Intel SSD 600p im Test: NVMe-SSD zum SATA-Preis
Massenspeicher mit NVMe-Protokoll haben SATA-SSDs in der Lese- und Schreibleistung deutlich übertrumpft. Sie sind aber auch entsprechend teurer. Mit der 600p hat Intel nun eine NVMe-SSD auf dem Markt gebracht, die in den Preisregionen der SATA-SSD wildert. Preis-Leistungs-Geheimtipp oder SATA-Performance im PCIe-Gewand?
Die Intel SSD 600p ist ein Speicher im M.2-Format mit PCI-Express-3.0-Schnittstelle. Sie kostet mit einer Kapazität über 512 GB in etwa so viel wie eine Samsung 850 Evo. Ein nicht mehr ganz aktuelles aber noch immer beliebtes Modell im 2,5-Zoll-Format, das "nur" die SATA-6-Gb/s-Schnittstelle bietet. Die Intel-SSD ist daher das bei weitem günstigste PCIe-Modell. Aber schon das Datenblatt verrät, dass sie nicht nur im Preis, sondern auch in der Leistung näher bei den SATA-Modellen liegt. Daraus macht Intel keinen Hehl.
| Samsung SSD 850 Evo 500GB | Intel SSD 600p 512GB | Toshiba OCZ RD400 512GB | |
|---|---|---|---|
| Formfaktor | 2,5 Zoll | M.2 2280 | M.2 2280 |
| Schnittstelle | SATA 6Gb/s | PCIe 3.0 x4 | PCIe 3.0 x4 |
| lesen | 540 MB/s | 1775 MB/s | 2.600 MB/s |
| schreiben | 520 MB/s | 560 MB/s | 1600 MB/s |
| IOPS 4K lesen/schreiben | 98k/90k | 128.5k/128k | 190k/120k |
| NAND | 3D-NAND TLC Toggle (40nm, Samsung) | 3D-NAND TLC Toggle (Micron) | MLC Toggle (15nm, Toshiba) |
| TBW | 150 TB | 288 TB | 296 TB |
| MTBF | 1.5 Mio. Stunden | 1.6 Mio. Stunden | 1.5 Mio. Stunden |
| Controller | Samsung MGX (S4LN045X01-8030), 8 NAND-Kanäle, 400MHz | Silicon Motion SM2260 (N02N25.00), 8 NAND-Kanäle | Toshiba Fujisan (TC58NCP070GSB), 4 NAND-Kanäle |
| Cache | 512MB LPDDR3 | 512MB LPDDR3 | 512MB (DDR3L) |
| Protokoll | AHCI | NVMe 1.1 | NVMe 1.1b |
| Verschlüsselung | 256bit AES, TCG Opal 2.0 | 256bit AES | - |
| Leistungsaufnahme | 1.78W (Betrieb), 0.03W (Leerlauf) | 0.1W (Betrieb), 0.04W (Leerlauf) | 6.4W (Betrieb), keine Angabe (Leerlauf) |
| Besonderheiten | L1.2 Low-Power-Standby | L1.2 Low-Power-Standby | |
| Herstellergarantie | fünf Jahre | fünf Jahre | fünf Jahre (Pickup & Return kostenlos) |
| Preis (Stand: 24.11.2016) | ca. 155 Euro | ca. 160 Euro | ca. 280 Euro |
Der SATA-6-Gb/s-Standard hat mit 6 GBit/s, praktisch also etwa 550 MB/s, seine Grenzen erreicht. Diese werden auch von Modellen, wie der Samsung 850 Evo, sowohl im Lesen als auch im Schreiben in etwa erreicht. Mit einem Datenblattwert von 560 MB/s schreibt die Intel 600p zwar kaum schneller, hebt sich aber mit 1.800 MB/s im Lesen (beim 1-TB-Modell) von der SATA-6-Gb/s-Region umso deutlicher ab.
