[26/11/2021] Gaming-Headsets für 450 Euro, Konsolen für 800 Euro, Tastaturen für 600 Euro etc. … gehen mir gewaltig gegen den Strich und doch überlegt man stellenweise, wie sich das Produkt in den eigenen vier Wänden machen würde. Normalerweise, ich gebe es zu, bin ich eine dieser ständig meckernden, geizigen Krabben. Wenn einer der Kollegen von einem tollen Produkt schwärmt, höre ich gerne zu. Aber sobald der Preis genannt wird, schlage ich oftmals lauthals die Hände über den Kopf zusammen und werfe unsere Preis-Leistungs-Tipps oder Modelle von vor ein paar Jahren als Vergleich in den Ring.
Eins wird mir mit der Zeit aber klar: Das ist teils eine umgedrehte Taktik von Generaldirektor Heinrich Haffenloher. Zuerst sagt man zu Luxus-Preisen empört nein. Auch ein zweites und vielleicht sogar drittes Mal. Aber durch die immer wieder höher aufgerufenen Summen wird man so mürbe im Kopf. Die Linie von "geht ja noch, das bezahle ich gern" verschiebt sich über alle Preisklassen hinweg nach oben (man schaue etwa zu den immer teurer werdenden Mainboards). Irgendwann schlägt man ja doch in irgendeiner kostspieligeren Kategorie zu, die man vor Jahren niemals geglaubt hätte, jemals zu akzeptieren. Und dann? Dann droht man zum "Knecht" dank einer mutierten Form der Sunken-Cost-Fallacy zu werden. Schließlich hat man das Geld für das Produkt ausgegeben, weil es gut ist/gut sein muss (Buyers Bias). Die Hersteller machen ab da dann, was sie wollen. Und es funktioniert ja schließlich bei einigen Zielgruppen (gut genug). Inklusive mir. Man rutscht da schnell rein. In letzter Zeit habe ich noch keine neue Hardware für zu teuer Geld gekauft. Aber nächstes Jahr, zur CES 2025? Ich befürchte, da werde ich schwach.
Im absoluten High End können Hersteller jeden Mondpreis fordern, das ist mir egal. Wenn jemand unbedingt einen für mich lachhaften Jaguar kaufen möchte, meinetwegen. Solange es vernünftige, deutlich günstigere Alternativen gibt, die bestenfalls sogar mehr und besseres bieten. Bei den Grafikkarten kann sich Nvidia mit der Geforce RTX 5090 an der Spitze austoben. Aber es braucht günstige Angebote, sonst wird der Kreis immer elitärer, kleiner und letztlich nischig. Diese Art von Gatekeeping wünsche ich mir für den Hardware-Markt ausdrücklich nicht. Dass nicht nur der PC sich dieser Entwicklung gegenübersieht, ist letztlich auch bei Sony erkennbar. Der DualSense Edge ist ein hervorragender Controller, aber warum für über 200 Euro? Im Zweifel wird dann eben nicht gekauft. Und der Markt muss regeln ... (Richard Engel)