Gigabyte Aorus NVMe PCI-Express 4.0 SSD im Test: Ein neues SSD-Zeitalter bricht an
Mit PCI-Express 4.0 läutet AMD ein neues Geschwindigkeitszeitalter ein. Auf den nun veröffentlichten X570-Boards für die dritte Generation der Ryzen-CPUs sollen neue schnelle SSDs mit bis zu 5 GB/s den bisherigen Rekord von ca. 3,5 GB/s deutlich übertrumpfen. Mehrere Hersteller hatten zur Computex im Juni schon Modelle angekündigt. Die Gigabyte Aorus NVMe Gen4 SSD ist das erste Modell, das es in unser Testlabor geschafft hat, womit wir endlich die tatsächliche Praxisleistung des neuen Datenbusses abklopfen können.
PCI Express 4.0 verdoppelt die Geschwindigkeit im Vergleich zu 3.0, sodass nun pro Lane bis zu 2 GBit/s zur Verfügung stehen. Auch die 4.0-SSDs werden mit vier Lanes angebunden, sodass fast bis zu 8 GBit/s möglich werden. In der Praxis liegt der Datendurchsatz etwas darunter. Die schnellsten PCI-E-3.0-SSDs schaffen aktuell 3,5 GB/s lesend und sind damit so ziemlich schon am Limit. Die Gen4-SSD von Gigabyte, so viel sei jetzt schon verraten, schafft ganz knapp die 5 GB/s selbst in unserem Test. Das jedoch nur im synthetischen Benchmark Crystaldiskmark, der sequenziell mit einer Queue Depth von 32 liest. Hohe Befehlswarteschlangen kommen aber eher in der Server- und kaum in der Anwenderpraxis vor. Ein Task ist da die Regel - ebenso wie niedrigere Datenraten. Gigabyte nennt im Datenblatt zur Schreibrate maximal 4,4 GB/s, während wir "nur" 4,2 GB/s reproduzieren können.
Ausstattung: Neuer Controller, neues Kupferkleid
Quelle: PC Games Hardware
Gigabyte Aorus NVMe Gen4 SSD im Test (4)
Die neue Generation der NVMe-SSDs sieht zunächst so aus wie die alte: Der Formfaktor ist gleich, die 80 Millimeter lange M.2-2280-Platine und auch die Speicherchips sind alte Bekannte: Gigabyte verwendet den 96-lagigen BiCS4-TLC-NAND von Toshiba, der drei Bit pro Zelle speichert. Der zweibittige MLC-NAND ist unter den Consumer-SSDs bis auf bei einigen wenigen Modellen weitestgehend ausgestorben. Die Sorgen wegen der geringeren Haltbarkeit aufgrund der höheren Speicherdichte haben sich hier nicht bewahrheitet - TLC hat sich also in der Praxis bewährt.
PCGH-Ratgeber: Die besten PCIe-SSD: Welche PCIe-SSD brauche ich?
Unser Zwei-Terabyte-Modell ist doppelseitig bestückt und kommt in der Schachtel ohne vormontierten Kühlkörper. Dadurch ist der Anwender im Einbau etwas flexibler. In Notebooks etwa passen keine Modelle mit Passivkühler und manche Mainboards verfügen über eigene Metallplatten, die teils mehrere M.2-Slots und auch den I/O-Hub kühlen. So ist es etwa beim Asrock X570 Taichi der Fall, welches wir zum Test der PCI-Express 4.0-SSD verwendet haben. Den Passivkühler des Mainboards haben wir nicht verwendet, sondern den eigenen Kupferkühler der SSD.
Schon bei den PCI-E-3.0-SSDs haben wir festgestellt, dass Leistungsunterschiede mit und ohne Kühlung nur in synthetischen Benchmarks, nicht aber in der Praxis auftreten. In praktischen Szenarien kommt die SSD so gut wie nie zur temperaturbedingten Drosselung. Gleiches ist nach ersten Tests hier der Fall: Ohne Kühler erreicht der Controller fast 70 Grad, was aber die Leistung in unseren Kopiertests faktisch nicht beeinflusst. Wir werden hierzu noch genauere Untersuchungen nachreichen.
