Windows 11: GDID deaktivieren geht nicht, eindämmen schon
Windows 11 versieht jede Installation mit einer dauerhaften Geräte-ID namens GDID, wie eine im Juli 2026 veröffentlichte US-Anklageschrift zeigt. Abschalten lässt sich die Kennung nicht, drei Einstellungen begrenzen aber die Datenerfassung.
Wer die Datenerfassung von Windows 11 begrenzen will, findet hier drei relevante Einstellungen, welche gegen den GDID ("Global Device Identifier") tatsächlich greifen, und die häufigsten Ratschläge, die ins Leere laufen. Bemerkenswert ist vor allem auch der Anlass: Mehr als fünf Jahre nach dem Marktstart von Windows 11 zwingt erst ein US-Strafverfahren Microsoft zu näheren Angaben über eine Gerätekennung, welche eng mit dem teilweise verpflichtenden Microsoft-Benutzerkonto verwoben ist.
Microsofts dauerhafte Geräte-ID lässt sich nur eindämmen
Microsoft hat die Existenz des Global Device Identifier ("GDID") bislang in genau einem Satz seiner offiziellen Azure-Dokumentation eingeräumt, als eine Kennung, welche einzig "intern von Microsoft verwendet wird". Deutlich offener zeigte sich das US-Unternehmen aus Redmond dann vor Gericht: Anfang Juli 2026 entsiegelte die Justiz eine 39-seitige Anklageschrift gegen den 19-jährigen Peter Stokes.
Das mutmaßliche Mitglied der Hackergruppe Scattered Spider ("UNC3944") alias ShinyHunters und die GDID-Gerätekennung spielen darin Hauptrolle, wie zuerst die Website Windows Latest nach Auswertung des Dokuments berichtet hat.
Peter Stokes wird vorgeworfen, im Mai 2025 an einem Einbruch in die Systeme eines Luxusjuweliers beteiligt gewesen zu sein, bei dem rund 77 GiB an Daten abflossen und ein Lösegeld von acht Millionen US-Dollar gefordert wurde. Ein VPN verschleierte zwar seine IP-Adressen, doch Microsofts Aufzeichnungen zeigten, dass ein Windows-Gerät mit der eindeutigen Kennung g:6755467234350028 zur fraglichen Minute auch die Anmeldeseite des Sicherheits- und Tunneling-Dienstes Ngrok besucht hatte.
Über den IP-Verlauf dieser Geräte-ID verknüpften die Ermittler anschließend Aktivitäten in vier Ländern über acht Monate hinweg mit Stokes' Konten bei Apple, Snapchat, Facebook und dem Spiel Growtopia. Die Festnahme erfolgte im April 2026 am Flughafen Helsinki. Bereits seit dem 30. Juni 2026 steht der Beschuldigte in Chicago vor Gericht und muss sich gegen diese Vorwürfe verteidigen.
Was der Global Device Identifier ist und wie er entsteht
Der Global Device Identifier ist eine 64-Bit-Kennung, welche Microsofts Anmeldeserver einer Windows-Installation zuweisen und die im Klartext in der Windows-Registry unter HKCU\SOFTWARE\Microsoft\IdentityCRL\ExtendedProperties landet.
Aus Hardware-Seriennummern (S/N) wird sie hingegen nicht berechnet, sie kommt vom Server. Eine unabhängige Analyse auf der Entwicklerplattform GitHub hat die Kette inzwischen nachvollzogen: Der Anmeldedienst wlidsvc erhält die Nummer beim Verknüpfen des Geräts mit einem Microsoft-Konto von login.live.com.
Die Connected Devices Platform ("CDPSvc"), welche auch Phone Link, die Cloud-Zwischenablage und Nearby Share antreibt, registriert sie anschließend in Microsofts Gerätegraphen, ehe die Übermittlungsoptimierung ("Delivery Optimization") den Wert regelmäßig an die Server des Herstellers zurückmeldet.
System-Updates übersteht der GDID unbeschadet. Eine Neuinstallation von Windows erzeugt zwar eine neue Nummer, die alte bleibt samt zugehöriger Historie aber auf Microsofts Servern gespeichert und lässt sich über dasselbe Microsoft-Konto, OneDrive und die Aktivierungsdaten mit der neuen verknüpfen.
GDID einschränken: Diese Einstellungen begrenzen das Tracking
Drei Hebel begrenzen in Windows 11, welche Aktivitäten Microsoft mit dem GDID verknüpfen kann: ein lokales Benutzerkonto, ein deaktivierter Aktivitätsverlauf und abgeschaltete optionale Diagnosedaten.
Ein lokales Konto (Anleitung) kappt die direkte Zuordnung der Kennung zu einer Person, auch wenn die Connected Devices Platform nach Erkenntnissen der GitHub-Analyse selbst ohne Microsoft-Konto eine anonyme Gerätekennung anlegt.
Den Aktivitätsverlauf schalten Anwender unter "Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit > Aktivitätsverlauf" ab, womit allerdings auch Komfortfunktionen wie Phone Link eingeschränkt werden. Die optionalen Diagnosedaten deaktiviert man unter "Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit > Diagnose und Feedback".
Vollständig abschalten lässt sich die Kennung mit keiner dieser Einstellungen. Wer für sensible Tätigkeiten die volle Kontrolle über abfließende Daten benötigt, greift besser gleich zu Linux, etwa zu einer Gaming-Distribution wie Cachy OS.
Was gegen den GDID nicht hilft
Weder das Abschalten der klassischen Telemetrie noch das Löschen des Registry-Schlüssels entfernt den GDID von einem Windows-11-System. Die Kennung liegt auf Microsofts Servern und wird nach dem Löschen des lokalen Eintrags umgehend erneut synchronisiert, ein kurzer Kontakt mit dem Microsoft Store genügt, und es erscheint dieselbe Nummer.
Der Diagnosedienst DiagTrack spielt derweil keine Rolle, da der GDID über die Connected Devices Platform und die Übermittlungsoptimierung gemeldet wird. Auch ein VPN läuft ins Leere, weil es lediglich den Netzwerkpfad verbirgt, nicht aber die Kennung des Betriebssystems.
Die Entwicklergruppe Massgrave, bekannt für ihre Aktivierungsskripte, weist zudem darauf hin, dass sich die Vergabe eines GDID ohne Bruch der Windows-Aktivierung und der UWP-Apps gar nicht verhindern lässt.
Wie ist die Lage für Nutzer in Deutschland und der EU?
Einen Zustimmungsdialog oder ein Opt-out sieht Microsoft für den GDID derzeit nicht vor, anders als Apple und Google, deren Werbe-IDs sich per Abfrage einschränken und zurücksetzen lassen. Eine Richtlinie, wann GDID-Daten an Strafverfolgungsbehörden weitergegeben werden, hat der Konzern bislang ebenfalls nicht veröffentlicht, wie Born City entsprechend anmerkt.
Datenschützer kritisieren die spärliche Dokumentation entsprechend scharf, der Sicherheitsforscher Matthew Hickey bezeichnete Windows 11 deswegen sogar als "Überwachungssoftware". Wie die Kennung datenschutzrechtlich innerhalb der EU zu bewerten ist, bleibt vorerst offen, eine Stellungnahme von Microsoft steht aus.
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Quelle: Windows Latest
einfach mal nicht Win 11 benutzen, so grundsätzlich hm?
Datenschützer kritisieren die spärliche Dokumentation entsprechend scharf, der Sicherheitsforscher Matthew Hickey bezeichnete Windows 11 deswegen sogar als "Überwachungssoftware".
Mein Nachbar ist auch spitz wie ein Degen wenn er mein Frau sieht, ein Tötungswerkzeug ist er deshalb trotzdem nicht. Es gibt schon Gründe weshalb man Geräte zuordnen möchte und nicht jeder davon hat mit der NSA, Überwachung oder deiner Privatsphärer zu tun.