Cebit 2012: Interview bei Kaspersky zum Thema "Mobile Bedrohungssituation" - Warum sind Android-Nutzer besonders gefährdet?
Im Rahmen der Cebit haben wir uns mit Viren Analyst Christian Funk getroffen: Im PCGH-Interview stand er zum Thema "Smarte Geräte und die Gefahren für die Nutzer (vom Smartphone über das Tablet bis hin zum Smart-TV)" Rede und Antwort und gab damit einen ausführlichen Überblick über die aktuelle Bedrohungssituation im Mobil-Bereich. Android-User müssen mehr aufpassen als andere.
Interview mit Christian Funk von Kaspersky Lab zum Thema "Mobile Bedrohungssituation – Warum steht Android im Fokus von Cyberkriminellen?"
PCGH: Wofür brauche ich überhaupt Sicherheitssoftware auf meinem mobilen Gerät (Tablet, Smartphone etc.)?
C.F.: Im vergangen Jahr ist das eingetreten was viele Experten bereits länger prophezeit haben. Mobile-Geräte werden immer häufiger Ziele von bösartiger Software. Die Zahl der Infektionen ist buchstäblich explodiert und nur ein Bruchteil an Nutzern verwendet Sicherheitssoftware auf seinem Mobil-Gerät. Hier gilt ähnliches wie am PC: Der Reiz für Kriminelle ist groß, da sie viel und einfache Beute wittern. Android ist als ausführlich dokumentiertes, offenes und zudem am stärksten verbreitetes mobile System der größten Gefahr ausgesetzt. Innerhalb eines Jahres ist der Anteil von Malware für Android von knapp fünf Prozent auf über siebzig Prozent angestiegen und die Gesamtzahl an schädlicher Malware für mobile Systeme hat sich noch deutlicher vergrößert.
PCGH: Was bei PC-Spielern häufig gestohlen wird haben wir in der Vergangenheit ja bereits erörtert. Auf was haben es Cyberkriminelle bei Anwendern von Mobil-Geräten abgesehen?
C.F.: Ganz klassisch geht es um SMS-Bots, die im Hintergrund SMS an teure Premium-Nummern versenden. Diese Art von Malware ist Deutschland nicht ganz so verbreitet, da es hier wesentlich schwieriger ist eine solche Nummer zu beantragen und ausländische Nummern sind häufig für diese Art von Service beim Anbieter gesperrt. Jedoch werden diese Programme häufig mit einer Vielzahl von möglichen Nummern ausgestattet, um so möglichst große Erfolgschancen zu haben. Ansonsten speichert ein Großteil der Nutzer heute massig sensible Daten im Smartphone und sichert diese wesentlich weniger als am heimischen PC. Dann geht es um alle Klassiker wie Account- oder Kreditkarteninformationen.
PCGH: Ist der Zenit erreicht oder steigt die Gefahr von Vireninfektionen am Mobil-Gerät?
C.F.: 2011 was das große Jahr für mobile Malware. Insgesamt nutzen mittlerweile genug Menschen ihr Smartphone und damit wird der Markt aktuell immer interessanter für Kriminelle. Grade bei Android als offenes System mit der höchsten Verbreitungsrate ist das Risiko extrem hoch und der Trend der Vorjahres setzt sich fort. Nur im Monat Februar 2012 hat Kaspersky über 1000 neue Malware-Funde für Android verzeichnet. Im Februar 2011 waren es noch knapp über 80. Es wird damit immer wichtiger die sensiblen Daten auch auf seinem mobilen Gerät zu schützen. Noch vor einem Jahr wäre diese Aussage weniger leicht und eindeutig ausgefallen.
PCGH: Wo besteht das größte Infektionsrisiko?
C.F.: Speziell bei Android stellen Third-Party-Stores für Apps das größte Risiko da. Hier haben wir in der Vergangenheit die meisten infizierten Apps gefunden. Im Android-Store selbst ist durch die bessere Überwachung das Risiko geringer aber bei weitem nicht ausgeschlossen. Im vergangen Jahr gab es auch im offiziellen Android-Store Funde von infizierten Apps.
PCGH: Android vs. iOS: Die Apple-Systeme haben am Desktop den Ruf wesentlich sicherer als Microsoft-Systeme zu sein. Wie sieht es bei Mobil-Geräten im Vergleich zu Android oder Windows aus?
C.F.: Apple ist mit iOS etwas außen vor. Als geschlossenes System ist es für Malware-Entwickler recht schwierig sich das "KnowHow" anzueignen und Malware dann erfolgreich in Umlauf zu bringen. Dazu kommt, dass Android mittlerweile das am meisten verbreitete System ist und damit den höchsten Reiz für Kriminelle bietet. Noch vor einem Jahr war Symbian das am stärksten bedrohte mobile Betriebssystem. Innerhalb eines Jahres haben die Funde von Malware auf Android massiv zugelegt und machen heute 70 Prozent der bekannten Malware für mobile Systeme aus. Symbians Anteil ist in totalen Zahlen unverändert, auf die Gesamtmenge an Malware mittlerweile jedoch verschwindet gering. Ähnliches gilt für iOS.
PCGH: Wie unterschieden sich kostenlose Sicherheitslösungen grob von den kostenpflichtigen?
C.F.: Ausschließlich im Funktionsumfang. Die Sicherheitsstufe und Erkennungsrate ist komplett identisch. Allerdings müssen Sie in der Lite-Version auf Funktionen wie GPS-Ortung oder Diebstahlschutz verzichten. Für den reinen Malware-Schutz reicht eine kostenlose Version.
PCGH: Am Desktop sind wir regelmäßige Updates für Sicherheitssoftware gewohnt. Bei Mobil-Geräten ist Traffic teuer und meist durch Fair-Flat-Tarife in gewisser Weise begrenzt. Wie oft updatet sich eine mobiler Virenscanner? Wie viel Traffic kostet das und lässt sich ein Update verschieben bis ich am nächsten WLAN-Hotspot bin?
C.F.: Grundsätzlich lässt sich der Zeitpunkt des Updates beliebig festlegen. Sie können das automatische Update also möglichst so legen, dass Sie im Normalfall in der Nähe des heimischen Hotspots sind. Die Funktion Updates nur via Wifi auszuführen gibt es nicht. Allerdings sind Updates für Mobil-Geräte wie Android bei weitem nicht so groß wie am Desktop. Wir redet hier im Normalfall von zweistelligen Kilobyte-Zahlen.
PCGH: Wird es in Zukunft Paket- oder Systemangebote von Kaspersky geben, mit denen ich alle meine Geräte HTCP, PC, Smartphone und Tablet für einen einmaligen Betrag absichern kann?
C.F.: Es gibt jetzt ganz neue mit "Kaspersky One" eine Lizenzpaket, mit dem Sie beliebige Geräte mit der Kaspersky-Software sichern können. Die kleinste Version umfasst bis zu drei Geräte für 59,95 Euro, in beliebiger Konfiguration. Ob Sie drei Tablets oder doch PC, Notebook und Smartphone sichern, bleibt letztendlich Ihnen überlassen. Größere Pakete gibt für fünf oder zehn Geräte, mit einem Preis von 89,95 Euro beziehungsweise 129,95 Euro.