Singleplayer 2017: Battlefront 2, CoD WW2 und Mittelerde: Schatten des Krieges auf GTX 970
Über den Singleplayer in Spiele-Großproduktionen wird aktuell viel diskutiert. Das ist Anlass genug, einmal den Singleplayer von drei sogenannten Triple-A-Titeln unter die Lupe zu nehmen, mit dem Fokus auf Technik, Progressionssystem und sonstigen Auffälligkeiten. Thilo Bayer hat Battlefront 2, CoD WW2 und Mittelerde: Schatten des Krieges auf einer GTX 970 gespielt.
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Hat die Singleplayer-Kampagne in teuren Spiele-Produktionen überhaupt eine Zukunft? Blickt man dieser Tage in die Nachrichten zum Thema, kommen einem durchaus Zweifel. Bei Stichworten wie "Games as a Service" gruselt es Spieler und Journalisten gleichermaßen - vor allem dann, wenn der Spieler-Fortschritt auch noch mit Lootboxen kombiniert wird. Doch bevor diese Einleitung in Schwarzmalerei ausartet, ein paar wichtige Anmerkungen vorab. Battlefield- und Call-of-Duty-Spiele sind schon lange nicht mehr bekannt dafür, (vor allem) wegen des Singleplayers gekauft zu werden. Man kann wohl relativ sicher sagen, dass solche Spiele eigentlich nur wegen des Multiplayers interessant sind. Trotzdem wollten wir wissen, wie sich der Singleplayer 2017 in diesen Spielen "anfühlt". Im Gegenzug ist Mittelerde: Schatten des Krieges vor allem ein klassisches Singleplayer-Spiel, der auch einen Pseudo-Multiplayer bietet. Die Auswahl der drei Spiele wurde ganz willkürlich und subjektiv vom Autor getroffen, es wird damit kein Anspruch erhoben, einen repräsentativen Querschnitt über den Markt zu zeigen.
Singleplayer: Star Wars Battlefront 2
Fangen wir mit dem Singleplayer von Battlefront 2. Als EA ankündigte, dass der zweite Teil eine Kampagne bekommt, war ich wirklich und ehrlich gehyped. Und dann auch noch die Möglichkeit, eine Story aus Sicht des Imperiums zu spielen - das reichte mir eigentlich, um zu wissen, dass ich das unbedingt spielen möchte. Das habe ich auch getan, und zwar bis zum Ende (das eigentlich keines ist, denn mit den größeren Content-Patches geht auch der Singleplayer weiter). Wirklich lange dauert das Ganze insgesamt nicht, wie allgemein bekannt ist. 5 Stunden habe ich gespielt und meistens hat das sogar richtig Spaß gemacht. Das liegt vor allem an der Präsentation: Bis auf kleinere Patzer im Bereich Kollisionserkennung und Animationen schaut Battlefront 2 einfach außerirdisch gut aus. Auf einem havarierten Sternenzerstörer rumstapfen, in den Wäldern von Endor kämpfen: Wem da nicht die Augen überlaufen, der hat keine Ahnung von Grafik oder es ist ihm einfach egal. Die vertraute Star-Wars-Musik hilft natürlich auch. Und die Übergänge von Zwischensequenz-Grafik zu Spielgrafik sind meisterhaft gelöst, das kann niemand besser. Schade ist, dass man nur wenige Missionen auch in der First-Person-Ansicht spielen kann - oft wird die Third-Person-Perspektive vorgegeben.
Aber: Grafik ist bekanntlich vieles, aber bei Weitem nicht alles. Und auch wenn die meisten der 13 Missionen durchaus Spaß gemacht haben (gerade die Weltraum-Schlachten gingen erstaunlich gut mit Maus und Tastatur von der Hand), da wäre so viel mehr drin gewesen. Die ersten Missionen machen noch fast alles richtig, aber spätestens, wenn man (VORSICHT SPOILER!) nicht mehr Iden Versio spielt, sondern plötzlich Luke Skywalker, Han Solo, Prinzessin Leia und Co., dann bricht die Story in sich zusammen. Dann besteht die Kampagne einfach nur noch aus Missionen, die mehr oder weniger lieblos aneindergereiht sind, auch wenn die Story weiter erzählt wird. So wie in Battlefield 1. Und natürlich ist dann auch kein Platz mehr für eine nachvollziehbare Charakterentwicklung von Iden. Darauf möchte ich gar nicht rumreiten, das haben schon genug andere Menschen gemacht. Wenn der Schluss-Screen des Singeplayers über den Bildschirm läuft, bleibt man mit großen Fragezeichen zurück und denkt sich nur: "Da wäre jetzt wirklich mehr möglich gewesen". Vielleicht ergibt die Kampagne insgesamt mehr Sinn, wenn alle Erweiterungen auch für den Singleplayer live sind, aber ich kann mir das eigentlich nicht vorstellen - zu fragmentiert wirkt das Ganze im Moment. Und wer sich die "Traum-"Mission mit Kylo Ren ausgedacht hat, darf wegen mir gerne in der Hölle für Spiele-Entwickler schmoren.
Aber was mich fast noch mehr gestört hat, war die Progressions-Mechanik, die einem auch im Singleplayer über den Weg läuft. Hier ein paar Credits für das Konto durch das Spielen von Missionen, da ein paar Lootboxen als Belohnung, die man in einer ewig gleichen Animation öffnen muss: Für mich fühlen sich Sternenkarten im Singleplayer einfach "falsch" an. Ausrüstung ist ja noch okay, aber Powerups über Sternenkarten, das ist einfach nicht intuitiv - und riecht zu sehr nach Multiplayer. Das hat meines Erachtens in einem Singleplayer einfach nichts verloren. Und das ist ein Grund mehr, warum ich den Multiplayer von Battlefront 2 nicht spielen werde, obwohl im MP von Battlefront 1 durchaus meine 80 Stunden versenkt habe.
Singleplayer: Call of Duty WW2
In vielen Aspekten ist der Singleplayer von CoD WW2 geradezu das Gegenstück zu SW Battlefront 2. Ich muss dazu sagen, dass mein letztes Call of Duty über zehn Jahre her ist, insofern bin ich völlig unvorbelastet an das letzte CoD herangegangen.
Im Gegensatz zu Battlefront 2 gibt es hier eine "richtige" Story, die sich über insgesamt elf Episoden hinzieht und auch in sich abgeschlossen ist. Ob nun die Wandlung der Hauptfigur vom Bauernjungen zum Kriegshelden jetzt besonders neu oder gar schlüssig ist, möchte ich gar nicht beurteilen, insgesamt wird die harte Geschichte auf jeden Fall spannend erzählt und ist nicht nur eine Alibi-Vorbereitung für den Multiplayer. Dafür spricht auch meine Spielzeit laut Steam von neun Stunden - das ist fast doppelt so viel wie bei Battlefront 2.
Natürlich kann CoD WW2 technisch nicht mit dem Star-Wars-Shooter mithalten. Dafür ist die Grafik insgesamt zu altbacken, Texturen und Detailgrad kommen nicht an die EA-Konkurrenz heran, auch wenn die Figuren recht gut wegkommen. Besonders drastisch wird einem die vergleichsweise maue Spielgrafik durch die aufwendigen Zwischensequenzen vorgeführt: Beim Wechsel von Cut Scene zu Spielgrafik ist der optische Unterschied erheblich, das macht Battlefront 2 besser. Und auch bei den CoD-typischen spektakulären Momenten, wenn eine Kirche über einem einstürzt oder ein Zug entgleist, wirkt die Grafik einfach zu wenig detailliert. Da sollten die Entwickler für 2018 dringend einmal die Technik überarbeiten.
Aber: CoD WW2 ist einfach ein klassischer First-Person-Shooter, linear aufgebaut, durchaus schwer - und das finde ich schon fast wieder gut. Es gibt keine nicht-intuitive Progression im Singleplayer über abstrakte Lootboxen oder Fähigkeiten-Karten, sondern einfach nur Waffen und Ausrüstung. Das fühlt sich erheblich bodenständiger an als in Battlefront 2 und zumindest mir gefällt das deutlich besser. Was ich aber wirklich nervig fand, waren die eingebauten Quicktime-Events, die ganz offensichtlich eher für Konsolenspieler "optimiert" sind. Davon abgesehen, dass ich das zeitlich limitierte Drücken bestimmter Tasten, um nicht zu sterben, als ziemlich sinnfrei erachte, sind hier Spieler mit Maus und Tastatur definitiv im Nachteil gegenüber Gamepad-Spielern.
Singleplayer: Mittelerde Schatten des Krieges
Das einzige Spiel in der illustren Runde, das ich (noch) nicht durchgespielt habe, ist die Nummer 3 im Bunde, Schatten des Krieges. Das hat auch einen einfachen Grund, denn im Gegensatz zu Battlefront 2 und CoD WW2 ist hier der Singleplayer das Hauptspiel und kein Beiwerk. Und da sollte man schon rund 25-30 Stunden Zeit mitbringen, von denen ich bisher rund 15 Stunden absolviert habe. Allerdings muss man das neue Mittelerde auch nicht bis zum Ende durchgespielt haben, um sich eine Meinung zu bilden - darüber, was nach Akt 3 kommt, hat PCGH bereits berichtet. Der Autor plant bisher auch nicht, den nervigen Akt 4 zu spielen - um die Story zu "verstehen", reicht es ja auch, nach Akt 3 das entsprechende Video auf Youtube anzusehen, das nach dem Ende von Akt 4 die Zusammenhänge erläutert.
Schatten des Krieges beginnt mit einem ziemlichen Ärgernis. Man muss sich beim ersten Start entscheiden, ob man Warner über die Nutzungsbedingungen umfassende Rechte einräumt oder nicht. Wenn man nicht sein Erstgeborenes opfert, dann gibt es auch keinen Multiplayer - und auch keine Lootboxen. Ich für meinen Teil brauche beides nicht, also räume ich Warner die Rechte eben nicht ein. Allerdings kommt die entsprechende Abfrage bei jedem Spielstart - und auch nach dem Beenden des Spiels grinsen den Spieler die Nutzungsbedingungen an. Das kann man schon als penetrant bezeichnen, zumal auch im Hauptmenü der Bereich Multiplayer mit einem roten Icon hervorgehoben wird. Warum einmaliges Ablehnen nicht reicht, das weiß offenbar nur die Marketing-Abteilung von Warner.
Und wie unnötig diese Gängeleien sind, zeigt dann das eigentliche Spiel. Wie vom ersten Teil gewohnt hat man eine weitgehend offene Spielwelt vor sich, die dank Nemesis-System, einer ansehnlichen Grafik, einer guten Story und einer tollen deutschen Synchronisierung wirklich lebt - manche der Hauptmänner von Schatten des Krieges sind einfach zum Kaputtlachen! Zwischensequenzen wechseln sich gelungen mit Gameplay ab und die Welt ist wirklich weitgehend offen - kein Vergleich mit Battlefront 2 oder Call of Duty WW2.
An den Charme des Erstlings kommt Schatten des Krieges für mich nicht ganz heran, dafür sind die Neuerungen zu subtil - bei Mordors Schatten bin ich teilweise einfach stundenlang nur durch die Spielwelt geritten, um Hauptmänner zu jagen. Das mache ich beim zweiten Teil jetzt nicht mehr, weil ich das schon kenne. Leider haben die Entwickler sehr viele (optionale) Grinding-Elemente eingebaut, die fast schon über das Ziel hinausschießen. So muss man erst die Türme des aktuellen Spielbereichs zu Fuß freischalten, um die Schnellreise-Funktion zu bekommen - das kennt man ja. Dann bekommt man recht einfach Fähigkeitenpunkte, wenn man bestimmte Gegenstände oder Graffitis auf der Karte ablatscht und einsammelt. Kankras Erinnerungen bringen einen da auch weiter, was aber auch nur stupides Ablatschen mit einem Minigame beinhaltet. Weil das Fähigkeitensystem massiv erweitert wurde, kommt man fast nicht drum herum, diese recht nervtötenden Einsammelwanderungen durchzuführen. Doch damit nicht genug: Es gibt nun auch drei unterschiedliche Edelsteine als Booster für Waffen und Rüstung, die sich wiederum kombinieren lassen. Waffen und Rüstung bieten oftmals auch bestimmte Aufgaben, deren Lösung wieder Boni versprechen. Und dann gibt es natürlich noch die eigentlichen Story-Missionen und die üblichen Aufträge rund um die Hauptmänner. Sie sind nun verwirrt? Herzlichen Glückwunsch, das war ich im ersten Moment auch. Das Progressionssystem ist sehr umfangreich, ausgefeilt und manchmal langatmig. Wer wirklich alles freischalten will, sollte deutlich mehr Zeit mit sich bringen als die 25-30 Stunden. Und ich spiele das alles noch ohne Lootboxen, wohlgemerkt. Ich will gar nicht wissen, wie Beutekisten das Ganze noch grindiger machen.
