High-Quantity- vs. High-Quality-Gaming: Was soll der Fps-Wahnsinn? - Ein Kommentar von Raffael Vötter

97
Special Raffael Vötter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 17,55 €
Battlefield 4: Muss man das wirklich mit 100 Fps spielen?
Quelle: PC Games Hardware

In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Diesmal wundert sich Raffael Vötter über den High-Fps-Wahnsinn vieler Spieler und zeigt die andere Seite auf.

In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne berichtet ein Redakteur über ein IT-Thema, das ihn in der vergangenen Woche bewegt hat. Diesmal ist wieder PCGH-Grafikkartenguru Raffael "Raff" Vötter an der Reihe.

"Der Mensch ist ein kompromissgeleitetes Wesen. Gesetze sichern uns ein geregeltes Leben ohne Angst, so richtig frei sind wir deswegen aber nicht. Unser Gehalt bestimmt, ob wir ein teures oder ein günstiges Auto fahren. Soll es eine dicke Karosse und eine kleine Wohnung sein oder umgekehrt? Beides zusammen können sich nur wenige Arbeitnehmer leisten, sofern sie regelmäßige Mahlzeiten anstreben. Die Kompromisse machen auch vor sozialem Umgang nicht halt, denn hier stehen Gefühle wie Liebe, Geborgenheit und Partnerschaft in Kontrast zur Freiheit des Solo-Daseins – und wer sich in einer Beziehung wie ein Solist benimmt, wird feststellen, dass der Kompromiss namens Beziehung endet. ;-) Doch Sie lesen PC Games Hardware gewiss nicht wegen wertvoller Überlebenstipps und Dr.-Sommer-Einschlag, sondern weil Sie ein nerdiges Interesse hegen, nicht wahr?

Nerdenbürger unter sich – klasse, dann kann ich nach dem Vorspiel ja endlich zur Sache kommen: Kompromisse. 'Das hatten wir gerade schon', denken Sie jetzt. Nö, sage ich, denn nun folgt der Radschlag zum Spielen. Was für ein Spielertyp sind Sie, der High-Fps- oder der High-Quality-Gamer? Dazwischen gibt's noch eine große Dunkelziffer all jener, denen das völlig wumpe ist, doch die interessieren uns hier nicht. Hohe Bildraten stehen naturgemäß einer hohen Qualität zuwider: Entweder ich zeichne viele Frames per Second oder ich vollziehe viele Operations per Frame. Beides gleichzeitig klingt nach einem tollen Plan, allerdings braucht's dafür einen von diesen. Damit würden die Multithreading-Probleme vieler Spiele noch deutlicher, also vergessen wir das besser wieder (die finanzielle Hürde außer Acht gelassen). Als Spieler steht man immer vor der Wahl: Viele Fps oder möglichst geile Grafik?

Der Raff gehört zur letztgenannten Gruppe. Ich besitze einen kräftigen PC, um damit den grafischen Fortschritt immer dann zu genießen, wenn zur Abwechslung mal einer reinschneit. Und auch wenn es diesen nicht gibt, feuere ich aus allen Rohren mit Supersampling, hohen Auflösungen, Nachschärfe-Algorithmen und sonstigen Nerdschmankerln. Ok, ehrlich gesagt lasse ich feuern - der Rechner ist mein Knecht. Das hat niedrige Bildraten zur Folge ("niedrig" heißt für mich 20 bis 40 Fps), aber dafür flimmert nichts, sodass Äuglein und Hirn sich nicht mit ermüdenden Bewegungsartefakten herumschlagen müssen, die sie in der Natur nicht zu sehen bekommen. Ein flimmerfreies Bild ist realitätsnah. Auf der anderen Seite stehen die High-Fps-Gamer. 60 Fps als Minimum, besser 100+ und am liebsten synchronisierte 144 Fps. Dafür nimmt der High-Fps-Gamer schon mal in Kauf, dass alle Grafikregler links stehen, dass Matsch und Klötzchen regieren. Trotz eines sündteuren High-End-Rechners, wohlgemerkt, sonst wäre die in den Medien gefeierte "Grafikbombe" einfach nur hässlich, nicht ... sagen wir flüssiglich. Aber warum macht man das? Ist Skill nicht, wenn man auch mit 30 Fps etwas trifft? ;-)

