SSDs 860 Evo und 860 Pro im Test: Samsung legt den SATA-Klassiker neu auf [Update]

Seit fast vier Jahren sind die Samsung-Modelle 850 Evo und Pro schon auf dem Markt. Was Leistung oder Stand der Technik angeht, sind beide noch immer nicht veraltet. Es tut sich eben kaum noch etwas in der SATA-6-GBit/s-Nische. Was kann Samsung hier mit einer Neuauflage der 860er-Modelle überhaupt noch verbessern?

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SSDs 860 Evo und 860 Pro im Test: Samsung legt den SATA-Klassiker neu auf
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Samsung dominiert den SSD-Markt - keine Frage. Ohne jetzt groß mit den Marktanteilen zu wüten, ist das schon allein daran erkennbar, dass eine Samsung SSD 850 Evo den SSD-Preisvergleich in puncto Beliebtheit anführt. Obwohl die 6 GBit/s an Bandbreite des SATA-III-Protokolls seitdem nahezu ausgeschöpft ist und die Königsklasse an Leistung schon Längst den PCI-E-3.0-SSDs gehört, steht die Technik hier nicht still. Die SATA-SSDs werden noch immer in der Energieeffizienz und auch Speicherdichte verbessert.

Während alle anderen SSD-Marken Controller und Flash-Speicher für die Modelle extern einkaufen oder etwa per Joint Venture produzieren, backt Samsung stets eigene Brötchen, was die Chips auf der Platine angeht. So kommt bei den 860er-SSDs hier erstmals ein neuer Controller namens Samsung MJX zum Einsatz, der über acht Kanäle sowie mehrere Verschlüsselungsstandards verfügt. Er ringt dem SATA-Flaschenhals einige MB/s mehr in den sequenziellen Lese- und Schreibraten ab. Verglichen zu den Vorgängern und anderen aktuellen SSDs ist dieser Unterschied aber schon esoterisch gering - so viel sei schon jetzt verraten.

Samsungs V-NAND: 64 statt "nur" 48 Lagen

Während die 850er-Evergreens noch über NAND-Flash in 48 gestapelten Lagen verfügen, kommt jetzt bei den 860er Modellen die aktuelle Flash-Version mit 64 Lagen zum Einsatz. Mit der vertikalen Stapelung an Speicherzellen wird die Dichte erhöht, was Modelle mit größerer Kapazität ermöglicht. Schon die Samsung 850 Evo trumpfte mit einem Maximum über 4 TB auf, neu ist nun die 860 Pro mit derselben Nonplusultra-Kapazität. Samsung nennt die Hochstapelei V-NAND, während die anderen Flash-Hersteller von 3D-NAND sprechen - das Prinzip ist jedoch dasselbe. Der 64-lagige V-NAND soll außerdem etwas effizienter sein als der Vorgänger, indem sie mit einer Spannung von 2,5 Volt statt 3,3 Volt betrieben werden.

Die Samsung 860 Pro verfügt über den etwas haltbareren MLC-NAND mit zwei Bit pro Zelle, während die 860 Evo den günstigeren TLC-NAND mit drei Bit pro Zelle verwendet. Diesen nennt Samsung im Datenblatt auch MLC, womit Multi Level Cell abgekürzt wird und was daher nicht unbedingt falsch ist. Üblich ist es jedoch, die Bezeichnung für lediglich zwei Bit pro Zelle zu verwenden und solche mit drei Bit als TLC (Triple Level Cell) zu bezeichnen.

Intelligent TurboWrite: Flexibler Pseudo-SLC-Cache der 860 Evo

Die höhere Speicherdichte des TLC-NANDs kommt mit etwas Leistungseinbußen daher, was in entsprechenden SSDs mit einem sogenannten Pseudo-SLC-Cache kompensiert wird. Samsung nennt diesen Turbowrite. Dabei werden die Zellen mit nur einem Bit beschrieben, wie eben "Single Level Cells", was schneller vonstattengeht. Seit dem PCI-E-Modell 960 Evo ist die Turbowrite-Kapazität dynamisch, sie kann also je nach Bedarf und vorhandener Restkapazität erweitert werden, weswegen Samsung Turbowrite nun als "intelligent" bezeichnet.

