Tropico 6 in der Vorschau: Freundliche Aussichten für Aufbau-Strategen
El Presidente ans Telefon: Der sechste Teil der Tropico-Serie frischt das Südseegeschehen mit Inselgruppen, Piratenbeutezügen, Gefängnisindustrie und zahlreichen neuen Gebäuden auf - darunter ein beliebig aufhübschbarer Präsidentenpalast
Ein fast schon alter Bekannter war auf der E3 in Los Angeles das Aufbau-Strategiespiel Tropico 6 von Limbic Entertainment, das wir erstmals im letzten Jahr zu sehen bekamen. Für den Verkaufsstart in diesem Jahr läuft alles nach Plan, wie uns Lead Level Designer Mark Mussler erklärte. Moment: Was macht ein Lead Level Designer bei einem Aufbau-Strategiespiel, in dem doch vor allem der Spieler entscheidet, wie er seine Südseeinsel gestaltet? Mussler lacht: "Wir gestalten die Archipel der Spielwelt, bestimmen, wo ihr Ressourcen finden könnt - und achten darauf, dass nicht alle Inseln gleich aussehen."
Schiffe, Brücken und Tunnel
Die Inselgruppen gehören zu den größten Neuheiten des sechsten Teils: Je nachdem, für welche wir uns entscheiden, warten beispielsweise flache, bergige, felsige oder bewaldete Eilande mit unterschiedlichsten Rohstoffvorkommen auf uns. Eine der 15 Missionskarten hört auf den Namen "Bureaucracy": Hier sind Industrie und Wohnviertel auf jeweils eigene Inseln ausgelagert, die mit Brücken für den Warentransport miteinander verbunden sind. Auch Buslinien nutzen die Verkehrsadern, um die Bürger zur Arbeit, nach Hause und zum Shopping zu bringen.
Teilen mächtige Felsen eine Insel in zwei Teile, könnten wir eine Brücke von der einen zur anderen Seite bauen - oder einen Tunnel graben, um auf die aufwendigeren Bauwerke zu verzichten. Das Ära-System aus dem vierten Tropico ist wieder mit von der Partie - in der Kolonialzeit ist Bauingenieurwesen noch kein Berufszweig mit Erfolgsaussichten, deshalb setzen die Insulaner hier auf Wasserstraßen. Mit Seilbahnen verbinden wir schließlich höher- mit tieferliegenden Gebieten. Das ist besonders für den Tourismus interessant, denn Maya-Tempel und ähnliche antike Bauwerke befinden sich gerne auf schwer erreichbaren Hochplateaus.
Zuckerpiraten ahoi!
Eine weitere Neuheit von Tropico 6 sind Schlachtzüge, neudeutsch Raids genannt. Im letzten Jahr klauten wir uns noch auf einem Beutezug noch die Freiheitsstatue, um ein paar Boni abzustauben, in diesem Jahr sind wir als Piraten unterwegs - auf der passenderweise "Pirate King" genannten Karte. "El Presidente hat eine Insel gefunden und weiß nicht so recht, was er damit machen soll", sagt Mark Mussler. "Deshalb schickt er Einwohner mit Schiffen auf offene See, um Nachbarinseln zu überfallen und Schiffe zu Plündern." Der Lohn der Mühen? Rohstoffe. Der wichtigste Rohstoff von allen? Zucker, der zur Rumherstellung gebraucht wird.
Das Inselbauwerk, über das wir die Piraterie steuern, ist eine Piratenbucht, von der wir gleich drei gebaut haben. Jede kann von den Schiffen zum Löschen der Ladung angesteuert werden. Können sich andere Nationen gegen unsere Aktivitäten wehren oder gar rächen? "Wir spielen mit dem Gedanken, es Supermächten zu erlauben, zurückzuschlagen", antwortet Mussler. Richtig, Kriegsführung ist schließlich wie schon im letzten Teil wieder mit von der Partie.
Gehe ins Gefängnis
Die nächste Umgebung, die uns Mark Mussler präsentiert, ist eine Sandbox-Karte, die er vorher gespeichert hat. "Die gibt es auch später im Spiel, wenngleich mit anderen Startbedingungen", sagt der Designer. An einen Vulkan schmiegt sich eine geschützt liegende Bucht, auf einem Plateau warten zahlreiche Sehenswürdigkeiten auf einen Besuch. Etwas weiter weg: eine Sumpflandschaft und eine weitere Bucht mit einem Korallenriff. Auch, wenn wir uns im Oktober 1984 mitten im Kalten Krieg befinden, boomt der Tourismus: An einen Strand schlängeln sich zahlreiche Piere mit Riesenrad und Hotels.
Etwas weiter weg befinden sich drei Gefängnisse. "Ihr könnt schließlich auch mit dem Verbrechen Geld verdienen", sagt Mussler. Dazu stehen uns zahlreiche Stellschrauben zur Verfügung: Mit einer Einwanderungsbehörde kontrollieren wir, wer am Dock an Land gehen darf, per Edikt verkünden wir, eine Strafkolonie zu sein, die Straftäter anderer Mächte aufnimmt - gegen einen kleinen Obolus, versteht sich. Die Gefängnisinsassen arbeiten dann für uns und erhöhen unser Jahreseinkommen.
