Aquacomputer Leakshield: "Wasserkühlung 2.0" im Test
Nicht weniger als eine Revolution der (Wasser-)Kühltechnik verspricht Aquacomputers neuester Streich, dabei beeinflusst er die Wärmeabfuhr nicht einmal. In der Handhabung ändert sich dagegen einiges - zum Besseren.
Egal wie oft man die Sicherheit modularer Wasserkühlungen beteuert, unabhängig davon wie idiotensicher man ihre Handhabung erklärt, selbst wenn man fehlende Konsequenzen provozierter GAUs demonstriert: Beim Thema Wasser im PC bleiben viele Leute misstrauisch und verzichten lieber auf die deutlichen Kühlungsvorteile, die ein Flüssigkeitskreislauf bieten kann. Doch damit macht Aquacomputer jetzt, nicht ganz uneigennützig, Schluss: Dank Leakshield soll nicht einmal eine in fortgeschrittenem Verfall befindliche Wasserkühlung die 3.000-Euro-Grafikkarte gefährden können.
Aquacomputer Leakshield: Der Auslaufschutz
Das Grundprinzip ist dabei simpel; eine Kombination aus Sensoren und kleiner Membran-Luftpumpe erzeugt einen kontrollierten Unterdruck im Kreislauf. So kann durch eine Undichtigkeit nur Luft ein-, aber kein Wasser austreten und das auch nicht unbemerkt. Nach eigenen Angaben konnte Aquacomputer sogar sämtliche Schrauben eines Kühlblocks lösen, ohne dass es zu einem Wasseraustritt kam. Im PCGH-Selbstversuch war die Grenze des sicher Möglichen zwar bereits nach Lockerung einiger Schrauben erreicht, aber mit spröden Dichtungen, unzureichend angezogenen respektive mit Rissen rund um zu fest angezogenen Anschlüsse wird das System locker fertig. Und sich wegen Überdruck im Kreislauf aus ihren Anschlüssen schiebende Hardtubes sind bei herrschendem Unterdruck prinzipiell ausgeschlossen.
Aquacomputer Leakshield: Die Möglichkeiten
Quelle: Aquacomputer
Das Leakshield-Grunddesign sieht den Einsatz auf einem Ultitube-Ausgleichsbehälter vor. Die Version mit D5 Next als Pumpe bringt gleich noch ein zweites OLED-Display und Aquacomputer reichlich Umsatz.
Aber der reine Leckageschutz ist nur der Gipfel eines Eisbergs. Leakshield ist vollgestopft mit Möglichkeiten, die über die bloße Überwachung und Austrittsverhinderung hinausgehen. Die erste und naheliegendste ist ein Dichtigkeitstest. PC Games Hardware nutzt schon seit über einem Jahrzehnt Überdruck, um die Dichtigkeit von Kreisläufen oder Komponenten zu testen und längst gibt es kommerzielle Lösungen mit Manometer und Luftpumpe am Markt (u.a./zuerst von Aquacomputer selbst). Leakshield arbeitet natürlich auch im Test-Modus mit Unterdruck, aber sonst nach dem gleichen Muster: Druckdifferenz aufbauen, auf Druckänderungen warten. Dank der 5-V-Stromversorgung reicht dafür schon eine USB-Powerbank; mit einem zweiten PC oder Laptop kann man verschiedene Druckniveaus austesten und die (Luft-)Leckagemenge über längere Zeit beobachten, bevor der Kreislauf überhaupt mit Wasser in Kontakt kommt.
Beim Befüllen folgt dann die nächste Neuerung: Leakshield saugt auch Wasser durch dafür vorgesehene Öffnungen in einen Kreislauf. Der ohnehin oft nur schlecht erreichbare Ausgleichsbehälter bleibt verschlossen im System, stattdessen hängt man einfach den (hoffentlich eingeplanten) Ablassschlauch in einen Kanister mit Wasser und wählt "Füllen" - schon steigt das Wasser von ganz alleine. Die Gegenrichtung funktioniert genauso in Software; wahlweise via USB oder mit kleinem Taster am Gerät selbst befiehlt man Leakshield, Luft in das System strömen zu lassen, damit das Wasser zum Beispiel vor einem Umbau abfließt. Schläuche abziehen oder Blindstopfen lösen? Das war gestern.