Phison E16: Der erste SSD-Controller für PCI Express 4.0
Mit dem E12 bietet Phison bereits das aktuelle Nonplusultra der PCI-E-3.0-SSDs. Er kommt in Modellen wie der Corsair Force MP510 oder einer Patriot Viper VPN100 zum Einsatz und bietet dort Spitzendurchsätze jenseits der 3 GB/s. In der Gen4-SSD von Gigabyte arbeitet der Phison PS5016-E16 (kurz E16), der mit seiner Leistung bis 5 GB/s die Bandbreite von PCI Express 4.0 noch nicht ausschöpft. Auf der Computex dieses Jahres kündigte Phison schon mit dem E19 den Nachfolger an, der dann auf bis zu 6,5 GB/s kommen soll und für 2020 erwartet wird. Alle bisher bekannten PCI-Express-4.0-SSDs nutzen den Phison E16, der wie auch schon sein Vorgänger mit acht Kernen arbeitet und mit acht Kanälen an die Flash-Chips angebunden ist.
Aorus NVMe Gen4 SSD: Das Wichtigste, die Leistung
Nun kann die SSD mit neuen Spitzendatenraten zwar beeindrucken, für die Praxis haben sie jedoch wenig Aussagekraft. Während der Unterschied zwischen HDD und SSD aufgrund der deutlich niedrigeren Zugriffszeiten spürbar bei jedem Booten oder Programmstart ist, ist der zwischen SATA- und NVMe-SSDs für den Alltag homöopathisch gering. In den Spieleladezeiten sind es bestenfalls wenige Sekunden, die man sich mit einer schnellen PCI-Express-SSD spart. Erst beim Kopieren großer Datenmengen wird der Unterschied auch in der Praxis größer, nur passiert das in der Praxis des Otto Normalanwenders auch relativ selten. Unser Fazit war lange Zeit, dass sich NVMe für die meisten Anwender und erst recht Gamer schlicht nicht lohnt. Der nicht spürbare Unterschied stand in keinem Verhältnis zum lange vorhandenen Preisaufschlag. Mittlerweile schmilzt dieser aber immer mehr, sodass das kompakte M.2-Format oft schon ein Grund ist, den immer niedriger werdenden Aufpreis hinzunehmen.
Mit dem Hintergrund, dass nur die marketingträchtigen Bis-zu-Datenraten der wesentliche Unterschied zwischen SATA und NVMe ist und nicht etwa ein praktischer oder gar spürbarer, waren unsere Erwartungen mit dem Generationenwechsel von PCI Express 3.0 aufs doppelt so schnelle PCI Express 4.0 relativ gering. Anhand der Angaben im Datenblatt war außerdem ersichtlich, dass die 4.0-Bandbreite mit den nun erhältlichen ersten Modellen noch lange nicht ausgeschöpft wird.
Wie eingangs schon erwähnt, kommen wir mit den beiden synthetischen Benchmarks unseres SSD-Parcours nicht an die genannten 5 GB/s. Per Atto Disk Benchmark kommen wir lesend auf maximal 4,42 GB/s und schreibend immerhin auf noch immer beeindruckende 3,95 GB/s. AS-SSD ist da der ehrlichere Benchmark unter den synthetischen, da er komprimierte Daten verwendet, die in der Praxis als JPG-, ISO- oder ZIP-Dateien etc. weitaus öfter vorkommen. Hier kommt die PCI-E-4.0-SSD von Gigabyte im sequenziellen Lesen noch immer fast an die 4,0 GB/s. Bei vielen Mainstream-Modellen aktueller 3.0-Modelle ist der Unterschied beider Benchmarks weitaus größer. Manch ein Top-Modell liest komprimierte Daten mit nur ca. 2 GB/s. In jedem Fall ist die PCI-E-4.0-SSD aber schneller als jede 3.0-SSD. Und zwar nicht nur in einem PCI-Express-4.0-System, sondern auch in unserem "alten" 3.0er-Testsystem.
Praxisleistung
Der aussagekräftigste, weil praktischste Test unseres Parcours ist das reine Schaufeln einer 10-GiB-Datenmenge über insgesamt 50.000 Dateien. Interessanterweise landet sie hier nicht auf Platz 1 - die PCI-E-3.0-SSD Intel Optane 900p mit 3D Xpoint ist mit 27 Sekunden noch immer an der Spitze. Die 4.0-SSD von Gigabyte ist mit nur 34 Sekunden direkt dahinter.
