[19/09/2014] Die Radeon RX 6600 XT ... ist prinzipiell eine ordentliche Karte mit guter Leistung und hoher Effizienz für die beworbene Leistungsklasse. Die etwas schwächliche Raytracing-Performance könnte man eventuell leicht kritisieren, aber ob man solch ein leistungsintensives Feature bereits in der Mittelklasse für FHD-Gaming braucht, ist natürlich eine etwas andere Frage. Eine RTX 3060 liefert in dieser Hinsicht indes ein deutlich anderes Bild ab – zumindest beim Einsatz von DLSS. Prinzipiell reicht die Raytracing-Leistung aber wahrscheinlich zumindest für eine „konsolenähnliche“ Erfahrung, also mit etwas reduzierten Raytracing-Settings (mit einer Mittelklasse-GPU muss es ja vielleicht auch bei Raytracing nicht immer Ultra sein). Erfreulich finde ich die gute Effizienz, viele der Ober- und zumindest preislich Überober-Klasse-Grafikkarten verbrauchen geradezu erschreckend viel Strom und insbesondere Nvidia-GPUs erzeugen immer noch Lastspitzen, die selbst 1.000-Watt-Netzteile mit vielleicht etwas arg wachsamen Schutzschaltungen gern mal ausknipsen. Der generelle Verbrauch und die hohe Belastung diverser Bauteile durch Stromfluss und übertragen Wärmeentwicklung sehe ich als eine etwas bedenkliche Entwicklung.
Was mir bei der RX 6600 XT weit weniger passt ist der Preis – klar, aktuell ist eh alles bescheuert und eigentlich vollkommen egal, wie hoch eine UVP für eine Grafikkarte ausfällt, auch bei der RX 6600 XT werden „geschäftstüchtige“ Händler, Scalper, Mining-Dealer und andere Nutznießer der aktuellen Marktsituation wohl schnell einen großzügigen UVP-Multiplikator einführen, den normale Kunden aufschlagen dürfen, insbesondere wo sich die RX 6600 XT just als effiziente Mining-GPU herausstellte. Aber schon der UVP-Preis stößt mir sauer auf – die Karte ist für die Mittelklasse schlicht zu teuer. Zur Verdeutlichung: Die GTX 1060 kostete zur Einführung 279 Euro, das 8-GiByte-Modell der RX 580 259 Euro (beide Preise UVP). Das sind Mitteklasse-Preise, beide GPUs brachten obendrein eine Verdoppelung des Speichers gegenüber des vorherigen Oberklasse-Modells. Klar, die aktuelle Marktlage und die Grafikkartenhersteller wollen natürlich den ganzen schönen Profit nicht nur Händlern und/oder Halunken überlassen. Ich sehe die aktuellen Preise trotzdem als Bedrohung für den PC beziehungsweise das PC-Gaming – es dürfte für die Grafikkartenhersteller sehr verlockend sein, selbst bei einer deutlichen (!) Besserung der Marktlage gegenüber früheren Preisen weiterhin eine wesentlich höhere Marge einzufahren – allein schon, um die Gewinne im Rahmen und die Investoren und Shareholder zu beglücken und friedlich zu stimmen. Das einzige, was gegen solch eine Entwicklung wirklich helfen würde, ist ein Wegbrechen des Mining- und Scalper-Marktes, was allerdings die Gefahr mit sich brächte, dem GPU-Markt (und auch die Einnahmen der GPU-Hersteller und ihren Anlegern) nachträglich durch einen überquellenden Gebrauchtmarkt zu gefährden. Die andere Entwicklung wäre ein harter Konkurrenzkampf samt groß angelegten Preisschlachten – wo bleibt eigentlich Intel? (Philipp "Wall of text" Reuther)