[26/11/2021] Ryzen 9000 ist da! Mein Eindruck nach den Tests … liegt am unteren Ende meiner ursprünglichen Erwartungen. Was traurig ist, denn die waren wegen der Eckdaten (TDPs, gleiche Fertigung, gleiche Konfiguration, gleicher L3) ziemlich niedrig. Nach der Bekanntgabe beschleunigter Caches und überdimensionierter Decoder auf der Computex glaubte ich zwar, einen Lichtschimmer am Horizont zu sehen, war aber schon misstrauisch: Warum erwähnt AMD diese Verbesserungen immer nur im Kontext „AI“ und „AVX512“? Das würde Gamern doch gar nichts bringen. Tut es auch nicht. Wenige Prozente schneller als die Vorgänger, im PCGH-Test sogar ineffizienter und ohne nennenswerte Reserven für mehr Leistung mit höherem PPT – AMD liefert ein ähnlich trauriges Bild ab wie die Konkurrenz bei Desktop-Launches der letzten Jahre. Nur wussten da alle vorher, dass nur ein höher getaktetes Stepping kommt. AMD bringt das Kunststück fertig, mit einer komplett überarbeiteten Architektur genauso auf der Stelle zu treten.
Immerhin Ryzen 9, X3D und vor allem Epyc, wo traditionell weniger Power pro CCD zur Verfügung steht, dürften von den Änderungen stärker profitieren und ein paar andere Redaktionen scheinen auch jetzt schon mehr Glück mit ihren Testmustern zu haben, wenn auch nicht wahnsinnig viel. Vielleicht hat AMD Yield- oder Binning-Probleme und Zen 5 wird erst spät reifen – das würde zumindest das Launch-Chaos erklären. So eine Gurken-Veranstaltung habe ich zuvor nur bei Cannon Lake erlebt, den Intel wohl wissend direkt unter den Teppich gekehrt hat. Dass AMD den Pfusch auf die große Bühne zerrt, bestätigt mich dagegen in einer anderen Spekulation: Man ist genauso enttäuscht wie ich und versucht ASAP mit dem kleinen Fortschrittchen zu strahlen, solange die Konkurrenz noch mit umstrittenen Antiquitäten in der Ecke hockt. (Torsten Vogel)