Kapazität   250 GB 500 GB 1 TB 2 TB 4 TB
Turbowrite-Kapazität Standard 3 GB 4 GB 6 GB 6 GB 6 GB
(= Pseudo-SLC-Cache) Erweitert 9 GB 18 GB 36 GB 36 GB 72 GB
  Gesamt 12 GB 22 GB 42 GB 42 GB 78 GB
Seq. Datenrate Turbowrite 550 MB/s 550 MB/s 550 MB/s 550 MB/s 550 MB/s
  Nach Turbowrite 300 MB/s 300 MB/s 500 MB/s 550 MB/s 550 MB/s

Garantie: Mehr Schreibleistung, weniger Jahre

Bei beiden Modelle, also der 860 Evo und der 860 Pro, schraubt Samsung die maximale garantierte Schreibleistung (TBW, Terabytes written) kräftig nach oben. Während die 850 Evo bei einer Kapazität von 4 TB eine garantierte Schreibmenge von 300 TB hatte, wurde dieser Wert für die 860 Evo auf 2.400 TB verachtfacht.

Für den Verbraucher ist die Jahresangabe jedoch die weitaus relevantere Garantieangabe. Denn die Garantie erlischt, wenn eine der beiden Grenzen erreicht wird - und das ist beim Privatanwender fast immer die Jahresgrenze. Das verdeutlicht ein einfaches Rechenbeispiel: Eine 850 Evo müsste fünf Jahre lang tagtäglich mit circa 164 GB beschrieben werden, um auf die 300 TBW zu kommen. Eine 860 Evo müsste täglich gar mit mehr als 1.3 TB malträtiert werden.

  Samsung 860 Evo (4.000 GB) Samsung 860 Pro (4.000 GB) Samsung SSD 850 Evo (4.000 GB) Samsung SSD 850 Pro (1.024 GB)
Garantiedauer 5 Jahre 5 Jahre 5 Jahre 10 Jahre
Garantierte Schreibleistung (TBW) 2.400 TB 4.800 TB 300 TB 300 TB

Vorsicht: Die Lebensdauer von Flashzellen ist begrenzt. Die TBW-Angabe ist aber kein Indikator für die Haltbarkeit - bestenfalls ein Indiz. Praxistests der Kollegen von der c't haben ergeben, dass eine SSD die TBW-Grenze deutlich überlebt.

Was die Evo-Modelle angeht, so hat sich an den fünf Jahren Garantie nichts geändert. Die großzügigen 10 Jahre der 850 Pro sind mit der 860 Pro auf das Evo-Niveau geschrumpft. Damit verliert die Pro ein großes Kaufargument gegenüber den günstigeren Evo-Modellen.

Samsung 860 Evo und 860 Pro: Leistung

Wir haben die 860 Evo und die 860 Pro in je einem Exemplar mit der Maximalkapazität über 4 TB getestet. Oft sind die Versionen mit geringerer Kapazität etwa mit 250 GB nicht ganz so leistungsfähig wie die üppigeren Varianten, da nicht immer alle Kanäle des Controllers ausgereizt werden. Das aber weder bei der 860 Evo noch bei der 860 Pro der Fall sein. Laut Datenblatt verfügen alle fünf Kapazitäten über dieselbe maximale(!) Datenrate - egal ob es sich um IOPS oder sequenziellen MB/s handelt. Wie eingangs schon erwähnt, werden die Spitzenwerte kaum noch übertrumpft. So verwundert es uns nicht, dass die synthetischen Benchmarks mit AS-SSD oder Atto (unkomprimierte Daten) keine neuen Überraschungsrekorde zeigen.

Unsere drei Praxistests zeigen schließlich, dass das kleine Performance-Plus nicht nur theoretisch vorhanden ist. Wir messen per Skript die Dauer einer Stapelverarbeitung mit Skalierung von 250 Bilddateien, die Dauer einer Kopie einer Datenmenge über 10 GB und die Installationsdauer eines kleinen, ca. 500 MB großen Spieles. Verglichen mit den Vorgängern und anderen aktuellen SATA-SSDs spielen beide Modelle, also sowohl 860 Evo als auch 860 Pro, oben an der Spitze mit. Im Gegensatz zu den beiden PCI-E-Modellen 960 Evo und Pro unterscheidet sich die Leistung beider Varianten nicht.