Politische Bildung leicht gemacht
Ein paar neue der rund 150 Gebäude hatte Mark Mussler ebenfalls im Gepäck. So sorgt ein Funkturm für "Politische Bildung", sprich, er sendet rund um die Uhr Propaganda. Auch Ministerien etwa für Bildung, Verteidigung, Wirtschaft, Inneres und Äußeres sind stets bemüht, den Ruhm und Wohlstand unserer Insel zu mehren. Sind unsere Einwohner etwa um die innere Sicherheit bemüht, aber im Herzen von der freien Marktwirtschaft überzeugt, können wir einen Kapitalisten zum Minister machen, um die besorgten Bürger zu beruhigen.
Die eigenen Allmachtfantasien beruhigt hingegen die individuelle Gestaltung unseres Palasts. Wie wäre ein übermenschengroßes, weithin sichtbares El-Presidente-Hologramm auf dem Dach? Wie ein oder mehrere Wasserbecken, Flaggen, Wege zum Lustwandeln, Springbrunnen oder einfach ein neuer Farbanstrich? Alles möglich. Wir können sogar den Palast an eine beliebige Stelle verschieben, um ihn so richtig zur Geltung kommen zu lassen. Vielleicht auf ein Hochplateau, damit es unseren Untertanen schwerer fällt, eine Demo gegen uns anzuzetteln? "Das wäre mal was", grinst Mussler.
Mehrspielermodus nicht ausgeschlossen
Auch mit einem Mehrspielermodus experimentieren die Designer derzeit. Allerdings will uns Mark Mussler noch keine Details dazu verraten. Auch, weil er nach der Erfahrung der Entwickler nur von einem kleinen Teil der Spieler genutzt wird. Manche der Sandbox-Karten sind aber von vorneherein für den Mehrspielerbetrieb ausgelegt, bestätigt der Entwickler. Schließlich wäre es ja prächtig, die Mitspieler per Schlachtzug zu ärgern. Friedlichere Naturen könnten Handelsabkommen schließen. Trotz aller Bauarbeiten soll das Aufbaustrategiespiel noch in diesem Jahr herauskommen.
Fazit: Tropico 6
Neben der Anno-Reihe ist Tropico eine der wenigen Konstanten im Aufbaugenre. Der sechste Teil wirkt auch beim zweiten Ortstermin äußerst durchdacht und abwechslungsreich: Mit zahlreichen unterschiedlich gestalteten Inselgruppen, je nach Spielzeitaltern wechselnden Verkehrswegen, Schlachtzügen und Überfällen und natürlich vielen neuen Gebäuden sollten sowohl alte Hasen wie Einsteiger in der Südsee auf ihre Kosten kommen.


Teil 5 hat ja nun mal wirklich fast alles zusammengestrichen gehabt was Tropico mal ausgemacht hat:
- Interessensgruppensystem (Religöse, Militärs, Ökos, Loyalisten, ect) und Bedürfnissystem stark zusammengestrichen
- Löhne nicht mehr umfassend einstellbar
- keine ausführlichen Charaktereigenschaften (Ausrichtungen) für El Präsidente mehr
- Bananenrepublik Feeling gegen langweiligen Großstadtlook mit Hochhäusern ausgetauscht
usw. usf.
Tropico 5 wirkte ehr wie eine langweilige Version von Sim City als noch wie die Inselstaatdiktatorsimulation die es eigentlich mal war.
Am meisten hat mich aber auch gestört, dass Gehälter und Mieten nicht mehr einstellbar waren und die Vereinfachung der Bewohner, wobei ich das halt auf die höheren Einwohnerzahlen geschoben hab. Bin auf jeden Fall mal auf Tropico 6 gespannt.
Ich kenne nur den ersten Teil. Ist lange her wo ich das gezockt habe. Hatte aber eine nette Insel Atmosphäre.
Vielleicht schnupper ich irgendwann mal in Teil 6 rein... wenn die Tests und Kritiken gut ausfallen.
Tropico 4 fand ich nach ganz nett. Tropico 5 hat mich absolut nich gefesselt und war schnell wieder vom Rechner runter.
Bei Tropico 6 warte ich bis ich mir durch Tests und oder Lets play ein eigenes Bild machen kann.
Wünsche mir wieder die Möglichkeit "kostenloses Wohnen" als Politik zu haben, gerade in demokratischen Bananenrepubliken ist Wohnpolitik ja auch immer ein Wahlgrund (zu viele Obdachlose -> zu wenige Stimmen für El Presidente).
Tropico hat sich vom Humor zwar selbst nie richtig Bierernst genommen, das bezog sich aber bei Tropico 1 und 3 vor allem darauf das man halt die Autokratie, Diktatur und die Systeme, wie den Kommunismus durch den Kakao gezogen hat und das stark mit schwarzen Humor parodiert hat und weniger darauf das man das Setting zu einem "Inseldisneyland" gemacht hat, wie das ab der Erweiterung von Teil 3 der Fall wurde.
Ich würde mir wirklich wieder ein mehr back to the roads wünschen, wieder mehr Regierungs"simulation" und ein ernsteres Setting und weniger "Abgespacedheit im Baumodus".
Ich vermisse es irgendwie das man wie in Tropico 3 wirklich so zimlich jedes politische System nachstellen konnte, von totalitärer faschistischer Diktatur (Tropico den Tropicanern), über Kommunismus, einer sozialen Demokratie und einer theokratischen Kirchenherrschaft, bis hin zum Raubtierkapitalismus ging wirklich alles nachzubilden auf seiner Insel, auch etwas das in Tropico 5 einfach mal quasi komplett zusammengestrichen worden ist.
Das die Aufruhr stieg wenn man Verbrecher einsperren lies, war auch nicht Logisch.