Eigentlich ist aber der gesamte Ablassprozess überflüssig geworden: Ein zu Bastelzwecken gelöster Schlauch ist schließlich nichts weiter als ein absichtliches Leck und das kann man sich mit Leakshield erlauben. Einfach vorsichtig abziehen, sodass die eintretende Luft erst einmal das Wasser verdrängen kann, und schon löst man eine Verbindung, ohne dass ein einziger Tropfen Feuchtigkeit austritt. Ein Grafikkartenwechsel, sonst bei wassergekühlten Systemen eine Arbeit, die bis zu einer Stunde dauert, war im PCGH-Selbstversuch mehrfach innerhalb von 1-2 Minuten erledigt. Sauberes Kabelmanagement verschlingt mehr Zeit.
Quelle: PC Games Hardware
Auf dem OLED-Display des Leakshield lassen sich via USB und Aquasuite auch diverse allgemeine Systeminformationen in Text oder grafischer Form darstellen oder auch einfach nur dekorative Grafiken. Die LEDs dienen ebenfalls frei konfigurierbar wahlweise dem Styling oder der Information.
Nach der Bastelei kann Leakshield auch die Entlüftung des Kreislaufs unterstützen, in dem zyklisch Unterdruck auf- und wieder abgebaut, also die Größe von im Kreislauf verbliebenen Luftblasen stetig verändert wird. Und da die gepumpte Luftmenge ebenso wie der Druck gemessen wird, ist dabei immer bekannt, wie viel Luft noch im Kreislauf steckt. Das heißt im späteren Regelbetrieb: Ein wie großer Teil des Ausgleichsbehälters nicht mit Wasser gefüllt ist - Leakshield arbeitet auch als Füllstandssensor.
Aquacomputer Leakshield: Die Voraussetzungen
Nach soviel durchgängigen Lob müssen noch 1-2 Schattenseiten erwähnt werden. Ganz weit vorne steht der Preis: 120 Euro möchte Aquacomputer für das kleine Technikwunder. Verglichen mit einem High-End-Gaming-PC ist das, gerade in diesen Zeiten, wenig, aber gegenüber einer modularen Einsteigerzusammenstellung für 300 bis 500 Euro schon ein sehr saftiger Aufschlag. Eine zweite Einstiegshürde ist die Größe des verwendeten Ausgleichsbehälters: Leakshield wird zwar durch eine Gore-Tex-ähnliche Membran davor geschützt, Wasser anzusaugen, kann bei Feuchtigkeit direkt vor der Luftansaugöffnung aber logischerweise nicht weiterarbeiten. Aqua Computer empfiehlt deswegen ein Volumen von mindestens 100 ml Luft unmittelbar unterhalb des Geräts, damit im Ernstfall eine gewisse Menge Wasser in den Ausgleichsbehälter zurück gesaugt und die Leckagestelle trockengelegt werden kann. Der gesamte Ausgleichsbehälter sollte demnach mindestens 200 ml groß sein, im PCGH-Härtetest geriet aber selbst ein halb volles 470-ml-Design schnell an seine Grenzen und noch größere Volumen sind selten.
Quelle: PC Games Hardware
Auf der Unterseite des Leakshield findet sich nur eine weiße, Wasser zurückhaltende Membran. Wer keinen Ultitube findet, schraubt das ganze auf eine "Universal"-Adapterplatte mit G1/4-Zoll-Gewinde.