PC Games Hardware testet neue Spiele mit maximalen Details und bewertet anhand derer die Leistung von Grafikkarten. Mit dem BF4-DLC Dragon's Teeth kam erneut die Diskussion auf, dass Nvidia-GPUs unter Direct 3D deutlich höhere Bildraten erreichen, weil die CPU-Leistung effizienter genutzt wird. Das ist natürlich löblich, hat allerdings mit der Rohleistung des Grafikprozessors nur wenig zu tun. Steigert man nämlich die Auflösung (in Pixeln) oder die Berechnungen pro Pixel (Supersampling), fehlt von der Wunderwirkung plötzlich jede Spur. Meiner Meinung nach sollte man weniger darauf schauen, was eine Grafikkarte im CPU-Limit leistet, sondern auf das, was sie im Grafiklimit reißt. Das sieht man als High-Fps-Gamer natürlich anders. Und dementsprechend muss die Wahl von Grafikkarte und Prozessor stattfinden. Da ist er wieder, der Kompromiss."

In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Hierbei handelt es sich nicht zwingend um die Meinung der Redaktion, sondern um die Meinung des jeweiligen Redakteurs.

Bildergalerie

97
    • Kommentare (97)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Razor2408 BIOS-Overclocker(in)
        AW: High-Quantity- vs. High-Quality-Gaming: Was soll der der Fps-Wahnsinn? - Ein Kommentar von Raffael Vötter

        Bei Shooter im MP mind. 60fps, ansonsten gilt für mich: Gute Grafik zählt viel mehr als die reine fps-Zahl.
        Solange es nicht ständig unspielbar ruckelt (weniger als 25fps), und alles stimmig wirkt, passt es.

        Damals bei Quake 3 bzw. Unreal Tournament (2004) haben die reinen fps-Werte noch wirklich Sinn gemacht, weil das Gameplay so schnell war, dass sich das Aiming immer anders anfühlt. Im MP bei solch rasanten Shooter ist es besonders wichtig, hohe fps zu haben. Im SP ist das ganz anders, und die allermeisten Zocker haben sowieso nicht die Hardware um ihre 120/144Hz-Monitore voll ausreizen zu können. Oder sie müssen halt die Details runterschrauben für mehr fps, aber das wäre wie gesagt für mich ein No-Go.
      • Von Razor2408 BIOS-Overclocker(in)
        AW: High-Quantity- vs. High-Quality-Gaming: Was soll der der Fps-Wahnsinn? - Ein Kommentar von Raffael Vötter

        Bei Shooter im MP mind. 60fps, ansonsten gilt für mich: Gute Grafik zählt viel mehr als die reine fps-Zahl.
        Solange es nicht ständig unspielbar ruckelt (weniger als 25fps), und alles stimmig wirkt, passt es.

        Damals bei Quake 3 bzw. Unreal Tournament (2004) haben die reinen fps-Werte noch wirklich Sinn gemacht, weil das Gameplay so schnell war, dass sich das Aiming immer anders anfühlt. Im MP bei solch rasanten Shooter ist es besonders wichtig, hohe fps zu haben. Im SP ist das ganz anders, und die allermeisten Zocker haben sowieso nicht die Hardware um ihre 120/144Hz-Monitore voll ausreizen zu können. Oder sie müssen halt die Details runterschrauben für mehr fps, aber das wäre wie gesagt für mich ein No-Go.
      • Von alm0st BIOS-Overclocker(in)
        AW: High-Quantity- vs. High-Quality-Gaming: Was soll der der Fps-Wahnsinn? - Ein Kommentar von Raffael Vötter

