Der zweite Anlauf

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Der zweite Anlauf Nvidias erster Chipsatz floppte - entsprechende Platinen waren viel zu teuer. Jetzt soll mit dem Nforce2 alles anders werden.
Unglaubliche 6,4 Gigabyte Speicherbandbreite bietet Nvidias neuer Chipsatz für AMD-Prozessoren - mehr als doppelt so viel wie der aktuelle KT333 von VIA. Und das ist längst nicht alles: Der Nforce2 unterstützt AGP8X, Firewire, USB 2.0 und besitzt eine integrierte Geforce4-MX-Grafik sowie ein halbes Dutzend innovativer Features. Und doch scheint fraglich, ob der Nforce2 die Tür zum Chipsatzgeschäft für Nvidia öffnen kann. Auf dem Papier klang schon der erste Nforce gut - und floppte fürchterlich. Zu teuer waren die Chips, die Konkurrenz von VIA, Sis und Acer (Alimagik) war bis zu 50 Dollar billiger - für Chipsatz-Preise, die normalerweise zwischen 20 und 30 Dollar liegen, sind das Welten.
Die wenigen Mainboard-Hersteller, die Nforce-Platinen im Sortiment hatten, mussten die Preise senken, um das drohende Umsatz-Desaster abzuwenden. Viel zu spät präsentierte Nvidia eine Nforce-Version ohne integrierte Grafik - zwar immer noch teuer, aber wenigstens wurde der Abstand zur Konkurrenz geringer. Nur in einigen Supermarkt-PCs kam der Nforce mit integrierter, aber schwacher Grafik zum Einsatz. Mit dem Nforce2 soll jetzt alles anders werden. Zwar hütet Nvidia den genauen Chipsatz-Preis wie den heiligen Gral; doch als sicher gilt, dass der Nforce2 deutlich billiger wird als der alte Nforce. Zwischen 30 und 40 Dollar dürfte der Preis liegen. Außerdem gibt es gleich zum Start Versionen mit und ohne integrierte Grafik.
Vielversprechend klingt der Nforce2 auf dem Papier, die Feature-Liste liest sich wie ein Wunschzettel: Der Speichercontroller kann zwei Speicherkanäle überlappend ansteuern, die Bandbreite steigt mit PC400-RAM auf 6,4 GByte, zeitraubende Speicher-Latenzen werden zum Teil kaschiert. Wunder sollte trotzdem niemand erwarten - schließlich bremst spätestens der Front-Side-Bus mit einer Bandbreite von 2,1 GByte/s. Nvidia hat den Prefetch-Mechanismus in der Northbridge optimiert und mit einem "aggressiveren Algorithmus" (aus dem Datenblatt) versehen. Der DASP (Dynamic Adaptive Speculative Pre-Processor) genannte Baustein soll zusammen mit der Zweikanal-Speicherlösung vor allem im Multitasking-Betrieb Vorteile bringen.
Nvidia nennt die Northbridge mit integrierter Grafik wie gehabt "IGP" (Integrated Graphics Processor). Im Chip arbeitet ein Geforce4-MX-Grafikkern mit 250 MHz Chiptakt, der sich den Hauptspeicher mit dem Prozessor teilt. Die Northbridge-Variante ohne integrierte Grafik heißt jetzt SPP (System Platform Processor) - sie besitzt außer der Grafik alle Features des IGP und dürfte damit für Spieler wesentlich interessanter sein. Die Chips können mit einer von zwei Southbridges kombiniert werden: Der MCP-T (Media and Communications Processor - Turbo) bietet zwei LAN-Ports, Firewire onboard und den bekannten Dolby-Digital-Sound. Die Audioanschlüsse werden wie beim Nforce über eine ACR-Riser-Karte, die einer "umgedrehten" PCI-Karte gleicht, nach außen geführt. Die Riser-Karte nennt Nvidia klangvoll "Soundstorm".
Von der Southbridge gibt es außerdem eine Spar-Variante (MCP), die Sechskanal-AC97-Sound und nur einen LAN-Anschluss bietet. Beide Chips unterstützen außerdem DMA/133 und USB 2.0. Interessantes Detail am Rande: Wie beim Nforce werden Speicher, AGP und Front-Side-Bus getrennt getaktet - Nvidia fordert damit geradezu zum FSB-Overclocking auf. Unser erstes Fazit: Wenn der Preis stimmt, hat der Sockel A einen neuen Referenz-Chipsatz. Erste Boards erwarten wir von Asus und MSI spätestens im September.

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