  Samsung 860 Evo (4000 GB) Samsung 860 Pro (4000 GB) Samsung SSD 850 Evo (4000 GB) Samsung SSD 850 Pro (1024 GB)
         
IOPS (5 Min) 89.000 89.000 90.000 90.000
IOPS (30 Min) 89.000 89.000 90.000 90.000
         
Atto (Lesen) 563 MB/s 563 MB/s 552 MB/s 564 MB/s
Atto (Schreiben) 535 MB/s 534 MB/s 536 MB/s 536 MB/s
         
AS-SSD (Lesen) 510 MB/s 505 MB/s 520 MB/s 528 MB/s
AS-SSD (Schreiben) 487 MB/s 484 MB/s 502 MB/s 502 MB/s
         
Zugriffszeit (Lesen) 0,05 ms 0,03 ms 0,04 ms 0,04 ms
Zugriffszeit (Schreiben) 0,02 ms 0,02 ms 0,03 ms 0,03 ms
         
Bilder-Stapelverarbeitung 259 Sek. 261 Sek. 266 Sek. 270 Sek.
         
50,000 Dateien kopieren 65 Sek. 63 Sek. 65 Sek. 64 Sek.
         
Spiel installieren 33 Sek. 34 Sek. 34 Sek. 34 Sek.

Samsung 860 Evo und 860 Pro: Stromverbrauch

Da die Lese- und Schreibleistung unter SATA-Modellen schon nahezu nicht mehr unterscheidbar ist, braucht es andere Kaufargumente für die aktuellen SSDs. Samsung hat an der Effizienzschraube gedreht, sowohl was den Controller als auch die aktuelle Generation der 64-lagigen V-NAND-Chips angeht. Hier hat sich im Vergleich zu den Vorgängern einiges getan.

Haben wir bei den 850er-SSDs im Lesen und Schreiben noch Leistungsaufnahmen um die drei Watt gemessen, ist der Stromverbrauch um knapp ein Watt auf circa zwei Watt geschrumpft. Für Desktop-Gamer mit dicker Grafikkarte sind derartige Kleckerbeträge irrelevant, nicht aber etwa für die Akkulaufzeit eines Notebooks.

  Samsung 860 Evo (4.000 GB) Samsung 860 Pro (4.000 GB) Samsung SSD 850 Evo (1.000 GB) Samsung SSD 850 Pro (1.024 GB)
Verbrauch (Leerlauf) 0,05 W* 0,04 W* 0,05 W* 0,04 W*
Verbrauch (Lesen) 2,3 W 2,0 W 3,0 W 3,3 W
Verbrauch (Schreiben) 2,0 W 1,9 W 3,0 W 3,0 W
  *Herstellerangabe      

Trotzdem ist eine SSD die meiste Zeit untätig, also im Leerlauf (idle). Laut Datenblatt schluckt eine 860 Evo 0,05 Watt, also 50 Milliwatt und die 860 Pro nur 0,04 Watt, also 40 Milliwatt. Das deckt sich mit den Datenblattangaben der Vorgänger. Derart geringe Ströme können wir nicht zuverlässig nachprüfen, weswegen wir lediglich im aktiven Zustand gemessen haben.

Fazit Samsung 860 Evo und 860 Pro: Kaum effektiver, aber effizienter

Fast hätte man meinen können, Samsung lässt im SATA-Segment lediglich die 850er-Modelle als "Cash Cows" arbeiten. Sie erfreuen sich ja noch besser Verfügbarkeit und Beliebtheit. Mit der 860er-Neuauflage haben die Koreaner aber bewiesen, dass hier an so manchen Stellschrauben noch gedreht werden kann. Weniger an Leistung - die Gewinne sind hier nur noch esoterisch niedrig, was auch unsere Benchmarks gezeigt haben. Vielmehr an Effizienz: Bei gleicher bzw. leicht besserer Leistung verbraucht sowohl die 860 Evo als auch die 860 Pro deutlich weniger. Wenn beide jetzt noch preislich attraktiv werden, beerben sie die 850er-Modelle in Sachen Beliebtheit.

Samsung protzt mit neuen Rekordzahlen in der garantierten Schreibleistung. Die Garantiedauer in Jahren ist jedoch die wichtigere Grenze. Daher ist es umso bedauerlicher, dass Samsung nun auch die Pro-Modelle von zehn Jahren auf das Evo-Niveau von fünf Jahren gekappt hat. Da die Leistung beider Modelle nahezu identisch ist, bleibt lediglich der haltbarere MLC-Speicher als einzig relevantes Unterscheidungsmerkmal zur 860 Evo. Für die meisten Anwender dürfte dieses den Preisaufschlag zur Pro nicht wert sein, weswegen sie der interessantere Preis-Leistungs-Kompromiss sein wird.

