360-Hz-Display im "Eyes-on": Warum das Ganze nicht sinnlos ist und es keine zu hohe Bildfrequenz gibt

Wer noch immer meint, dass für 360 Hz auch 360 Fps notwendig sind, das Ganze ja nur Marketing-Gewäsch ist oder das Auge sowieso nur 24 Fps sieht, geht Mythen auf dem Leim. Ich habe mir die neue Nonplusultra-Bildwiederholrate angesehen, sehe auch als Non-Pro-Gamer einen Unterschied und möchte bei der Gelegenheit mit Halbwahrheiten aufräumen. Ein Artikel von Manuel Christa.

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360-Hz-Display im "Eyes-on": Warum das Ganze nicht sinnlos ist und es keine zu hohe Bildfrequenz gibt
Quelle: PC Games Hardware

Da Nvidia auf der diesjährigen CES in Las Vegas keine Pressekonferenz mit Galionsfigur und CEO Jensen Huang angesetzt hat, war klar, dass wir von "den Grünen" keine großen Neuigkeiten zum Jahresanfang erwarten können. Ganz leer kommt Nvidia dennoch nicht zur Messe und kündigt neue G-Sync-Displays mit bis zu 360 Hz an. Asus soll als erster Monitor-Hersteller das Panel verwenden, daher zeigen die Asiaten auch den ersten Monitor mit der bislang höchsten Bildwiederholrate. Sowohl am Asus-Stand als auch in der Nvidia-Suite habe ich mir den Vergleich mit der neuen Blurbuster-Demo angesehen. Bislang wissen wir, dass es sich beim Panel um einen Auftrag von Nvidia beim Hersteller AU Optronics handelt, der mit TN-Technik arbeitet sowie eine Full-HD-Auflösung bietet.

Die große Frage: 360 Hz - was bringts?

Wenig. Ja, eine hohe Bildwiederholrate bietet ein geschmeidigeres, schärferes und damit flüssigeres Bewegtbild. Während der Unterschied zwischen 60 und 120 Hz noch gewaltig und von jedem Maulwurf wahrnehmbar ist, steigt zugegebenermaßen der Geilheitsgrad nicht mehr unbedingt direkt proportional mit der Frequenz. Zwischen 144 Hz und 240 Hz ist zwar noch ein Unterschied sichtbar, wenn auch ein kleiner. Im direkten Vergleich zwischen 240 Hz und 360 Hz konnte ich aber im Direktvergleich zunächst keinen Unterschied wahrnehmen. Erst als der Produktmanager meinte, ich sollte beim vorbeifliegenden Screenshot auf die Schrift achten, habe ich einen Hauch mehr Schärfe erkennen können. Okay, ganz sinnlos ist das Ganze also nicht, denke ich.
360 Hz im 'Eyes-on': Warum das Ganze nicht sinnlos ist und es keine zu hohe Bildfrequenz gibt (1) Quelle: PC Games Hardware 360 Hz im "Eyes-on": Warum das Ganze nicht sinnlos ist und es keine zu hohe Bildfrequenz gibt (1)

Die nächste große Frage: Wer braucht's?

Wer nun versucht ist, sich künstlich über die 24 Zoll, TN oder Full HD aufzuregen, dem sei gleich jetzt schon gesagt, dass es sich wie bei den ersten Panels mit 240 Hz um Nischenmodelle für E-Sport handelt. Dort zählt Geschwindigkeit über alles. Eine hohe Bildfrequenz (samt hoher Fps) geht mit nicht nur mit einer höheren Bewegtbildschärfe einher, sondern auch mit einem niedrigeren Input Lag. Der Vorteil ist zwar nur homöopathisch gering, kann aber im Wettbewerb entscheidend sein.

Natürlich ist das kein Panel für den Mainstream. Ambitionierte PC-Spieler fahren mit einem Kompromiss aus höherer Auflösung, höherer Bildschirmdiagonale und noch immer ziemlich hohen 144-Hz-Frequenz weitaus besser. So ist die WQHD-Auflösung samt 27 Zoll und 144 Hz noch immer der aktuelle Sweet Spot.

Sicherlich werden selbst viele Adleraugen nicht den Unterschied zwischen 240 Hz und 360 Hz feststellen. Der Mehrwert ist aber nicht mehr unbedingt nur visuell, denn prinzipiell spielt man wegen geringerem Input Lag und hoher Bildfrequenz auch besser. Das möchte Nvidia in Studien mit E-Sport-Zentren herausgefunden haben. Mir werden auf der CES dabei absolute Ergebnisse genannt von etwa einer bis zu(!) 30 prozentigen besseren Trefferquote mit 360 Hz. Da es sich aber nur um Quasi-Stichproben handelt, halte ich von solchen Quantifizierungen nichts. 360 Hz im 'Eyes-on': Warum das Ganze nicht sinnlos ist und es keine zu hohe Bildfrequenz gibt (3) Quelle: PC Games Hardware 360 Hz im "Eyes-on": Warum das Ganze nicht sinnlos ist und es keine zu hohe Bildfrequenz gibt (3)

Sterbt endlich aus, ihr Mythen!

Dass das Auge mehr als 24 Fps sieht, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Richtig ist: Der Frequenzbereich, ab wann wir eine Bildfolge als flüssig erachten, ist variabel. Der ist etwa von Mensch zu Mensch unterschiedlich, aber auch vom Kontrast. Ist dieser gering, können wir schon in niedrigen Frequenzen um die 24 Fps eine flüssige Bewegung wahrnehmen, aber je nachdem auch noch bis etwa 100 Fps/Hz ein Ruckeln. Unser Auge arbeitet eben analog und kann grundsätzlich auch höhere Frequenzunterschiede weit jenseits der 100 Hz wahrnehmen. Eine eindeutige oder gar feste obere Flimmergrenze gibt es daher nicht und ist einfach individuell.

Mehr Hertz ist immer besser. Ja, immer. Man braucht keine 360 Fps, um Vorteile durch die 360 Hz zu haben. Diese Rückschlüsse à la "Mir reicht 60 Hz, weil ich nur mit 60 Fps spiele", sind schlicht falsch: Eine höhere Frequenz sorgt für kürzeres Tearing. Mit beispielsweise 60 Fps und 120 Hz sind die Bildrisse zwar noch immer genauso breit wie bei 60 Fps und Hz, wegen der schnelleren Bildaktualisierung sind die Risse aber kürzer sichtbar. Davon abgesehen spielt man nur selten ein einziges Spiel. Das eigene System liefert in anderen Spielen womöglich höhere Bildraten, daher ist es umso besser, wenn man mit dem Monitor für diese auch gerüstet ist. Außerdem überlebt ja ein Monitor mitunter mehrere Grafikkartenwechsel.

Wozu noch G-Sync bei 360 Hz?

360 Hz im 'Eyes-on': Warum das Ganze nicht sinnlos ist und es keine zu hohe Bildfrequenz gibt (2) Quelle: PC Games Hardware 360 Hz im "Eyes-on": Warum das Ganze nicht sinnlos ist und es keine zu hohe Bildfrequenz gibt (2) Es ist grundsätzlich richtig, dass das Tearing mit steigenden Fps (und Hz) geringer wird, aber ebenso, dass das Tearing nicht komplett verschwindet, solange Bildrate der Grafikkarte und Bildwiederholrate des Monitors nicht synchron laufen. Die Grenze, wann Tearing überhaupt noch stört, ist ziemlich individuell. Nun bin ich selbst großer Fan von Freesync und G-Sync, nutze es selbst seit Jahren und bin daher ein komplett rissfreies Spielerlebnis gewohnt. Das "Problem" einer Bildverbesserung ist oft, dass man nicht zurück kann, wenn man sie einmal erlebt hat. So geht es vielen beim Umstieg vom 60-Hz- auf einen 120-Hz-Monitor. Mir ging es genauso beim Umstieg auf G-Sync. Selbst bei 240 Fps/Hz sehe ich in den Monitortests leicht zappelnde Kanten, die den E-Sportler oder dem, der kein Sync gewohnt ist, womöglich nicht auffällt oder einfach nicht stören.

