Aquacomputer Gigant 3360: Ausnahme-Radiator im Test
Es gibt Hardware, die ist "sinnvoll wenn", "angemessen für" oder "günstig im Vergleich zu". Und es gibt Hardware, die sich nicht mit Relativierungen und Kompromissen abgibt. Pünktlich zur weihnachtlichen Wünsch-Saison haben wir getestet, ob Aquacomputers Gigant noch irgend einen Wunsch offen lässt.
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Was haben eine Samsung XP941 (512 GB), eine Geforce GTX Titan und ein Core i7-980XE gemeinsam? Kaum jemand hat sie zum Erscheinen gekauft, jeder hätte sie sich gerne schenken lassen und jeder Test, jede Diskussion darüber führte unweigerlich zu der meist negativ beantworteten Frage "Und wofür braucht man so etwas?". Diese Frage fällt zwangsläufig auch beim Anblick des Aquacomputer Gigant. Aber zur Weihnachtszeit beantworten wir die Frage nach dem Sinn einfach mal mit einem "weil man es kann" und betrachteten stattdessen die Fähigkeiten dieses Stücks Extrem-Hardware, wohlwissend dass es vermutlich genauso exklusiv und selten bleibt, wie obige Beispiele.
Aquacomputer Gigant: "Nur" ein Radiator
Zunächst muss eins klargestellt werden. Der Gigant ist, trotz ansehnlichen Preises und Ausmaßen, nur ein Radiator. Für eine vollständige Wasserkühlung braucht es zusätzlich Kühlkörper, Verbindungsmaterial und Pumpe - wobei sich letztere auch in den Gigant integrieren lässt (dazu später mehr). Wie bei allen Radiatoren ist es auch hier das Ziel, eine möglichst große und möglichst effektiv nutzbare Fläche zur Verfügung zu stellen, über die Wärme aus dem Kühlwasser an die Umgebungsluft abgeführt werden kann. Der Gigant nutzt hierfür 5 cm dicke Wärmetauscher, die direkt aus der herkömmlichen "AMS"-Radiator-Baureihe übernommen wurden. Im Falle des großen Modells "Gigant 3360" entspricht der Wärmetauscher-Querschnitt aber nicht dem von zwei oder drei 140-mm-Lüftern, sondern deren 24!
Aquacomputer Gigant: Das Design
Diese gigantische Oberfläche kann natürlich in keinem Gehäuse der Welt untergebracht werden, womit sich die Frage nach einer stilvollen, externen Lösung stellt. Aquacomputers Antwort versucht zugleich die Frage nach den passenden Lüftern zu beantworten. Mit 24 Lüftern höchste Silent-Ansprüche zu erfüllen ist schließlich weder einfach noch günstig. Deswegen nutzt der Gigant nur zwei Lüfter, und zwar im 180-mm-Format am oberen und unteren Ende. Dazwischen bilden vier Wärmetauscher und ein paar optisch ansprechende Edelstahlelemente einen Hohlzylinder. Endplatten aus Delrin schließen diesen ab, nehmen die Lüfter auf und verteilen das Wasser. Ausgehend von Anschlüssen in der unteren Platte durchströmt dieses jedes der vier Wärmetauscher-Elemente von unten nach oben und wieder zurück, bevor es zum nächsten Segment weitergeleitet wird. Die Luft wird an beiden Enden eingesaugt und strömt an den Seiten wieder heraus.
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Aquacomputer Gigant: Die Leistung
Aufgrund der extrem großen Lamellenoberfläche reicht hierbei bereits ein winziger Luftstrom für sehr gute Kühlleistung. In der Praxis dienen die Lüfter eigentlich nur dazu, einen Wärmestau zwischen den waagerechten Lamellen zu verhindern. Bereits bei leisen 350 U/min erzielen wir Temperaturen, für die herkömmliche Radiatoren mit gleicher Lüfterbestückung um die 600 U/min brauchen, mit 590 U/min kann der Gigant 3360 die Konkurrenz bei hörbaren 830 U/min aufmischen.
Beeindruckend ist, trotz der ungünstigen Lamellenausrichtung, auch die Leistung im passiven Betrieb. Obwohl unser Testsystem mit einer Radeon R9 290 und einem 140-W-TDP-Xeon bei Belastung durch Prime95 und Furmark über 570 Watt aus der Steckdose zieht, bleibt die Wassertemperatur mit 20 Kelvin über Raumtemperatur in erträglichem Rahmen. Damit ist der Gigant die einzige bastelfreie Kühllösung am Markt, die einen High-End-Spielerechner zumindest den größten Teil des Jahres über lüfterlos kühlen kann.
Aquacomputer Gigant: Die Optionsvielfalt
Wem diese Leistung immer noch nicht reicht, der sollte ein Blick ins Gigant-Zubehör werfen. Hier finden sich Lüfterschienen, die alternativ zu den 180-mm-Lüftern die interne Montage von 24 140-mm-Modellen erlauben. Außerdem gibt es Spezialverbinder, mit denen zwei Gigant bündig und ohne Schläuche zu einem Doppel-Turm gekoppelt werden können. Wer das Raumvolumen einer solchen 48-×-140-mm-Konstruktion (aber auch kleinerer Konfigurationen) effektiver nutzen möchte, hat zudem die Möglichkeit, interne Halterungen für Pumpen oder Ausgleichsbehälter zu erwerben. Letztere präsentiert sich alternativ auf dem Deckel. Die hauseigene Aquaero-Lüftersteuerung, die als eine der mächtigsten am Markt gilt, kann ebenfalls integriert werden, allerdings nur ab Werk. Für eine ansprechende Optik modifiziert Aquacomputer nämlich sowohl Radiator als auch Lüftersteuerung, um das Display im oberen Bereich der Wärmetauscher zu integrieren.