Update: Mittlerweile gibt es auch erste Listungen der SSD 860-Pro- und -Evo-SSDs. Die Evo-Preise beginnen bei 95 Euro (256 GiB), 180 Euro (500 GiB), 340 Euro (1 TiB), 670 Euro (2 TiB) und 1.385 Euro (4 TiB) für die SATA-Versionen. Die Pro-Preise beginnen entsprechend bei 150 Euro (256 GiB), 250 Euro (512 GiB), 450 Euro (1 TiB), 900 Euro (2 TiB) und 1.900 Euro (4 TiB).

Kapazität 4.000 GB 4.096 GB
Produktinfo/-name SSD 860 Evo SSD 860 Pro
Modellbezeichnung MZ-76E4T0BW MZ-76P2T0B/EU
Hersteller/Webseite Samsung samsung.com Samsung
PCGH-Preisvergleich www.pcgh.de/preis/1756907 www.pcgh.de/preis/1759190
Preis/Preis-Leistungs-Verhältnis Ca. € 1.400,-/ausreichend Ca. € 1.900-/-ausreichend
Preis pro GiB € 0,42/GiB € 0,00/GiB
MTBF/TBW 1.500.000 Stunden/2400 TB 2.000.000 Stunden/4800 TB
SSD-Controller Samsung MJX Samsung MJX
Flash-Chips TLC-VNAND (64 Lagen) MLC-VNAND (64 Lagen)
DRAM-Cache 4 GiB LPDDR3 4 GiB LPDDR3
Ausstattung (20 %) 2,53 2,53
Formatierte Kapazität (GiB) 3725,9 GiByte 3814,7 GiByte
Herstellergarantie 5 Jahre 5 Jahre
SSD-Software Samsung Magigian Samsung Magigian
Eigenschaften (20 %) 1,65 1,61
Schnittstelle SATA 6 GBit/s SATA 6 GBit/s
NAND-Typ TLC-VNAND (64 Lagen) MLC-VNAND (64 Lagen)
Trim-Unterstützung (Garbage Collection) Ja Ja
Bauhöhe/Format 8 mm 9 mm
Leistungsaufnahme Leerlauf/Lesen/Schreiben 0,1/2,3/2,0 Watt 0,1/2,0/1,9 Watt
Leistung (60 %) 1,45 1,50
Endnote 1,71 1,73

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    • Kommentare (81)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Chris-W201-Fan Lötkolbengott/-göttin
        Offenes OCB wenn viel Wärme entsteht, nur dann.

        Und ja 99,9% ist egal wie es aus sieht, da die SSD im Case nicht sichtbar ist.

        Für die paar Casemodder muss es da nicht für alle Metall sein.
      • Von Chris-W201-Fan Lötkolbengott/-göttin
        Offenes OCB wenn viel Wärme entsteht, nur dann.

        Und ja 99,9% ist egal wie es aus sieht, da die SSD im Case nicht sichtbar ist.

        Für die paar Casemodder muss es da nicht für alle Metall sein.
      • Von ~AnthraX~ BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von Chris-W201-Fan
        Wo liegt, deiner Meinung nach, da das Problem?

        MetallCases bringen nur was, wenn wie bei Toshiba/OCZ VX500 auch Wärmaleitpads eingesetzt werden, wobei die nicht nötig sind, da eh zu wenig Wärme entsteht.

        Warum muss man Metallcases haben? Eigentlich wäre n Rahmen mit offenem PCB noch eher sinnvoll.
        Weil das ästhetischer ist als ein Plastikbomber, aber das scheint ja eh den meisten vollkommen egal zu sein, und warum eine offene PCB, wird doch eh nicht soviel Abwärme produziert...
      • Von Chris-W201-Fan Lötkolbengott/-göttin
        Wo liegt, deiner Meinung nach, da das Problem?

        MetallCases bringen nur was, wenn wie bei Toshiba/OCZ VX500 auch Wärmaleitpads eingesetzt werden, wobei die nicht nötig sind, da eh zu wenig Wärme entsteht.

        Warum muss man Metallcases haben? Eigentlich wäre n Rahmen mit offenem PCB noch eher sinnvoll.
      • Von ~AnthraX~ BIOS-Overclocker(in)
        Was mich ein bissel stört ist das die nur noch in einem Kunstoffgehäuse kommen, wird für viele egal sein, aber nicht allen
      • Von NiXoN Software-Overclocker(in)
        bei Alternate gibt's übrigens aktuell ein Gewinnspiel beim Kauf einer 860, falls es jmd interessieren sollte
      Direkt zum Diskussionsende
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