E-Sportler spielen stets mit offener, asynchroner Bildrate, aber nur wegen einer aus meiner Sicht unbegründeten Sorge vor mehr Lag. Klar gibt es mit G-/Freesync einen Puffer, der das Bild solange zurückhält, bis der aktuelle Bildaufbau des Monitors vollendet ist und der nächste beginnt. Jedoch hat man kaum bis keinen Vorteil, einen Teil des Bildes schon wenige Microsekunden eher zu sehen. Bei 240 Hz aktualisiert ein Monitor alle 4,17 Millisekunden (= 1/240 s) das Bild. Bei 360 Hz sind es nur noch 2,8 Millisekunden. So hoch wäre theoretisch(!) der maximale Lag durch G-Sync. Praxisnähere Messungen, etwa seitens Blurbusters, kommen auf niedrigere Ergebnisse, was auch logisch ist. Ein Lag per Free-/G-Sync ist also irrelevant gering, selbst für E-Sportler. Davon abgesehen können ja auch zappelnde Kanten wegen Tearing ablenken oder anders gesagt: Ein geschmeidiges, rissfreies Bild sorgt immer für ein besseres Spielerlebnis.

Vom Lag abgesehen ist man mit dynamischer Bildwiederholrate auch für niedrige Frameraten besser gerüstet. Ein Non-Profi-Gamer spielt ja selbst mit einem Hochfrequenz-Monitor nicht immer mit Fps-Rate am Hz-Limit.

360 Hz: Ich bin gespannt auf den Blindtest

Sowohl Asus also auch Nvidia haben bei ihren Demos die Hz an den Monitoren eingeblendet. Ich hätte mir gewünscht, dass sie die Besucher zunächst hätten raten lassen, welcher Monitor mit 360 Hz läuft. Darauf hat man wohl verzichtet, weil der Unterschied zwischen 240 und 360 Hz wie schon erwähnt wirklich gering ist und die meisten Non-Gamer unter den Besuchern, wie zunächst ich, auch keinen Unterschied gesehen hätten. Ich bin daher umso mehr gespannt auf Testmuster bei uns im Büro. Dort werden wir wie auch schon bei den 240ern einen Blindtest mit dem ganzen Verlag durchführen und lassen vom Fps-Adlerauge bis zur Sekretärin jeden raten, welches Bild denn flüssiger ist.

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    • Kommentare (77)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von RtZk Lötkolbengott/-göttin
        AW: 360 Hz im "Eyes-on": Warum das Ganze nicht sinnlos ist und es keine zu hohe Bildfrequenz gibt

        Kein 4k oder höher, kein OLED oder Micro LED, nein danke.
        Ich bin kein Pro Gamer und werde auch mit einem 360hz Display sicherlich keiner werden.
      • Von RtZk Lötkolbengott/-göttin
        AW: 360 Hz im "Eyes-on": Warum das Ganze nicht sinnlos ist und es keine zu hohe Bildfrequenz gibt

        Kein 4k oder höher, kein OLED oder Micro LED, nein danke.
        Ich bin kein Pro Gamer und werde auch mit einem 360hz Display sicherlich keiner werden.
      • Von BxBender Volt-Modder(in)
        AW: 360 Hz im "Eyes-on": Warum das Ganze nicht sinnlos ist und es keine zu hohe Bildfrequenz gibt

        Zitat von Sortegon
        Warum ist auf den Ufo-Bildern der Unterschied zwischen 120hz u. 144hz denn so gewaltig?
        Zwichen 144 u. 240hz wirkt der SChärfezugewinn doch eher gering im Vergleich dazu.
        Interessant wäre zu dem Thema noch wie sich unterschiedliche Bildschirmtechnolgien verhalten, die SChaltzeiten bei Oled sind ja deutlich geringer, CRT baut das Bild zeilenweise auf, was wieder andere Vor- und Nachteile bringt, das Einfügen von Schwarzbildern (BFI) kann auch die Schärfe steigern usw.
        Das liegt wohl mit am Bildschirm.
        Der muss ja nicht bei jeder Frequenz gleichgut arbeiten müssen.
        Die weitere Verbesserung sieht man dann aber auch noch ganz gut an der Darstellung der "Beine".
        Aber es stimtm schon, die Verbesserung von 120 auf 144 ist optisch viel mehr als von 144 auf 240.
        Vielleicht ist da eine Angabe falsch und es sollte 165hz sein? Keine Ahnung.
        Es soll ja auch nur die Einzelschritte aufzeigen, damit auch Ungläubige bekehrt werden.
      • Von EPBAPA
        AW: 360 Hz im "Eyes-on": Warum das Ganze nicht sinnlos ist und es keine zu hohe Bildfrequenz gibt

