnet ca. 3,09 Millionen Euro) erhältlich und verspricht eine Präzision, bei der es zehn Milliarden Jahre dauern würde, bis sie um eine Sekunde abweicht. Mit etwa einem Meter Höhe und einem Volumen von rund 250 Litern bezeichnet IEEE Spectrum als "Uhr in Kühlschrank-Größe".
Bei der zum Verkauf stehenden "Aether Clock OC 020" handelt es sich um eine optische Gitteruhr, die mit Strontium-Atomen arbeitet. Im Gegensatz zu herkömmlichen Atomuhren, die auf Mikrowellenschwingungen basieren, nutzen optische Gitteruhren Schwingungen im Bereich des sichtbaren Lichts: Strontiumatome werden in einem Interferenzmuster zweier Laserstrahlen - dem sogenannten "optischen Gitter" - gefangen gehalten. In diesem Gitter wird die Absorptionsfrequenz der Atome mit extremer Genauigkeit gemessen. Die Schwingungsfrequenz des Isotops ⁸⁷Sr beträgt dabei exakt 429.228.004.229.873,0 Hz.
Shimadzu plant, in den kommenden drei Jahren zehn dieser hochpräzisen Uhren zu verkaufen. Die Zielgruppe sind primär wissenschaftliche Einrichtungen, die diese Technologie für Forschungszwecke nutzen können - immerhin soll "Aether Clock OC 020" etwa 100 Mal präziser als Cäsium-Atomuhren sein. Ein konkretes Anwendungsgebiet ist beispielsweise die Beobachtung tektonischer Aktivitäten.
Einige dieser Gitteruhren wurden bereits im Tokioter Sendeturm Skytree installiert, um Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie zu testen. Ebenso könnten solche Uhren in Zukunft eine wichtige Rolle in der Geodäsie spielen, da minimale Höhenunterschiede durch unterschiedliche Gravitationspotentiale zu messbaren Zeitdifferenzen führen. Auch in der satellitengestützten Navigation, der Grundlagenphysik und beim Zeitabgleich zwischen entfernten Orten eröffnen sich neue Möglichkeiten, wie die Physikalisch-technische Bundesanstalt zum Thema der optischen Gitteruhren vor einigen Jahren erklärte.