Und wie ist die Performance auf der GTX 970?
Wer die PCGH Print liest, weiß, dass ich daheim auf einem Core i5-6600K und einer GTX 970 auf einem WQHD-Monitor spiele. Das ist mit Sicherheit kein aktueller Spiele-PC mehr, zu meiner "Entschuldigung" muss ich aber anführen, dass ich einerseits gebürtige Schwabe bin und andererseits normalerweise viel Lebenszeit in Spielen wie Battle Brothers, Battle for Wesnoth, XCOM 2 und anderen relativ hardwareschonenden Strategiespielen verbringe. Ich liebäugle zwar immer wieder mit neuer Hardware, aber die Grafikkartenpreise haben mich da immer auf den Boden der Tatsachen zurückfallen lassen. Für 2018 steht aber wohl auf jeden Fall ein Upgrade an.
Dass ich jetzt also gleich drei sogenannte Triple-A-Spiele zocke, ist absolut ungewöhnlich. Noch viel überraschender ist für mich, dass zumindest Call of Duty WW2 und Mittelerde Schatten des Krieges erstaunlich gut auf meinem Spiele-PC laufen. Natürlich nicht mit maximalen Details und immer in 60 Fps, aber in WQHD und mit vielen Reglern relativ weit rechts. Nur einmal kam die Streaming-Engine von Mittelerde durcheinander und ich hatte eine Minute lang Standbilder - ansonsten läuft das neue Mittelerde-Spiel gefühlt fast besser als das alte von 2014. Nur bei Battlefront 2 reicht die GTX 970 zumindest bei mir nicht mehr für eine native Auflösung mit hohen Details - hier muss ich auf Full HD heruntergehen und selbst dann sind nicht alle Szenen so richtig flüssig, trotz Game-Ready-Treiber.
Singleplayer 2017: Mein Fazit
Jedes der drei Spiele hat auf seine Weise durchaus Spaß gemacht, bietet aber auch Anlass zur Kritik. Battlefront 2 ist einfach zu viel Stückwerk, CoD WW2 ist für mich einen Tick zu linear und hat nervige Quick-Time-Events. Bei Schatten des Krieges sind mir schon zu viele Ablatsch-Elemente in der Spielwelt verankert, die als ausgiebiger Spieler des Vorgängers keinen Mehrwert bieten. Natürlich ist klar, dass niemand 60 Euro für Battlefront 2 oder CoD WW2 ausgibt, um dann nur den Singleplayer zu spielen. Das ging bei mir auch nur, weil ich als Journalist auch so Zugriff auf die Spiele bekomme. Was für mich wiederum die Frage aufwirft, warum EA oder Activision den Singleplayer nicht einzeln verkaufen. Wäre das nicht ein guter Vorsatz für 2018?

Da ich eh nur mit einer GTX 770 bewaffnet bin fallen eh viele Krisenherde unter den Tisch wenn das Auge mitspielen soll. Eine GTX 970 würde ich mir aber eher nur für lau aufs Board tackern aber auch nur da ich derzeitig noch auf F HD wandle
Den Multiplayer hab ich schon lange aufgegeben. Nicht weil ich besonders schlecht wäre, oder es schlecht finden würde, sondern weil besonders CoD leider dafür bekannt ist keinen vernünftigen Cheat Schutz anzubieten. Und davon hatte ich schlicht einfach die Nase voll.
Würde es nur den Singleplayer für einen 20€ zu kaufen geben, ich hätte bestimmt zugegriffen.
Spiele mit Microtransaktionen kauf ich auch erst recht nicht, besonders wenn es sich hier um Käufe handelt die sich auf den Spielverlauf auswirken.
Ich bin inzwischen alt genug um meinen Kaufimpuls erfolgreich zurückhalten zu können.
Hab mich ein wenig danach Gerichtet was so am beliebtesten ist von beiden seiten.