        Es kommt mir ein bisschen arg enthusiastisch herüber... Es stimmt natürlich, dass man deutlich mehr als 24 Hz wahrnimmt und dass auch 1.000 Hz noch flüssiger aussehen werden als 500.

        Aber das ist ja nur die Theorie. In einem Monitor kommt es auch darau an, dass die Kristalle, durch die die Pixel dargestellt werden, schnell genug umgepolt werden können, damit man auch etwas davon hat. Sonst bekommt man die reinste Blur-Party. Auch die Fotos sind nicht mit einer Kameraeinstellung gemacht worden, die schnell genug fotografiert hat.

        Die meisten Monitore sind leider für ihre hohen Frequenzen von 120Hz und mehr zu langsam, bzw. es sind dann, wie hier, nur TN-Panels.

        Ein 144Hz-Monitor, der sämtliche Farben in 6ms gewechselt bekommt, und ein anständiges IPS- oder VA-Panel hat, wird mit Sicherheit den meisten Leuten deutlich besser gefallen, als ein 360Hz TN-Panel.
        Zumal G-Sync ja nichts nützliches ist (um auf das konkret dargestellte Modell einzugehen). Man braucht ein Modul, das Strom verbraucht, für etwas, das jeder Monitor mit einem HDMI 2.1-Interface sowieso können muss und die überwiegende Mehrzahl an Gaming-Monitoren völlig kostenlos kann(FreeSync). Eigentlich also ein klares Argument gegen das Gerät, da viel Geld in nutzlose Features geflossen sind...
      • Von PCGH_Manu Software-Overclocker(in)
        AW: 360 Hz im "Eyes-on": Warum das Ganze nicht sinnlos ist und es keine zu hohe Bildfrequenz gibt

        Weil es schwierig ist, in Bewegung zu fotografieren und es allein schon deswegen immer etwas Varianz drin ist. Der Schärfezugewinn steigt direkt proportional mit den Bildern pro Sekunde. Die Reaktionszeiten sind eher für die Schlieren, also den Schweif des Ufos verantwortlich. Um dein Beispiel aufzugreifen: Ein OLED mit 60 Hz hätte wegen seinen 0,1 ms keine Schlieren, wäre aber nicht schärfer als ein LCD. Mit Schwarzbildern haste quasi die ultimative Schärfe. Viele LCDs, also fast alles außer TN, haben wegen der relativ langen Reaktionszeit dennoch einen leichtes Ghosting. Ich glaube, habe ein entsprechendes UFO-Bild im aktuellen Heft im 240-Hz-Artikel, wenn mich nicht alles täuscht. Der ist noch nicht im aktuellen PCGH-Plus online. Ein LCD baut wie ein CRT das Bild zeilenweise auf, da sind beide Techniken gleich.
      • Von Sortegon PC-Selbstbauer(in)
        AW: 360 Hz im "Eyes-on": Warum das Ganze nicht sinnlos ist und es keine zu hohe Bildfrequenz gibt

        Warum ist auf den Ufo-Bildern der Unterschied zwischen 120hz u. 144hz denn so gewaltig?
        Zwichen 144 u. 240hz wirkt der SChärfezugewinn doch eher gering im Vergleich dazu.
        Interessant wäre zu dem Thema noch wie sich unterschiedliche Bildschirmtechnolgien verhalten, die SChaltzeiten bei Oled sind ja deutlich geringer, CRT baut das Bild zeilenweise auf, was wieder andere Vor- und Nachteile bringt, das Einfügen von Schwarzbildern (BFI) kann auch die Schärfe steigern usw.
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