Intel SSD 600p: Ausstattung
Das Datenblatt nennt auch andere Merkmale, die für ein Billig-Modell nicht unbedingt selbstverständlich sind: Intel bietet fünf Jahre Garantie und eine garantierte Schreibleistung von 288 TB (bei 512 GB), was ganz okay ist. Andere Hersteller bietet da weniger bzw. bei teureren Modellen nicht unbedingt mehr. Die Verschlüsselung mittels AES in 265 Bit seitens des Controllers ist auch kein Indiz für ein Low-Budget-Modell, wenn auch für den Privatanwender eher weniger relevant. Auch die erwartete Lebensdauer hat mit 1,6 Mio. Stunden einen durchschnittlichen, passablen Wert.
Die Intel SSD 600p gibt es in Kapazitäten über 128 GB, 256 GB, 512 GB und 1 TB. Sie ist ausschließlich im 80-mm-langen M.2-Format erhältlich. Die PCIe-Steckkarte, wie die sündhaft teure (und schnelle) Intel 750 noch eine war, scheint endgültig auszusterben. Die Leistung ist in den Varianten der geringeren Kapazitäten deutlich niedriger: Wir hatten die 512-GB-Variante im Test.
Quelle: PC Games Hardware
Intel SSD 600p im Test: NVMe-SSD zum SATA-Preis (1)
Bei den Speicherchips handelt es sich um 32-lagigen TLC-NAND, der drei Bit pro Zelle speichert. Er ist günstiger, langsamer und nicht so langlebig wie der 2-Bit-MLC-NAND, der noch immer in den meisten PCIe-SSDs zum Einsatz kommt. Die Schreibrate wird daher mit einem Pseudo-SLC-Cache etwas verbessert, der Teile der Kapazität nur mit einem Bit beschreibt. Als Controller fungiert ein Silicon Motion SM2260, der zwar bis zu acht Lanes bereitstellt, aber mit den drei NAND-Dies nur mit je zwei Lanes verbunden ist - also auf der 600p nur mit sechs Lanes arbeitet.
Intel SSD 600p: Performance
Mit den synthetischen Benchmarks erreichen wir zwar in etwa die im Datenblatt angegebene Schreibgeschwindigkeit, eine Geschwindigkeit beim sequenziellen Lesen von über 1.700 MB/s können wir nicht annähernd reproduzieren: Wir messen hier nur knappe 1.200 MB/s.
33.000 IOPS meldet Iometer nach fünfminütigem Schreiben von 4k-Blöcken. Damit unterbietet die 600p das Minimum bei unseren bisher gemessenen PCIe-SSDs um die Hälfte und liegt inmitten der SATA-Region. Das war aber bei der SATA-ähnlichen Schreibleistung auch zu erwarten. Nach einer halben Stunde halbiert sich der IOPS-Wert noch einmal hitzebedingt: Sie wird um die 80 °C heiß und die Leistung bricht nach unter einer Minute deutlich ein, sobald der SLC-Cache vollgelaufen ist. Die Intel 600p ist nicht für's Hin- und Herschaufeln großer Datenmengen gemacht. Warum die SSD nicht einfach kühlen? Mit direktem Luftstrom werden die Schwankungen vor Cache-Überlauf etwas und hinterher deutlich reduziert. In der Praxis dürfte sich das aber kaum bemerkbar machen. Denn nur selten werden so lange die Daten geschaufelt. Im Gehäuse bekommt sie in der Regel etwas Luft vom Gehäuselüfter ab, was das außerdem etwas relativiert.
Aussagekräftiger sind unsere Real-World-Benchmarks, in denen wir die Dauer von praktischen Anwendungen messen. Die Bilder-Stapelverarbeitung absolvierte die 600p in 271 Sekunden und ist damit nur wenige Sekunden schlechter als die aktuelle Top-SSD, der Samsung 960 Pro. Auch eine Spielinstallation durchlaufen beide Modelle mit 34 Sekunden in gleicher Zeit. Deutlicher ist der Unterschied zwischen Low- und High-End-Modell im Kopiertest: Die 960 Pro schafft 10 GB an Daten in 41 Sekunden - die 600p in 61 Sekunden. Die oben genannte SATA-6-Gb/s-SSD Samsung 850 Pro ist im Bilderverarbeiten und Spielinstallieren genauso schnell - nur im Kopieren mit 66 Sekunden langsamer.
