Wieso der Testsieger auch mal auf dem letzten Platz liegen kann: Ein Kommentar von Stephan Wilke
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne berichtet ein Redakteur über ein IT-Thema, das ihn in der vergangenen Woche bewegt hat. Zum Abschluss dieser Woche äußert sich Stephan Wilke darüber, dass die für einen PC-Nutzer beste Hardware nicht immer der offizielle Testsieger sein muss.
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne berichtet ein Redakteur über ein IT-Thema, das ihn in der vergangenen Woche bewegt hat: Heute äußert sich Stephan Wilke darüber, dass dass die für einen PC-Nutzer beste Hardware nicht immer der offizielle Testsieger sein muss.
Von PC- und Videospielen kennt man sie, die großen Wertungsdiskussionen. Hat ein Spiel diese oder jene Wertung verdient? Wie fein sollte ein Wertungssystem abgestuft sein? Wie objektiv kann ein Wertungssystem sein? Kann man die Qualität eines Spiels überhaupt mit einer Zahl ausdrücken? Auch als PCGH-Redakteur wird man mit dem Thema Wertungssystem immer mal wieder konfrontiert. Im Normalfall geht es dabei aber nicht um die Wertung als solches, sondern um die Reihenfolge innerhalb einer Marktübersicht. Es gibt keine "magische 90", die sich womöglich ein Publisher für einen AAA-Titel erhofft, aber seitens eines Herstellers vielleicht die Ansicht, derzeit das beste Gehäuse, das beste Netzteil oder das beste Mainboard am Markt zu haben. Was zählt, ist dementsprechend die Platzierung in einer Marktübersicht.
Auch die Leserschaft hat die Platzierungen innerhalb einer Marktübersicht stets im Blick. Und ähnlich wie den Fachsimpeleien über Wertungen für PC-Spiele wohnt auch den Diskussionen über das Ranking in einer Marktübersicht etwas Sprengkraft inne: Wie könne es denn sein, dass das oft empfohlene und günstige RAM-Kit nur auf dem letzten Platz gelandet ist? Wieso ist der schnellste Prozessor nicht auf Platz 1? Warum holt sich ein Prozessorkühler den Testsieg, dessen Kühlleistung von manchen Konkurrenzmodellen geschlagen wird? Da wird manchmal das Wertungssystem als Ganzes infrage gestellt, wenn die Ergebnisse nicht mit den eigenen Erwartungen in Einklang zu bringen sind. Und ich sage: Das ist gut so! Nicht deshalb, weil sich das Redaktionsteam aus bestechlichen, inkompetenten Gestalten zusammensetzt, sondern weil kein Wertungssystem der Welt die eigenen Vorstellungen und Präferenzen ersetzt.
Natürlich ist es der Anspruch von PC Games Hardware, dass eine Produkt mit einer sehr guten Wertung ein möglichst ausgewogenes Produkt für PC-Spieler ist, das technisch auf der Höhe der Zeit ist und sich keine nennenswerten Schwächen leistet. Daher werden die Wertungssysteme auch aktualisiert und optimiert, wenn es die Entwicklung am Hardware-Markt erfordert. Das Produkt mit dem besten Abschneiden im Test muss aber nicht das Produkt sein, welches man sich als Utra-Silent-Fan in den PC holt, weil man vielleicht bereits beim Gedanken an hörbare Luftverwirbelungen eine - Danke Herr Scholl für diese Wortschöpfung - Gänsehautentzündung bekommt. Als Extrem-Übertakter holt man sich vielleicht gerne eine Grafikkarte, welche im Benchmarks 1 Prozent mehr Leistung verspricht, auch wenn die Leistungsaufnahme deutlich ansteigt. Und wer sein Wohnzimmer in Cremeweiß gestaltet, wird beim HTPC-Gehäuse vielleicht einen großen Bogen um ein schwarzes oder silbernes Modell machen, auch wenn es die Auswahl deutlich einschränkt.
Möglicherweise echauffiert man sich auch über einen Kühlkörper in Waffenform, hat eine grundsätzliche Abneigung gegen einen bestimmten Hersteller oder ist auf eine bestimmte seltene Schnittstelle angewiesen. Kurzum: Es gibt unzählige Gründe, einen Testsieger zu verschmähen und stattdessen zu einem anderen Produkt zu greifen. Nicht alles ist messbar oder objektiv zu bewerten. Ein Wertungssystem kann nur eine Hilfestellung sein, aber keine eigene Gewichtung ersetzen. Je weiter hinten ein Produkt in einer Marktübersicht liegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass mehrere Defizite vorliegen, an denen sich ein durchschnittlicher PC-Spieler stören wird. Wenn man sich mit diesen im Test offenbarten Nachteilen auseinandersetzt und nach gründlicher Überlegung festellt, dass es keine Nachteile sind, die im konkreten Einzelfall von Relevanz sind, dann, tja, dann kann der persönliche Testsieger auch das Produkt sein, das es nur auf den letzten Platz geschafft hat. Kurzum: Es lohnt sich einerseits, über den Bestplatzierten-Tellerrand zu schauen und sollte es andererseits nicht als Kränkung empfinden, wenn das persönliche Top-Produkt nur mittelmäßig abschneidet.
Redaktions-Kolumne
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Hierbei handelt es sich nicht zwingend um die Meinung der Redaktion, sondern um die Meinung des jeweiligen Redakteurs.

Auch bei der Bewertung würde ich eine niedrig angesetze Grenze an Ports definieren (z.B. 6 Sata 6GB/s Ports, 6 USB 3...) und wenn ein Board mehr Ports bietet diese nur im Text erwähnen
Wie ich oben schon schrieb: Harte, nachvollziehbare Wertungen erfordern echt viel Arbeit. Dazu kommt ja noch der Index, welcher regelmäßig mit frischen Treibern bestückt werden will usw. usf. Verzichtet man darauf, hat man wesentlich mehr Zeit für andere Dinge: Man macht zwar auch Benchmarks, aber eben nur soviele wie grad nötig und muss nicht zwangsweise einen festgesteckten Parcours abklappern, bei dem man außerdem von Dingen wie Steam-, Origin- und Uplay-Verfügbarkeit abhängig ist (ihr glaubt nicht, wie oft wir hier keine Verbindung bekommen - auch wenn gerade alle anderen Dienste und der Rest des Internets problemlos funktionieren).
@Redaktion: Ich würde mir wünschen, dass ihr die Boards zerlegt (Kühlkörper ab...) und schaut was für Spannungswandler, Spulen, Controller... verbaut werden
Auch bei der Bewertung würde ich eine niedrig angesetze Grenze an Ports definieren (z.B. 6 Sata 6GB/s Ports, 6 USB 3...) und wenn ein Board mehr Ports bietet diese nur im Text erwähnen
Genau wegen so Leuten wie dir verkauft PCGH-X keine Komplett-PCs mit AMD-Karten mehr, alles klar
BTT: Mir gefällt der Kommentar. Schön das jemand das Sieger-Gold auch mal unter anderem Licht sieht.
Beim Mainbord ist mir die Lüftersteuerung egal. Ich hab eine externe. Die verbaute brauche ich nicht. Beim CPU-Kühler sind mir +/- 300 UPM oder +/- 5°, OC-Eigenschaften bei Permafrost und ob es 2 oder 4 PCIE x16er-Slots hat auch herzlich egal. Ebenso der Sound (hab nen Fiio). Ein USB-Anschluss mehr wäre für mich dagegen ein Kaufgrund. Dass alle Eigenschaften in eine objektive Wertung einfließen müssen sollte jedem klar sein. Dass es sich beim Testsieger um ein gutes Produkt handelt bezweifle ich nicht. Trotzdem kaufe ich kein Mainboard für 250 Euro, wenn meine persönlichen, recht niedrigen Anforderungen auch eins für 80 Euro erfüllt, auch wenn es nur auf Platz 5 oder 10 landet.