Aquacomputer Gigant: Der Preis
Wer bei so viel Superlativen einen Haken vermisst, findet ihn - erwartungsgemäß - beim Preis. Der Gigant sprengt nicht nur Leistungsgrenzen und das Platzangebot vieler Arbeitsplätze. Mit 650 Euro kostet er auch so viel wie manch kompletter PC. Im Gegensatz zu den eingangs erwähnten anderen Beispielen von Enthusiasten-Hardware handelt es sich aber immerhin um eine Investition auf längere Zeit. Wasserkühlungsradiatoren werden durchaus ein Jahrzehnt und länger genutzt und die Leistung des Giganten wird lange für neue Hardware ausreichen. Für Sparfüchse gibt es übrigens noch eine Ausführung in halber Höhe (Gigant 1680) ab 500 Euro. Wer noch etwas Weihnachtsgeld übrig hat, kann den Preis mit edel aussehenden Kupferlamellen und integriertem Aquaero 6 aber auch auf über 1.000 Euro steigern.
| Produkt | airplex Gigant 3360, Aluminium-Lamellen |
|---|---|
| Hersteller | Aquacomputer (www.aquacomputer.de) |
| Preis/Preis-Leistungs-Verhältnis | Ca. € 650,-/ungenügend |
| Link zum PCGH-Preisvergleich | www.pcgh.de/preis/1143880 |
| verfügbare Varianten | "3360": 2× 180 mm oder 24× 140 mm, "1680": 2× 180 mm oder 12× 140 mm, jeweils Kupfer- oder Alu-Lamellen möglich |
| Ausstattung | |
| Anschlussmöglichkeiten | 2× G1/4 Zoll seitlich, 2× G1/4 Zoll innen |
| max. Gewindelänge Anschlüsse | >> 11 mm |
| Entlüftungsmöglichkeit | Nein |
| Dokumentation | Anleitung Umbelegung Anschlüsse (D & E) |
| beiliegende Verschlussstopfen | 2× G1/4 Zoll, vernickelt |
| Beiliegende Lüfterschrauben | 4× 40 mm M4 (für unten) + 4× 35 mm M3 Linsenkopf Kreuzschlitz + M3 Muttern (für oben), vernickelt |
| Befestigungsmöglichkeiten | 4× 4 Gewinde M4 für 180 mm Lüfter unten + Lüfterblende mit Langlöchern oben. Montageschienen für 24× 140 mm intern als Zubehör erhältlich |
| Einschraubschutz | nicht nötig |
| Tiefe Lüftervorkammern | circa. 845 mm von Lüfter bis Lüfter |
| Eigenschaften | |
| Länge × Breite × Dicke Korpus | 312 × 312 × 961 mm |
| Lage Anschlussgewinde zur Oberfläche | Tieferliegend -4 mm. Maximal 19 mm Anschlussdurchmesser |
| Überstand Anschluss-/Gegenseite | allseitig 65 mm über Lüfter |
| Gewicht | 15.750 g |
| Innenvolumen | 3.060 ml |
| Bauweise | Rohrradiator |
| max. Betriebsdruck laut Hersteller | 0,8 bar |
| innerer Aufbau und Wasserführung | 4× 3× 7 Rohre, 4× 2 Durchgänge, Kreuz-Gegenstrom |
| Materialien mit Wasserkontakt | Kupfer, Delrin, Edelstahl |
| Materialien außen | Edelstahl, geschliffen + Delrin, schwarz |
| Lamellendichte | circa 3,3 pro cm, leicht unregelmäßig |
| Oberfläche Lamellen | Aluminium, natur |
| Leistung | |
| DeltaT 350 U/min | 14,2 Kelvin |
| DeltaT 590 U/min | 9,3 Kelvin |
| DeltaT 830 U/min | 7,1 Kelvin |
| FAZIT | + auch passiv nutzbar |
| + Leistung sprengt das Wertungssystem | |
| - Preis und Platzbedarf sprengen die Möglichkeiten | |
| Wertung | entfällt da einzigartig |
So sieht das ganze dann unter Last (Prime 95 27.9v1 Small FFT auf 16 Threads + Heaven 4.0 1440p+8xSGSSAA):
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Wenn ich jetzt nachsehe (der PC ist seit ca. 17 Uhr an) sagt mir das Thermometer im Wasser 29,3°C und das im Raum 19,7°C - macht rund 10°C Delta.
Schneller testen kannstes andersrum: Passiv lassen und wenige Minuten Prime/Furmark anschmeißen bis du grob 10°C über RT bist und dann wieder ins idle wechseln. Dann siehste sehr schnell obs tendentiell eher noch hoch oder schon runter geht.
Die Trägheit hat aber so manchen Vorteil: Ich kann auch im Passivbetrieb mal nen kurzen Clip bearbeiten/konvertieren. 15 oder 20 Minuten Last auf der CPU bringen da noch nichts aus der Ruhe... zwischenzeitlich mal kurz 35-40°C sind ja kein Thema.
Wow, das hätte ich nicht gedacht. Trotz aufrechter Bauweise (die für Passivbetrieb ja prinzipiell nicht sonderlich geeignet ist) geht der da so ab? Nicht schlecht. Kamineffekt?
Bei mir ist der Passivbetrieb für den Riesenradi eigentlich recht schwach wenn auch natürlich locker ausreichend... wobei ich immer zwei, drei Grad gutmache wenn ich die Flurtür aufmachen muss und ein kurzer kalter Luftzug aus dem Flur über den Boden durch den Radi fährt.
Jedenfalls danke für die Info und viel Spaß mit dem Gerät.