Stromverbrauch der Intel SSD 600p
Intel bewirbt die 600p mit ihrer Energieeffizienz. Sie soll daher Notebook-Akkus schonen. Die SSD soll laut Datenblatt nur 100 mW im Mobilemark-Benchmark verbrauchen - also so viel, wie andere etwa im Leerlauf. In diesem soll die 600p lediglich 40 mW aufnehmen und nur 5 mW im Sleep Mode. Derart geringe Ströme im dreistelligen Milliwatt-Bereich können wir nur ungenau nachmessen und zwei- bzw. einstellige gar nicht.
Dennoch haben wir die SSD unter Volllast gesetzt und einen Strom um etwa 0,4 A gemessen, was bei 3,3 Volt einer Leistungsaufnahme von circa 1,3 Watt entspricht. Damit dürfte sie zwar immer noch weitaus genügsamer als andere PCIe-SSDs sein, dennoch relativiert das etwas den Datenblattwert von nur 0,1 Watt.
Software: Intel SSD Toolbox
Wie die meisten Hersteller stattet auch Intel die SSDs mit einer Software zur Wartung und Diagnose aus. Mit der "Toolbox" können SMART-Daten ausgelesen sowie ein Secure Erase, Fehlerdiagnose und Firmware-Update vorgenommen werden. Intel hat bislang keine neue Firmware veröffentlicht, die die Performance der 600p noch etwas steigern könnte.
Fazit: Intel SSD 600p
Bei diesem Preis macht Intel SSDs mit PCIe-3.0-Schnittstelle und NVMe massentauglich. Es war aber von vornherein klar, dass eine SSD mit PCIe 3.0 zum SATA-Preis in der Leistung alle anderen PCIe-3.0-Modelle unterbietet - das verrät ja schon das Datenblatt. Sie ist daher mit der SATA-Oberklasse vergleichbar. Was diese angeht, so liegt die Gesamtleistung der 600p nur leicht darüber. Dennoch können wir nicht unbedingt empfehlen, sie stets einer SATA-6-Gb/s-SSD vorzuziehen. Welche Schnittstelle zu wählen ist, bestimmt auch die Ausstattung des Mainboard. Wer mit einem PCIe-M.2-Slot gesegnet ist, kann die 600p durchaus als Alternative in Betracht ziehen. Wem aber etwa MLC-Speicher und mehr Verschlüsselungsstandards wichtiger sind, der ist beispielsweise mit der Crucial MX200 oder Samsung 850 Evo, einer der SATA-SSDs besser bedient.

Stimmen die Stromverbrauchsangaben? (...)
Generell zeigt Anandtechs Test auch auf, dass die SSD von der Energienutzung her äußerst ineffizient ist. Man könnte sie glatt als die ineffizienteste SSD des Testfeldes bezeichnen. (zur 750 liegen allerdings keine Daten vor)
In einem Notebook sollte man sie nicht verbauen... (außer in einem DTR mit Desktop-Prozessor vielleicht...
Stimmen die Stromverbrauchsangaben? Bei einem Verbrauch von 0.1 Watt unter Last würde es mich wundern, wenn das Ding wegen Hitze bremst:
Spannend ist, dass wir bei den Geschwindigkeiten inzwischen bei unglaublichen Höhen angekommen sind, aber für den Praxisnutzen "Spiele" und Programme starten etc macht es kaum einen Unterschied mehr.
Ein Firmwareupdate, welches die Leistung steigert würde ich nicht erwaten. Benutze seit ca 6 Jahren unter anderem auch Intel SSDs und da kamen höchstens Sicherheits/Zuverlässigkeitsupades.
Im Alltag sind 550MB/s mehr als genug beim schreiben und lesen, ich warte nur noch bis die SSD im Preisbereich der Festplatten kommen, dann wird es für mich interessant.
Und das passiert bei Schreibwerten die sehr, SEHR viel höher sind als die TBW (wie oben erwähnt häufig erst im Petabytebereich).
Bei der TBW abriegeln ist iirc nur eine einstellbare Option bei Profilaufwerken (deren TBWs sind aber sowieso im PB-Bereich^^).