Von dieser Anforderung abgesehen ist man beim Einbau flexibel: Das 2,5 cm flache Leakshield-Grunddesign ersetzt zwar 1:1 den Deckel des hauseigenen Utilitube-Ausgleichsbehälters. Alternativ lässt sich aber auch eine Adapterplatte mit Halterung und gängigem G1/4-Zoll-Gewinde als Boden darunter setzen, so dass via Schlauch alle Ausgleichsbehälter mit Anschlussmöglichkeiten im Deckel kompatibel sind. Apropos Schlauch: Aqua Computer empfiehlt im Falle von PVC eine Wandstärke, die mindestens ein Viertel des Innendurchmessers beträgt. Da bleiben im Prinzip nur 16/10er Schläuche übrig (3 mm Wandstärke bei 10 mm Innendurchmesser), wenn man nicht ganz auf Hardtubes wechseln möchte. Die von PCGH verwendeten 11/8-mm-Schläuche zeigten beim maximal möglichen Unterdruck von 470 mbar bereits in kaltem Zustand eine deutliche Ovalisierung; unter zusätzlichen Krafteinwirkungen bestünde hier Abknickgefahr. Nutzer der vielen Einsteigersets beiliegenden, von PCGH allerdings wegen mangelnder Eigenstabilität nie empfohlenen 13/10-mm-Schläuchen sind bei Verwendung von Leakshield definitiv auf einen geringen Unterdruck beschränkt - was bei Fließwiderständen und damit Druckunterschieden innerhalb realer Kreisläufe von unter 200 mbar bei maximaler Pumpendrehzahl, unter 100 mbar bei typischen Lautheits-Fördermengen-Kompromissen aber kein K.O.-Kriterium darstellt. Unmittelbar hinter der Pumpe ergibt die Summe aus absolutem Leakshield- und relativem Förderdruck dann zwar nur noch einen leichten Gesamtunterdruck, aber auch der verhindert Sickerstellen.
Aquacomputer Leakshield: Das Fazit
Zusammenfassend ist die Bezeichnung "Wasserkühlung 2.0", die Aquacomputer gegenüber PCGH anfangs für Leakshield verwendete, sicherlich übertrieben; das Produkt selbst aber sehr gelungen. Der Autor dieser Zeilen findet eigentlich in jedem Test etwas, das man bemängeln, kritisch hinterfragen oder zumindest verbessern sollte. Aber diesmal war der einzige Punkt, bei dem Aquacomputer auf "work in progress" verweisen musste, das unbeeinflussbar penetrante Alarmsignal im Ernstfall. Sonst überzeugt Leakshield sowohl in der Handhabung als auch der Einsatzidee rundum. Allerdings braucht auch das beste Produkt erst einmal einen Markt und während selbstbewusst-erfahrene "alte Hasen" wenig Bedarf sehen werden, dürften bislang kritische Einsteiger von dem hohen Preis weiterhin abgeschreckt werden. Ein Game-Changer ist Leakshield unserer Meinung nach nur im OEM-Segment: Für PCs mit vorinstallierter modularer Wasserkühlung werden sowieso Premiumpreise verlangt, da fallen 120 Euro kaum ins Gewicht. Den fertigen PC trotz oftmals ruppigem Paketversand heil und trocken zum Endkunden zu bekommen, war aber bislang eine Kunst für sich. Zumal Käufer eines Luxus-Fertig-Systems oft wenig Akzeptanz für Mängel oder gar Bereitschaft zu Nachbesserungen zeigen.
Beim ersten Befüllen habe ich daher auch überall Zewa ausgelegt, um undichte Stellen gleich auffangen zu können.
Habe mir letztens einen gebrauchten Monoblock gekauft und nach dem Zerlegen und reinigen hat sich auch solch ein Lecktester gut gemacht. Das kann auch an einem geschlossenem fertig verbautem Loop angeschlossen werden.
[Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
(Bzw.: Wer das nicht merkt, sollte wirklich ein Leakshield kaufen. Denn sonst sind es beim nächsten Mal vielleicht die CPU-Kühler-Anschlüsse über der Grafikkarte und eine Grafikkarte ohne Elektronik wird schwer zu finden sein.)