Wir haben mit der WD Black SN750 eine aktuelle NVMe-SSD zum direkten Vergleich hergenommen, um die Anwendungsleistung zu prüfen. Dazu haben wir uns zunächst des neuen PCMark-10-Parcours bedient, um mit der gleichen PCI-E-4.0-Hardware mit einem frisch installiertem Windows auf beiden SSDs den Einfluss der Schnittstelle testen zu können.
| SSD-Vergleich mit PCMark 10 | WD Black 2019 | GB Aorus NVMe Gen4 | Differenz |
|---|---|---|---|
| PCMark 10 Extended Total Score | 5382 | 5531 | 3% |
| Essentials | 9963 | 10611 | 6% |
| Apps Start-up Score | 12529 | 13921 | 10% |
| Video Converencing Score | 8929 | 9421 | 5% |
| Web Browsing Score | 8842 | 9111 | 3% |
| Productivity | 8444 | 8768 | 4% |
| Spreadsheets Score | 11005 | 11217 | 2% |
| Writing Score | 6479 | 6855 | 5% |
| Digital Content Creation | 6341 | 6391 | 1% |
| Photo Editing Score | 8976 | 9148 | 2% |
| Rendering and Visualization Score | 7917 | 7956 | 0% |
| Video Editing Score | 3588 | 3588 | 0% |
| Gaming | 4252 | 4255 | 0% |
| Graphics Score | 5481 | 5476 | 0% |
| Physics Score | 23444 | 23368 | 0% |
| Combined Score | 1891 | 1901 | 1% |
| System: | |||
| Ryzen 7 3700X, Asrock X570 Taichi, Radeon RX 560, 16 GB DDR4-3600 |
Wenig überraschend sind es nur wenige Prozentpunkte Unterschied in fast allen Punktzahlen von PCMark 10. Nur der Start-up Score sticht mit 10 Prozent etwas heraus. Ob das wirklich auch in der Praxis bis zu 10 Prozent niedrigere Ladezeiten sind, haben wir mit ausführlichen Stoppuhrmessungen von Windows-Bootzeiten und einigen Spielen gemessen. Die Auswertung dauert noch etwas und wir reichen sie im Laufe dieser Woche nach.
Gigabyte Aorus NVMe Gen4 SSD: Fazit
Es ist wenig verwunderlich, dass die erste PCI-Express-4.0-SSD in unserem Test neue Rekordwerte erzielt - selbst wenn sie, wie erwartet, nur in synthetischen Benchmarks erreicht werden und die Unterschiede zu aktuellen NVMe-SSDs mit PCI-E-3.0 nur homöopathisch gering sind. Ohnehin hat eine SSD nur in den Ladezeiten einen relativ geringen Einfluss auf die Spieleleistung, wo bislang ein SATA-Modell das beste Preis-Leistungsverhältnis bietet. Mit PCI-Express 4.0 gründet AMD eine neue High-End-Nische, die schon jetzt die Leistung von morgen bietet. Für solche Enthusiasten, die ein leistungsfähiges, zukunftssicheres Hochleistungssystem schon jetzt wollen, sind auch die PCI-Express-4.0-SSDs gedacht. Mittlerweile sind auch die Preise bekannt, auch wenn die Gen4-SSD von Gigabyte aktuell noch nicht gelistet ist (dafür gibt es Preislistungen der Corsair-Modelle). Als Pionier ihrer Nische ist sie deswegen und wegen ihren hohen Kapazitäten von 1 TB und 2 TB noch unverhältnismäßig teuer, wenn man bedenkt, dass so manche NVMe-SSDs gut ein Drittel bis die Hälfte weniger kosten.
Nun hat die Gigabyte-SSD mit ihrer High-End-Leistung gezeigt, wohin die Reise der SSDs gehen wird. Die neue 4.0er-Schnittstelle ermöglicht neue Spitzenwerte, die mit immer steigenden Datenmengen auch benötigt werden. Auch deswegen werden wir das Modell noch weiter unter die Lupe nehmen und den Test hier regelmäßig aktualisieren.

von Thilo, der immer mit Refa Uhr und Peitsche hinter Euch steht.
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Aua, nicht sperren, aua, nein, aua, auuuuua ....
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Wer liest denn schon das Kleingedruckte
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Edith: Aber falls du das Benchmark-Diagramm *konterklugscheiß* und nicht die PCMark-Tabelle meinst, da steht die Einheit an der Legende drunter. Gefunden?