        Die reine FPS Zahl ist mir an sich egal so lange das Spiel flüssig, also ohne merkliche Ruckler, spielbar ist. In dem Sinne suche immer den goldenen Mittelweg was die Qualität angeht. Lieber nur Hoch statt Ultra oder statt 8xMSAA nur 4x aber dafür dann noch Downsampling etc. pp.
        Grundsätzlich würde ich aber schon behaupten, dass mir die Qualität wichtiger ist. Nur in CSS können die Details gar nicht gering genug sein
      • Von MZ259 Komplett-PC-Aufrüster(in)
        AW: High-Quantity- vs. High-Quality-Gaming: Was soll der der Fps-Wahnsinn? - Ein Kommentar von Raffael Vötter

        Sehr schöner Komentar. Mir reichen 40 FPS völlig aus. Ich bekomme das Gefühl, dass der Bildablauf flüssig wirkt und mehr brauche ich nicht. Ich bin aber auch der Meinung, dass 20 FPS nicht sein müssen. Dann stell ich doch mal die Details runter (kommt inzwischen dank meiner in die Tage gekommenen Komponenten häufiger vor).
        Ich sehe es aber im Moment noch nicht ein mir einen neuen Prozessor zu kaufen, da ich auch keine Spiele habe, die dank meines Athlon II wirklich hässlich aussehen.
      • Von Deimos BIOS-Overclocker(in)
        AW: High-Quantity- vs. High-Quality-Gaming: Was soll der der Fps-Wahnsinn? - Ein Kommentar von Raffael Vötter

        Zitat von hanfi104
        Ich bin da genau das Gegenteil, verbringe manchmal Stunden die richtigen Einstellungen zu finden. Ini-tweaks, Treiber, Ingame. Verschiedene SSAA Modi, AO, Auflösungen, AA-Bits, LoD Anpassungen, Mods. Texturen(und ihre Auflösungen)
        Macht manchmal mehr Spaß als das Spiel an sich.
        Geht mir genau gleich. Installieren und gleich loszocken kann ich nicht ohne vorher einige Zeit auf die Optimierung zu verwenden. Ich kann mich da dann auch fürchterlich nerven, wenn Spiele rumzicken. Kam durchaus schon vor, dass ich gewisse Games nicht mehr angefasst habe, weil sie Auflösungen nicht unterstützen o.ä.

        Aus den genannten Gründen verstehe ich auch nicht ganz, warum die Leute aktuell dermassen auf 120/144Hz-Monitore abfahren; schliesslich erreicht man - hätte ich zumindest geglaubt - solche FPS-Sphären ohnehin nie. Zudem ist mir das bessere Bild deutlich mehr Wert als etwas höhere Inputlags und Reaktionszeiten.

        Insofern laufen die Spiele bei mir jeweils auch nur mit 40-60 FPS. Störend ist das im Moment nur bei Project Cars, wo ich noch keinen gescheiten Kompromiss zwischen Grafik und FPS gefunden habe.
      • Von Sandercrab PC-Selbstbauer(in)
        Bei mir kommt es ganz auf's Spiel an. In einem Shooter beispielsweise müssen's 60 FPS stabil sein, da man sonst taktische Nachteile hat und das Spiel Gefühl zu Wünschen übrig lässt.
        Bei "ruhigeren" Spielen (bspw. Arma III), Strategie Spielen (bspw. Rome Total War II), Fußballspielen (bspw. FIFA 14) und fast jedem open World Spiel (sei es denn GTA oder Saints Row) sind stabile 30 FPS gut genießbar.

        Bei speziellen Grafik - Krachern, wie Crysis 3, sollte die Grafik meiner Meinung im Mittelpunkt stehen, jedoch sollte man doch irgendwie auf 30 FPS kommen, sonst macht's echt kein Spaß.

        Gruß
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PCGH Magazin 08/2026 PC Games 07/2026 play5 08/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games Hardware PC Games Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk