3dfx ist offiziell bankrott und AMDs R9-290X kommt (PCGH-Retro, 15. Oktober)

140
News Carsten Spille Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
3dfx ist offiziell bankrott und AMDs R9-290X kommt (PCGH-Retro, 15. Oktober)
Quelle: PC Games Hardware

3dfx Interactive gilt als Musterbeispiel für den schnellen Aufstieg und Fall eines Unternehmens in der PC-Industrie; außerdem bringt AMD die R9-290X-Radeon auf den Markt - das geschah am 15. Oktober. Jeden Tag wirft PC Games Hardware einen Blick zurück in die noch junge, aber bewegte Geschichte des Computers.

... 2002: 3dfx, bereits finanziell angeschlagen, gelang es im Frühjahr 2000, sich den bei der Xbox-Ausschreibung leer ausgegangenen 3D-Chipentwickler "Gigapixel" mit einem 190 Millionen Dollar schweren Aktientausch einzuverleiben. Damit wurde die ausgedünnte Entwicklungsabteilung um 40 hochkarätige Ingenieure aufgestockt. Ambitionierte Pläne für die Zukunft (Multichip mit Tile Based Defered Rendering) ließen manche Spielerherzen bereits höher schlagen.

Derweil wurden die Quartalszahlen von 3dfx immer roter. 12 Millionen Verlust im ersten Quartal, 100 Millionen im zweiten Quartal, 180 Millionen im dritten Quartal: Die liquiden Mittel von 3dfx und Gigapixel waren im Nu erschöpft. Angesichts der miesen Bilanz war kein Geldgeber zu finden, der das Unternehmen sanieren wollte. Folgerichtig begab sich die Firma am Ende 2000 unter Gläubigerschutz nach Kapitel 11 der Insolvenz nach US-Recht. Das Management von 3dfx sah allerdings keine bessere Lösung, als sämtliche Markenrechte, Chips und Patente zum Schnäppchenpreis von 112 Millionen US-Dollar an den Erzrivalen Nvidia zu verkaufen und die Liquidation der Firma einzuleiten. "Es gab einfach keine andere Wahl", gab Gary Tarolli zu Protokoll. Das Ende von 3dfx wurde formal am 15.10.2002 eingeläutet, der Bankrott war damit auch juristisch abgeschlossen.

Dabei stand 3dfx Ende 2000 kurz vor der Einführung ihrer lange erwarteten, komplett neuen Chipgeneration. Die von ehemaligen 3dfx-Mitarbeitern an die Öffentlichkeit getragenen Spezifikationen und Leistungseckdaten zeichneten ein sehr viel versprechendes Bild. Mit vier Renderingpipelines, 52-Bit-Rendering (intern), Pixel Shader 1.0, achtfachem Multitexturing, "gestreutem" (Sparse Grid) 4X-Multisampling und einem 16:1 anisotropen Filter waren die Voraussetzungen erfüllt, die Technik-Krone wieder zu übernehmen. Für flotte Geometriebeschleunigung sollte ein leistungsfähiger externer Vertex- und Curved Surfaces-Prozessor ("SAGE") mit einer Rohleistung von 150 Millionen Dreiecken pro Sekunde sorgen. Im Multichip-Doppelbetrieb hätten "Rampage"-Prozessoren bei 250 MHz eine Rohleistung von 2000 MPixel/s (resp. 2000 MTexel/s) erreicht und damit gute Chancen gehabt, Nvidias zu dem Zeitpunkt stark verspäteten Geforce3-Chip (800 MPix/s, 1600 MTex/s) zu übertrumpfen. Aber all das bleibt Geschichte.

Mehr zum Thema 3dfx:
PCGH-Retro: 3dfx-History
PCGH Retro: 3dfx-Werbespots

... 2013: AMD widersetzt sich der Nvidia-Dominanz im Grafikmartk und bringt eine neue Version seiner Graphics-Core-Next-Architektur auf den Markt. Die Verbesserungen umfassen in erster Linie zusätzliche Audio-DSPs für die Soundverarbeitung, welche als True-Audio vermarktet werden, eine flexiblere und performantere Abarbeitung reiner Berechnungen ohne Grafik ("Compute Tasks") sowie natürlich eine durch größere Einheitenanzahl gegenüber dem Vorgänger Tahitit in der HD 7970 gesteigerte Leistung. Die R9 290X, das Topmodell der neuen Radeon-Reihe, bringt es auf 2.816 und damit 37,5% mehr Rechenwerke als Tahiti - passend dazu wird auch die Schnittstelle zum Speicher um ein Drittel verbreitert. Bei den Taktraten muss AMD gegenüber dem früheren Topmodell, der HD 7970 GHz-Edition, ein kleines bißchen Federn lassen: Nur 2.500 MHz und damit 5 GTransfers/Sek. stehen bei der R9 290X an, die 7970 GE brachte es auf 3 GHz respektive 6,0 GT/s. Dafür bohrte AMD das Front-End weiter auf und auch die Anzahl der ROPs wuchs: Vier Dreiecke und 64 Pixel durch die gesamte Pipeline pro Takt bedeuten eine glatte Verbesserung gegenüber dem Vorgänger. Insbesondere Zwischenschritte wie die Schattenberechnungen profitieren von diesem hohen Durchsatz.

Ebenfalls neu war die enge Verzahnung von Taktrate, Leistungsaufnahme, Chiptemperatur und Kühlung, die AMD bereits mit der 7970-GHz-Edition begonnen hatte. Eine auf dem Referenzmuster ab Werk eingestellte "Uber"-Variante begrenzte den Radiallüfter erst bei 55% Maximalimpuls und ohrenbetäubenden 9,6 Sone im Spielebetrieb. Eine zahmere "Quiet"-Variante machte bereits bei 4,4 Sone (40%) Schluss, verhinderte aber, dass die R9 290X ihre 1 GHz Zielfrequenz im Spielebetrieb durchhalten konnte. Im Spiele-Benchmark kostete dies je nach Spiel bis zu circa 15 Prozent Performance - im Mittel erreichte der Quiet- rund 90 Prozent des Uber-Modes.

In unseren Benchmarks setzte sich die R9 290X im "Uber-Modus" dann auch an die Spitze des Leistungsindex der PCGH-Ausgabe 12/2013 und übernahm entsprechend die 100-Prozent-Marke. Die bis dahin führende Geforce GTX Titan lag bei 93,6%, die HD 7970 GE bei 76,7%. Die GTX 780 Ti war zu Redaktionsschluss des Heftes gerade einmal angekündigt, zum R9-290X-Launch an diesem 15. Oktober war die GTX Titan Nvidias stärkste Waffe.

Weitere Details finden Sie in unserem Launch-Artikel zu AMDs Radeon R9-290X.

Bildergalerie

140
    • Kommentare (140)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Oppenheimer Software-Overclocker(in)
        Zitat von XD-User
        Der Kampf Hawaii gegen High-End Kepler und Maxwell war, egal in welcher Version der einzelnen Karten.

        Also Custom Modell waren die 290(X) wirklich gute Karten und selbst die Refresh Version der R9 390(X) mit doppelten Speicher, schärferer Latenzen sowie generell mehr Takt konnte man gut empfehlen.
        Leider etwas durstig und laut je nach Modell, trotzdem ordentlich.
        Meine R9 390X OC läuft immer noch im 3. Automat ...
        Und die Voodoo 3 3000 als Deko an der Wand.
      • Von Oppenheimer Software-Overclocker(in)
        Zitat von XD-User
        Der Kampf Hawaii gegen High-End Kepler und Maxwell war, egal in welcher Version der einzelnen Karten.

        Also Custom Modell waren die 290(X) wirklich gute Karten und selbst die Refresh Version der R9 390(X) mit doppelten Speicher, schärferer Latenzen sowie generell mehr Takt konnte man gut empfehlen.
        Leider etwas durstig und laut je nach Modell, trotzdem ordentlich.
        Meine R9 390X OC läuft immer noch im 3. Automat ...
        Und die Voodoo 3 3000 als Deko an der Wand.
      • Von Schinken BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von _Maxi_
        Why ?
        Wozu jedes Jahr dasselbe in denselben Thread schreiben?
        Wäre Spam und redundant.
      • Von _Oskar_ Software-Overclocker(in)
        Zitat von Schinken
        Dito. Aber da ich die hier schon mal 2022 geteilt hab, muss ich mir hier seitdem jedes Jahr den Kommentar verkneifen xD.
        Why ?
      • Von Schinken BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von _Maxi_
        Ich hatte z.B nur sehr Positive Erfahrungen mit der Karte.
        Dito. Aber da ich die hier schon mal 2022 geteilt hab, muss ich mir hier seitdem jedes Jahr den Kommentar verkneifen xD.
      • Von HardWareFresser87 BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von _Maxi_
        Ich hatte z.B nur sehr Positive Erfahrungen mit der Karte.
        Ich leider nicht
        Zitat von Scandro1d
        Glaube die lief besser als die 295X2 oder?
        Die hatte ich nicht, daher kann ich dazu nicht viel sagen – nur, dass jede andere bestimmt besser gewesen wäre
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PCGH Magazin 08/2026 PC Games 07/2026 play5 08/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games Hardware PC Games Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk