Iiyama GB2760QSU Red Eagle im Test: Einstieg in die Königsklasse
TN-Panels, waren das nicht die Billigteile unter den Gaming-Monitoren? Richtig, das waren sie; sind es aber nicht mehr unbedingt. Mittlerweile ist die Bildqualität aktueller TN-Monitore nicht mehr ganz so schlecht wie ihr Ruf, was auch dieser Test des Iiyama GB2760QSU Red Eagle zeigen wird. Die alte einfache Bauernregel "IPS ist hui, TN ist pfui" gilt nicht mehr uneingeschränkt.
Seit Anfang letzten Jahres lassen die UHD-Monitore mit 144 Hz schon auf sich warten. Noch in diesem Quartal sollen sie kommen. Wir glauben das erst, wenn sie auch wirklich da sind und trauen keiner Ankündigung mehr. Aber selbst, wenn sie endlich erscheinen würden, bleibt WQHD mit 144 Hz der aktuelle "sweet spot" der Panel-Eigenschaften eines Gaming-Monitors. Denn was im Gegensatz zu ihrem Release-Termin ziemlich sicher ist, ist der exorbitant hohe Preis der neuen UHD-Monitore weit über 2.000 Euro. Abgesehen davon bräuchte so ein Modell auch eine entsprechend hohe Grafikleistung. Um in UHD in die Nähe dreistelliger Frameraten zu kommen, bedarf es schon einer Vega 64 oder einer GTX 1080 Ti. Es gibt also mehrere Gründe, die noch lange für eine WQHD-Auflösung sprechen werden.
Iiyama GB2760QSU Red Eagle: Ausstattung und Anschlüsse
Der Iiyama G-Master GB2760QSU Red Eagle ist ein solches Modell mit WQHD auf 27 Zoll und 144 Hz. In allen Eigenschaften scheint er damit die goldene Mitte zu treffen, selbst im Preis: Je nach Marktlage schwankt der Straßenpreis zwischen 400 und 450 Euro. Günstiger geht es mit diesen Ausstattungsmerkmalen aktuell nicht. Dementsprechend handelt es sich hier "nur" um ein TN-Panel, das im Gegensatz zu VA- oder IPS-Panels eher mit dem Preis anstatt mit Qualität punkten kann. Wie aber eingangs schon erwähnt, sind die Qualitätsunterschiede nicht mehr ganz so krass. Doch dazu an der entsprechenden Stelle mehr.
Was die Ausstattung angeht, so wirkt der rote Adler von Iiyama grundsolide und lässt nichts vermissen: Neben den aktuellen Pflicht-Buchsen HDMI 1.4 und Displayport 1.2 verfügt er auch noch über einen DVI-Eingang und bietet damit alle drei digitalen Videosignaleingänge. Über ein mitgeliefertes USB-Kabel lassen sich zwei USB-3.0-Anschlüsse am Monitor betreiben, die sich an der linken Kante befinden. Mitgeliefert werden außerdem neben obligatorischem Stromkabel ein HDMI- und ein Displayport-Kabel.
Quelle: Iiyama
Die Anschlüsse des Monitors
In der Optik wirkt der Monitor in seinem matten Schwarz schlicht aber dennoch modern. Das Design ist hier nicht allzu verspielt, wie etwa bei manch anderen Gaming-Modellen. Wie die meisten Geräte wirbt auch der Iiyama-Monitor mit einem "slim bezel", also einem dünnen Display-Rand. Bis auf den unteren Rand ist das an allen anderen drei Seiten auch der Fall: Oben, links und rechts beträgt der Abstand zwischen Rahmen und sichtbarer Display-Fläche nur circa fünf Millimeter.
Auch in der Ergonomie ist der Monitor gut ausgestattet: An der Horizontalen lässt sich der Bildschirm um fünf Grad nach unten und um ca. 20 Grad nach oben neigen, das Panel lässt sich im sog. Pivot-Modus hochkant betreiben und außerdem ist es um den Standfuß um 45 Grad nach links und rechts drehbar.
Bildergalerie
Iiyama GB2760QSU Red Eagle: On-Screen Display
Nachdem berührungsempfindliche Tasten selbst bei Iiyama zum Glück wieder ausgestorben sind, finden wir hier am unteren Rand rechts sechs Drucktaster - einen Power-Knopf und fünf für das OSD-Menü. Ein kleiner Fünf-Wege-Joystick, der mittlerweile bei vielen Monitoren vorhanden ist, wäre nochmal komfortabler gewesen. Mit den Tasten klappt es aber noch immer ganz gut, sich durchs Menü zu hangeln. Das Menü selbst wirkt etwas altbacken und unübersichtlich, lässt aber keine Funktion vermissen, die man braucht. Die Tasten selbst sind mit Schnellzugriffen belegt, etwa für die Lautstärke der internen Lautsprecher oder für den Bildsignaleingang.
8 WQHD-Gaming-Monitore mit 144 Hz im Test - Die goldene Mitte
PCGH Plus: Eine 4K/UHD-Auflösung ist noch immer auf 60 Hz beschränkt und 240 Hz gibt es nur in Full HD. Daher bieten WQHD-Gaming-Monitore mit 144 Hz einen soliden Kompromiss aus guter Pixeldichte und Bildqualität sowie geschmeidigen Bewegtbildern. PCGH testet acht Displays. Der Artikel stammt aus PC Games Hardware 04/2018.
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Wie bei vielen Modellen sind die vorkonfigurierten Bildprofile wenig nützlich, da die meisten davon die Farbqualität und den Kontrast derart versauen, dass man sich die Mühe besser selbst macht, eigene anzulegen, sofern sie zwischen Spielen oder Anwendungen überhaupt gewechselt werden sollen. Der Monitor bietet dafür drei frei programmierbare Profile.
Iiyama GB2760QSU Red Eagle: Farbqualität
Die WQHD-Auflösung mit 2.560 x 1.440 Pixeln bietet auf der Diagonalen über 27 Zoll die gute Pixeldichte von circa 109 ppi (pixel per inch). Zum Vergleich: Full HD auf 24 Zoll entspricht 91 ppi, was manch einem anspruchsvollen Gamer-Gemüt noch zu grobkörnig ist. Hier am Iiyama sind bei einem gewöhnlichen Sitzabstand jedenfalls keine einzelnen Pixel mehr zu erkennen.
Quelle: PC Games Hardware
Hohe Helligkeit und guter Kontrast für ein TN-Panel
Aktuelle TN-Modelle sind durchaus besser geworden, wie wir auch hier messen konnten: Der Monitor hat mit über 450 cd/m² eine relativ hohe Maximalhelligkeit. Viele schaffen höchstens ca. 300 cd/m² - in der alltäglichen Praxis eines nicht allzu hellen Raumes ist aber selbst das noch zu hell, meist reichen 150 bis 200 cd/m². Daher ist eher die Minimalhelligkeit viel wichtiger, damit der Monitor etwa am Abend bei wenig Licht nicht zu sehr blendet. Hier geht der Red Eagle bis ca. 125 cd/m² herunter, was unter Umständen noch zu hoch, also für den Nachtmodus zu hell sein kann. Hier müsste man sich softwareseitig mit einem Nachtmodus von Windows oder anderen Tools behelfen.
TN-Panels sind als Schrott verschrien, da IPS eine deutlich bessere Farbqualität und höhere Blickwinkelstabilität aufweisen. Der GB2760QSU von Iiyama beweist aber einmal mehr, dass der Ruf mittlerweile schlechter ist als die Panels selbst. Ein Grund, warum TN-Panels oft als subjektiv schlecht(er) empfunden wurden, ist der lausige Schwarzwert und Kontrast. Der Red Eagle aber übertrifft leicht die 1.000:1 - IPS-Panels sind hier nicht unbedingt besser. Nur VA-Panels können technisch bedingt ein tieferes Schwarz bieten und kommen auf Kontrastwerte über 2.000:1. Die Blickwinkelstabilität des hier verbauten Panels ist bei weitem nicht mehr so schlecht wie man es von älteren Panels her kennt: Auf der Horizontalen bekommt das Bild erst ab ca. 45 Grad einen sichtbaren Gelbstich. Auf der Vertikalen ist es nicht ganz so stabil und invertiert bzw. blendet recht schnell auf. Meist sitzt man aber ohnehin direkt davor, sodass das die geringe Blickwinkelstabilität nicht so stark ins Gewicht fällt - in unserer Testwertung übrigens gar nicht.
Die Farbtreue fällt mit einem Delta-E-2000-Wert von durchschnittlich 4,6 recht durchschnittlich aus - im Werkszustand ist kein Farbstich erkennbar. Leider kann das Panel nativ nur eine Farbtiefe von 6 Bit darstellen und nutzt Framerate Control (FRC), um die 16,7 Mio. Farben der 8-Bit-Tiefe darzustellen. Wer keine professionellen Grafikarbeiten vornimmt, dem kann das an sich egal sein. Dennoch ist im direkten Vergleich eines Panels mit nativen 8 Bit ein Qualitätsunterschied noch sichtbar.
Iiyama GB2760QSU Red Eagle: Reaktionszeit und Overdrive
Die Reaktionszeit ist ein Indikator für Schlieren bei Bewegungen. Hier darf man sich aber nicht auf den Wert im Datenblatt verlassen, denn die berühmte eine Millisekunde ist nur der Bestwert eines (!) Grauwechsels. Tatsächlich aber fällt die Reaktionszeit bei anderen Farbwechseln unterschiedlich aus, auch wenn sie nicht unbedingt stark variiert, liegt sie in Durchschnitt unserer Messungen von insgesamt 20 Farbwechsel bei nur 4,1 ms. Das ist relativ wenig und beschert dem Display bei Bewegungen ein nahezu schlierenfreies Bild, was man auch von einem schnellen Gaming-Monitor erwartet.
Der Iiyama-Monitor hat ein fünfstufiges Overdrive. Standardmäßig ist die mittlere, drittstärkste Stufe aktiv, bei der aber noch ein leichtes Ghosting auftritt. Komischerweise ist das Overdrive im Menü zwischen -2 und 2 unterteilt. Den bestmöglichen Kompromiss aus Schlieren und Ghosting bietet die Stufe -1, also ein Niveau darunter. Wir messen die Reaktionszeit nur in dieser Stufe mit bester Bildqualität, so wie sie auch in der Praxis zum Einsatz kommen würde.
Nun gibt es auch IPS-Panels mit gleicher Auflösung und Bildwiederholrate, deren Reaktionszeit ähnlich niedrig oder nicht unbedingt wesentlich höher ist. Diese Modelle sind aber auch deutlich teurer. Die einzige Ausnahme ist der Acer XF270HUA, welcher als IPS-Monitor mit durchschnittlich 7,2 ms ähnlich schlierenarm, aber nicht teurer ist als der rote Adler von Iiyama.
Iiyama GB2760QSU Red Eagle: Input Lag
Wir messen den Input Lag stets mit dem Leo-Bodnar-Kästchen, der hier am GB2760QSU die recht geringe Signalverzögerung von 14,3 Millisekunden ermittelt. Der Wert ist mit Vorsicht zu genießen, da das Gerät den Wert in Full-HD-Auflösung am HDMI Ausgang misst. Sowohl der Grafikausgang als auch die Interpolation können den Wert hier beeinflussen. Andere Methoden, wie etwa der CRT-Vergleich, sind deutlich aufwändiger aber nicht unbedingt genauer oder aussagekräftiger. Unser Wert ist daher lediglich mit den von uns bisher gemessenen Ergebnissen vergleichbar und nicht etwa mit denen anderer Medien.
Iiyama GB2760QSU Red Eagle: Fazit
TN ist Schrott? Schon lange nicht mehr. Die Technik ist wie alter Wein, der mit den Jahren langsam aber sicher immer besser wird. Andere TN-Modelle, wie etwa ein Asus PG27VQ beweisen, dass TN mittlerweile native 8 Bit kann und die Farbqualität eines IPS-Modells bietet. Zusammen mit der TN-typischen niedrigen Reaktionszeit ist der Asus aktuell die eierlegende Wollmilchsau in dieser Klasse - mit gut 750 Euro aber auch fast doppelt so teuer wie der Red Eagle von Iiyama.
Das Preis-Leistungsverhältnis ist bei den aktuell ca. 420 Euro sicherlich nicht schlecht, wird aber stellenweise von der Konkurrenz überboten: Der Viewsonic XG2730 etwa ist nahezu identisch in Ausstattung, Preis und Leistung, verfügt aber über eine native Farbtiefe von 8 Bit und ist damit etwas besser. Ebenso der Acer XF270HUA, der zum gleichen Preis schon ein IPS-Panel bietet. Der einzige Grund, diesen nicht dem Iiyama vorzuziehen, wäre die sogenannte Panel-Lotterie. Unter IPS-Panel schwankt die Qualität fertigungsbedingt stärker als etwa bei VA- oder TN-Panel. Wer also beim Monitorkauf kein Retoure-Abenteuer eingehen möchte, greift also zu solch einen und hat oft schon beim ersten Kauf seine Ruhe.
| Produktname | G-Master GB2760QSU-B1 Red Eagle |
|---|---|
| Hersteller | Iiyama |
| Preis/Preis-Leistungs-Verhältnis | Ca. € 420,-/befriedigend |
| PCGH-Preisvergleich | www.pcgh.de/preis/1635009 |
| Ausstattung (20 %) | 1,63 |
| Anschlüsse | 1× HDMI 1.4, 1× DisplayPort 1.2, 1× DVI, 2× USB-A 3.0 |
| Max. Auflösung/Pixeldichte | 2.560 × 1.440/108,8 ppi |
| Panel-Typ/Diagonale | TN/66,2 cm |
| Netzteil/Vesa-Halterung | Intern/100 x 100 (belegt) |
| Gewicht/Maße (inkl. Standfuß) | 6,4 kg kg/62 cm × 40 cm × 23 cm |
| Pivot 90 Grad/neigbar/höhenverst. | Ja/+22°/-5°/13 cm |
| Garantie | 3 Jahre |
| Sonstiges/Zubehör | Lautsprecher (2x 2W) |
| Eigenschaften (20 %) | 1,89 |
| Betrachtungswinkel horizontal/vertikal | 170/160 Grad |
| Bildwiederholrate/VRR | 48-144 Hz/Freesync |
| Farbtiefe/Farben | 6 Bit+FRC/16,7 Mio. Farben |
| Kontrastverhältnis/Schwarzwert | 1030:1/0,4 cd/m² |
| Max. Leistungsaufnahme/Stand-by | 38,4 Watt/0,2 Watt |
| Leistung (60 %) | 1,68 |
| Input Lag | 13,4 ms |
| Farbabweichungen (ø Delta E 2000) | 4,6 |
| ø Reaktionszeit (Min.-Max.) | 4,1 ms (0,6-16,5 ms) |
| Max. Helligkeit, Abweichungen | 451,4 cd/m², Bis 6 % |
| Schlieren-/Korona-Bildung | wenig/wenig |
| Endnote | 1,71 |
| + | Guter Kontrast für TN |
| + | Kurze Reaktionszeit |
| - | Nur 6 Bit Farbtiefe |

Bei mir ist Overdrive nicht aktivierbar, warum?
Zitat:
Der Iiyama-Monitor hat ein fünfstufiges Overdrive. Standardmäßig ist die mittlere, drittstärkste Stufe aktiv, bei der aber noch ein leichtes Ghosting auftritt. Komischerweise ist das Overdrive im Menü zwischen -2 und 2 unterteilt. Den bestmöglichen Kompromiss aus Schlieren und Ghosting bietet die Stufe -1, also ein Niveau darunter. Wir messen die Reaktionszeit nur in dieser Stufe mit bester Bildqualität, so wie sie auch in der Praxis zum Einsatz kommen würde.
Evtl. grätscht bei dir eine andere Einstellung rein. Was du immer machen kannst, ist den Monitor auf Werkseinstellung zurückzusetzen um das auszuschließen.
Moin
Bei mir ist Overdrive nicht aktivierbar, warum?
Jetzt schon Flamewars IPS vs TN? Und manche behaupten Religionskriege wären lächerlich.
Wenn hier jemand behauptet, dass alle TN-Panels bei minimalem Winkelabweichen total verfälschen, kann er das doch, ich empfinde es nicht so und mir sind die schnellen Reaktionszeiten von TN wichtiger. Und Pech haben kann man mit allen Paneltypen, Wahrscheinlichkeit mit niedrigem Preis steigend.
Ist es wirklich notwendg, in einem professionellen Artikel eines professionellen PC Magazines, solche primitiven Ausdrücke zu lesen?
Zitat: "Wie aber eingangs schon erwähnt, sind die Qualitätsunterschiede nicht mehr ganz so krass."
Eine Definition lautet: "so, dass zwischen zwei Dingen eine heftige Opposition besteht." Und genau das sollte hier ausgedrückt werden. (Ist zwar nur die Definition von Google und nicht aus dem Duden, aber in heutiger Zeit kann man wohl davon ausgehen, dass Google häufiger als der Duden befragt wird.)
Zum Monitor selbst:
Schön das TN nicht tot ist. WQHD auf 27' ist sowieso der Golden Standard. Mit FreeSync kann ich aber, wie so viele, rein gar nichts anfangen. Mein 27' WQHD (60Hz) hat schon 5-6 Jahre auf dem Buckel. Aber 'nur' für mehr Hz (selbst bei passendem GSync) ist ein Wechsel nicht lohnend, da wird der wohl noch ins zweistellige Alter kommen.
Mindestens 32'-34', am liebsten ein breites Format, Auflösung 4K und 120Hz+ mit GSync. Vielleicht noch HDR, wenn das unkomplizierter als heutzutage am PC funktioniert. Dann wird gewechselt. 4K ist zwar auch für meine GTX1080 happig, aber darum ist ja GSync mit dabei. Und Monitore leben ja länger als Grafikkarten, siehe oben.
Weil es mir in letzter Zeit bei diversen Artikeln schon recht zahlreich aufgefallen ist, möchte ich eine Frage stellen.
Ist es wirklich notwendg, in einem professionellen Artikel eines professionellen PC Magazines, solche primitiven Ausdrücke zu lesen?
Zitat: "Wie aber eingangs schon erwähnt, sind die Qualitätsunterschiede nicht mehr ganz so krass."